juliane7 hat geschrieben: dass ich vor allem mit mir selber klar kommen muss, in mir selbst endlich zu Hause sein will und nicht mehr der Anerkennung hinterlaufen will.
Liebe Caira, liebe Juliane
herzlichen Dank für Eure Beiträge, zu denen ich das Bedürfnis verspüre, ein bißchen was zu schreiben...
Den obigen Satz, der sich voll mit meiner Erfahrung deckt, mußte ich einfach kopieren, aber auch das Übrige, was ihr beide geschrieben habt, bringt vieles auf den Punkt.
Nun einige eigene Eindrücke:
-
Dass die Anrede offiziell korrekt wurde, bedeutete mir sehr viel. Zunächst war ich hier auf das Wohlwollen von Freunden und netten Menschen angewiesen. Nachdem die NÄ erfolgt war, hielt sich die Umgebung meist daran. Dazu kommt der Beruf: Nicht nur beim Arzt werde ich als "Frau..." aufgerufen, an jedem Arbeitstag werde ich zahllose Male so angesprochen. Im Klassenbuch, der Klassenliste und an zahlreichen Stellen in der Schule steht "Frau..." . Im Jahresbericht stand, wie bei allen anderen neuen Kollegen ein Beitrag(incl. Bild) von mir, wo sich die neue Kollegin vorstellte... Zu Beginn löste jede Anrede bei mir Freude und einen Adrenalinstoß aus. Jetzt, vier Jahre später, ist es nicht mehr so stark, freut mich aber immer noch und bewirkt, dass ich im tiefsten Innern ungeheuer zufrieden bin. Wenn irgendwo heute der Begriff Transe fällt (
Ist ja gar nicht so falsch), verkrafte ich es leicht und selbst die Nennung des alten Namens fällt bei obigem Alltag nicht ins Gewicht. Für die PÄ gilt ähnliches.
(Ohne das BVG (11. 1. 2011) hätte ich es wahrscheinlich bald nicht mehr ausgehalten. Die GAOP hatte ich bereits für 2013 vorgesehen, obwohl das bei mir wahrscheinlich die erneute Zwangspensionierung / den vorzeitigen Ruhestand bedeutet hätte.- So schaffe ich es voraussichtlich, bis zur Pensionierung damit zu warten.)
Gestern schickte ich, als ich wieder mal einen Katalog unter dem alten Männernamen erhielt, es zurück mit der Erläuterung: "Der Herr ... wohnt hier nicht!" Reicht eigentlich oder
-
Stimme und Passing: Natürlich bemühe ich mich, dass ich sinnvoll und korrrekt gekleidet bin. Die Stimmtherapie nahm ich nach kurzer Unterbrechung 2012 wieder auf. Meine Stimmbandoperation 2003 (aufgrund einer einschlägigen Erkrankung) machte danach ohnehin zunächst eine Sprachtherapie erforderlich. Wenn ich nicht vorsichtig bin, tritt die Leukoplakie erneut auf. Daher verfolge ich mit der Stimmtherapie stets
zwei Ziele. Natürlich freue ich mich aber, wenn ich stimmlich als
weiblich wahrgenommen werde, was mir allerdings oft nicht richtig gelingt. Aber ich habe den Eindruck, dass es sich unter dem Einfluß der Hormone(!) und der Therape kontinuierlich bessert. Leider bin & war ich nie besonders musikalisch begabt, so wie Du Ciara. Gratuliere, so hast Du es leichter.
- Entscheidend ist für mich, dass ich weiß, wer ich bin. - Über Anerkennung freu ich mich sehr. - Anerkennung ist schön, aber nicht das Wesentliche, wie Du es, Juliane, so perfekt formulierst.
Liebe Grüße an Euch beide und alle andern, die mitlesen
ab
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz