Suizid - ein Tabuthema mal ausgesprochen
Suizid - ein Tabuthema mal ausgesprochen - # 2

Lebensplanung, Standorte

Hattet ihr schon einmal Suizidgedanken?

Ja, ich war deswegen schon in Behandlung
14
16%
Ja, aber ich schaffe es doch noch jedes Mal die Kurve
38
43%
Nein, noch nie
37
42%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 89

Salmacis
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 16 im Thema

Beitrag von Salmacis »

darialena hat geschrieben:
Ich habe seit 7 Jahren eine liebevolle Partnerin, die mich unterstützut und alles über mich weiß.


Einspruch Euer Ehren: Wie kann Deine Partnerin alles über Dich wissen, wenn Du an anderer Stelle im Forum sagst, Du seist nicht geoutet? Wie geht das zusammen? Was denn nun?
Sie weiß über mein Crossdressing bescheid. Geoutet bedeutet für mich öffentlich.
Marlene
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 17 im Thema

Beitrag von Marlene »

Guten Morgen,
ich sehe es wie Heidi und für mich war diese Zeit meine schlimmste bisher und wer so etwas schon mal mitgemacht hat, weiß es anders zu beurteilen, als wie es dargestellt wird. Jeder Tag, ja jede Stunde ist in solch einer Situation ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Die Zeit unendlich lang.
Und wer es schafft aus diesem unendlich langen Tunnel wieder herauszufahren, kann sich glücklich schätzen. Wer nicht...

Diskutiert dann mal weiter.

V.G. Marlene
Anne-Mette
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,


Ich denke, dass viele hier auch eine geballte Lebenserfahrung haben und nicht nur rumlabern.
Natürlich sind die Erfahrungen sehr unterschiedlich, was die "letzte Entscheidung" angeht.
Hört doch bitte auf. Der Unterschied zwischen "einem Gedanken an Suizid" und dem ausgeführten Suizid-Versuch ist so groß, wie der Atlantik breit ist.
Hier schreiben Leute, die von der Sache soviel Ahnung haben, wie eine Kuh vom Eisschnellauf.
Das tut weh.
Solange wir auf unserem Niveau diskutieren wird es überwiegend bei allgemeinen Erfahrungen und Gedanken bleiben.
Wenn man richtig an das Thema ran will, dann muss man sich mit Grundlagen der Suizidforschung befassen.
Ansonsten können wir es nur bei persönlichen Meinungen und Gedanken belassen.

Bitte nicht gleich die Hasskappe aufsetzen, wenn andere Meinungen vielleicht etwas holprig rüberkommen; das zeigt auch ein wenig die Hilflosigkeit, mit dem eigentlichen Tabuthema "Suizid" umzugehen.
Ich finde es schon gut, dass sich so viele daran beteiligen. Meistens bekommt man höchstens zur Antwort: "ich doch nicht".

Gruß
Anne-Mette
exuser-23-02-2013

Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 19 im Thema

Beitrag von exuser-23-02-2013 »

Und noch eine kleine Ergänzung:

Die Frage des Themas lautet "Hattet ihr schon einmal Suizidgedanken?" und nicht, ob man selbigen schon einmal (ernsthaft) versucht hat. Es wäre daher sicher hilfreich, wenn alle die "lesen - denken - posten" beachten würden.
Anne-Mette
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 20 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Hintergrundinformationen, Seiten, Anlaufstellen:

Deutsche Depressionshilfe
- Nachfolge des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/


Suizidprävention
http://www.suizidpraevention-deutschlan ... itung.html

AGUS — Angehörige um Suizid e.V. ist die bundesweite Selbsthilfeorganisation für Trauernde, die einen nahe stehenden Menschen durch Suizid verloren haben:
http://www.agus-selbsthilfe.de/

TelefonSeelsorge
Anonym. Kompetent. Rund um die Uhr.
0800/111 0 111 -· 0800/111 0 222
Die Deutsche Telekom ist Partner der TelefonSeelsorge. Ihr Anruf ist kostenfrei.

Wird ergänzt.
Gruß
CPG
Salmacis
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 21 im Thema

Beitrag von Salmacis »

cpg hat geschrieben:Moin,
Wie du siehst, habe ich eigentlich keinen Grund zu klagen, warum tu ich es dann?
... und "uneigentlich" ???

Das habe ich immer meinen Neffen gefragt, wenn er mir auf meine Frage nach seinem Befinden "eigentlich gut" sagte.

Ich habe gerade einen Artikel in "Psychologie heute" gelesen. Da ging es um Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Das Thema "Suizid" wurde auch angesprochen. Kann es sein, dass Du gerade in einer depressiven Phase bist?
Hm ich weiß nicht. Mit 28 sollte man doch eigentlich keine Phasen mehr durch leben oder?
cpg hat geschrieben:
Teilweise sehe ich mich selbst als Abschaum, Dreck unterm Nagel der Gesellschaft.
Kannst Du das selbst irgendwie erklären?
Nein, leider nicht. Nicht wirklich. Es ist als ob ich einfach nirgendwo hin passe. Meine Gesprächsthemen nicht in den kreis gehören, meine Interessen nicht die der Mehrheit sind, mein Ansichten nicht nachvollzogen, geschweige denn verstanden werden können.

PS: An alle die jetzt hier anfangen sich anzumotzen, bitte bitte bitte lasst das. Es gibt einfach Menschen, die mit diesem Thema nicht so taburisiert oder vermeindlich sensibel umgehen wie andere. Das ist auch gut so. Klar, ich halte auch nix von Sätzen wie "Es gibt immer irgendwie einen Ausweg", aber das ist eben ein Forum, jedem seine Meinung :)
Diskutiert bitte weiter wie wir es von allen gewohgnt sind, wie Erwachsene :)
Anne-Mette
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 22 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

zur Auflockerung (smili)
Hm ich weiß nicht. Mit 28 sollte man doch eigentlich keine Phasen mehr durch leben oder?
Hannes Wader und Konstantin Wecker waren auf einer gemeinsamen Tour durch Deutschland. Anlässlich dieses Ereignisses gab es einen Film.
Einen Moment habe ich mir den vorhin auf B3 angesehen. Weiteres hier: http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-dok ... 30245.html
Wader meinte da gerade: "... ich bin ein Spätzünder, bin mit 50 erst in die Pubertät gekommen...".

Da kannst Du doch mit 28 noch etliche Phasen durchleben.

Alles Gute dabei
Anne-Mette
natascha16348

Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 23 im Thema

Beitrag von natascha16348 »

Da sich mein Bruder auch in jungen Jahren erhangen hat würde ich persöhnlich nicht mal annährend an einen soizid denken. Denn ich bin der Meinung dafür ist das leben einfach zu wertvoll und jeder hat in seinem leben irgentwas für das es sich lohnt weiter zu machen egal wie schwer es manchmal auch ist.
Franziska-Anita
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 24 im Thema

Beitrag von Franziska-Anita »

Ich war


3 Jahre in der Psychatrie. Als Angestellter!!!Pfleger. Nur das vorweg.
Ich denke das dieses Thema viel zu Komplex ist um das hier zu diskutieren.Sicherlich hat der ein oder andere
schonmal daran gedacht und einige auch versucht, nur sollte sich keiner cvon denen hier hinstellen und schreiben
sie hätten Ahnung davon. Die haben genau soviel Ahnung davon wie im Hundekuchen Hund ist.Ich habe viele gesehn von denen
die es nicht geschafft sich umzubringen und hab mich mit dem ein oder anderen auch unterhalten, sofern das möglich war. Auch mußten
wir ständig zu irgendwelchen Weiterbildungen, in denen es auch darum ging. Trozdem würde ich hier nie irgendwelche Aussagen
machen, weil ich einfach darüber zu wenig weis. Auch mit Lebenserfahrung kommt man bei der Sache nicht weit, die kann nämlich ganzschnell tödlich
enden. Ein falscher Tip, aus der Lebenserfahrung, und dann ist es aus. Also Mädels, Ball flach halten. Die wenigsten von uns kennen den psychischen
Zustand der Anderen.


Franziska
Ich stehe mit beiden Beinen, fest im Konfetti!
ab08
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 25 im Thema

Beitrag von ab08 »

In den Jahren 1965- 1968, in der Pubertät, beschäftigte mich mehrfach dieses Thema. Als mein Körper nach und nach männlicher wurde, war das Weiterleben sehr schwer für mich. Zum Glück war ich willensstark genug, die Zähne zusammenzubeißen und das Ganze einigermaßen durchzustehen.
Damals fing ich an, mir weibliche Accessoires zu besorgen. Seit dieser Zeit trug ich häufig unter normalem männlichen Outfit weibliche, zu mir passende, Unterwäsche. Wenige Jahre später kamen maßgeschneiderte Korsetts, hochhakige Schuhe, modische Kleider und ähnliches für den häuslichen Gebrauch hinzu. Andernfalls hätte ich das Leben wahrscheinlich nicht mehr ertragen. Trotz allem ... allgemein geoutet, habe ich mich erst 2007!

Seit diesem Jahr 2007, bestärkt durch den langen Leidensweg, bin ich meilenweit von jedem Suizidgedanken entfernt! Dies gilt, völlig egal von dem, was mich vielleicht noch erwartet!!
Ich nahm im Leben über viele Jahrzehnte soviel Rücksicht, wie ich nur konnte.
Die Umgebung/Gesellschaft hat mich nun so zu nehmen, wie ich bin und eigentlich immer war.
Theaterspielen war gestern - Sogar unter Zwang würde ich so etwas heute niemals mehr zulassen und stattdessen bis zum letzten Atemzug kämpfen!
Eher würde ich mich töten lassen, als dass ich mich heimlich verabschiede!

P.S. Ich hoffe inständig, es kommt eine Zeit, in der man transidenten Kindern diese Tortur erspart und mehr Menschlichkeit zeigt!
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 26 im Thema

Beitrag von Salmacis »

darialena hat geschrieben:Ich gestehe durchaus ein, daß es Situationen im Leben eines Menschen geben kann, in denen er wirklich keinen Ausweg mehr für sich sieht. Das ist aber insofern gefährlich als Wahrheitskriterium, weil Außenstehende oftmals dennoch Auswege erkennen, die der Betroffene selbst aus seiner verengten Schmalspur-Perspektive heraus gar nicht mehr erkennen kann.
OK, dann verrate mir mal was ich so machen kann. Ich kann nicht so leben wie ich will, ich kann nicht der sein der ich will... Suizid ist keine Lösung, ok, ein Outing aber auch nicht... und jetzt? Wo ist der weise Rat?

Es gibt auf manches einfach keine Lösung, und nur weil du dich in die Lage des jenigen versetzen kannst, und für dich in dieser Situation eine Lösung finden würdest, heißt das bei weitem nicht, dass dies auch eine Lösung für eben jene Person ist.

Und denkst du wirklich suizidale schieben eine solche Entscheidung nicht sowieso schon wochen, wenn nicht monatelang vor ihnen her? Sowas passiert, auch wenn es manchmal so wirkt, nicht im Affekt.

ab08 hat geschrieben:Ich hoffe inständig, es kommt eine Zeit, in der man transidenten Kindern diese Tortur erspart und mehr Menschlichkeit zeigt!
Diese Zeit ist doch schon da, eigentlich.
Transsexuelle erhalten inzwischen so viel Zuspruch, so viel Verständnis. Die Aufklärung in den Medien ist unheimlich groß.

Leute wie ich, Crossdresser, die keine OP wollen, ja die sogar nicht mal einen weiblichen Namen in der "Rolle" annehmen, werden noch für Jahrzehnte als perverse Freaks gelten, Außenseiter, nicht fähig in der "normalen" Gesellschaft zu leben.
ab08
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 27 im Thema

Beitrag von ab08 »

Salmacis hat geschrieben: Transsexuelle erhalten inzwischen so viel Zuspruch, so viel Verständnis. Die Aufklärung in den Medien ist unheimlich groß.

Leute wie ich, Crossdresser, die keine OP wollen, ja die sogar nicht mal einen weiblichen Namen in der "Rolle" annehmen, werden noch für Jahrzehnte als perverse Freaks gelten, Außenseiter, nicht fähig in der "normalen" Gesellschaft zu leben.

Herzlichen Dank für Deinen Kommentar!!


Du hast Recht, die Probleme der eigenen Gruppe empfinden wir meist am stärksten! Mir liegen daher halt transsexuelle Kinder, die kurz vor der verändernden Pubertät stehen und denen auch heute(!) oft niemand hilft, sehr am Herzen...

Mir half weibliche Kleidung, länger 'als Mann' durchzuhalten und verbesserte meine emotionale Lage.
Durch Deinen letzten Satz verstand ich aber erst, welche Probleme 'echte' Crossdresser haben! :oops:
Es ist sicher sehr, sehr schwer und ich wünsche Dir und allen anderen in derselben Lage von ganzem Herzen ganz, ganz viel Kraft! (flo)

Als Lösungsmöglichkeit sehe ich nur, dass wir alle gemeinsam und solidarisch um Menschenrechte, die auch für uns(!) gelten, kämpfen!

Kleines Beispiel:
Am 4. August 2012 konnte ich durch Zufall den Stockholm Pride besuchen. Menschenmenge & Parade waren imposant. Deswegen war ich aber nicht dort. Dort hatte ich Gelegenheit, mich am Zielpunkt in Ruhe mit den Vertretern der LGBT-Gruppe der schwedischen Polizei, der dortigen Grünen, der dortigen Piraten etc. auszutauschen, Kontakte zu vermitteln und über wirksame Strategien zu diskutieren. (Leider spreche ich kein Schwedisch - aber mit Englisch klappte es gut) --- Ähnliches mache ich auch andernorts und ziemlich oft, da persönliche Begegnungen meist wirksamer als Briefkontakte sind...


Alles Gute
ab
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ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Ian

Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 28 im Thema

Beitrag von Ian »

Hallo liebe Community,

ich kann nur von mir sprechen. Es war so, dass einfach dem ganzen ein Rattenschwanz folgte. Am schlimmsten waren Depressionen und vermindertes Selbstwertgefühl. Es ist nun mal so das ein Mensch nur eine begrenzte Kraft hat. Er steht auf und kämpft, versucht sich durch zubeißen. Der eine hat mehr Kraft als der Andere. Ich selbst habe in meiner Pubertät es oft versucht, jedoch nie 'Wirklich'. Es war ein Hilfeschrei, dass weiß ich jetzt. Aber dieser Schrei wurde auch nicht gesehen.

Erst als ich die eigentliche Gefahr verließ und im Grunde entspannen konnte wurde ich depressiv. Es war als wüsste ich nichts mehr mit mir anzufangen. Natürlich kann man sagen: Wo ein Wille, da auch ein Weg. Aber in den Momenten und in den Situationen sah ich sie zumindest nicht. Ich wusste weder wo ich Hilfe bekam, noch was mit mir passiert, noch hatte ich Grund anzunehmen, dass der Zustand sich bald ändert. Ich kam natürlich in Behandlung und bin bei der Polizei registriert, da sie gerufen wurden. Das hatte zur Folge das ich Therapie machen musste, heute eine PPM Betreuung(Personenbezogene Hilfskraft) und eine gesetzliche Betreuung habe, welche mir viel Arbeit abnimmt zu der ich einfach nicht in der Lage war. Doch wusste ich nicht das es sowas gibt. Die Depressionen lassen einen in tiefe Hoffnungslosigkeit fallen. Ich kann nachvollziehen was einige erlebt haben.

Heute bin ich froh das es möglich war mich zu retten. Denn es hat sich viel getan und ich würde es heute nicht noch mal tun. Einfach weil ich gesehen hab wie weh es anderen tat. Menschen die ich kaum wahrgenommen habe standen am Bett und weinten. Da weinte jemand um mich und spätestens da hat es mir verdammt leid getan. Dank der Hilfe und Unterstützung die ich mittlerweile habe ist die Depression gut im Griff auch wenn es lange dauerte und daher sehe ich meist positiv in die Zukunft. Aber ich weiß das es mal anders war und diese Zeit wünsche ich mir nicht zurück. Ich wünsche jedem viel Kraft und den Blick für die Hoffnung, egal wie klein sie sein mag.

Freundliche Grüsse
Ian
Salmacis
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 29 im Thema

Beitrag von Salmacis »

Hallo Ian,

dein Beitrag hat mich wirklich berührt. Ich hoffe auch, dass der Schritt zwischen "Alles ist so hoffnungslos." und "Ich kann doch weiter machen." nicht all zu groß ist.
Es ist schön zu lesen, dass du dich aus diesem Sumpf ziehen konntest und die Hilfe bekommen hast die du gebraucht hast.

LG,
Salmacis
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Re: Suizid „ ein Tabuthema mal ausgesprochen

Post 30 im Thema

Beitrag von Salmacis »

ab08 hat geschrieben: Durch Deinen letzten Satz verstand ich aber erst, welche Probleme 'echte' Crossdresser haben! :oops:
Es ist sicher sehr, sehr schwer und ich wünsche Dir und allen anderen in derselben Lage von ganzem Herzen ganz, ganz viel Kraft! (flo)
Hallo ab,

ich wollte damit auf keinen Fall sagen, dass die Probleme von TS weniger schlimm sind oder ähnliches. Ich emofinde nur die Aufklärung sehr einseitig. Dieses Thema ist so breit gefächert und die Medien sind damit schlichtweg überfordert.
In Filmen erinnere ich mich auch immer nur an Witzfiguren, Drag Queens, die die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht gerade verbessern.

Es wird immer wieder gesagt "Tu selbst was, geh raus und kämpfe für Akzeptanz!" aber alleine fehlt mir dazu Mut und Kraft. Und auf dem CSD gehen Leute wie ich völlig unter, neben eben all den angesprochenen "bunten Vögeln".

Ich denke es ist noch ein langer Weg, bis Menschen begreifen, dass anders sein keine Herde mehr bei der Jagd beeinflusst. Unsere Körper und Geister sind längst im 21. Jahrhundert, aber unsere Instinkte und Ängste noch immer 1.000.000 v. Chr.
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