ascona hat geschrieben: So 9. Nov 2025, 17:03
Was ist denn das für eine Diskussion ? Wer ist der moralischste, respektvollste ? Oder leben wir in einer Gesellschaft, wo Verbrechen nicht mehr bestraft werden, und sich deshalb alle vor andern - und zwar vor
Männern - fürchten müssen ?
Ich musste erst mal den Auslöser - danke, Vincent - lesen, und ich finde so eine Kampagne von der Polizei sehr befremdlich. Die Polizei sollte sich lieber auf die Verbrechensbekämpfung konzentrieren.
Nunja, das ist Prävention und Schutzarbeit. Am besten ist ja, wenn gar nichts passiert. Die Kripo macht ja auch viele andere Beratung. Die Mehrheit der Nicht-Täter zu sensibilisieren, damit sie erstens selbst niemanden (zB aus Unwissenheit) belästigen, ist schon mal sinnvoll. Das entlastet die potenziellen Opfer. Ebenso, wenn die guten Männer ein bisschen auf ihre Kumpels aufpassen, damit die sich auch nicht scheisse verhalten.
Letztlich steht da ja auch nur "hey, so verhältst du dich weniger creepy und Frauen haben weniger Angst". Was daran befremdlich sein soll für Menschen, die weder creepy sein wolln, noch Frauen Angst machen, erschliesst sich mir nicht.
Um ein mögliches Missverständnis aufzuklären: Gewalt gegen Frauen ist weder neu, noch plötzlich schlimmer geworden. Im Gegenteil. Gab's schon immer, war schon immer schiete für Frauen udn Mädchen. Auch unsere Mütter und Großmütter können genau die gleichen Sachen erzählen, wie "unsere" Frauen, Töchter , die gleiche Angst, die gleichen Vorsichtsmassnahmen und das gleiche Netzwerken untereinander, um sich vor Typen und Situationen zu warnen. Nur ohne Handy.
Zugenommen hat die Sichtbarkeit, das Aufbegehren der Frauen und dass sie ernster genommen werden, statt sexuelle Belästigungen, Grapscherei und Beziehungsgewalt einfach als "stell dich nicht so an" abzutun. Es wird also tatsächlich inzwischen mehr verfolgt und auch bestraft, aber immer noch nur ein Bruchteil angezeigt. Siehe die Zahlen der Dunkelfeldstudie , die ich zitiert habe.
Auch deshalb finde ich diese Empörung,
welch ungeheure Forderungen jetzt auf einmal gestellt werden (mein Eindruck) ziemlich seltsam.
ascona hat geschrieben: So 9. Nov 2025, 17:03
Was davon ist eigentlich kein ganz normales Sozialverhalten, Höflichkeit, Anstand, Rücksicht, Respekt? ...
So einiges ! Es ist ein krude Mischung von in der Tat normalem Sozialverhalten, Höflichkeit
und einer ganzen Reihe von Verhaltensregeln, die man

getrost als oberlehrerhaft, irrational bis diskriminierend bezeichnen kann. [...] Und genau deshalb finde ich es falsch , gerade als Polizei solche Regeln aufzustellen.
Irgendwie habe ich den Artikel vollkommen anders gelesen. Ich zeig mal auf, welche Formulierungen mir aufgefallen sind:
Alltagssituationen im öffentlichen Raum können unterschiedlich wahrgenommen werden. Was für dich selbstverständlich und in Ordnung ist, kann andere verunsichern oder ihnen sogar Angst machen. Jeder Mensch kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass sich alle sicher fühlen.
[...]
Es ist gut möglich, dass die Frau vor dir [...] beunruhigt ist. Wenn du das vermeiden möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten: [...]
Du hast keine bösen Absichten [...] aber dein Umfeld könnte das verunsichern. Hier ein paar Tipps, wie du in so einer Situation Rücksicht nehmen kannst: [...]
Du [...], achtest nicht darauf, was um dich herum geschieht. Hier ein paar Tipps, worauf du achtgeben kannst: [...]
So eine Gruppe kann aber Einzelne verunsichern. Mit den folgenden Tipps nehmt ihr Rücksicht auf andere: [...]
Damit stört ihr doch keinen, oder? Doch andere kann euer Verhalten verunsichern oder sogar Angst machen. Tipps für mehr Rücksichtnahme: [...]
Eine solche Situation kann aber andere Menschen verunsichern, wenn sie dich und deinen Hund nicht kennen. Hier ein paar Hinweise, was du tun kannst: [...]
Auf diesen Menschen wirkt es vielleicht, als würdest du ihn verfolgen. Das kann aus verschiedenen Gründen verunsichern. Hier ein paar Tipps: [...]
Zusammengefasst: "Dein (für dich völlig normales) Verhalten könnte andere verunsichern. Wenn du das vermeiden willst, hier ein paar Tipps". Nix Verhaltensregeln, nix polizeiliches. Alles defensiv geschrieben, als Anregungen, etwas mehr darauf zu achten, dass für andere die Welt nicht so einfach ist.
ascona hat geschrieben: So 9. Nov 2025, 17:03
ja, ich erlebe es, daß andere Menschen sich in der S-Bahn ohne zu fragen neben mich setzen. Und das ist gut so ! Umgekehrt finde ich es nicht in Ordnung, wenn viele ihre kleine oder grosse Tasche auf den Sitz neben sich stellen, statt in die Gepäckablage.
Oder wenn sie auf der Rolltreppe stehen bleiben, und das noch so, dass man nicht vorbei kommt ohne sie anzutippen.
Es stört mich, aber ich kritisiere sie deshalb nicht.
Du hast den darauf folgenden Absatz aus meinem Beitrag nicht zitiert und der macht den Unterschied zwischen Dir und einer (cis) Frau. Taschen auf Sitzen und Leute auf Rolltreppen sind zumindest für mich nicht vergleichbar mit sexueller Gewalt, angrapschen, usw. Sie spiegeln auch selten die physische Unterlegenheit von Frauen gegenüber Männern. Ja, es gibt Ausnahmen, ich weiss. Was Du als Ärgernisse anführst, sind gemeinsame Alltagserfahrungen. Worüber Du Dir nicht
zusätzlich Gedanken machen musst, sind sexualisierte Gewalt und Belästigungen aller Art. Um die geht es hier. Vermeidbare Stresssituationen, die Dir in dem Ausmass wie ständig für Frauen unbekannt sind.
ascona hat geschrieben: So 9. Nov 2025, 17:03
Ich mußte noch an die unsägliche Stadtbild Diskussion denken.... Sollen wir jetzt etwa auch allen arabisch aussehenden jungen Männern verbieten, sich in der Innenstadt im freien aufzuhalten, damit sich Frauen - oder überhaupt
Deutsche sich von vornherein nicht belästigt und in Gefahr fühlen ?
Dieses Thema wurde ganz bestimmten Männern gepusht und zwar nicht um Frauen zu schützen, sondern um gegen bestimmte Menschengruppen zu hetzen. Es kam reichlich Widerstand von Frauengruppen, die genau das aufzeigten, was ich in meinem ersten Beitrag aufgelistet habe: Gewalt gegen Frauen, sexualisiert und andere, geht von Männern aller Schichten, Herkünfte, Religionen, Kulturen usw aus. Das einzig verbindende Element ist "Mann" (jung). Um also Deiner absichtlichen Übertreibung zu folgen: Das einzig wirklich wirksame Verbot müsste sich gegen alle Männer richten, weil es keine anderen signifikanten Kriterien gibt.
Deshalb sind Frauen ja auch generell Männer-vorsichtig und das ist eben keine übertriebene Ängstlichkeit; siehe die Zahlen des Monitors. Jede Frau wurde entweder selber schon Opfer oder kennt mehrere in ihrem direkten Umfeld. Sechs Prozent in den letzten 12 Monaten, usw. Die Täter stammen ebenso zumeist aus dem gleichen Nahbereich; sowohl sozial wie örtlich, also den "ganz normalen Männern", die ihnen und uns täglich begegnen.
Wer diese Situation ändern will, sollte Männer dazu bringen, sich generell weniger aufdringlich zu verhalten. Zum Beispiel indem in der eigenen Gruppe keine Belästigungen und sexistische Sprüche etc geduldet werden. Je sensibler die Mehrheit der Männer ist, umso weniger können sich die Täter sicher fühlen.
Oh, genau das steht ja in dem Artikel...
