Ich möchte mich gerne kurz vorstellen….
Ich bin ein nonbinärer Mann, demnächst 60, seit 25 Jahren (glücklich) verheiratet, zwei erwachsene Kinder, interessanter Weise empfindet mein Sohn ganz ähnlich wie ich.
Seit längerer Zeit bin ich auch in der Öffentlichkeit als CD unterwegs, wobei ich nicht „en Femme“ sondern zwischen klassisch Mann und Frau auftrete.
Eigentlich weiß ich seit früher Kindheit, dass ich anders empfinde als die anderen Jungs. Ich war und bin schon immer von Frauen fasziniert und auch von weiblicher Kleidung und hohen Schuhen. Aber anders als vielleicht üblich hatte ich auch immer den Wunsch, das selbst tragen zu wollen. Schon als Kind habe ich heimlich die Kleider und Schuhe meiner Mutter und später meiner großen Schwester getragen. Aber wie das so war, in den späten 60er und frühen 70er Jahren, sowas offen anzusprechen konnte ich mir nie vorstellen.
So blieb das auch lange, auf der einen Seite habe ich meine Freundinnen immer versucht zu motivieren (manchen würden sagen zu zwingen) Kleider, Röcke und hohe Schuhe zu tragen, anderseits habe ich das manchmal heimlich selbst getan.
Ich hatte auch recht früh Kontakte in die queere Szene und kannte auch einige Transfrauen, davon war ich schon auch immer fasziniert, aber gleichzeitig habe ich gespürt, dass das in seiner Konsequenz nicht mein Weg ist. Ich empfinde mich nicht als Frau, aber auch nicht als (typischer) Mann sondern irgendwie dazwischen.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass diese Heimlichkeiten (wobei ich mir auch keine Mühe gegeben habe das zu verstecken) einfach nicht gut sind. Ich hab daraufhin mit meiner Frau gesprochen und Ihr (zunächst) gesagt, dass sich Lust hätte, einfach mal hohe Schuhe zu tragen. Ihre Reaktion war eigentlich nur „na klar, mach doch“ und Sie erzählte mir noch von einem früheren Arbeitskollegen, der immer mit Pumps zu Arbeit kam und wie cool sie das fand
So fing ich ab und zu an, hohe Schuhe zu tragen, erst nur beim Ausgehen, dann irgendwann auch bei uns im Kiez und im Haus usw. nach und nach kannten mich alle Leute so, die Reaktionen waren durchweg positiv, selbst von sehr konservativen Leuten, denen ich das ehrlich gesagt nie zugetraut hätte. Ich habe dann auch angefangen, dass mit Röcken (und je nach Wetter Strümpfen/Leggings) zu kombinieren. Sehr gefreut hat mich, als mir meine Frau von einer Kleidertauschparty mit Ihren Freundinnen ein Kleid mitgebracht hat…
Inzwischen trage ich fast täglich Kleider und Röcke und wenn ich raus gehe auch hohe Schuhe. Das fühlt sich für mich einfach total stimmig an und ich habe auch nicht den Eindruck, dass das irgendwo negativ ankommt, im Gegenteil, ich bekomme immer wieder positives Feedback. Auch in den letzten Urlauben (Teneriffa, Sizilien) hatte ich z.B. gar keine Hose dabei und nur Wanderschuhe als einzige flachen Schuhe.
Seit ich das machen fühle ich mich insgesamt im Leben deutlich besser, es ist als ob ich einen über 50 Jahre währenden, chronischen Schmerz losgeworden wäre.
Zur Frage ob ich weiter gehen will, d.h. einen Weg in eine Transition? Nein, nach wie vor nicht. Das hat sich nicht verändert durch das regelmäßige Crossdressing. Wenn ich in mich reinfühle, dann ist da natürlich auch schon immer eine Idee und eine Wunsch, Frau zu sein, aber ich bin auch mit meiner männlichen Seite nicht unglücklich. Das hat sich nicht verändert….
Ja, wäre irgendwann eine Fee gekommen und hätte mich vor die Wahl gestellt, 100% Mann oder 100% Frau zu sein, hätte ich mich wohl für Frau entschieden…. Aber die kam bisher nicht….
Was ich aber tatsächlich gerne mal machen werden, am liebsten gemeinsam mit meiner Frau, ist ein professionelles Crossdressing, also wirklich mal „en Femme“ zu sein, mal zu sehen, was da möglich ist.