Ich wollte euch gern einfach mal meine Geschichte erzählen, in der Hoffnung, dass es vielleicht einige hier gibt, die ähnliches erleben/erlebt haben und ich mich mit ihnen austauschen kann.
Ich bin mir Immernoch nicht sicher, ob ich hier richtig bin, da ich das Gefühl habe, es geht hier hauptsächlich um Transsexualität oder das eingestehen von Homosexualität. Was auch alles in Ordnung ist. Aber das trifft meine Situation nicht wirklich.
Zum Kontext: Ich bin mit meinem Mann seit 23 Jahren verheiratet und wir haben 2 erwachsene Kinder, die beide im Letzten halben Jahr ausgezogen sind.
Wir arbeiten beide Vollzeit und haben ein sehr erfüllendes Hobby, welches wir gemeinsam ausleben.
Durch dieses Hobby (Handball, aber spielen nicht selbst) haben wir einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis.
Seit die Kinder aus der Wohnung raus sind, hat sich viel verändert.
Ich wusste schon immer, dass mein Mann auf hohe Schuhe steht und dass er im allgemeinen einen leichten „Schuhtick“ hat. Er trägt auch einfach gern sehr knallige Sneaker.
Aber nun hat er mir gestanden, dass er High Heels nicht nur an Frauen schön findet, sondern sie auch selbst gern trägt. Er hat auch schon eine kleine Sammlung in seinem Schrank.
Das absurde daran ist ja, ich habe die Schuhe schon oft gesehen, aber nie wirklich wahrgenommen, dass es seine Schuhgröße ist. Vielleicht wollte ich es auch nicht wahrhaben. Ich weiß es nicht.
Jedenfalls hat er es mir nun erzählt und nach einer Weile, in der wir über WhatsApp geschrieben haben, hat er sie auch mal zu Hause angelassen, bis ich heim kam.
Ich muss schon sagen, obwohl er mich vorgewarnt hat, hat es mich doch sehr irritiert. Nicht dass es nicht gut aussah. Aber doch sehr weiblich und er war so riesig (er ist eh groß, mit den Heels aber bestimmt über 2m). Das hat mich etwas eingeschüchtert.
Ich wollte es ihm aber auch nicht „verbieten“. Schließlich sind es „nur“ Schuhe.
Was soll ich sagen? Seit dem wirkt er viel entspannter und ausgeglichener und je mehr ich über seine Vorlieben erfahren habe, desto weniger hat es mir etwas ausgemacht. Auch wenn ich Immernoch manchmal irritiert bin.
Inzwischen ist noch einiges mehr dazu gekommen. Er trägt gern halterlose Strümpfe und auch Röcke.
Nur obenrum soll es „männlich“ bleiben. Also keine BH‘s.
Er hat auch betont, dass es nichts mit Trans oder Homosexuell zu tun hat. Und das merkt man auch deutlich an unserem Sexleben.
Mittlerweile gehen wir gemeinsam Schuhe und Röcke usw. shoppen. Und auch ICH möchte meinen Kleidungsstil anpassen. Leider kann ich in hohen Schuhen kaum laufen. Das ärgert mich sehr. Er kann das nämlich richtig gut. Und viele Sachen, die ich gern tragen würde, passen mir nicht oder sehen einfach nicht gut an mir aus, weil ich etwas übergewichtig bin
Aber grundsätzlich habe ich schon das Gefühl, dass es unser Leben eher bereichert hat.
Was mich noch ein bisschen ärgert oder eher traurig stimmt, ist die Tatsache, dass er gern auch draußen etwas zeigen würde, sich aber nicht traut, weil unser Umfeld doch recht konservativ ist. Und er wirklich große Angst vor Ablehnung hat.
Ich kann das gut verstehen. Gerade was den Handball angeht, sind wir beide mit viel zu viel Leidenschaft dabei, als dass wir uns dort selbst canceln wollen würden. Versteht ihr, was ich meine? Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll.
Nun gut. Schlussendlich wollte ich einfach nur mal mit jemand anderem als meinem Mann darüber reden.
Er selbst ist in einem Forum, in dem er sich darüber austauschen kann und ich hab nun dieses gefunden und hoffe, ich bin hier richtig.
Sorry für den langen Text. Aber das musste einfach mal alles raus.
Danke fürs lesen und ich wünsche allen noch einen schönen Tag