Frieda hat geschrieben: Mi 22. Okt 2025, 16:11
Ich möchte mich zu diesem Video doch noch gerne äußern
Meine kritischen Gedanke werden in diesem Video sehr gut aufgegriffen.
Was mich echt überraschte, dass eine Domina mit auf der Kritikseite sich befindet. Und was ich schon vor diesem Video dachte, dass nur die Akteure die potentiell an den Dark Romance Büchern verdienen, pro sind!
Ich bin ehrlich gesagt froh über dieses Video, weil es zeigt, dass die Dark Romance Bücher auch kritisch von fachlicher (wissenschaftlicher) Ebene beleuchtet werden. Auch die Kommentare unter dem Video finde ich

Hi,
ich würde das Ganze doch gerne ein wenig stärker differenzieren. Denn im Grunde dreht sich die Diskussion ja um die Frage der Selbstbestimmtheit und sexuelle Autonomie.
Und da sollten wir erstmal festhalten, dass erwachsene Menschen tun und lassen können, was sie möchten. Wir setzen voraus, dass dabei beiderseitige Zustimmung zu den Handlungen besteht. Und das diese Zustimmung als "informed consent" gilt, die Beteiligten also nicht einfach nur "ja, ok" gesagt haben, sondern auch wissen, was sie erwartet, wo ihre Grenzen liegen und wie viel sie (in diesem Moment) zulassen wollen.
Das gilt auch, vielleicht sogar noch viel mehr, für alles, was sich ausschließlich im Kopf - also der Fantasie - abspielt. Solange es da bleibt, sich nach außen nicht zeigt, kann jede*r tun und sein lassen, was gefällt.
Jetzt wird es natürlich da komplexer, wo sich diese Gedanken aus dem Head-Space in die Realität, ins konkrete Handeln, übersetzen. Und für mich stellt sich die Herausforderung mit dem Thema Dark Romance an der Stelle ein, wo ich darauf vertrauen muss, dass die Menschen, die diese Bücher konsumieren, wirklich selbstbestimmt und autonom in einen "informed consent" gehen können, wenn das der Fall ist. Ich kann dabei erstmal nur auf mich schauen, auf meinen Grad an Bewußtsein für diese Fragen, auf meine Neugier, mein Bauchgefühl und mein Lustempfinden. Das kann ich aber für niemanden sonst.
So, und das ist nun alles vollkommen individuell und dann auch noch fluide, zeitlich, örtlich, abhängig von beteiligten Personen und Umständen. Ich kann also eigentlich nicht mal für mich selbst dauerhaft festlegen, ob ich möchte, das eine bestimmte Fantasie, oder ein Aspekt aus dem Buch/Genre wahr werden soll, oder nicht.
Nächster Punkt: die gleichen Fragen können wir an anderen Stellen auch formulieren: wie frei ist eine Frau in der Entscheidung, als Mutter die Haus- und Carearbeit zu leisten (Stichwort Tradwives, Stichwort Herdprämie), sich in die soziale und finanzielle Abhängigkeit ihres Ehemanns zu begeben. Müssen wir unterstellen, dass hier patriarchale Rollenmuster reproduziert werden, oder dürfen wir darauf vertrauen, dass die Beteiligten sich über die unmittelbaren und zukünftigen Konsequenzen im Klaren sind? Wie verändert sich der Blick auf den unterstellten "informed consent", wenn eine der lautstärksten Vertreterinnen der Tradwives nach einigen Jahren ihre Entscheidung bitter bereut?
Das Selbe gilt für Drogenkonsum, Sexarbeit, Sicherheitsgurte und das Selbstbestimmungsgesetz. Einiges davon ist erstmal leicht reversibel, anderes nicht. Wo endet die individuelle Freiheit mit Verantwortung und wo beginnt die Fürsorgepflicht des Staates als sozialer Gemeinschaft?
Ich finde, um meine Position mal anzudefinieren, das sich die Autorinnen in dem Video etwas zu sehr aus der Verantwortung nehmen. Sie unterstellen ganz einfach, dass die Konsument*innen anhand von mehr oder weniger sichtbaren und verständlichen Kriterien einen informed consent geben können. Sie unterstellen auch, dass die Leser*innen alt und erfahren genug sind. Wissen aber gleichzeitig, das das so nicht ist. Schieben dann die Verantwortung wieder auf Eltern ab, die im Zweifel aber auf die gleichen Informationen zurückgreifen müssen wie ihre Kinder. Und "Einige Sätze können dein Hirn f***n" ist keine Triggerwarnung, sondern Werbung und Kaufreiz. Das ist ein ganz billiger Trick, zu sagen "wer das liest, der weiß, was ihn erwartet". So wie in der Amazon-Beschreibung zu "American Psycho" der Begriff "comedy" genutzt wird, um das Buch zu beschreiben...
Ich finde,
die hier interviewte Autorin und die Leserin finden wesentlich reflektiertere und klarere Worte, insbesondere der Frage nach Altersgrenzen und Umsetzung. Da waren mir die drei in "13 Fragen" zu unklar.