Shoshana hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 21:40
Und trotzdem werde ich immer mal wieder als Mann erkannt.
Ich war immer wieder mal bei unserer ehemaligen Eheberaterin, einfach für Gespräche, auch über meine "weiblichen Bedürfnisse", wie ich sie oft der Einfachheit halber nenne.
Sie hat immer mal wieder spontan ihren Eindruck wiedergegeben, z.B. ich nehme sie als deutlich männlich wahr. Mir selbst ist es letztlich egal, was andere, Fremde in mir sehen, aber ich habe sie dann mal gefragt, warum sie mich meistens als deutlich männlich wahrnimmt. Ausgerechnet an dem Tag hatte sie eine andere Wahrnehmung von mir, obwohl ich sogar kürzere Haare hatte als sonst. Es gab eigentlich nur einen einzigen Unterschied: Ich hatte an dem Tag nur Kleidung aus der Damenabteilung an, sonst war ich eher "hybrid" gekleidet. Es gab viele Dinge, die den Eindruck mitbestimmen, bei mir zuerst mal meine Vorgeschichte durch unsere Eheberatung bei ihr. Sie wußte eben dass ich Ehemann und Vater bin. Trotz kürzerer Haare nahm sie mich an dem Tag weiblicher war, es lag also definitiv nicht an langen Haaren. Meine Stimme ist nicht besonders tief, aber eben doch tief genug, dass sie meist als männlich wahrgenommen wird. Meine Gedanken und meine Ausdrucksweise sind eher strukturiert und rational, zumindest nicht überschwänglich emotional, was eher zu einer männlichen Wahrnehmung führt. Auch meine Bewegungen wirken eher männlich. All das ändert aber letztlich nichts an meinen Bedürfnissen, z.B. mich zu schminken, mir die Nägel zu lackieren, schöne Kleidung, Schuhe und Schmuck zu tragen. Diese Bedürfnisse sind eben nicht typisch männlich bzw. werden als typisch weiblich angesehen. Meine Frau war die Hauptverdienerin, als unsere Kinder klein waren und ich habe die Kinder zum Kindergarten, in die Schule oder zum Arzt gebracht oder wie meine Mutter es mal ausgedrückt hat: "Bei Euch bist eben Du die Mama".
Letztlich hängt die Fremdwahrnehmung immer von sehr vielen unterschiedlichen Dingen ab. Wichtig ist aber eigentlich nur, dass man repsektvoll miteinder umgeht.
Mein Vater wollte mich immer als "ordentlichen Beamtensohn" haben. Nachdem er gestorben war, gab es für mich keinen Grund mehr mich nach dieser Erwartung zu richten bzw. diese "Rolle" weiter zu leben. 2005 habe ich mich dann aus dieser "Rolle" befreit und ich will mich auch nicht wieder in irgendeine andere "Rolle" drängen lassen, auch nicht in die Rolle "ganz Frau". Ich möchte meine Bedürfnisse ausleben (können) egal ob das andere für (typisch) männlich oder (typisch) weiblich halten.
Die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung sind fast immer unterschiedlich.
Am Anfang (2005) hat meine Frau oft zu mir gesagt: "Das machen Männer aber nicht!" und ich habe geantwortet: "Männer vielleicht nicht, ich aber schon!", denn warum sollte ich mich danach richten, was andere Männer tun oder lassen. Die eigenen Bedürfnisse lassen sich nicht wegdiskutieren und wir können unsere Bedürfnisse, zumindest rechtlich gesehen, ausleben ohne uns dafür irgendjemandem gegenüber rechtfertigen zu müssen.
Es ist wichtiger seinen eigenen Bedürfnissen Raum zu geben, als die (oft unausgeprochenen oder vermeintlichen) Erwartungen anderer zu erfüllen. Eigentlich sollte man mit dem gleichen Respekt behandelt werden, egal ob andere eine für einen Mann oder eine Frau halten.
P.S.: Ich hatte auch schon ein Erlebnis, bei dem ein Kind felsenfest davon überzeugt war, dass ich eine Frau sei, egal was die Eltern sagten, weil (angeblich) nur Frauen Ohrringe tragen...

Jede(r) ist anders bzw. einzigartig... ;)