Liebe Olivia
Olivia de la Crossé hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 18:16
Aber was ich Dich fragen wollte ist, wie sich Dein Weiblichkeitsanteil konkret im Alltag ausdrückt oder bemerkbar macht - außerhalb des Tragens weiblicher Kleidungsstücke? Kannst Du Dein Verhalten irgendwie korrelieren mit den Situationen im Test? Oder gibt es irgendeine andere Besonderheit von der Du sagen würdest, ja, daran kann ich das festmachen?
Ich hatte schon auch viel nach dem Testergebnis nachgedacht und Dein Vergleich und Deine Frage, die ich gestern Abend gelesen hatte, hat mein Hinterfragen nochmals intensiv angeregt: Vielen Dank, liebe Olivia.
Meine Erkenntnisse:
Es gibt ja zwei Ebenen: die Psyche, die durch den eigenen Charakter und das Verhalten daraus.
Der Charakter wird wohl bei der Geburt angeboren, wird aber stark durch die Erziehung beeinflusst. Ich bin Ende 50er und die ganzen 60er aufgewachsen, meine Mutter war zu Hause und mein Vater ging zur Arbeit. Die Familienrollen waren damals stark getrennt und beeinflussten die Erziehung.
Ich habe gestern versucht, mein Verhalten als Bub und das Verhalten meines Sohnes als Bub zu vergleichen.
Mein Sohn war ein leidenschaftlicher Kleinautofahrer (er arbeitete später für Chevrolet), seine Begeisterung für die Märklin Eisenbahn, die ich ihm vermachte, hat er heute immer noch.
Ich hatte wohl kleine Autos, wie es sich für ein Bub gehörte und spielte ab und zu mit meiner Eisenbahn. In meinen Erinnerungen sticht meine Lesebegeisterung hervor: von 5 Freunden zu Kal May, ich las und las.
Meine Schwester nahm Balletstunden und mir gefielen die Tutus sehr, wollte damals auch eins tragen, aber in den Rollen, in der wir aufgezogen waren, gehörte solche Gedanken nicht dazu.
Ich war damals schon ein ruhiges Wesen, selbstzufrieden und hatte keine pubertären Ausbrüchen. Ich wollte tanzen, wollte Musik machen, Sachen die eher in Richtung androgyn/weiblich zuzuordnen sind.
Meine letzte Ehefrau und jetzige gute Freundin hat mir auch eine Schlüsselaussage letzthin gemacht: Sie wollte damals keine neue Beziehung eingehen, sie habe genug vom Machogehabe der Männer. Sie gang dann die Beziehung mit mir ein, weil ich genau das nicht war, sie sagte mir, ich wäre anders. Sie hat es mir gesagt nachdem ich bereits begonnen habe, weibliche Kleider zu tragen und mich zu hinterfragen, irgendwie ein weiteres Puzzleteil zu meiner Selbstfindung.
Ich glaube, dass es kompliziert ist. Der Test (und die anderen, die ich gemacht habe) geben dieser Kompliziertheit eine "Range", welche die Psyche, in der wir uns befinden, einordnen.
Ich sehe in meinem Verhalten typische weibliche Züge (z.B. Shoppen

), habe auch Führungsstärke, aber wahrscheinlich weiblich geprägt (ich gab im Militär sehr selten Befehle, sondern überzeugte, meine Beurteilungen waren auch besonders: "Führt seine Kompanie auf seine Art gut").
Die Natur ist bunt und nicht schwarz-weiss, wie es immer leider mehr Narzissten es behaupten: Unsere Psyche und Gefühlen sind bunt, die sexuelle Orientierung ist nur ein Teilaspekt davon.
Ich bin nicht versessen nach Erklärungen, sondern stelle einfach laufend neue Aspekte fest und freue mich auf neue Erkenntnisse. Ein solcher Austausch mit Dir und das Lesen von Berichten der anderen Schwestern helfen uns unser Weg zu finden.
Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.