Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel
Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel - # 2

Jaddy
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Maxine hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 19:24Also m.M. nach polarisiert Frau B. schon gerne. Ich habe ein Video von Ihr gesehen, da steht sie für alle sichtbar als Frau mit "drei-Tage-Bart" auf der Bühne. Wenn man das brauch bitte. Aber ich kenne persönlich keine Frau, die so etwas macht.
Kleiner Einschub von mir, weil dieser Punkt ja nicht mit dem eigentlichen Threadthema zu tun hat: Also, wir kennen mit Anastasia Biefang mindestens eine Frau, die das tat. Und vielleicht war es auch nur eine schwierige Terminlage, weil das Video kurz vor einer Session Nadel-Epilation fertig werden musste. Es kann aber auch einfach Realismus sein.

Ich habe über die Zeit auch die Änderung in ihrem Style bemerkt und kann mir gut vorstellen, was dahinter stecken kann. Zum einen kenne ich viele, die nach all den gewollten und weniger gewollten Prozeduren der Transition "legerer" werden. Die zum Beispiel nicht mehr jeden Tag die volle Packung aufs Gesicht tun, bevor sie vor die Tür gehen. Die nicht mehr jeden Tag die hohen Hacken, die schicksten Blusen usw anziehen.

Kenn ich auch von mir. Vor Epilation und Hormonen und OP hab ich beim Outfit deutlich mehr aufgedreht. Ein Grund war ein Gefühl, sehr viele männliche Signale kompensieren zu müssen, um einigermassen wenigstens in der Mitte zu landen. Sowohl für mein eigenes Gefühl - hallo Dysphorie -, als auch in den Augen anderer. Inzwischen bin ich auch sehr vollständig "angekommen" in meinem freieren, anderen Sein. Ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen, bin mit meinem Körper ziemlich im Reinen und habe das Standing, mein nichtbinäres Dasein eher einzufordern, als zu rechtfertigen.

Der andere Punkt geht einen Schritt weiter, in einer Art trotzig-realistischem Umgang mit der cis Aussenwelt: Wenn ich als trans Frau eh dauernd zu hören kriege, letztlich doch keine richtige Frau zu sein, dann geb ich doch irgendwann auf, die visuellen Vorstellungen der anderen, wie "echte Frauen sind", mit viel Aufwand erreichen zu wollen. Heisst: Für wen und was mache ich das eigentlich, den Kampf mit zu viel Haaren am Kinn und zu wenig auf dem Kopf, zu viel Volumen im Brustkorb und zu wenig in den Brüsten? Ist das für mein eigenes Wohlbefinden oder ist das der Versuch, doch noch und zwar wegen des durchsichtigen Aufwands wenigstens so ein bisschen als Frau akzeptiert zu werden? Soll das jetzt das ganze Leben so weitergehen, ständig mit aussichtslos mit Wunsch und Wirklichkeit zu kämpfen? Sollte ich mich nicht eigentlich leichter und befreiter fühlen, was aber die Mitmenschen nicht akzteptieren? Erinnerung: Von dem ~1% trans Personen, die irgendwann detransitionieren geben 8 von 10 die Nicht-Akzeptanz ihrer Umgebung als Grund an.

Neben der Detransition ist die andere Methode eben, sich den allgemeinen Gender-Klischees nicht mehr zu unterwerfen, sondern das eigene Ding zu machen. Möglicherweise auch mit bewusster Nicht-Entsprechung. Ob es die Kurzhaarfrisur mit Sidecuts ist oder gar Tessa Ganserers rasierter Kopf mit Tätowierungen. "Ich akzeptiere, dass ihr mich nie akzeptieren werdet und das macht mich von euren Klischees frei".

Das ist eine Form von Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung der eigenen Erscheinung, die Selbstbewusstsein und Persönlichkeit stützt. Es biedert sich nicht an a'la "bitte tolerier mich doch", sondern macht eine no-nonsense Trennung zwischen Leuten, die mich so akzeptieren und denen, die auf Äusserlichkeiten und Klischee-Kompatibilität achten.

Das ist übrigens für nichtbinäre Menschen quasi unvermeidlicher Alltag, weil *seufz* ja, ich weiss, das ist alles so neu und ungewohnt und man muss die Leute ja erst mal abholen und erklären und bla... - heisst aber im Endeffekt, dass ich nie in irgendeiner Form von selbstverständlichem Umgang ankommen werde. Also *f...k you all* mit euren Vorgaben, wie andere sich euch zuliebe zu maskieren haben.

Es ist ausserdem eine sehr deutliche Form von Feminismus, der bei einer cis Frau möglicherweise sogar als mutig-positives Zeichen gewürdigt würde: Siehe, diese Frau unterwirft sich nicht (männlichen) Klischees und optischer Objektifizierung.

Und warum sollte dsa für trans Frauen nicht gelten? Trans Frauen sind Frauen, trans Männer sind Männer, Enbys sind Enbys.
SylviaM
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 17 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Sehr viel Interpretationen Jaddy

Ich habe die Wandlungen von Frau Bilfang auch in Facebook gesehen

Ich fand es irritierend, verstörend und bewusst provokant.
Dann finde ich halt auch, wie man in den Wald reinruft so schallt es zurück.

Und was die Umtriebe auf irgendwelchen Dating Plattformen und Darstellungen betrifft: wo kein Kläger da kein Richter, es ist immer die Frage was wie an die Öffentlichkeit kommt

Grüße Syl
Jaddy
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

SylviaM hat geschrieben: Fr 18. Apr 2025, 13:08 Sehr viel Interpretationen Jaddy
...
Ich fand es irritierend, verstörend und bewusst provokant.
Dann finde ich halt auch, wie man in den Wald reinruft so schallt es zurück.

Und was die Umtriebe auf irgendwelchen Dating Plattformen und Darstellungen betrifft: wo kein Kläger da kein Richter, es ist immer die Frage was wie an die Öffentlichkeit kommt
Ja, sehr viele Interpretationen :) Alles Hypothesen, basierend auf Erfahrungen von mir und anderen. Kann auch alles komplett anders sein. Bei der Kommunikation mit dem Wald ist schon die Frage, wer zuerst ruft, welchen Wesen eins da begegnet und wie die auf einen zukommen. Nicht jeder Wald ist einladend, nicht jeder freundliche Ruf wird mit Freundlichkeit beantwortet; ob nun absichtlich, einfach schief gelaufen oder dösbaddelig.

Deiner Ansicht mit Kläger*innen und Richter*innen stimme ich allerdings nicht so ohne weiteres zu. Das Äquivalent zu "don't ask, don't tell" hatten wir in D auch einige Zeit. Und es bedeutet letztlich nichts anderes als die Heimlichtuerei vorher auch, denn wenn du "erwischt" oder "enttarnt" wirst, kriegst du praktisch die gleichen Konsequenzen zu spüren. Seit 1995 keinen Strafprozess mehr, aber zum Beispiel Rausschmiss, bei einigen faktisches Berufsverbot usw. Und zwar für etwas, das nicht falsch ist, sondern offenbar mit verschiedenen Massen gemessen wird. Je nachdem ob du als hetero Swinger, schwuler Cruiser oder trans pansexuell unterwegs bist - und wie dich andere auf dem Kieker haben. Das mag real so sein, aber es ist weder fair, noch wird es dem offiziellen Anspruch dieser staatlichen Organisation gerecht. Und diese Heuchelei und Doppelmoral gehört dann auch öffentlich angeprangert.
Claudia
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 19 im Thema

Beitrag von Claudia »

Jaddy hat geschrieben: Fr 18. Apr 2025, 15:51 [...] aber es ist weder fair [...]
Seit wann ist das Leben fair?
  • Ist es fair, dass die Amis nicht wählen können und wir und viele andere jetzt Trump ertragen müssen?
  • Ist es fair, dass wir in diesem angeblich traditionell christlichem Land die christlichen Feiertage rechtfertigen Müssen?
Ich hätte noch mehr davon, Du sicher auch, aber ich lasse es.

Nein, das ist es eben nicht und war es nie. Aber so wie es ist, ist es eben die bittere Realität. Man kann sich darauf einstellen oder so tun als gäbe es diese Realität nicht. Wer Fairness sucht, muss sich einen anderen Planeten, nein, eine andere Welt suchen.

LG Claudia
The greatest act of courage is to be & own all that you are. Without apology.
Without excuses & without any masks to cover the truth of who you truly are.
SylviaM
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 20 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Jaddy hat geschrieben: Fr 18. Apr 2025, 15:51 [ Das mag real so sein, aber es ist weder fair, noch wird es dem offiziellen Anspruch dieser staatlichen Organisation gerecht. Und diese Heuchelei und Doppelmoral gehört dann auch öffentlich angeprangert.
Da gebe ich dir Recht, fair ist das nicht, jedoch ist es leider so
Bei dem einen Nachbarn stehen die Hecken 3 Meter hoch, bei dem Anden müssen sie auf 1,80 zurückgeschnitten werden, weil irgendsoein Heini zur Stadt läuft und meldet
Dennoch finde ich es gut dass man jetzt nicht durch die Straßen jagt um die Übeltäter zu entwischen

Mit der Doppelmoral ist das auch so eine Sache: Ich glaube manche Gesetze sind dazu da damit man handlungsfähig ist wenn es übergriffig wird, will jedoch nicht hinter jedem kleinen vergehen nachgehen. Wenn ich Alkohol nicht im Unternehmen verbiete laufen sie alle besoffen rum, ohne Verbot kann ich es auch nicht untersagen und wenn mir es jemand meldet muss man dem nachgehen, die falsch entsorgte Flasche Sekt darf ich gerne ignorieren

Schönes Wochenende
Syl
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 21 im Thema

Beitrag von Val44721 »

Maxine hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 19:24 Ich habe ein Video von Ihr gesehen, da steht sie für alle sichtbar als Frau mit "drei-Tage-Bart" auf der Bühne. Wenn man das brauch bitte. Aber ich kenne persönlich keine Frau, die so etwas macht.
Deine Aussage klingt sehr so, als wäre das eine verachtenswerte Handlung von ihr, und als würdest du ihre Identität in Frage stellen. Es ist ihr Körper. Sie kann damit machen was sie will. Mal ganz davon abgesehen, dass es eben auch medizinische Gründe gibt das machen zu müssen für ein paar Tage. Aber sie kann auch Vollbart tragen wenn sie will und ist trotzdem nicht weniger eine Frau.
Maxine hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 19:24 Also halte ich die Pauschalisierung "Die Bundeswehr sucht nach Möglichkeiten sich nicht ans GG halten zu müssen" für sachlich falsch es gibt sicherlich Arbeitsbereiche, die transfreundlicher sind, als die immer noch stark männlich dominierte BW aber sie grundsätzlich als transfeindlich hinzustellen schießt über das Ziel hinaus.
Um genau zu sein nutzt die Bundeswehr ihre Macht, um den Alltagstest, den es ja eig. nicht mehr gibt weil er zu diskriminierend und demütigend war, weiterhin zu erzwingen für ihre Soldat:innen. Sie mischen sich in medizinische Angelegenheiten, Diagnosen und Behandlungen ein um deren Erlangung zu erschweren. Wenn diese dann erlangt wurden, gilt ein don‘t ask don‘t tell-Prinzip, was einen dazu zwingt, es zu verstecken, und die Betroffenen werden für Dinge bestraft, für die nicht-Betroffene nicht bestraft werden.

Die Bundeswehr hält einen aktiv davon ab, Passing zu erreichen, und du kritisierst an ihr, dass sie nicht genug passed. Das finde ich nicht gut. Es ist eine strukturell transfeindliche Organisation, und hier sieht eins halt eine der Ergebnisse dieses tiefliegenden Problems.

LG
Valerie
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 22 im Thema

Beitrag von Maxine »

Liebe Valerie,
zunächst erlaube ich es mir nicht die Identität, weder gefühlt noch gelebt von Frau B. oder irgendjemanden in Frage zu stellen, das steht mir gar nicht zu. Ich möchte ja auch nicht, das meine Identität in Frage gestellt wird.
Aber der Eindruck, den ihr Auftritt so wie von mir gesehen und erlebt, war, hat eben dies bei mir ausgelöst, das ich mich Frage warum?? Das sah für mich deutlich nach "ich provoziere mal, weil ich es kann" aus, vielleicht ging es ihr wirklich darum, den Blick des Plenums für mehr Offenheit zu öffnen oder zu schärfen. Allein bei mir kam eine andere Botschaft an.

Was nun die Bundeswehr als "trans-ablehnende" Organisation betrifft. Woher hast Du Deine Erfahrungen? Berichte einzelner Personen, oder selbst erlebt und versteh mich nicht falsch, ich stimme Dir zu, dass da noch viel Raum für Entwicklung und Nachholbedarf mit diesem Thema ist. Die Bundeswehr wird von "alten, grauen" Männer geführt. In den Dienststellen sitzen Männer, die noch damit "groß" wurden, das Schwulsein ein Ende der Karriere bedeutete, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Hätte ich mich zwischen 1995 und 2000 als trans geoutet, hätte der Dienstherr mich zunächst in die FU6 überwiesen und anschließend wegen "Nichteignung zum Offizier" entlassen. Also ja, der Haufen strotzt nur so vor Testosteron und "Bist Du Schwul oder was??" war bestimmt nicht nur zu meiner Zeit ein beliebter Spruch um andere anzugreifen oder herabzuwürdigen. Vielleicht weniger im Offizierskorps, da war man subtiler aber bestimmt in den Diensträngen darunter. Das habe ich selbst erlebt. Ich habe aber auch erlebt, wie Frau Stabsunteroffizier sich während einer meiner letzten Wehrübungen als Stabsoffizier morgens bei Appell vor die Kompanie stellte und sagte "Ab morgen gehe ich auf die Herrentoilette" Damit war für alle klar, dass Frau SU XY nun Herr SU XY war. Hat sie das vor Anfeindungen geschützt? Kann ich ehrlich nicht sagen, aber sie wurde nie offen diskriminiert oder mußte deswegen Laufbahnnachteile erfahren von denen ich wüsste.
Persönlich kenne ich eine Frau SBtm, die diesen weg gegangen ist. Ihre Kinder waren in meiner Kita. Auch sie geht ihren Weg. Damit möchte ich nur sagen, es ist noch längst nicht alles so wie es sein sollte, aber auch nicht so, dass man alle über einen Kamm scheren sollte.

Damit soll es aus meiner Sicht aber auch gut sein. Ich wollte mit meinen Gedanken niemanden zu nahe treten und entschuldige mich bei allen, denen ich damit auf die Füße getreten bin. Ich halte es auch weiter mit dem dem Alten Fritz "In meinem Land soll jeder nach seiner Fasson selig werden" Und wenn eine Frau sich einen Bart stehen lassen möchte, so mag das nicht meinem ästhetischem Empfinden entsprechen aber es ist nun mal ihr gutes Recht. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen schöne Ostertage und hoffentlich besseres Wetter als hier im Norden.

Liebe Grüße
Kathi
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 23 im Thema

Beitrag von Val44721 »

Maxine hat geschrieben: Sa 19. Apr 2025, 13:22 Was nun die Bundeswehr als "trans-ablehnende" Organisation betrifft. Woher hast Du Deine Erfahrungen? Berichte einzelner Personen, oder selbst erlebt und versteh mich nicht falsch, ich stimme Dir zu, dass da noch viel Raum für Entwicklung und Nachholbedarf mit diesem Thema ist.
Also eine Freundin von mir war bei der Bundeswehr. Sie ist auch trans. Und da ich halt etwas weiter bin, hab ich ihr bei den ganzen Formalien und den ganzen Dokumenten bei geholfen. Und ich muss schon sagen, manches davon hat mich richtig geschockt. Ich will jetzt auch gar nicht so viel davon erzählen weil vieles ja auch ihre persönliche Sache ist, aber mal kurz zu zwei Sachen.

Die verlangen von ihr drei Indikation von drei Psychiatern. Warum drei? Ich bin volljährig und ich brauchte eine. Ich kenne Minderjährige die brauchten zwei. Da versteh ich auch noch grob woher die strengere Anforderung kommt. Aber was macht Soldat:innen der Bundeswehr so besonders, dass sie drei brauchen? Wir sind beide erwachsene Menschen, warum verändert die Bundeswehr den Prozess so stark? Ich glaube, dass sie das machen um es schwerer zu machen. Damit es weniger machen. Und während ich zu jedem beliebigen Arzt dafür gehen kann, bekommt sie die vorgegeben. Wir wohnen beide im Westen von D. Und dann weisen sie ihr Psychiater in Berlin und im Süden Deutschlands zu. Das sind 500km Fahrt. Pro Richtung. Angeblich seien das halt die Spezialisten fürs Thema trans der Bundeswehr.

Und dann kriegt eins so eine Liste mit Gutachten die gebraucht werden/was darin stehen muss. Da sind mir zwei in Erinnerung geblieben. Einmal eins, was aussagt, dass es für einen nicht möglich ist als Frau zu leben ohne Hormone (weil wenn das möglich ist seien die ja nicht nötig und werden verweigert/abgelehnt). Das zweite war der Alltagstest, also ein Jahr lang als Frau leben vor dem Beginn der Hormonbehandlung. In meinen Augen ein totaler Widerspruch. Da widerspricht das eine doch aktiv dem anderen.

Ja und dann gabs noch mehr Anforderungen, die ich jetzt gar nicht mehr alle detailliert weiß, aber daraus ergibt sich eben für mich das Bild, dass die Bundeswehr transfeindlich ist. Sie dürfen es nicht komplett verweigern, denn das wär gegen das Gesetz. Aber auf diese Art und Weise, wie sie die Regelungen abändern, den Prozess künstlich in die Länge ziehen, und ihn unnötig schwer machen, zeigt doch für mich, dass sie einem möglichst große Steine in den Weg legen wollen. Zum Glück ist meine Freundin daraus gekommen, aber als ich diese Blätter gelesen hab hats mich echt erschlagen, und dabei war noch nichtmal ich die Betroffene halt.

Also wie man vielleicht raushört ich mag die echt nicht.

LG
Valerie
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 24 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Die Transfeindlichkeit der Bundeswehr kann ich nur bestätigen. Frau Biefang hat zusammen mit der damaligen Verteidigungsministerin von der Leyen einen Leitfaden entwickelt, wie transsexuelle Menschen in der Bundeswehr zu behandeln sind. Leider hält sich kaum jemand in der Bundeswehr an diesen Leitfaden. In manchen Dienststellen wird sogar behauptet, man kenne diesen Leitfaden nicht. Mein Mann hat als Transmann 6 Jahre um eine Versetzung gebeten, was immer abgelehnt wurde. Er war ja im Sinne der Bundeswehr wegen seiner Transsexualität nicht in der Lage einen Bleistift zu spitzen. Dann wurde er ohne rechtliche Beteiligung des Personalrats an eine als Nazi-Standort bekannte Kaserne versetzt. Ihm wurden Tätigkeiten übertragen, die weit über seiner Leistungsfähigkeit lagen. So konnte man ihn bequem beseitigen. Jedes Mal, wenn ich als Transfrau meinen Mann in der Kaserne abholte, gab es Getuschel. Einmal wurde mir der Zutritt an der Wache sogar verweigert.
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Re: Bundeswehroffizierin scheitert mit Verfassungsbeschwerde | Spiegel

Post 25 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Wenn ich nicht irre, war Frau Biefang die erste Kommandeurin einer Einheit in der Bundeswehr.
Also als Trans-Frau.
Demzufolge wurde sie durchaus Bekannt, durch diverse Presseartikel.
Wenn ich dann als Queeres-Aushängeschild so in der Öffentlichkeit auftrete, muss ich mit
Konsequenzen rechnen.

Besonders als Person von öffentlichem Interesse.

Wenn der Arbeitgeber dann noch extrem konservativ und sehr auf Außendarstellung bedacht ist, ist das schon gewagt.
Sich dann als "Opfer" dar zu stellen.... nun ja.
Beim nächsten Tinder-Profil einfach mal diskreter sein....


Miriam )))(:
Have fun.....always.
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