Kleiner Einschub von mir, weil dieser Punkt ja nicht mit dem eigentlichen Threadthema zu tun hat: Also, wir kennen mit Anastasia Biefang mindestens eine Frau, die das tat. Und vielleicht war es auch nur eine schwierige Terminlage, weil das Video kurz vor einer Session Nadel-Epilation fertig werden musste. Es kann aber auch einfach Realismus sein.Maxine hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 19:24Also m.M. nach polarisiert Frau B. schon gerne. Ich habe ein Video von Ihr gesehen, da steht sie für alle sichtbar als Frau mit "drei-Tage-Bart" auf der Bühne. Wenn man das brauch bitte. Aber ich kenne persönlich keine Frau, die so etwas macht.
Ich habe über die Zeit auch die Änderung in ihrem Style bemerkt und kann mir gut vorstellen, was dahinter stecken kann. Zum einen kenne ich viele, die nach all den gewollten und weniger gewollten Prozeduren der Transition "legerer" werden. Die zum Beispiel nicht mehr jeden Tag die volle Packung aufs Gesicht tun, bevor sie vor die Tür gehen. Die nicht mehr jeden Tag die hohen Hacken, die schicksten Blusen usw anziehen.
Kenn ich auch von mir. Vor Epilation und Hormonen und OP hab ich beim Outfit deutlich mehr aufgedreht. Ein Grund war ein Gefühl, sehr viele männliche Signale kompensieren zu müssen, um einigermassen wenigstens in der Mitte zu landen. Sowohl für mein eigenes Gefühl - hallo Dysphorie -, als auch in den Augen anderer. Inzwischen bin ich auch sehr vollständig "angekommen" in meinem freieren, anderen Sein. Ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen, bin mit meinem Körper ziemlich im Reinen und habe das Standing, mein nichtbinäres Dasein eher einzufordern, als zu rechtfertigen.
Der andere Punkt geht einen Schritt weiter, in einer Art trotzig-realistischem Umgang mit der cis Aussenwelt: Wenn ich als trans Frau eh dauernd zu hören kriege, letztlich doch keine richtige Frau zu sein, dann geb ich doch irgendwann auf, die visuellen Vorstellungen der anderen, wie "echte Frauen sind", mit viel Aufwand erreichen zu wollen. Heisst: Für wen und was mache ich das eigentlich, den Kampf mit zu viel Haaren am Kinn und zu wenig auf dem Kopf, zu viel Volumen im Brustkorb und zu wenig in den Brüsten? Ist das für mein eigenes Wohlbefinden oder ist das der Versuch, doch noch und zwar wegen des durchsichtigen Aufwands wenigstens so ein bisschen als Frau akzeptiert zu werden? Soll das jetzt das ganze Leben so weitergehen, ständig mit aussichtslos mit Wunsch und Wirklichkeit zu kämpfen? Sollte ich mich nicht eigentlich leichter und befreiter fühlen, was aber die Mitmenschen nicht akzteptieren? Erinnerung: Von dem ~1% trans Personen, die irgendwann detransitionieren geben 8 von 10 die Nicht-Akzeptanz ihrer Umgebung als Grund an.
Neben der Detransition ist die andere Methode eben, sich den allgemeinen Gender-Klischees nicht mehr zu unterwerfen, sondern das eigene Ding zu machen. Möglicherweise auch mit bewusster Nicht-Entsprechung. Ob es die Kurzhaarfrisur mit Sidecuts ist oder gar Tessa Ganserers rasierter Kopf mit Tätowierungen. "Ich akzeptiere, dass ihr mich nie akzeptieren werdet und das macht mich von euren Klischees frei".
Das ist eine Form von Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung der eigenen Erscheinung, die Selbstbewusstsein und Persönlichkeit stützt. Es biedert sich nicht an a'la "bitte tolerier mich doch", sondern macht eine no-nonsense Trennung zwischen Leuten, die mich so akzeptieren und denen, die auf Äusserlichkeiten und Klischee-Kompatibilität achten.
Das ist übrigens für nichtbinäre Menschen quasi unvermeidlicher Alltag, weil *seufz* ja, ich weiss, das ist alles so neu und ungewohnt und man muss die Leute ja erst mal abholen und erklären und bla... - heisst aber im Endeffekt, dass ich nie in irgendeiner Form von selbstverständlichem Umgang ankommen werde. Also *f...k you all* mit euren Vorgaben, wie andere sich euch zuliebe zu maskieren haben.
Es ist ausserdem eine sehr deutliche Form von Feminismus, der bei einer cis Frau möglicherweise sogar als mutig-positives Zeichen gewürdigt würde: Siehe, diese Frau unterwirft sich nicht (männlichen) Klischees und optischer Objektifizierung.
Und warum sollte dsa für trans Frauen nicht gelten? Trans Frauen sind Frauen, trans Männer sind Männer, Enbys sind Enbys.