Liebe Marcia,Marcia V hat geschrieben: So 29. Sep 2024, 23:22 Über 40 Jahre bin ich in einem Metallberuf tätig und ich weiß wie dort gedacht und gesprochen wird, als Betriebsrat war ich auch mit vielen Problemen konfrontiert und habe erfahren müssen wie Verständnis und Akzeptanz geheuchelt wird und hinter dem Rücken von Personen im nächsten Moment die derbsten Sprüche gemacht werden, da kämpfst du gegen Windmühlen.
Das will und kann ich nicht aushalten.
Das musst Du leider aushalten - so oder so. Indem Du Dich selber verleugnest, änderst Du ja weder die Meinung solcher Leute über unsereins noch die Tatsache, dass Du zu eben dieser Sorte Mensch gehörst, über die sie so übel reden. Du verhinderst damit nur, dass sie selber wissen, über wen sie da reden. Wäre das denn wirklich so schlimm? Die kennen Dich doch ansonsten recht gut; freilich könnte es sein, dass sie Dich pauschal abwerten, sobald sie von "Marcia" erfahren. Es könnte aber auch sein, dass sie ihre pauschale Meinung über Crossdresser ein Stück weit revidieren, wenn sie erfahren, dass ausgerechnet ihr geschätzter, bewährter Arbeitskollege auch "so einer" ist. Einerseits wirst Du zwar wohl schon einiges an Ablehnung abkriegen (wenn auch wahrscheinlich nur heimlich, "hintenrum"); dafür bezieht sich aber ihre Akzeptanz - soweit nicht bloß geheuchelt - dann endlich auf Deine ganze Person, nicht bloß auf den ihnen bisher bekannten Teil. Unterm Strich ändert sich da nicht wirklich viel.
An diesem Punkt fand ich Dein Posting sehr bedrückend: mir wurde beim Lesen wieder mal klar, dass meine (seit 4 Jahren ungeminderte) Euphorie über mein eigenes, problemloses, offenes Leben als Transfrau auf die Mehrzahl der Jüngeren leider immer noch nicht übertragbar ist. Ich habe halt das Glück, Rentnerin zu sein und keine beruflichen Rücksichten mehr nehmen zu müssen. Ich habe das Glück, eine liebe Ehefrau zu haben, die mich schon unter dem Vorzeichen meiner Transsexualität kennengelernt hat und mich seitdem vorbehaltlos akzeptiert und liebevoll unterstützt. Und ich habe keine Kinder im Haus, für deren ungestörte, weitere Entwicklung ich verantwortlich wäre. Ich verstehe sehr gut, dass all das zusammen es Dir derzeit schwierig bis unmöglich macht, Deine weibliche Seite angemessen zu leben.Marcia V hat geschrieben: So 29. Sep 2024, 23:22 Für mich ist der Wunsch Marcia zu spüren sehr stark und ich habe mir oft vorgestellt wie es wäre ständig so zu leben aber das ist nicht möglich. Ich bin keine Frau. Ich kann kurzzeitig viel kaschieren aber werde doch immer optisch früher oder später als Mann erkannt und mit ende 50 habe ich keine Ambitionen einer endgültigen Umwandlung.
Aber ausgerechnet am Problem des Passings jetzt so zu resignieren ("... werde doch immer optisch früher oder später als Mann erkannt und mit ende 50 habe ich keine Ambitionen einer endgültigen Umwandlung"), das halte ich für falsch. Aus meiner Sicht ist das Passing doch gar nicht das eigentliche Ziel, sondern nur einer von mehreren, möglichen Wegen da hin. Das Ziel war und ist für mich, subjektiv als Frau leben zu dürfen und dabei endlich wenigstens AUCH mit meiner weiblichen Seite gesehen und akzeptiert zu werden. Dass man mich dabei auch als körperlichen Mann sieht, ist für mich okay: ich bin's ja nun mal, das ist authentisch. Aber ich bin eben nicht nur männlich, psychisch/emotional bin ich weit überwiegend weiblich, und auch damit will ich endlich gesehen und akzeptiert werden. Mittlerweile funktioniert das bei mir recht gut; ein echtes Passing als biologische Frau ist dazu gar nicht mehr nötig.
Guck Dir Malvines Fotos an: das Entscheidende ist gar nicht das weibliche Outfit, sondern ihre emotionale Ausstrahlung dabei. Sie fühlt sich sichtlich wohl darin, es ist für sie selber stimmig, man sieht ihr das in der ganzen Erscheinung an, in der Körperhaltung und Mimik. Eben deshalb kommt das Ganze auch so authentisch rüber - trotz des männlichen Körpers, der da schon auch noch zu ahnen ist. Das Männliche ist zwar noch da, aber es stört nicht mehr, es kollidiert nicht mehr mit dem Gesamtbild, es passt harmonisch mit hinein. Ich denke, genau das ist der erfolgversprechendste Weg dahin, dass wir irgendwann nicht mehr erst als Rentner, sondern auch schon in Familie und Beruf unsere weibliche Seite offen leben dürfen. Das Ganze ist eine klassische "self fulfilling prophezy": es kann nur zur Realität werden, indem wir selber darauf vertrauen und es einfach tun.






