Desiree's Reise zu sich selbst
Desiree's Reise zu sich selbst - # 5

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Desiree Maxima
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 61 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Hallo zusammen meine Lieben,

Outing-Gespräch die zweite:

Nach dem Frühstück sitzen meine Freundin und ich oft noch eine Zeit lang gemeinsam am Tisch und plaudern über alles mögliche, mal einfach über den vorigen Abend wenn wir, so wie gestern, aus waren, manchmal einfach nur über Gott und die Welt und manchmal tiefschürfend.

In diesem Zuge habe ich sie heute auf mein Outing vor zwei Wochen angesprochen indem ich ihr erzählt habe, wie ich mich dabei gefühlt habe und daß es mir danach peinlich war, ihr meine rot lackierten Zehennägel zu zeigen. Sie meinte "Warum?", worauf hin ich ihr erklärte, daß das Thema Crossdressing für mich zum Teil noch etwas schambehaftet ist und mir das grade ihr gegenüber unangenehm ist. Sie antwortete nur: "Das braucht Dir nicht peinlich zu sein." Im Zuge dieses "Gespräches" habe die meiste Zeit ich gesprochen und sie antwortete nur eher einsilbig.
Lana hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 22:00 Es endete in einer Art Monolog von mir,....
Diese Passage Deines Beitrages kommt jetzt beim Schreiben grade sehr bekannt vor.
Lana hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 22:00 Da ist es natürlich unheimlich schwer für siesich zu äußern. Und vielleicht hat sie gar nicht das Bedürfnis, darüber zu sprechen, weil sie völlig verunsichert ist und bloß nichts falsch machen möchte, weil sie dich liebt. Oder sie hat das Gefühl, die Initiative läge nicht bei ihr, um eine Klärung herbei zu führen. Oder sie weiß vor lauter Verwirrung nicht, was sie überhaupt dazu sagen soll.
Ich kann zwar nicht in sie hineinsehen, aber genau so sieht es für mich im Moment aus.
Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 Ich glaube, die einzige Möglichkeit, sie mit in den Nebel zu nehmen, ist, wenn sie das selbst wollen.
Tja, und genau hier liegt aktuell bei meiner Freundin und mir "der Hase im Pfeffer". Ich weiß nicht ob sie das will.
Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 Vicky-Rose hat mal das Bild gezeichnet vom Nebel, in dem wir uns langsam voran tasten.
Diese Analogie finde ich sehr passend - mir fehlt ja zum Teil auch noch die Orientierung das Crossdressing und das Ausleben meiner femininen Seite betreffend. Viele Fragen, die ich mir zu Anfang gestellt habe, kann ich noch nicht eindeutig beantworten, obwohl mir ein paar Dinge seither sicherlich ein wenig klarer geworden sind. Ich denke, diese Unsicherheit überträgt sich auch auf meine Freundin.

Zum Abschluß unseres Gespäches versicherte ich ihr, daß ihr der "Kaisermühlner Macho" erhalten bleiben wird. "Kaisermühlen" ist eines der urtypischen Wiener Viertel, in dem ich aufgewachsen bin und wo ich noch immer wohne, in dem die Dichte typischer Wiener und Wienerinnen sehr hoch ist. Und den Macho lasse ich manchmal mit einem riesengroßen Augenzwinkern raushängen - und sie weiß auch, daß ich das im Grunde genommen nicht wirklich bin und mich dabei selbst nicht ganz so ernst nehme.

Diese Versicherung kommentierte sie sinngemäß mit einem kurzen: "Das wäre mir sehr recht".

Lana hat geschrieben: Do 12. Dez 2024, 22:00 Das wird dir vielleicht nicht weiterhelfen, aber das war auch gar nicht meine Absicht.....
Du weißt gar nicht, wie viel mir Deine Beiträge bisher schon geholfen haben :-) Vielen Dank dafür!

Anja61 hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 12:50 Mich meiner langjährigen Partnerin, mit der ich weiterhin leben möchte, zu offenbaren. Der Druck nimmt zu, aber auch der Wille, und die Angst hat bei mir eher abgenommen.
Genau an diesem Punkt stand ich vor zwei Wochen, als ich mich zum ersten mal meiner Freundin gegenüber offenbart habe. Mir war schon vorher klar, daß das auf mich zukommen würde und daß "je früher, desto besser" ein sehr wichtiger Punkt ist - dank Lanas Beiträgen (z.T. in diesem Thread etwas weiter vorne).
Ich wünsche Dir ganz viel Mut und Kraft für Deine nächsten Schritte!


Alles Liebe
Desiree
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 62 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Lana und Desiree,
Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 Vicky-Rose hat mal das Bild gezeichnet vom Nebel, in dem wir uns langsam voran tasten. Wir können weder den Weg klar erkennen, vielleicht sehen wir nur die nächsten paar Schritte, noch ist uns das Ziel bekannt. Wir wissen nicht, ob demnächst eine unerwartete Wendung vor uns auftaucht, oder ein Abgrund. Wir wissen auch nicht, wann der Nebel sich lichten wird, falls das überhaupt je geschieht. Und wo wir dann sein werden, können wir bestenfalls erahnen.
Das ist eine wunderbare Metapher von Vicky-Rose und und Dir. Ich finde es echt bemerkenswert wie Du hier die Dinge bildhaft beschreibst.
Ich hatte Gänsehaut beim Lesen.
Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 So ähnlich geht es wohl den Menschen in unserem Umfeld, die wir "mitnehmen" sollten, wenn wir sie nicht verlieren wollen.
Dieser Satz macht Mut und Zuversicht, sicher nicht nur bei mir !
Lana hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 21:57 Ich glaube, die einzige Möglichkeit, sie mit in den Nebel zu nehmen, ist, wenn sie das selbst wollen. Und dabei können wir sie unterstützen, sich zu motivieren, ohne Kompass durch den Nebel zu gehen. Einfach weil unterwegs sein interessanter ist, als zu Hause rumzusitzen. Es eröffnet die Möglichkeit, erwas dazu zu lernen, sich selbst besser kennenzulernen und Dinge zu erfahren, von denen man vielleicht noch nie zuvor gehört hat. Ein bisschen Neugier und kindliche Unbeschwertheit sind dabei sicher hilfreich.

Dann stelle ich mir das sehr schön vor, wie wir so im Nebel stehen, mit einem für uns wichtigen lieben Mensch zusammen, und wir haben beide keine Ahnung, wo wir gerade sind und wie es weitergeht.

Aber wir sind nicht verloren, egal, wie grau und dick der Nebel auch sein mag.

Wir haben immer noch uns.
Das hast Du wunderschön gesagt.
Ich bin ja schon die ganze Zeit von Deinen Beiträgen begeistert, aber der hier übertrifft Alle.
Und wie Desiree auch schon erwähnte, Sie helfen uns ungemein.
Danke Dafür!
Du bist Eine von Denen, die ich sehr gern einmal persönlich kennenlernen würde.

Auch wenn es eventuell nicht hierhin gehört, du hast das Talent, ein Buch zu schreiben, meine ich.
Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 14. Dez 2024, 12:30 Und den Macho lasse ich manchmal mit einem riesengroßen Augenzwinkern raushängen - und sie weiß auch, daß ich das im Grunde genommen nicht wirklich bin und mich dabei selbst nicht ganz so ernst nehme.
Soso Desiree, das hast Du mir ja noch gar nicht erzählt.😉

bewundernd
Deine Violetta
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Desiree Maxima
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 63 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Guten Morgen meine Lieben,

gestern war ich zum zweiten mal en femme draußen und bin zu einem CD/Trans*-Treffen gefahren. Vieles verlief ähnlich wie beim ersten mal. Diesmal hatte ich das graue Strickkleid an, das ich hier schon gezeigt habe. Wir waren nur zu dritt - ich denke mal, daß einige schon im Vorweihnachtsstreß sind oder vielleicht noch von der einen oder anderen Weihnachtsfeier gezeichnet waren ;-)

Wir haben sehr viel über Einkaufsmöglichkeiten gesprochen und auch über das Für und Wider Chinesischer Onlineshops diskutiert. Und nachdem die anderen beiden auch sehr sportlich und viel mit dem Rad unterwegs sind, war das natürlich auch ein großes Thema. Mit ist wieder aufgefallen, daß es bei diesen Treffen nicht ausschließlich ums Crossdressing und Transidentität geht sondern auch einfach um ganz alltägliche Dinge. Das ist auch gut so, denn es unterstreicht in meinen Augen die Selbstverständlichkeit, mit der die Transidentität und das Crossdressing gelebt werden kann, ja vielleicht sogar soll oder muß.

Interessanterweise habe ich mich diesmal beim Gang vom Auto zum Vereinslokal und vor allem dann um kurz nach 23:00 Uhr zurück zum Auto viel unsicherer gefühlt, als beim ersten mal. Unsicher im Sinne von erkannt zu werden, unsicher, ob mich die Leute einfach in Ruhe lassen würden. Viele Menschen in diesem Viertel sind nicht unbedingt queerfreundlich. Und mir war saukalt - der eher dünne Mantel über dem Strickkleid und die freien Beine nur in der Strumpfhose waren einfach zu wenig bei maximal 4-°C am Abend. Als ich ins Auto einstieg, habe ich am ganzen Köroer gezittert. Sicherlich war hier auch meine Nervosität im Spiel. Und ich hatte ein wenig Angst vor einer eventuellen Polizeikontrolle, denn in der Vorweihnachtszeit gibt es öfter Planquadrate auf den Hauptverkehrsrouten durch Wien.

Es ist aber alles gut gegangen und ich bin wohlbehalten wieder in meiner Wohnung angekommen. In meiner Wohnhausanlage ist mit zum Glück auch niemand begegnet. Dann noch schnell abgschminkt und ein Gute-Nacht-Telefonat mit meiner Freundin geführt.

Leider haben sich nun in den letzten Stunden seit dem Aufwachen leise Zweiel, das Crossdressing betreffend, breit gemacht. Bin ich das wirklich? Möchte ich das wirklich? Ist es denn die ganze Zeit und Mühe wert, die ich da hineinstecke? Ich dachte, daß ich eigentlich über die ersten grundsätzlichen Fragen schon hinweg wäre und hier Antworten gefunden hätte.

Voerst freue ich mich jetzt auf die kommenden, hoffentlich geruhsamen, Tage und daß ich mal eine Zeit lang durchgehend im MM sein kann. So wie ich mich kenne, kommt der feminine Anteil ohnehin bald wieder stärker durch und dann freue ich mich wieder darauf, Desiree sein zu können.

Schließen möchte ich nun mit einem, für mich aktuell sehr passenden, Zitat von George Santayana, einem spanischen Philisophen: "Das Leben ist weder ein Fest, noch eine großartige Show. Es ist eine ungelöste Situation."

Ich wünsche Euch ein schönes, vorweihnachtliches Wochenende.

Alles Liebe
Desiree
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 64 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 10:38
Leider haben sich nun in den letzten Stunden seit dem Aufwachen leise Zweiel, das Crossdressing betreffend, breit gemacht. Bin ich das wirklich? Möchte ich das wirklich? Ist es denn die ganze Zeit und Mühe wert, die ich da hineinstecke? Ich dachte, daß ich eigentlich über die ersten grundsätzlichen Fragen schon hinweg wäre und hier Antworten gefunden hätte.
Hallo Desiree,

Das ist interessant, denn einige Zeit später hatte ich da auch ein Erlebnis wo ich nicht genau wußte wie ich nun damit umgehen soll. Aber ich hab gelernt das es kein "Muss" ist jeden Tag feminin gekleidet herumzulaufen. Geht zwar, ist aber kein Zwang. Und nun, wenn ich das Bedürfnis habe tue ich das, wenn nicht, dann nicht, oder ich mixe die Kleidung, je nachdem. In dem Duktus waren auch die Ratschläge hier. Hatte mir geholfen.
Setz dich nur nicht selbst unter Druck. Es scheint ja unterbewusst nach einem Outing zu passieren, solche Phase.
Oder ist das Zufall? Deshalb, immer mit der Ruhe und wenn Desiree wieder mal nach draußen drängt dann gib ihr wieder den Raum.

Liebe Grüße Heike
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 65 im Thema

Beitrag von Ninadieflocke »

Hallo Desiree,
Möglicherweise war jetzt, beim zweiten Mal, Dein Adrenalinspiegel um Einiges niedriger als beim ersten Mal, daher auch mehr Platz für Gedanken an mögliche Folgen und Gefahren.
Zweifel betreffs Crossdressing halte ich für eher normal. Wer wird schon eines Morgens wach und weiß/beschließt, ab nun für immer als Crossdressende herumzulaufen?
Ich beobachte durchaus wellenförmige Stimmungsschwankungen zu diesem Thema — und versuche sie auch zuzulassen. Ist der Antrieb zum FM ausreichend groß, scheut frau weder Geld noch Mühen in dieser Sache. Ist dann eine gewisse Sättigung/Gewöhnung erreicht, denkt man wieder kritischer über alles. Reflexion und Selbstreflexion, völlig okay in meinen Augen, oder? Außerdem, ist man gezwungen, eine Ausschließlichkeitsentscheidung zu treffen? Glücklicherweise nicht"¦
Gruß Nina
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 66 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Desiree,

deine Gedanken am Tag danach kennen wohl die meisten hier auch. Zumindest sind sie mir sehr gut bekannt und ab und zu erwischt es mich wieder, daß ich an meinem Tun zweifle.

Für mich ist es ein Zeichen, ich bin CD und nicht Trans. Ich fühle mich in beiden Gender-Welten Zuhause und freue mich auch wieder auf meinen männlichen Alltag.

Versuch einmal in dich hinein zu spüren, was in dir dieses flaue Gefühl beschert...dann kannst du es für dich besser einordnen.
Bei mir sind es oft Faktoren, wo ich merke, meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, oder wie vielleicht in deinem Fall die Angst und das körperliche Empfinden die Oberhand behalten.
Später fragt sich dann die Seele, ob es das Alles wirklich wert ist..... meine Antwort auf solche Gedanken? Auf jeden Fall!

Gönne dir ein Pause und lass deine Seele deiner persönlichen Entwicklung folgen.... auch wenn sie es ist, die dich zu mehr antreiben will.

LG
Malvine
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 67 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Desiree
Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 10:38 Mit ist wieder aufgefallen, daß es bei diesen Treffen nicht ausschließlich ums Crossdressing und Transidentität geht sondern auch einfach um ganz alltägliche Dinge. Das ist auch gut so, denn es unterstreicht in meinen Augen die Selbstverständlichkeit, mit der die Transidentität und das Crossdressing gelebt werden kann, ja vielleicht sogar soll oder muß.
Das ist mir bei meinem Treffen anfangs November sehr aufgefallen: jede hat seine Alltags-freuden und -sorgen und man spricht primär darüber. Beim Kennenlernen wird das Thema Crossdressing/Trans kurz angesprochen, um zu erfahren wo man steht, dann geht's über natürliche Themen weiter.
Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 10:38 Leider haben sich nun in den letzten Stunden seit dem Aufwachen leise Zweiel, das Crossdressing betreffend, breit gemacht. Bin ich das wirklich? Möchte ich das wirklich? Ist es denn die ganze Zeit und Mühe wert, die ich da hineinstecke? Ich dachte, daß ich eigentlich über die ersten grundsätzlichen Fragen schon hinweg wäre und hier Antworten gefunden hätte.
Wie es Heike und Nina gesagt haben: Ich zweifle zwischendurch ebenfalls, nur ist es so, dass ich mich jeden morgen freue, weibliche Kleidung im Hybridmodus (keine Schminke und keine Perücke) anzuziehen und ich organisiere mein Tag so, dass der MM "konzentriert" wird: Garten- oder Holzarbeit, dann Einkauf oder was grad im MM ansteht, dann dusche ich und lege was "Vornehmeres" (sprich auch sexier) an.
Der nächste Schritt wird ja bei mir am 3. Januar passieren mit Kosmetikbesuch und dann das Treffen der GWHFs. Mit der Kosmetikerin habe ich abgemacht, dass wir vor Ort Plan A (frisiertes Naturhaar) oder Plan B (mit Perücke) festlegen werden. Schon die Vorfreude dazu macht mich kribbelig, auch wenn der Aufwand für schweizer Verhältnissen gross sein wird: Ich fahre vom Bodensee nach Bern zur Kosmetikerin, dann nach Wangen a. Aare (ca. 4 Fahrstunden insgesamt, falls es keinen Stau gibt), aber was macht man nicht, um sich weiblicher zu fühlen und Gleichgesinnte zu treffen.

Lass Dich einfach treiben, keinen Zwang, ich brauche auch Zeit und geniesse es, einfach das zu sein, was ich jetzt bin und an habe (FSH, Sandaletten (6cm Absatz), BH mit Sillies und darüber ein einfaches Bauwollkleid)
Liebe Grüsse
Daniela
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 68 im Thema

Beitrag von Susi T »

Malvine hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:11 daß ich an meinem Tun zweifle.

Für mich ist es ein Zeichen, ich bin CD und nicht Trans. Ich fühle mich in beiden Gender-Welten Zuhause und freue mich auch wieder auf meinen männlichen Alltag.
Zweites seh ich auch so Malvine, aber ersteres nicht. Wir alle zweifeln hin und wieder, aber als CD kannst du pausieren, oder deine Sachen in die Tonne kloppen. Trans kann sich als Mauerblümchen tarnen, verstecken, oder sich selbst in die Tonne werfen. Deswegen ist es meiner Meinung nach immer so wichtig, das man das macht was einem Glücklich macht, aber nicht vorwärts stürmt in der Hoffnung noch mehr Glück anzuhäufen. Einfach das Glück umarmen wenn man es braucht und es genießen.
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 69 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Desiree Maxima hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 10:38 Mit ist wieder aufgefallen, daß es bei diesen Treffen nicht ausschließlich ums Crossdressing und Transidentität geht sondern auch einfach um ganz alltägliche Dinge. Das ist auch gut so, denn es unterstreicht in meinen Augen die Selbstverständlichkeit, mit der die Transidentität und das Crossdressing gelebt werden kann, ja vielleicht sogar soll oder muß.
Hallo Desiree..

sehr richtig, es ist gut so. Mein Lieblingsmensch hat einmal zu mir gesagt "leb es doch einfach"..

und das ist so sehr wahr.
Crossdressing oder trans* an sich sind doch nur eine von vielen Eigenschaften und ein kleiner Teil des Lebens.
Es macht ja nicht das gesamte Leben an sich aus.
In Grunde läuft es sogar nur nebenher, wie einkaufen oder Blumen giessen..mal überspitzt gesagt.

Wenn ich mir noch immer viele Gedanken um meine Geschlechtlichkeit und deren Ausdruck machen würde,
würde ich so vieles anderes verpassen, was aber auch zu einem erfüllten Leben gehört.
Mein trans* sein (und das bisschen inter) kann doch nicht alles andere bestimmen, so sehr besonders ist es einfach nicht.

Besonders sind die Momente wo du Freude im Herzen hast, dich wohl und frei fühlst, nicht nachdenken musst
wie bewertet mich wohl wer und noch unnötiger wo sortiert er mich denn ein. Du musst gut zu dir und mit dir sein,
das ist die Verantwortung die du für dich trägst.
Stell dir vor du bist im Konzert deiner Lieblingsband und denkst nur an dein Makeup-aber was ist denn der Grund
das du auf dem Konzert bist? Doch nicht das du dich zeigst, sondern weil du die Musik liebst.

Vielleicht schaue ich immer ruhiger auf das Ganze weil ich inzwischen so viel Gutes bekommen habe,
wovon ich vorher nie geträumt hätte...alles kann, aber nichts muss nimmt mir den Druck.

Hab eine gute Zeit, Marie (flow)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 70 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Guten Abend meine Lieben,

vielen Dank für Eure Beiträge - zu meinen Zweifeln und Gedanken - mit aufmunternden Worten, Denkanstößen und Hinweisen auf Gemeinsamkeiten in der Entwicklung. Bitte seid nicht böse, wenn ich vielleicht einige von Euch nicht direkt zitiere, denn es hat mich so viel in Euren Antworten angesprochen und es gibt in ihnen sehr viele Gemeinsamkeiten - dieser Beitrag wäre sonst eine einzige "Zitierwüste" geworden.
Ninadieflocke hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:07 Ich beobachte durchaus wellenförmige Stimmungsschwankungen zu diesem Thema — und versuche sie auch zuzulassen.
Deinen Beitrag, liebe Nina, hätte ich am liebsten komplett hier zitiert, denn ich habe mich in jedem einzelnen Satz wieder gefunden. Ich denke auch, daß ich beim zweiten Mal mehr "Kapazitäten" für Katastrophengedanken hatte. Der Kopf weiß ja, daß Zweifel und Stimmungschwankungen normal sind, daß man keine Außschließlichkeitsentscheidung treffen muß. Aber sag das mal meinem Herzen ;-)
Malvine hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:11 Für mich ist es ein Zeichen, ich bin CD und nicht Trans. Ich fühle mich in beiden Gender-Welten Zuhause und freue mich auch wieder auf meinen männlichen Alltag.
Genau diese Gedanken hatte ich ebenfalls schon. Das scheint sich derzeit so zu verfestigen. Natürlich ohne Garantie, daß es immer so bleibt. (Die Sätze "für immer" und "nie wieder " habe ich schon vor langer Zeit aus meinem Wortschatz gestrichen.)
Malvine hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:11 Bei mir sind es oft Faktoren, wo ich merke, meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, oder wie vielleicht in deinem Fall die Angst und das körperliche Empfinden die Oberhand behalten.
.
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Gönne dir ein Pause und lass deine Seele deiner persönlichen Entwicklung folgen.... auch wenn sie es ist, die dich zu mehr antreiben will.
Hier steckt ebenfalls so viel für mich drinnen, was mich zum Nachdenken gebracht hat. In mehrerlei Hinsicht. Ich denke, es steckte tatsächlich zu einem guten Teil die Angst hinter meinen Zweifeln. Angst, nicht gut genug auszusehen, um als Frau gelesen zu werden und die Angst angepöbelt zu werden.

Und ja, diese Pause brauche ich jetzt wirklich mal.

Und das "meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden" hat mich noch in einem anderen Aspekt angesprochen: Oft stehe ich mir mit meinem Perfektionismus selbst im Weg. Nachdem mir nach einigen Fehlversuchen ein halbwegs brauchbares Makeup gelang und noch die Perücke hinzukam, war ich sehr glücklich mit meinem Aussehen. Mittlerweile möchte ich jedoch mehr - das Makeup verbessern und an meiner körperlichen Erscheinung weiterarbeiten - Stichwort Silies und gepolsterte Hosen. Ganz abgesehen von weiteren, femininen Outfits. Meine Zweifel rührten wohl daher, daß ich unmittelbar nach dem CD/Trans*-Treffen (noch) nicht bereit war, den Preis dafür zu bezahlen. Damit meine ich nicht den finanziellen Aspekt sondern, ob ich bereit bin, weiterhin die erforderliche Zeit zu investieren und Rückschläge bzw. Mißerfolge hinzunehmen. Hier wird sicherlich die Pause über die Feiertage mal helfen, klarer zu sehen und Abstand zu gewinnen.
Lavendellöwin hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 16:05 Wenn ich mir noch immer viele Gedanken um meine Geschlechtlichkeit und deren Ausdruck machen würde,
würde ich so vieles anderes verpassen, was aber auch zu einem erfüllten Leben gehört.
Genau das ist es: Die richtige Balance zu finden, damit alles, was ich gerne mag, einen entsprechenden Platz in meinem Leben bekommt.
Lavendellöwin hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 16:05 Stell dir vor du bist im Konzert deiner Lieblingsband und denkst nur an dein Makeup-aber was ist denn der Grund
das du auf dem Konzert bist? Doch nicht das du dich zeigst, sondern weil du die Musik liebst.
So etwas ähnliches habe ich schon erlebt, als ich die ersten paar Male im Homeoffice in femininer Kleidung gearbeitet habe. Ich war so mit dem "feminin Sein" beschäftigt, daß die Arbeit zu Nebensache wurde. Zumindest das hat sich mittlerweile eingependelt.

Zum Schluß noch ein paar Zitate und Hinweise, die ebenfalls goldrichtig in meiner aktuellen Situation passen:
HeikeCD hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:07 Setz dich nur nicht selbst unter Druck.
Daniela04 hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:25 Lass Dich einfach treiben, keinen Zwang,...
Tira hat geschrieben: Sa 21. Dez 2024, 11:45 ...aber nicht vorwärts stürmt in der Hoffnung noch mehr Glück anzuhäufen.
Aus allen diesen Zitaten sticht für mich die Grundaussage, mich nicht unter Druck zusetzen und vor mir herzutreiben, hervor. Auch hier gilt, vom Kopf her weiß ich das, aber bis das mal zum Herzen vorgedrungen ist ...

Jetzt ist's am Ende doch ein wenig eine Zitierwüste geworden. Ich wollte einfach niemanden auslassen, denn ich bin Euch allen unendlich dankbar, daß Ihr mir "zuhört" und Eure Erfahrungen mit mir teilt und mir so auch Mut und Trost zusprecht.

Fühlt Euch umarmt (wer möchte).

Alles Liebe
Desiree
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 71 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Desiree
Desiree Maxima hat geschrieben: So 22. Dez 2024, 23:59 Oft stehe ich mir mit meinem Perfektionismus selbst im Weg.
Kennst Du die 80/20 Regel?
Einfach: man erreicht mit 20% Aufwand, 80% das Ergebnis, dann braucht man 80% um die restlichen 20% zu schaffen.
Am Perfektionismus ist meine letzte Ehefrau und heutige Freundin gescheitert, sie wollte alles perfekt haben.

Wir haben ja sowieso unser Handicap unserer Männlichkeit, die wir ja versuchen zu kaschieren, aber wie ich es in vielen Beiträgen schon gelesen habe, es nie ganz schaffen werden.
Ich bin zum Glück kein Perfektionist, möchte aber natürlich so weiblich aussehen wie möglich. Deshalb gehe ich am 3. zur Kosmetikerin und erhoffe mir Tricks, um mindestens die 80% zu erreichen.
aber eben, unser Grundkarakter können wir nur in beschränktem Maasse verändern.

Lieber Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 72 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Guten Morgen meine Lieben,

leider habe ich Donnerstag Abend erfahren, daß ein sehr lieber Freund Metastasen im Körper hat. Es wurden schon zwei mal Knötchen von seinen Stimmbändern operativ entfernt und nach der 2. OP hat er Bestrahlungen über sich ergehen lassen. Das ist nun ca. 6 Jahre her und jetzt ist der Krebs zurück. Diesem Freund verdanke ich es, daß ich heute noch am Leben bin oder zumindest nicht in der Gosse liege. Für ihn bin ich der Sohn, den er nie hatte und er selbst bezeichnet sich gerne als mein Reservepapa. Ihm verdanke ich es, daß ich vor knapp 23 Jahren zum ersten Mal in eine Selbsthilfegruppe für Alkoholiker gegangen bin. Er hat damals meine Mailanfrage an diese Gruppe beantwortet. Diese Antwort war der letzte Schubser, den ich benötigte, um dort wirklich hinzugehen.

In einigen meiner Beiträge habe ich eine schwere Lebenskrise vor mittlerweile fast 23 Jahren erwähnt, die mich dazu zwang, mein damaliges Leben komplett umzukrempeln - innen wie außen. Lange Rede - kurzer Sinn: Ich bin Alkoholiker und trinke seit knapp 23 Jahren nicht mehr. Eigentlich begann diese Krise bereits im Alter von 14 Jahren, als ich meinen ersten Vollrausch hatte. Alle meine Minderwertigkeitskomplexe wurden mit jedem Schluck kleiner und ich fühlte mich endlich mal "größer". Natürlich habe ich nicht gleich von Beginn an jeden Tag voll gesoffen, aber wenn, dann meist völlig unkontrolliert. Es war, als würde mit dem ersten Schluck eine Sicherung durchbrennen und dann ging fast jedesmal die Post ab. In den letzten paar Jahren meiner Alkoholikerkarriere wurde die schiefe Ebene, auf der ich hinabrutschte immer steiler. Es ging in der Abwärtsspirale immer schneller nach unten. Die Versuche, mein Trinken zu kontrollieren, schlugen alle bombastisch fehl. Nach jedem fehlgeschlagenen Versuch ging es noch schlimmer mit der Trinkerei weiter.

Letzendlich war ich Anfang 2002 soweit am Boden, daß ich mir selbst schwor "Ich tue alles, nur bitte nicht mehr trinken". Jeden Tag am Morgen mit einer Elefantenherde im Kopf aufwachen. Jeden Morgen das Versprechen, nicht mehr zu trinken, das bestenfalls bis zum frühen Nachmittag hielt. Jedesmal die Selbstverurteilungen und der Selbsthass, es wieder nicht geschaftt zu haben. Ich war wirklich am Ende. Vor allem seelisch war ich ein totales Wrack.

Im März 2002 besuchte ich zum ersten Mal eine Selbsthilfgruppe und ich schaffte es tatsächlich, mit ihrer Hilfe vom Alkohol wegzukommen. Der Anfang war eine emotionale Achterbahnfahrt, weil das Leben ungefiltert auf mich einprasselte. Ich mußte nun alles aushalten, von dem ich dachte, ohne Alkohol würde ich das nicht schaffen. Man sagt, daß man in seiner Persönlichkeitsentwicklung stehen bleibt, wenn man mit dem Trinken bzw. dem Alkoholmißbrauch beginnt. Da stand ich also mit knapp 35 Jahren da und war emotional auf dem Stand eines Teenagers. Ich mußte vieles (nach-)lernen und fast mein komplettes Leben umkrempeln. Erst mit 40 hatte ich zum ersten mal den Mut, eine Frau anzusprechen, ob sie mit mir mal etwas trinken gehen möchte (und alles weitere, was dann nach dem Kennenlernen noch kam), ohne mir vorher Mut antrinken zu müssen.

In diesen letzten knapp 23 Jahren, lernte ich, zu mir selbst zu stehen, gewann wieder Selbstvertrauen und begann sogar, mich selbst zu mögen und anzunehmen, so wie ich eben nun mal bin. Als ich trocken wurde, dachte ich, das Leben würde grau, öde und fad werden. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Ich habe viele tolle Sachen erleben und vieles nachholen dürfen, sodaß jetzt doch noch ein erfülltes Leben dabei herauskam und noch immer herauskommt (ist ja noch nicht zu Ende ;-)) Und ich konnte viele schwierige Situationen bewältigen, die mich früher aus der Bahn geworfen hätten. Vieles erforderte Mut, Entschlossenheit und ein gesundes Selbstvertrauen.

Mein Reservepapa ist ebenfalls Alkoholiker - so wie alle anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe. Das war wohl einer der Gründe, warum ich damals auch wirklich dorthin ging. Ich fühlte mich angenommen und verstanden. Ich finde ja "Reservepapa" fast ein wenig untertrieben, denn er ist viel mehr für mich. Er ist Mentor und guter Freund; etwas, was mein trinkender - und mittlerweile verstorbender - leiblicher Vater nie war, denn der saß lieber im Wirtshaus, als sich um seine Familie zu kümmern.

Angesichts dieser Nachricht ist es fast vernachlässigbar, daß mir gestern an der Haustüre einer meiner Nachbarn mit seiner Begleitung begegnete, als ich mich grade en femme auf den Weg zum Trans*/CD-Treffen machte. Ich presste nur schnell ein "N'Abend" heraus und ging, so schnell ich konnte, weiter. Mich würde interessieren, ob er mich erkannt hat.

Wird wohl ein nachdenkliches Wochenende.

Alles Liebe
Desiree

PS: Der Beitrag ist wieder mal länger geworden, als ich ursprünglich dachte. Auf meine Alkoholkrankheit möchte ich hier im Forum nicht viel ausführlicher eingehen, weil das nicht das Thema dieses Forums ist und weil ich ohnehin anderswo die entsprechende Hilfe in Anspruch nehmen kann. Fragen dazu beantworte ich natürlich gerne.

PPS: Ich habe in diesem Beitrag bewußt die männliche Form, nämlich "Alkoholiker" verwendet, weil Desiree erst letzten Sommer wirklich an die Oberfläche und in mein bewusstes Leben kam und ich das endlich zulassen und akzeptieren konnte.
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 73 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Desiree,

dein Beitrag zeigt, wie viel Vertrauen zu den Menschen hier im Forum hast. Dafür ein ganz großes Dankeschön.
Für deinen Ersatz Papa wünsche ich alles erdenklich Gute auch wenn die Zeichen nichts Gutes verheißen.
Euch beiden viel Kraft für die nächste Zeit!

LG
Malvine
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 74 im Thema

Beitrag von Annette »

Liebe Desiree

Jetzt bin ich völlig gerührt…

Das sind die Geschichten, die das Leben schreibt. Persönliche Geschichten voller Traurigkeit, voller Melancholie, und doch so voller Hoffnung und Lebensfreude. Deine Geschichte ist so eine. Das mit deinem Freund finde ich unglaublich traurig, ausgerechnet trifft es den Menschen, der dir in deinen dunkelsten Zeiten den nötigen Halt gegeben hat. Das tut weh! Es tut dir weh, und es tut mir auch weh, wenn ich das lese. Vor etwa zwei Jahren habe ich eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht, auch ein guter Freund… Deine anderen Erfahrungen und den ganzen Mist, den du durchgemacht hast, es spricht für dich, dass du es geschafft hast! Es spricht für dich, dass du zu deiner Vergangenheit stehst und hier so offen und frei darüber berichten kannst. Danke für diesen Vertrauensbeweis.

Dein Bericht hat mich fast umgehauen. Ich bin ja sehr nah “am Wasser gebaut”, doch diesmal befinde ich mich mittendrin, in diesem Wasser, für den Rest des Tages!

Liebe Grüsse von Annette,
wir hören uns
Desiree Maxima
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Re: Desiree's Reise zu sich selbst

Post 75 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Liebe Malvine, liebe Annette,
Annette hat geschrieben: Sa 25. Jan 2025, 15:35 Das mit deinem Freund finde ich unglaublich traurig, ausgerechnet trifft es den Menschen, der dir in deinen dunkelsten Zeiten den nötigen Halt gegeben hat
vielen Dank für Euren Zuspruch.
Malvine hat geschrieben: Sa 25. Jan 2025, 15:24 Für deinen Ersatz Papa wünsche ich alles erdenklich Gute auch wenn die Zeichen nichts Gutes verheißen.
Wir werden mal sehen, was die nähere Zukunft bringt. Zunächst ist jetzt ein Termin bei seiner behandelnden Ärztin, die ihn wegen der Knoten auf den Stimmbändern behandelt hat und die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen durchführt, notwendig. Ironischerweise ist er letzten Donnerstag auf dem Weg zu genau dieser Ärtzin auf Glatteis gestürzt, wurde mit der Rettung in ein Unfallkrankenhaus gebracht und bei den Untersuchungen der Frakturen haben sie die Metastasen zufällig entdeckt.

Im Augenblick bin ich ein wenig sprachlos. Ich kann nur versuchen, ihm best möglich beizustehen und zu unterstützen, wo ich kann.

Alles Liebe
Desiree
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