CD und Identitätskrise
CD und Identitätskrise - # 2

allgemeiner Austausch
Nicole Fritz
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Re: CD und Identitätskrise

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Klara,

Was bist Du? Ist das jetzt wirklich wichtig?

Ich sehe es ein Stück weit so: Echte Männer sehen ihre Frauen als Besitz, und lassen sich gerne als Held im Krieg tot schießen. Damit sie damit klar kommen, gehen sie ins Fußball-Stadion, und schlagen den Fans der gegnerischen Mannschaft in die Fresse. Zuhause kuschen sie dann vor dem Nudelholz ihrer Frau ... .

Mit so etwas kam ich noch nie klar. Ich spielte lange irgenwie Zähne knirschend mit, bis es am Ende alles egal war. Dann zeigte sich Nicole. Mit dem großen "C" endete auch das. Da gab es niemanden mehr, bei dem ich das Bedürfnis hatte meine "Weiblichkeit" zu zeigen. Jetzt ist der Mann tot, und die "Frau" gibt es auch nicht mehr wirklich. Die ganze Trans-Szene ist für mich nur noch ein Geschäftsmodell. Wie bei den Schönheitsoperationen der reichen Frauen macht man da bei zweifelhaftem Erfolg letztlich nur seinen Körper kaputt. Aus einem biologisch noch funktionierenden Mann wird ein geschlechtloses Etwas, das manchmal mehr, aber oft weniger wie eine Frau aussieht.

LG Nicole
ExUserIn-2026-04-08
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Re: CD und Identitätskrise

Post 17 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Was soll ich da noch groß schreiben ? Meine Vorschreiberinnen haben das, was zu sagen war, schon geschrieben. Du bist nicht alleine und wenn Dich jemand labeln sollte, scher Dich nicht drum. Es gibt nur einen Maßstab und das bist Du selber.

Du kannst hier Geschichten von vielen lesen, die ähnlich klingen, aber es werden dabei auch unterschiedliche Wege beschritten. Vielleicht macht es Dir Mut, Deinen eigenen Weg zu suchen. Was für mich eher dramatisch klingt, ist die Frage Deiner Familie und hier steht für mich zuerst Deine Frau im Mittelpunkt. Der Satz "ich bin doch nicht lesbisch" habe ich auch gehört und ich weiß von anderen, dass es ihnen ähnlich ging. Für mich war er traumatisch. Für mich ist ein Lösungsansatz, viiiiieeeellll Geduld mitzubringen und sich klar zu sein, dass wir nicht alles bekommen können, was wir uns wünschen, aber auf der anderen Seite mehr bekommen können, als wir befürchten. Niemand kann sagen, wie sich das bei Euch entwickeln wird. Das musst Du selber auf die Kette bekommen. Es gibt keinen Königsweg.

Was die Kinder betrifft, stehe ich auf dem Standpunkt, dass sie nicht "vor schädlichen Einflüssen geschützt" werden müssen. Es ist aber schädlich, wenn sie in ihrem Vater eine Person erleben, die massiv an sich selber zweifelt. Ich glaube, keine von uns hier hat zuhause "gelernt" trans* zu sein. Was Deine Kinder von DIr lernen können, ist die Tatsache, dass es mehr gibt, als das, was als "normal" gilt. Queere Menschen sind so normal wie jeder andere Mensch und das sieht man daran, dass es sie in praktisch jeder anderen Kultur gibt. Das Problem sind nicht queere Menschen, es ist die Umwelt, in der sie leben müssen. Es liegt an uns selber, ob wir uns, bei aller Rücksicht, das Recht, so zu leben wie es uns gerecht wird, nehmen. Wir werden nicht eingeschränkt, wir tun das selber und schieben den schwarzen Peter auf die Gesellschaft oder auf andere vermeintliche Gründe. Im Kern steht die Frage, wie Du leben willst: selbstbestimmt oder so, wie es andere von Dir erwarten ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Klara
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Re: CD und Identitätskrise

Post 18 im Thema

Beitrag von Klara »

Hi,

Nun das mit den Kindern ist schon widersprüchlich da gebe ich dir Recht. Auf der einen Seite will ich ihnen ideologisch zeigen, dass es queere Menschen gibt, und das nicht alles binär in Schubladen zu stecken ist. Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass sie Mobbing erfahren werden wenn rauskommt "dein Papa ist ne Frau" und man will sie als Vater/Elternteil auch beschützen vor sowas. Ich muss schauen wie ich da einen Mittelweg finden kann.

Zur Frage ob ich selbstbestimmt leben will oder so wie andere es wollen. Sagen wir mal so ich habe mich 37 Jahre lang nicht groß nach mir selbst gerichtet. Das einzige was ich wirklich selbst entschieden hab ist was ich beruflich mache aber alles private ist irgendwie passiert. Ich denke es wird jetzt langsam in die Richtung Selbstbestimmung gehen, Betonung liegt auf langsam ins Schritt für Schritt. Ich werde immer mehr erkunden und auch mal rausgehen in dem Outfit und schauen wie sich das entwickelt.
HeikeCD
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Re: CD und Identitätskrise

Post 19 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Hallo Klara,

Solche Identitätskrisen oder -zweifel gehören wohl dazu. So ähnlich, und doch anders, hatte ich das Ende Oktober.
Wenn das über Jahre oder Jahrzehnte im verborgenen schlummert und urplötzlich mit Macht herausdrängt muß das seelisch und geistig irgendwie verarbeitet werden. Und was oder wer ist man nun genau?
Meine Frau und ich sind dann zusammen vor zwei Wochen, davor schon einmal im Dunkeln, woanders hingefahren und ich war einige Stunden unter Menschen draußen. Das war derart befreiend und irgendwie selbstverständlich das seitdem diese Ruhe wieder da ist.
Wahrscheinlich war es das was mich damals beschäftigte, aber das Hinterfragen hört wohl nie ganz auf. Aber wenn man trotzdem mit sich fein ist, ist es dann wohl nur das Ausloten des Kompasses ob die Richtung stimmt.
Nur mal meine Gedanken dazu.

Liebe Grüße Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
Alicia
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Re: CD und Identitätskrise

Post 20 im Thema

Beitrag von Alicia »

Klara hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:55 Oder bin ich trans..?
Hallo Klara,

für mich ist es nachvollziehbar, dass du dir ziemlich ungeduldig diese Frage stellst, vor allem sehr am Anfang deiner weiblichen "Karriere". Gerade in dieser ersten Phase war ich auch extrem neugierig, was auch erst ein gutes halbes Jahr her ist. Zu einem Ergebnis bin ich bis heute noch nicht gekommen und möchte mir weder selbst einen vermeintlich passenden Stempel aufdrücken, noch mir einen aufdrücken lassen.
Ich bewege mich daheim ausschließlich in weiblichen Textilien und fühle mich darin pudelwohl. Aber fühle ich mich da richtig als Frau? Schwer zu entscheiden. Mein Benehmen ist dann eher weiblich (bestätigt auch mein Schatz): Gepflegter, ausgeglichener als in der sichtbar männlichen Rolle. Obwohl ich auch gerne die als männlich konotierten Arbeiten im Haus erledige, aber so gekleidet, wie es mir gerade recht ist.

Funfact am Rande: Da die Fummel alle ziemlich neu sind, hat meine Frau auch ihre Alltags-Schlamper-Klamotten größtenteils zur Seite gelegt und zieht neuere Teile an. Sie hat schließlich einige mehr davon, was sich an unserem Schrankvolumenverhältnis abmessen lässt, das immer noch deutlich zu ihren Gunsten ausschlägt.
Draußen bin ich meistens als Mann unterwegs, egal ob im Beruf, beim Fliegen oder beim Tanzen. Obwohl auch da die ersten Textilien aus der Damenoberbekleidung Einzug halten - natürlich sehr dezent. :mrgreen:

Wenn es aber für Alicia nach draußen geht, überlege ich sehr wohl, wie ich in Erscheinung treten möchte: Zusammen mit meiner Frau in der engeren Umgebung daheim (Heimatstadt und benachbarte) eher androgyn mit femininer Note. Man weiß ja nie, wem man begegnet und möchte keine Grundsatzdiskussionen zur eigenen Persönlichkeit führen. Das erspart auch meiner Liebsten ungewollte Gespräche. Dass ich derart gestylt sowohl als femininer Mann und auch als maskuline Frau durchgehe ist mir bewusst und ich komme damit klar. (he)
Alleine unterwegs ist dann das volle Programm angesagt: Perücke, Makeup, eindeutig weibliche Kleidung. Ebenso im gemeinsamen Urlaub oder bei Ausflügen in weiter entfernte Städte. In diesem Modus möchte ich dann auch als Frau gelesen werden, auch wenn das Passing nie perfekt sein wird. (cry)
Mir ist allerdings immer sehr wichtig, dass ich für mich authentisch bleibe, mich wohl fühle, in jeden vorbeikommenden Spiegel gerne hineinschaue und MICH erkenne.
Bin ich deshalb schon trans* oder gehe ich nur einem inneren Bedürfnis nach, mich weiblich zu kleiden und dann auch entsprechend zu fühlen? Ich warte mal ab was noch kommt und wie die Würfel fallen werden. 8)

Ach ja. Da wir gewissermaßen fast Nachbarinnen sind, könnten wir uns mal zu einem ungezwungenen, abendlichen Plausch treffen. Muss ja kein Mutter-Tocher-Ausflug sein (vom Alter her). Demnächst bieten sich außer den üblichen Kneipen auch diverse Weihnachtsmärkte an. Falls du Lust darauf hast, schreib mir einfach eine PN. :)p

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: CD und Identitätskrise

Post 21 im Thema

Beitrag von Viggy »

Klara hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 08:24 Nun das mit den Kindern ist schon widersprüchlich da gebe ich dir Recht. Auf der einen Seite will ich ihnen ideologisch zeigen, dass es queere Menschen gibt, und das nicht alles binär in Schubladen zu stecken ist. Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass sie Mobbing erfahren werden wenn rauskommt "dein Papa ist ne Frau" und man will sie als Vater/Elternteil auch beschützen vor sowas.
Leider wird das nicht automatisch besser, wenn die eigenen Kinder erwachsen und aus dem Haus sind. Wenn die Enkel da sind, geht das für ein paar Jahre von vorne los.
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Re: CD und Identitätskrise

Post 22 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Hallo Klara,
Zuerst ein herzliches Willkommen im schönen Forum.
Bei mir gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten mit Dir.
Nur, dass ich nicht mehr in Familie lebe, sondern allein und das ich mit dem Thema nicht ganz so offen umgehe, wie Du.
Ich würde meine Situation aber nicht als Identitätskrise sondern als Identitätssuche bezeichnen.
Klara hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:55 Ich weiß nicht was es war oder warum es kam, aber urplötzlich hatte ich wieder das Bedürfnis mich als Frau zu kleiden und zu schminken. Ich habe diesmal Geld in die Hand genommen, mir basic Sachen bestellt sowie make-up. Mit unendlich vielen Stunden Tutorials schauen und Lesen, konnte ich dann nach 5-6 Versuchen ein relativ passables Ergebnis erzielen. In Kombination mit Kleidung (Rock, Strumpfhose und Pumps) sah das ganze dann nicht nur gut aus, sondern hat sich auch richtig und schön angefühlt.
Bei mir kam der Wunsch zum Crossdressing Anfang dieses Jahres so richtig wieder auf und dann habe ich mir auch im Laufe der Zeit etliche Klamotten bestellt und genieße es so richtig, wenn ich die Sachen mal trage.
Ich betrachte mich im Spiegel und mache dann gefühlte 593 Bilder von mir und schau Sie mir danach wieder und wieder an.
Und meistens gefällt mir, was ich sehe.
Wenn ich vorm Zubettgehen alles wieder ausziehe, mich abschminke, den Schmuck ablege, bin ich immer ein wenig traurig, dass die Zeit als Frau schon wieder vorbei ist.
Na ja nachts trage ich auch seidene Damenslips und ein schönes seidenes Nachthemd.
Kleiner Trost.

Mit dem Thema make up ging es mir am Anfang genauso.
Beim ersten und zweiten Versuch, dachte ich zum Schluss immer, oh Gott, wer ist das denn"¦!?
Klara hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:55 Ich würde gerne wissen, ob es denn hier Cross Dresser gibt die wirklich auch nur temporär in die Rolle der Frau schlüpfen, um ihre weibliche Seite rauszulassen. Und falls ja muss man sich bei sowas überhaupt "outen"? Es ist ja dann eigentlich eher ein Hobby. Ich identifiziere mich auch nicht wirklich als irgendwas. Klar bin ich ein cis Mann, aber an manchen Tagen fühle ich mich eben eher wie Klara mit allem was dazu gehört. Kleidung, Interessen Sprache usw.
Genauso mach ich es derzeit.
Wenn ich Zeit habe und mich vor allem vorher rasiert und gepflegt habe, dann schminke ich mich und ziehe die weiblichen Sachen an.
Die Klamotten die ich bisher bestellt habe, sind alle ziemlich sexy und vielleicht etwas schrill.
So gefällt es MIR, genauso will ich es haben.
Bezeichnen tue ich mich schon als Crossdresser, sieht man ja auch an meinem Namen.
Beim Thema Outing, bin ich noch sehr zurückhaltend, sprich, ich hab's nur hier im Forum gemacht. Keine Ahnung ob es da noch weiter Entwicklungen gibt.
Das heißt für mich halt auch: immer wenn jemand zu Besuch kommt, das große Versteckspiel beginnt. Ist etwas nervig und zeitraubend, aber mir allemal wert.
Klara hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:55 Mein Charakter war schon immer nicht der typisch männliche, aber auch nicht der typisch weibliche, falls man das überhaupt so sagen kann. Mich stört Jahr zu Jahr mehr die toxische Männlichkeit. Fast jeder Mann der ich treffe hat irgendwann unangebrachte Kommentare auf Lager in Richtung irgendeiner Weiblichkeit, sei es gegenüber cis oder gar Trans Frauen. Auch mit typischen männlichen Cliches kann ich nichts anfangen. Ich war schon immer eher schüchtern und emotionaler als meine männlichen Freunde. Wenn ich mal Kontakt zu Frauen hatte als Freunde (über die Ehefrau zb) fand ich diese Gespräche und die Atmosphäre immer viel schöner.
Und wieder sehe ich eine Parallele.
Bei mir stellt sich das so dar, dass ich viele männliche Eigenschaften ablehne oder damit nichts anzufangen weiß.
Deswegen bin ich in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend, zumindest bei typischem männlichen Verhalten.

Beim Thema Familie kann ich aus meiner Vergangenheit sagen, dass ich diese auch niemals auf's Spiel setzen wollte.
Ich hatte bis vor einiger Zeit eine Partnerin, nicht in Ehe und eine zu Ihr gehörige Tochter aus einer vorherigen Beziehung.
Diese Beziehungen habe ich mit dem Thema CD nie konfrontiert, zu der Zeit schwelte es immer nur ein bisschen unter der Oberfläche.
Meiner damaligen Partnerin hätte ich damit sowieso nie kommen brauchen, sie hätte es niemals akzeptiert, da bin ich mir ziemlich sicher.
Aus diesem Grund denke ich, Du hast schon Glück mit dem Deiner Frau und ihrer Akzeptanz des Themas.
Aber setze es nicht aufs Spiel, würde ich raten.
Du hast gar nicht geschrieben, wie Du Dich Ihr gegenüber geoutet hast.
Das würde mich interessieren. Wie hat sie reagiert, wie hat sie es aufgenommen?
Klara hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:55 Also was bin ich? Gibt es das was ich beschreibe? Oder bin ich trans..? Wenn ich es wäre das eher schlecht weil eine Transition würde bedeuten Ehe aus, Kinder weg, totale Einsamkeit und in einem solchen Zustand könnte ich mir gar nicht vorstellen zu überleben vor allem mental.
Ich meine Du bist ein Drossdresser und/oder Teilzeitfrau, wie es vor mir schon Tira gesagt hat.
Ich hoffe, meine Zeilen helfen Dir ein wenig weiter, bei der Bewältigung Deiner Identitätskrise.
Wie Du schon selbst erwähnst, gehe Schritt für Schritt in Deinem Tempo.
Das hatte Yvi (YvonneTV) auch zu mir gesagt und ich finde genauso sollte frau es machen.

Liebe Grüße
Violetta
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Helga
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Re: CD und Identitätskrise

Post 23 im Thema

Beitrag von Helga »

Liebe Klara,
Klara hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 08:24 Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass sie Mobbing erfahren werden wenn rauskommt "dein Papa ist ne Frau"
Um eines geradezurücken: Die anderen Kinder werden nicht sagen: "dein Papa ist ne Frau", sie werden sagen: "dein Papa ist ne Transe". Oder irgend ein anderes abfälliges Wort aus dem breiten Spektrum der trash- Bezeichnungen, die hier zutreffen könnten.
Ich setze noch einen drauf: Geschätzte 90% der Beziehungen mit jüngeren Kindern gehen auseinander, wenn einer der Partner in Transition geht. Dies ist im Forum gelegentlich thematisiert worden. Über die Suchfunktion solltest du fündig werden. Die Beziehungen, die trotz Transition bestehen bleiben sind die sprichwörtlichen alten Ehepaare, die sich über mehr als ein halbes Leben aneinander gewöhnt haben.
In früheren Zeiten waren Kinder überlebenswichtig. Heute sind sie eher ein Armutsrisiko. Eine der vielen Baustellen in unserer Gesellschaft.
Es ist so: Kinder bringen Einschränkungen mit sich. Finanzieller Art, in der Art der Freizeitgestaltung, im Freiraum, den ein Paar oder jeder Partner für sich hat. Das betrifft cis- Menschen genauso. Aber trotzdem: Die Vorstellung meine Kinder ohne mich, vielleicht sogar mit einem "Ersatzvater" aufwachsen zu lassen, hätte ich unerträglich gefunden. Ich bereue keine Minute, die ich mit meinen Kindern verbracht habe, auch wenn ich ihnen zuliebe meine weibliche Seite verstecken musste. Für Kinder kann übrigens das Gleiche gelten wie für Partnerinnen: Bei Anderen wird TransX zu 100% toleriert. Betrifft es den eigenen Vater, kann dies völlig anders aussehen.
Ich würde dir empfehlen dir nicht so viele Gedanken über eine Transition zu machen. Transition ist weder zwangsläufig noch notwendig, auch wenn dies in den Medien häufig so dargestellt wird. Du bist gerade erst angefangen deine Crossdressing- Leidenschaft zu erkunden. Diese lässt sich auch erkunden, ohne dass die Nachbarschaft oder sogar die Mitschüler davon etwas mitbekommen. Wenn du eine verständnisvolle Partnerin hast, dann gibt es vielleicht einen Samstag im Monat, an dem du einfach nicht zuhause bist. Andere reisen ihrem Verein zu jedem Auswärtsspiel nach. Wenn dies nicht möglich ist, gibt es andere Optionen: Dienstreise, Montage oder mal ein Tag Freizeitausgleich, von dem die Familie nichts weiß.
Auch wenn dies im Forum vielleicht anders rüberkommen mag: Die Mehrzahl der Crossdresser geht en femme nicht im häuslichen Umfeld raus, sondern fährt in eine andere Stadt.
Meine Kinder sind jetzt erwachsen und aus dem Haus. Ich habe deutlich mehr Freiraum als früher und stelle fest: Eigentlich benötige ich ihn garnicht. Bedürfnisse entstehen häufig daraus, dass sie unerreichbar erscheinen.
Liebe Grüße
Helga
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Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: CD und Identitätskrise

Post 24 im Thema

Beitrag von Patricia »

Hallo Klara,
ich bin eine Transfrau und lebe seit ziemlich genau 5 Jahren 24/7 als Frau. Ich habe ebenfalls Kinder und ich war lange in einer festen Beziehung mit der Mutter meiner Kinder (etwas über 18 Jahre). Das nur zur Erklärung.
Ich weiß wie es ist eine Familie zu haben, Kinder, Frau etc und sie über alles zu lieben.

Ich bin ganz ehrlich zu dir, das was Dir auf Reddit geschrieben wurde ist einfach totaler Blödsinn. Du schreibst selbst, dass du keinen Wunsch hast 24/7 als Frau zu leben und mit deinem Leben als Mann zufrieden bist. Ebenfalls schreibst du dass, du keine Dysphorie hast. Du hast, zumindest so wie ich es interpretiere, ab und an das Bedürfnis deine feminine Seite auszuleben und das ist völlig in Ordnung. Genieße dein Leben und mache Dir keine Gedanken darüber ob du trans bist oder nicht. Solltest du es denn sein, dann wirst du das irgendwann merken und dann kannst du dir darüber Gedanken machen. Glaub mir, sollte es jemals so weit kommen, wirst du verstehen was ich meine.

Viele Transmenschen empfinden schon in der Kindheit oder der Jugend den starken Wunsch zum anderen Geschlecht zu gehören und das zu leben. Die meisten begleitet dieser Wunsch mehr oder weniger das ganze Leben, auch wenn sie sich gegen die Transition entscheiden. Deshalb mach dir keinen Kopf, genieße deine schönen Momente und erfreue dich an deinem Leben. Crossdressing ist völlig ok :)

LG
Patricia
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Re: CD und Identitätskrise

Post 25 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Violetta CD hat geschrieben: Fr 22. Nov 2024, 22:07 Aber setze es nicht aufs Spiel, würde ich raten.
Ich habe den Satz jetzt aus dem Kontext gezogen. Ich würde sagen, ja und nein. Oder ein entschiedenes "es kommt darauf an". Worauf ?

Da ist zum einen die Qualität der Beziehung. Worin liegen diese Qualitäten ? Werden sie mir gerecht ? Ist die Beziehung nicht auch der Ort, an dem ich mich in meiner Ganzheit wiederfinden sollte ? Ich meine damit die wesentlichen Dinge meines Lebens sollten darin Platz finden. Wie werde ich also meiner Verantwortung für mich selber, aber auch für die Beziehung gerecht ?

Auf der anderen Seite steht die Frage, inwieweit ich meine Weiblichkeit auch wirklich leben will. Helga hat ja einige Vorschläge gemacht. Aber entscheidend ist doch zuerst, dass ich mir darüber selber ins Reine komme. Das ist keine leichte Aufgabe. ICh habe hierfür einige Experimente gemacht. Anfang des Jahres stand z.B. meine Reha für 4 Wochen 24/7 en femme. Ich habe darüber berichtet. Ich habe erlebt, dass für mich ein Leben als Frau möglich ist. Aber heißt das auch, dass ich ein Leben als Frau leben will ? Wäre ich alleine, würde ich vielleicht diesen Weg gehen. Aber ich bin in einer Ehe, die ich weiter leben will. Meine Frau weiß von meiner weiblichen Seite, ist aber nicht gerade begeistert, auch wenn es in letzter Zeit mehr und mehr Anzeichen gibt, dass sie es stärker annehmen kann. Das hat Jahre gedauert und ist noch nicht an Ende. Aber die Beziehung ist mir so wichtig, dass ich mich zurück nehme und abwarten kann, wie sich die Dinge entwickeln. Auch Beziehungen wandeln sich. In der Zwischenzeit lebe ich meine Weiblichkeit, wenn sie außer Haus ist bzw. reduziert, wenn wir zusammen sind. In einer früheren Beziehung wäre das für mich nicht möglich gewesen, da meine damalige Partnerin es abgeleht hat, meine Weiblichkeit anzuerkennen. So ist trotz der damaligen vielen guten Aspekte es nicht möglich gewesen, wirklich ja zu der Beziehung zu sagen und so ging sie auseinander, was mich ziemlich zerrissen hat. Aber es ging nicht.

Was will ich also sagen ? Zum einen kommt es darauf an, wie wichtig ist die eigene Weiblichkeit im Verhältnis zum Bedürfnis die eigene Weiblichkeit zu leben. Zum anderen können (und werden) Beziehungen sich verändern. Die Zeit ist ein ganz wesentliches Element dabei. Wenn also beide Seiten bereit sind, in sich zu gehen und neue Wege zu akzeptieren, ist vieles möglich. Es wird wahrscheinlich nicht das sein, was man sich wünscht, aber es kann viel mehr sein, als man sich heute erwartet. Behutsame Schritte einerseits, aber auch Konfrontationen mit den gegenseitigen Sichtweisen sind aus meiner Sicht ein möglicher Königsweg für eine tiefere Beziehung. Ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen, aber dann ist jedenfalls klar, warum es gescheitert ist. Aber auch ein Erreichen eines ungeahnt guten Zusammenlebens ist auch möglich. Diese Chance sollte man nicht verpassen ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: CD und Identitätskrise

Post 26 im Thema

Beitrag von Klara »

Hi,

Ich bin gerade etwas krank und hab daher nicht die Energie jetzt auf alle Beiträge detailliert Absatz für Absatz einzugehen.

Was ich aber sagen will ist ich stimme da bei Helga nicht ganz zu. Zu allererst benutze ich im Alltag bereits weiblicher Features. Ich habe bunten Nagellack drauf und trage Damenstiefel die einen leichten Absatz haben, abgesehen davon lassen sie sich aber nicht wirklich von Männerschuhen unterscheiden. Meine Kinder haben mich bereits als Klara gesehen weil ich aus "Spaß" zu Halloween das mal angezogen hab und gesagt hab das ist eben ein Kostüm und Papa verkleidet sich manchmal gern.

Die Freunde werden das schon irgendwann mitbekommen, aber da kann man jetzt auch eine Grundsatzdiskussion führen. Alle wollen immer mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft. Wo soll das bitte herkommen wenn nicht von der nächsten Generation, also meine Kinder. Die müssen lernen dass es normal sein kann auch queer zu sein. Und das geht am besten wenn man es langsam und gut angeht indem man es erklärt. Sie schauen zb auch die ZDF Logo Kindernews da war trans auch schon ein Thema.

Zum Thema Ersatzvater und dergleichen. Erstmal Versuche ich natürlich die dinge so zu steuern und mit viel Kommunikation mit meiner Frau abzusichern dass alle einverstanden sind. Sollte es mal zu einer Trennung kommen, was ja nicht unüblich ist bei Beziehungen allgemein, dann würden wir eh ein 50/50 Modell anstreben. Also diese Gefahr sich völlig zu entfremden vom Kind kann man auch gegensteuern.

Man lebt nur einmal und ich sehe Kompromisse gern ein, allerdings ein totales weiteres verbiegen sehe ich nicht ein. Und da muss man dann schauen wenn es soweit ist inwiefern man Kompromisse machen kann
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Re: CD und Identitätskrise

Post 27 im Thema

Beitrag von Lina »

Interessante Diskussion - kennt ihr eigentlich Friedemann Schulz von Thuns Betrachtungsmodell der menschlichen Psyche, - Das innere Team?

https://www.schulz-von-thun.de/die-mode ... nnere-team

Kurz erzählt: Man befindet sich in so vielen Situationen und hat mindestens genauso viele Einfallswinkeln zu Situationen im leben, dass man eine ganze Menge verschiedenen Rollen nach draußen spielen muss, und noch mehr in sich trägt - und um die alle in Einklang zu bringen kann man sie als einzelne Personen betrachten und die ab und zu eine imaginäre Teammeeting machen lassen.

Leuchtet ein, oder? Jemand ist vielleicht im Job Steuerberater, in der Freizeit Fussballtrainer für die Jugendmannschaft und zu Hause der Mann für alles. Drei verschiedene Rollen, unterschiedliches Verhalten, unterschiedliche Kleidung, und vielleicht hat er noch ein paar Rollen "versteckt". Vielleicht wäre ein Teil von ihm gerne ein Superheld und was anderes in ihm hat Angst vor Extremsituationen. Kennt eigentlich jeder.

Wenn man Coaching macht, sind fast allen Fällen alle Mitglieder des inneren Teams vom gleichen Geschlecht.

MÜSSEN SIE ABER NICHT!!!

Das kann ausgezeichnet ein geschlechtlich gemischtes Inneres Team sein. Da spricht überhaupt nichts gegen.

Dass eines oder mehrere der weiblichen Mitglieder sich auch nach draußen hin manifestieren, ist wohl eigentlich selbstverständlich.
Lana
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Re: CD und Identitätskrise

Post 28 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Lina,

ich kann deinen Gedanken erstmal problemlos folgen. Aber hier steige ich aus:
Lina hat geschrieben: Do 5. Dez 2024, 16:45 Wenn man Coaching macht, sind fast allen Fällen alle Mitglieder des inneren Teams vom gleichen Geschlecht.
Als ich mir das gerade für mich vorgestellt habe, hatten meine Team-Leute kein Geschlecht, bzw. es spielt überhaupt keine Rolle in diesem Zusammenhang. Es kommt doch auf ganz andere Qualitäten und Talente an. Daher finde ich die Idee der geschlechtlichen Zuordnung jedes einzelnen Teammitglieds nicht einleuchtend.

Ich finde es eher störend, immer alles mögliche auf Geschlecht zu beziehen. Das lenkt nur vom wesentlichen ab.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: CD und Identitätskrise

Post 29 im Thema

Beitrag von Helga »

Lana hat geschrieben: Do 5. Dez 2024, 21:34 Als ich mir das gerade für mich vorgestellt habe, hatten meine Team-Leute kein Geschlecht, bzw. es spielt überhaupt keine Rolle in diesem Zusammenhang. Es kommt doch auf ganz andere Qualitäten und Talente an. Daher finde ich die Idee der geschlechtlichen Zuordnung jedes einzelnen Teammitglieds nicht einleuchtend.
Hallo Lana,
ich denke da hast du Lina falsch verstanden. Die Mitglieder des inneren Teams müssen kein Geschlecht haben, können sie aber. Dies kann für alle das gleiche Geschlecht sein, muss es aber nicht. Beim Coaching von cis- Menschen haben alle Mitglieder des inneren Teams das gleiche Geschlecht. Wenn wir unser inneres Team zur Aufstellung bitten würden, sähe dies völlig anders aus.
Beispiel: Wenn ich morgens im Büro ankomme schiebe ich den weißen alten Mann nach vorne, der allen erzählt, was sie zu tun haben. Wenn ich abends nach Hause komme, lauert in mir schon das Muttertier, das Freude daran hat die Familie zu versorgen und die Küche sauber zu halten. Am Wochenende ist der Handwerker dran, der richtig zufrieden ist, wenn er sich am Abend ansehen kann, was er mit eigenen Händen aufgebaut hat. Und dann gibt es da noch die Frau mit dem etwas altmodischen Geschmack, die Gefallen daran findet sich hübsch zurecht zu machen und sich unter Menschen zu zeigen.
Das sind die vier, die mir spontan einfallen. Möglicherweise verstecken sich da weitere. Wie in jedem Team, möchte jedes Teammitglied Beachtung und Aufmerksamkeit, möchte mal im Mittelpunkt stehen.
Ich finde dieses Betrachtungsmodell sehr spannend!
Liebe Grüße
Helga
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Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
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Re: CD und Identitätskrise

Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Do 5. Dez 2024, 21:34 Als ich mir das gerade für mich vorgestellt habe, hatten meine Team-Leute kein Geschlecht, bzw. es spielt überhaupt keine Rolle in diesem Zusammenhang.
In der Hypnosystemik sind die Teile auch gerne mal ganz was anderes. Nicht mal menschlich. Und fluide bzw transient. Heisst: Es kann sein, dass der eine oder andere Teil nur in einer oder zwei Sitzungen "da" ist, weil er zu dem Zeitpunkt einen bestimmten Aspekt darstellt. Sehr nützlich, um damit zu arbeiten, aber dann auch möglicherweise erledigt, aufgelöst, integriert - oder anderweitig unterwegs ;)

Es ist auch nicht sehr sinnvoll, sich die Teile als stabile Persönlichkeiten oder Figuren vorzustellen. Es ist zu leicht, daran hängen zu bleiben, obwohl sie nur Reflektionen sind, wie Teilbilder in einem Kristall.

Deshalb vorsichtig bei Therapeutys, die "das innere Kind" o.ä. behandeln wollen oder allzu schematischen Vorgaben, wen oder was eins in sich finden sollte.
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