In Zeiten der Veränderung...
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Jade
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Post 1 im Thema

Beitrag von Jade »

Liebe Community,

Ich muss da mal etwas nachfragen;-)
Dank euch, euren vielen öffentlichen Tipps und teilweise auch privaten Nachrichten ist in unserem Haushalt einiges in Bewegung gekommen. Ganz so sehr ins Detail gehen möchte ich nicht - sonst wird's hier eine Kilometer lange Anfrage aber um ein Beispiel zu nennen:
Wir waren am Samstag shoppen, mein Mann und ich. Definitiv nicht für mich sondern für ihn und wir haben uns nur in den DOB- Abteilungen umgeschaut. Zusammen. Oder er in der Umkleidekabine und ich habe ihm was gebracht. Ihr merkt: es hat sich was verändert. Ehrlich, ich bin ein bisschen stolz darauf :)
Nun zu meiner Frage:
Wie macht ihr das, oder wie habt ihr es gemacht, das eure Partnerin in der Phase, in der wir jetzt stecken nicht vor lauter "ich möchte auf meinen Partner eingehen" auf der Strecke blieb? Es klingt vielleicht komisch, aber im Moment kommt es mir vor als wären wir hier ein bisschen auf der Überholspur unterwegs und ich habe Angst davor, selbst nicht zu merken wann es zuviel wird.
Habt ihr während dieser Zeit auch auf eure Partnerin geachtet oder wart ihr einfach so glücklich das es für euch endlich alles gut wird das ihr da kein Auge für hattet?
Ich hoffe verständlich ausgedrückt zu haben um was es mir mit diesem Text geht - sonst meldet euch gerne.
Bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Liebe Grüße
Jade

P.S: der doofe Betreff tut mir leid, mir fiel nichts besseres ein...
Fen
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 2 im Thema

Beitrag von Fen »

Hi Jade,

Ich bin ja auch Partnerin eines Crossdressers, wie du vielleicht irgendwo schon gelesen hast.

In der Anfangszeit und Euphorie fühlte ich mich auch manchmal verloren und hintenangestellt.

Ein Beispiel aus dieser Anfangszeit. Ich bin klein, mit dunkelblonder Kurzhaarfrisur und nicht besonders schlank. Und meine Süße (ich gebe ihr meist den weiblichen Namen, nämlich Caro) suchte nach Outfit-Inspirationen auf Pinterest. Es waren langhaarige, schwarzhaarige Mädels im stark geschminkten Gothic oder Emo-Look, groß, sehr sexy, kurze Petticoats mit Corsage. Ich fragte sie aggressiv, was das denn werden sollte, ich würde ja wohl nie so aussehen. Sie meinte dann, dass ich nicht so aussehen soll, sondern dass sie so aussehen will. "¦ ahaaaa. Da ging mir ein Licht auf.

In den Anfangszeiten habe ich hier auch den Thread "was macht ihr heute, was tragt ihr heute für ein Outfit" exzessiv mitverfolgt. Denn mir ist dann aufgefallen, ich bin doch selber für meine Garderobe verantwortlich und Mode kann auch Spaß machen. Denn ich konzentriere mich eher auch bequeme Businesskleidung und Jeans. Aber mir verbietet doch niemand, in Deichmann nach super-billigen Heels zu greifen und dann damit herum zu Stöckeln. Wenn ich das so möchte, darf ich das. Und wenn ich mich entscheide, dass mir bei meinen Klamotten nicht die Bequemlichkeit wichtig ist, sondern hauptsächlich die Optik, ist auch das meine freie Entscheidung.

Mittlerweile tauschen wir die Damen-Klamotten, wenn sie denn passen.

Aber es geht hier nicht nur um die Klamotten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich bei Paaren, die lange zusammen sind, ungute Dinge einschleichen. Und das möchte ich verhindern. Man steckt zurück, der eine findet die Ideen des anderen nicht ganz so toll, es wird nebenher viel negatives geredet was eigentlich nur dahergeplappert ist, aber trotzdem die Stimmung verhagelt.

Stelle man sich vor, man findet die Liebe auf den ersten Blick, ein neuer Partner, Honeymoon, man zeigt sich nur noch von seiner besten Seite. Ist bestens gelaunt, treibt Sport, sagt nur noch freundliche Dinge, kauft lauter neue Klamotten, vor allem Unterwäsche ;-)"¦ wie hat man sich auf einmal verändert. Und ein Ex-Partner würde einen nicht mal mehr wieder erkennen.

Deshalb versuche ich auf mich zu achten, meine Ideen umzusetzen auch wenn sie meiner Caro unnütz erscheinen.

Und ich finde einen Film ganz lustig, österreichisch, aus dem Jahr 2015 ungefähr. Er heißt: "Die Wunderübung"
Fand ich erhellend und sehr lustig.

Seitdem mir der Film wieder eingefallen ist, spiele ich das Spiel "was ich dir bei der Paartherapie vorwerfen werde." Caro ist noch nicht ganz an Bord, aber wird vielleicht noch.

Dies meine Erfahrungen. Immer noch 99% in Businesskleidung und Jeans. Aber Heels , Hotpants, Strumpfhosen und kurze Röckchen liegen griffbereit im Schrank.

Liebe Grüße Fen.
Life is short. Break the rules. Forgive quickly. Kiss slowly. Love truly. Laugh uncontrollably. And Never regret anything that made you smile. (James Dean)
Jade
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 3 im Thema

Beitrag von Jade »

Fen hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 19:29 Hi Jade,

Ich bin ja auch Partnerin eines Crossdressers, wie du vielleicht irgendwo schon gelesen hast.

In der Anfangszeit und Euphorie fühlte ich mich auch manchmal verloren und hintenangestellt.

......Sie meinte dann, dass ich nicht so aussehen soll, sondern dass sie so aussehen will. "¦ ahaaaa. Da ging mir ein Licht auf.
..........

Deshalb versuche ich auf mich zu achten, meine Ideen umzusetzen auch wenn sie meiner Caro unnütz erscheinen.

Und ich finde einen Film ganz lustig, österreichisch, aus dem Jahr 2015 ungefähr. Er heißt: "Die Wunderübung"
Fand ich erhellend und sehr lustig.

Seitdem mir der Film wieder eingefallen ist, spiele ich das Spiel "was ich dir bei der Paartherapie vorwerfen werde." Caro ist noch nicht ganz an Bord, aber wird vielleicht noch.

Dies meine Erfahrungen. Immer noch 99% in Businesskleidung und Jeans. Aber Heels , Hotpants, Strumpfhosen und kurze Röckchen liegen griffbereit im Schrank.

Liebe Grüße Fen.
Hallo Fen,

Ich hatte dich noch nicht "entdeckt" , freue mich aber sehr über deine Nachricht.
Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam aber tatsächlich ist das mit dem "Hintenangestellten" etwas, auf das wir uns zu bewegen. Klar, die Freude bei meinem Mann ist groß, dass ist auch verständlich. Ich habe allerdings etwas Angst davor mich sozusagen "ausversehen" komplett zu verbiegen, damit er glücklich ist. Das wäre ja auch falsch.
Wahrscheinlich werde ich ihm direkt sagen müssen, dass er ein bisschen auf mich aufpassen soll.

Mir geht's tatsächlich bei den Klamotten auch ein bisschen so wie dir, dass ich anfange meinen Bekleidungsstil zu verändern 🤷🏻

Den Film werd ich gleich mal suchen und vielleicht bei Gelegenheit anschauen. Danke für den Tipp!

Liebe Grüße
Jade
Sophia69
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 4 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

]Nun zu meiner Frage:
Wie macht ihr das, oder wie habt ihr es gemacht, das eure Partnerin in der Phase, in der wir jetzt stecken nicht vor lauter "ich möchte auf meinen Partner eingehen" auf der Strecke blieb? Es klingt vielleicht komisch, aber im Moment kommt es mir vor als wären wir hier ein bisschen auf der Überholspur unterwegs und ich habe Angst davor, selbst nicht zu merken wann es zuviel wird.
Habt ihr während dieser Zeit auch auf eure Partnerin geachtet oder wart ihr einfach so glücklich das es für euch endlich alles gut wird das ihr da kein Auge für hattet?

Hallo Jade,
bei mir ist das so, dass ich mich natürlich sehr darüber gefreut habe, als meine Frau zum ersten Mal zu mir sagte: "Ich liebe dich, auch, wenn du ein Kleid trägst". Als ich dann aber im Urlaub meine Fuß- und Fingernägel auffällig bunt lackiert habe, Frauen T-Shirts und Hotpants sowie eindeutig Damen Turnschuhe durchgängig getragen habe, merkte ich, dass dies alles ein bisschen zu schnell zu viel für sie wurde. Wenn dem so ist, äußert sie es mittlerweile auch von sich aus. Sie möchte mich natürlich nicht einschränken, andererseits möchte ich sie genauso wenig belasten. Denn ich habe mich erst, nachdem wir uns schon einige Jahre kannten, ihr gegenüber geoutet. So loten wir mittlerweile gegenseitig, indem wir auch offen darüber sprechen, aus, was dem anderen Unbehagen bereitet. Ich weiß, dass es meiner Frau hin und wieder schwer fällt nicht den, den sie kennen gelernt hat und indem sie sich verliebt hat, nun an ihrer Seite zu haben. Im Gegenzug fällt es mir auch nicht immer leicht, mich nicht so entfalten zu können, wie ich es gerne möchte. Aber da ich sie über alles liebe, fällt es mir andererseits auch nicht allzu schwer.

Liebe Grüße
Sophia
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 5 im Thema

Beitrag von Jade »

Hallo Jade,
.......
So loten wir mittlerweile gegenseitig, indem wir auch offen darüber sprechen, aus, was dem anderen Unbehagen bereitet. Ich weiß, dass es meiner Frau hin und wieder schwer fällt nicht den, den sie kennen gelernt hat und indem sie sich verliebt hat, nun an ihrer Seite zu haben. Im Gegenzug fällt es mir auch nicht immer leicht, mich nicht so entfalten zu können, wie ich es gerne möchte. Aber da ich sie über alles liebe, fällt es mir andererseits auch nicht allzu schwer.

Liebe Grüße
Sophia
[/quote]

Hallo Sophia,

Dankeschön für deine Antwort.
Ich finde gut, dass du Rücksicht auf deine Frau nimmst.
Zumindest bei mir ist es manchmal auch Tagesform abhängig wieviel von den Neuerungen in unserem Leben ich locker weg stecke oder wo an schlechten Tagen einfach Schluss ist.
Vielleicht muss ich das noch deutlicher kommunizieren:)

Liebe Grüße
Jade
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 6 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Jade hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 20:29 Ich finde gut, dass du Rücksicht auf deine Frau nimmst.
Hallo,

Ja, ich hatte das auch gleich im Vorwege erklärt, wenn Mann, dann alles normal, Begrüßungskuss usw. Sollte ich als Frau gestylt sein dann trennen wir das.
Nun war ich heute vormittag im Frauenmodus, Kleidung, Perücke, nur Lippenstift...mittags kam sie nach Hause und ich wollte sie im Überschwang natürlich küssen..."Ääh nee."
Gut ist nur das da kein Drama draus gemacht wird. Wir können da gottseidank auch drüber lachen. Humor ist, glaub ich, auch nicht unwichtig bei sowas.
Ihr macht das auch nichts aus wenn ich 'Heike' bin.

Liebe Grüße

Heike
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 7 im Thema

Beitrag von Jade »

HeikeCD hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 20:54
Jade hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 20:29 Ich finde gut, dass du Rücksicht auf deine Frau nimmst.
Hallo,

Ja, ich hatte das auch gleich im Vorwege erklärt, wenn Mann, dann alles normal, Begrüßungskuss usw. Sollte ich als Frau gestylt sein dann trennen wir das.
Nun war ich heute vormittag im Frauenmodus, Kleidung, Perücke, nur Lippenstift...mittags kam sie nach Hause und ich wollte sie im Überschwang natürlich küssen..."Ääh nee."
Gut ist nur das da kein Drama draus gemacht wird. Wir können da gottseidank auch drüber lachen. Humor ist, glaub ich, auch nicht unwichtig bei sowas.
Ihr macht das auch nichts aus wenn ich 'Heike' bin.

Liebe Grüße

Heike
Hallo Heike,

das klingt auch interessant wie ihr die Geschichte geregelt habt. Behalte ich mal als Ansatz im Hinterkopf.
Was den Humor anbetrifft hast du vollkommen Recht...ohne wäre ich zu Hause bestimmt schon längst schreiend raus gerannt 😂😂😂

Dankeschön für die Idee!
Jade
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 8 im Thema

Beitrag von Lana »

Hall Jade,
Jade hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 18:35 Habt ihr während dieser Zeit auch auf eure Partnerin geachtet oder wart ihr einfach so glücklich das es für euch endlich alles gut wird das ihr da kein Auge für hattet?
bei uns ist tatsächlich Letzteres eingetreten. Die Gefahr besteht natürlich. In all dem Überschwang, nun endlich nichts mehr verbergen zu müssen und einfach so sein zu können, wie man sich das schon lange gewünscht hat, geht der Blick für die Partnerin und ihre Bedürfnisse schnell mal verloren. Es ist gar nicht böse gemeint, aber endlich das neue Ich zu entdecken und auszuleben lenkt den Blick (verständlicherweise) viel zu sehr auf sich selbst. Dass dann die Partnerin zu kurz kommt, kann schnell passieren, wenn man nicht aufmerksam ist.

Leider bleibt das wohl eher an dir hängen, weil dein Mann in dieser Phase viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, um rechtzeitig zu bemerken, dass es für dich eventuell schwierig wird. Ich glaube, es ist nicht verkehrt, ihn gelegentlich darauf aufmerksam zu machen, ohne dabei Vorwürfe zu machen. Einfach damit er einen Anstoß hat, sich und sein Verhalten unter diesem Aspekt zu reflektieren.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich meine neue Freiheit damals einfach bedenkenlos genutzt habe, in der Annahme, dass meine Partnerin sich schon melden würde, wenn etwas nicht passt. Das war kein guter Weg, weil wir dabei immer wieder in schwere Krisen gekommen sind, die durch Kleinigkeiten ausgelöst wurden. Natürlich sind "Kleinigkeiten" immer relativ, und manchmal sind sie nur der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Aber sie sind durch gute Kommunikation vermeidbar, und stellen in schwierigen Situationen nicht noch eine Zusatzbelastung dar, die alles noch schwerer macht.

Ich hoffe, ihr findet einen guten Weg für euch, um sowas zu vermeiden.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 9 im Thema

Beitrag von Maike »

Hallo Jade,

wie bereits Lana geschrieben hat, ist eine gewisse Euphorie wohl normal, wenn man endlich nach vielen Jahren des Verdrängens und Versteckens die Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse / seine wahre Identität zu leben. Für mich und meine Frau war es bei Beginn meiner Transition wichtig, dass wir:
1.) reden, reden, reden
2.) uns Zeit lassen

Ein Partnerschaft besteht nun mal aus zwei Menschen und auch nach vielen gemeinsamen Jahren sind die telepathischen Fähigkeiten nur eingeschränkt vorhanden. Die letzten Monate sind wir gemeinsam bei meiner Therapeutin und nutzen den Vorabend für eine intensive Vorbereitung: Was haben wir erlebt? Wie geht es uns? Was ist uns aufgefallen? Was steht an und wo brauchen wir Hinweise und Anregungen? etc. Diese expliziten Gelegenheiten sind sehr wertvoll, denn im Alltag findet man nicht immer die Zeit, die eigentlich nötig wäre. Jedoch schätze ich auch sehr die "Alltagsberatung" durch meine Frau ("für diesen Anlass sind die Absätze aber zu hoch" o.ä. :wink: ) und wir vergewissern uns so häufig wie möglich, ob es für uns noch passt.

Außerdem war für mich - und uns - eine eher langsame Geschwindigkeit der richtige Weg. Sowohl meine Frau als auch ich (sowie Kinder, Familie, Freunde etc.) müssen mit den doch erheblichen Veränderungen zurechtkommen. Bei aller Euphorie und dem Nachholbedarf kann die "Überholspur" auf Dauer doch zu schnell und anstrengend sein und die Gefahr, dass man einen Unfall baut, ist doch recht groß.

Wir beide möchten unsere Ehe erhalten - was am Anfang meiner Transition noch eher fraglich war - und nehmen gegenseitig Rücksicht - ohne aber unsere eigenen Bedürfnisse zu vergessen. Gemeinsam sind wir jetzt auf einem guten Weg.

Ich wünsche Euch, dass Ihr auch den für Euch passenden Weg findet und bleibt vor allem im Gespräch!
Viel Erfolg!
LG Maike
Es ist wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst!
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Jade,

ein sehr schönes und wichtiges Thema ...
Wie macht ihr das, oder wie habt ihr es gemacht, das eure Partnerin in der Phase, in der wir jetzt stecken nicht vor lauter "ich möchte auf meinen Partner eingehen" auf der Strecke blieb? Es klingt vielleicht komisch, aber im Moment kommt es mir vor als wären wir hier ein bisschen auf der Überholspur unterwegs und ich habe Angst davor, selbst nicht zu merken wann es zuviel wird.
Erich Fromm hat in seinem Buch "Die Kunst des Liebens" von der reifen Liebe geschrieben:
Im Gegensatz zur symbiotischen Liebe ist die reife Liebe eine Vereinigung, bei der die eigene Vereinigung und Individualtität bewahrt bleibt. Liebe ist eine aktive Kraft des Menschen.
Zur symbiotischen Liebe schreibt er:
Es gibt eine masochistische Unterwerfung unter das Schicksal, ... - in jedem Fall verzichtet der Betreffende auf seine Integrität, macht er sich zum Instrument eines anderen Menschen oder eines Dings außerhalb seiner selbst.
Oder in meiner Interpretation: lieben, ohne sich selber aufzugeben. Ich glaube nicht, dass eine "Technik" hilfreich ist, den richtigen Weg für sich zu finden. Geht es nicht vielmehr um die Frage, wie weit identifiziere ich mich mit den Wünschen und Zielen meines Partners und nicht den eigenen. Bei Wikipedia fand ich den Satz:
Integrität ist eine ethische Forderung des philosophischen Humanismus nach "möglichst weitgehender" Übereinstimmung zwischen den eigenen Idealen und Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis.
Liegt darin nicht die Antwort auf Deine Frage ? Rücksicht und Eingehen auf den Partner sind wichtige Dinge, aber kommt es hier darauf an ? Wenn das, was Du mit Deinem Partner lebst, mit Deinem eigenen Kompass übereinstimmt, was soll dann falsch daran sein ? Oder unterwirfst Du Dich der Situation mit Deinem Mann im Sinne, wie Fromm es oben beschreibt ?

Ist diese Angst nicht Ausdruck von Unsicherheit, evtl. bezüglich Deines inneren Kompasses ? Hilft es Dir an dieser Stelle in Dich hinein zu hören und Deinen Kompass zu beachten ? Macht das nicht stark in der Liebe ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 11 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 15. Okt 2024, 12:34 Rücksicht und Eingehen auf den Partner sind wichtige Dinge, aber kommt es hier darauf an ? Wenn das, was Du mit Deinem Partner lebst, mit Deinem eigenen Kompass übereinstimmt, was soll dann falsch daran sein ? Oder unterwirfst Du Dich der Situation mit Deinem Mann im Sinne, wie Fromm es oben beschreibt ?
Hallo Jade,
eigentlich betrachtet ist es so simpel wie es Vicky hier ausdrückt :lol: Aber dennoch in der Realität unheimlich kompliziert. Einen gemeinsamen Weg zu finden, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, ist in "unseren Situationen" ein schwieriger Balanceakt. Meine Frau steht nicht auf Frauen und ich fühle mich als Frau. Einerseits will sie mich nicht einschränken und andererseits bin ich als Frau für sie sexuell unattraktiv. Bei mir sieht es so aus, dass ich auf jeden Fall weiterhin ein erfülltes Sexualleben mit ihr haben möchte, aber meine Weiblichkeit auch nicht verstecken kann. Hier ein Balanceakt hinzubekommen scheint vielleicht auf den ersten Blick unmöglich zu sein. Aber mit dem Bewusstsein meinerseits, dass ich sie damals "unter falschen Tatsachen", nämlich als Mann umworben habe, fällt es mir leichter im Bett "Mann" zu sein und somit auch auf eine geschlechtsangleichende Operation zu verzichten. Andererseits hat sie auch ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass der "Liebesakt" sich in Vergleich zu dem Zeitpunkt vor dem Outing verändert hat, in dem wir einen gemeinsamen Weg der beide erfüllt gefunden haben.
Soll letztendlich heißen, um es positiv auszudrücken, unsere Liebesbeziehung ist ein fortwährender, spannender Prozess und wird es wohl auch bleiben. (he)
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 12 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Sophia69 hat geschrieben: Di 15. Okt 2024, 14:41 Meine Frau steht nicht auf Frauen und ich fühle mich als Frau.
...
Einerseits will sie mich nicht einschränken und andererseits bin ich als Frau für sie sexuell unattraktiv.
Kommt mir bekannt vor (vermutlich noch mehr der werten Mitleserinnen :wink: ) , nur dass ich das nicht auf sexuelle Attraktivität beschränken würde. Meine Frau hat sich mich als Mann ausgesucht, der Gedanke, dass ich als "Melanie" unterwegs bin macht ihr ziemlich zu schaffen, bei aller Liebe...

Es bleibt spannend.

LG
Melanie
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 13 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Jade hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 18:35 Habt ihr während dieser Zeit auch auf eure Partnerin geachtet oder wart ihr einfach so glücklich das es für euch endlich alles gut wird das ihr da kein Auge für hattet?
Och, das war schon sehr gut verstehbar! - und das mit dem Betreff , was ist daran DOOF, - Wenn Du zurückblickst, wirst Du in einem Tag eures gemeinsamen Weges eine Veränderung erkennen... - es ist ein Fluss.

Wenn ich meinen Senf zu Deine Frage beitrage, dann lautet er ganz schlicht: lass es ruhig angehen und sei weiterhin nichts anderes als Partner:in. Wie im Autoverkehr ist die Überholspur nicht die Dauerspur, sondern nur, um mal einen kleinen Schritt vom Gesamtweg zu überspringen - und wenn Du das Bild fortführst: auf der Überholspur lauern ganz andere Konflikte, als im "normalen Trott", der heute ja auch schon ein enormes Tempo erfordert. - Vielleicht immer wieder mal zur Seite ran fahren, eine Pause einlegen und zurück schauen (Bilder, Erinnerungen, Gedanken), "was haben wir schon gemeinsam geschafft?" - So wie ich Deine Zeilen lese: es ist schon sehr viel... Lasst den Alltag Einzug halten und dann Step by Step die kleinen Schmankerl des Lebens dazu.
Christel grüßt
Mein Kleidungsstil verfolgt nicht das Ziel "FRAU", sondern mein Sein als Ich-Bin-Ich - ein Inter*-Mensch! ÜBRIGENS: Mein Name ist amtlich "Christel"
http://www.christel-pruessner.de/_Seite_Androgyn_01.htm
Jade
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Re: In Zeiten der Veränderung...

Post 14 im Thema

Beitrag von Jade »

Christel_Inter hat geschrieben: So 27. Okt 2024, 09:50
Jade hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 18:35 Habt ihr während dieser Zeit auch auf eure Partnerin geachtet oder wart ihr einfach so glücklich das es für euch endlich alles gut wird das ihr da kein Auge für hattet?
.....
...

Vielleicht immer wieder mal zur Seite ran fahren, eine Pause einlegen und zurück schauen (Bilder, Erinnerungen, Gedanken), "was haben wir schon gemeinsam geschafft?" - So wie ich Deine Zeilen lese: es ist schon sehr viel... Lasst den Alltag Einzug halten und dann Step by Step die kleinen Schmankerl des Lebens dazu.
Christel grüßt
Hallo Christel,

Dankeschön für deine Nachricht, ich habe gerade ein Lächeln im Gesicht und werde den Ratschlag befolgen!

Liebe Grüße
Jade
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