Warum ich Angst habe...
Warum ich Angst habe... - # 3

Knäckebrötchen
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 31 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Lavendellöwin hat geschrieben: Mo 21. Okt 2024, 19:22 Was wäre wohl passiert, wenn man ihm abgesprochen hätte auch nur in kleinster Weise trans* zu sein.
Von Weiblichkeit reden wir da noch nicht einmal.

Einfach nur der Satz "ich glaube IHM nicht, das er trans ist", weil da auch kein bisschen das Gefühl in die
Richtung transportiert wurde, hätte doch aus bestimmten Ecken die Gegenreaktion ausgelöst, das das doch transphob ist.
Mit der Begründung das kann ja nur die Person selbst sagen das sie trans* ist..

deshalb muss ich doch auch ohne Vorwürfe sagen können, das es bei mir eben nicht so ankommt.
Jede Person soll doch ihrem Gefühl Ausdruck geben dürfen-das geht doch nicht nur in eine Richtung.

Das ist doch erst mal die Grundlage und immer noch sehr weit weg von allen Bedürfnissen-ausser das man
sagen können sollte und zwar ehrlich was man wahrnimmt.


Alles Liebe Marie (flo)
Hi Marie,

naja, nimm Dylan Mulvaney, ihr wird immernoch abgesprochen trans* zu sein. In vielen Kommentaren zu Josh hieß es "yes, and Dylan is next". Und ohne das jetzt genau verfolgt zu haben, aber ich hatte jetzt nicht den Eindruck, das Dylan so richtig viel Support aus der trans* community bekommen hätte. Was heißen soll: ich kann mich auch total irren, ich habe ihren Werdegang und das Medienecho um sie nicht besonders verfolgt. Außer dem Hype um Bud Light und eine trans* Frau die Tampons kaufen geht... :roll:

Wobei, doch, ich erinnere mich an Videos in denen versucht wurde zu deuten, warum Dylan ein Troll sei und alles mögliche, aber nicht trans - von trans* Personen.

Die Frage nach der Authentizität wird aber noch spannend. Ich persönlich schwanke zwischen dem Impuls "Nein! Ich will mich nicht durch die transfeindlichen Vollpfosten provozieren und spalten lassen" und "Aber es tut auch so weh, sein Vertrauen in Menschen zu legen und dann betrogen zu werden, also bleib skeptisch" und bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickelt.

Liebe Grüße
K.
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Anja61
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 32 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Hallo Lavendellöwin,

ich habe keine Ahnung, wie relevant Seiters Beiträge sind, wie sehr sie Verbreitung finden und von Vielen sie wahrgenommen werden. Auch weiß ich nicht, wie wichtig seine Aussage zu Dylan Trovaney sein könnte (haben die Millionen Follower auf Facebook oder Instagram?)
Es reicht ja auch aus, wenn Du und andere sie als Fake wahrnehmen und entsprechend betroffen sind.

Jedenfalls habe ich bei dieser Gelegenheit erst jetzt Deine initialen Beiträge zu diesem Thread entdeckt. Ich bin schockiert...


Ganz liebe Grüße
Anja
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Rio Reiser
Susi T
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 33 im Thema

Beitrag von Susi T »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 21. Okt 2024, 15:25
Wieso ? Das verstehe ich nicht. Ich plädiere dafür, Trans als Begriff großzügig auszulegen, wenn es um allgemeine Dinge geht. Es geht nicht um Deine oder meine Bedürfnisse, sondern um unser alle Bedürfnisse im Sinne einer Art "Vereinigungsmenge".
Das kannst du gerne machen und dann sag ich dir ein herzlich Willkommen im Transkosmos.
Aber wenn jeder Trans* sein kann, der das nur sagt, wo bleibt ich? Ich habe Bedürfnisse die mit trans* gut erklärt werden, warum mir die streitig machen, nur weil man diesen Begriff für sich gut findet, oder aufweichen möchte?
Es gibt soviele Begrifflichkeiten, warum diesen Kapern? Muß ich dann Urtrans oder Hardcore Trans* erfinden um mich ohne viel Worte erklären zu können?
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 34 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Tira hat geschrieben: Di 22. Okt 2024, 10:25 Muß ich dann Urtrans oder Hardcore Trans* erfinden um mich ohne viel Worte erklären zu können?
Hi Tira,

ich denke, ich verstehe Dein Anliegen. Aber das ist doch die persönliche Perspektive, die ich gar nicht ansprechen wollte. Mir geht es um die Frage, was für eine öffentliche Diskussion gebraucht wird. Ich befürchte, dass eine zu starke Differenzierung (deren Notwendigkeit ich im Privaten gar nicht bezweifle), für unsere gemeinsamen Anliegen eher zu einer Verwirrung führen oder anders gesagt, dass es leichter zu einem Verständnis kommt, als wenn Gesprächspartner sich mit einem Duzend Begriffen auseinander setzen muss. Ich will ja gar nicht, dass in einer allgemeinen Diskussion meine eigene Differenzierung zum Inhalt wird.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 35 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich denke, wir können den Menschen nicht in die Seele schauen.
Natürlich gibt es auch Clowns und Provokateure, die sich auf Kosten anderer Menschen Scherze erlauben und/oder Trans*+- als "Kunstprojekt" sehen,
aber wie soll eine "Ernsthaftigkeit des Anliegens" bewiesen werden - und "Wie müsste ich sein, um als trans akzeptiert zu werden? (wenn es so wäre?)
Wer soll das festlegen oder darüber bestimmen?"
Auch Menschen, "denen es nicht anzusehen ist", können sich sehr wohl lange mit ihrem Werden und Sein auseinandergesetzt haben.
Da ist der Vorwurf falsch: "jeder Mann kann einfach mal schnell zum Standesamt rennen und dann Frauenräume und Frauenschutzräume für sich in Anspruch nehmen - und keiner kann etwas dageben tun!"

Mit Wegfall der Gutachtenpflicht könnte schon der Vorwurf einer "Beliebigkeit" entstehen. Aber ist es wirklich so, dass wir die haben?
Wenn ich mir hier im Forum durch die Beiträge lese, dann komme ich zu dem Eindruck, dass sich fast alle, die sich äußern, sehr wohl viele Gedanken um eine mögliche Änderung des Geschlechtseintrages machen
und auch "Chancen und Risiken" ausführlichst diskuitieren und kalkulieren.

Das Klima ist rauer geworden und das Selbstbestimmungsgesetz wird als Vorwand für Hetze benutzt, aber darf ich deswegen diejenigen in die Verantwortung nehmen, die nun von den neuen Voraussetzungen profitieren
und nicht mehr der Pflicht zur Begutachtung unterliegen?


Gruß
Anne-Mette
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 36 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Hey Anne-Mette,

ich finde, Du sprichst da einen wichtigen Punkt an, der mich auch schon seit einer Weile beschäftigt.

Wie gesagt, ich profitiere selbst vom neuen Gesetz und bin wirklich dankbar. Andererseits hätte es mich jetzt ehrlich gesagt nicht gestört, wenn ich wenigstens ein Attest oder eine Empfehlung hätte vorlegen müssen.

Sogar -§45b des PStG sieht für intersex* Personen vor, mindestens mit einem ärtzlichen Attest auf dem Standesamt zu erscheinen. Und, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, darf der Beamte das sogar anzweifeln. Hauptsächlich wohl, um eben trans* Personen auszuschließen, die eine Abkürzung nehmen wollen. Aber das kann ich auch falsch in Erinnerung haben, da ich wußte, den Weg kann ich nicht gehen, habe ich mich damit nicht weiter beschäftigt.

Es ist im Prinzip natürlich unmöglich, die Authentizität einer trans* Person hieb- und stichfest zu prüfen oder zu beweisen. Und jeder Fragenkatalog, den man sich ausdenken könnte, würde wie bei der Verweigerungsprüfung früher einfach auswendig gelernt. Andererseits stünde einer gewissen Therapie-Pflicht mit einer Empfehlung nicht so ultra viel im Wege. Für mich bleibt tatsächlich auch ein Stück das Bangen, ob nicht zu viele Menschen diesen Schritt unbedacht gehen. Im Spiegel gab es mal eine Story, und da stand, dass die Standesämter nicht mit einem so großen Andrang gerechnet hätten. Statt einiger hundert, wären es wohl bundesweit eine Zahl im 5-stelligen Bereich. Und das macht mich dann doch wundern: sind wir wirklich so unfassbar viele, die nur auf diese Gelegenheit gewartet haben? Oder war die Repression des alten TSG so groß, dass sich so viele einfach nicht getraut haben? Andererseits ist die Änderung des Personenstandes ja auch keine Kleinigkeit, Offenbarungsverbot und so weiter. Das ist ein gewaltiger Aufwand im Hintergrund, enorme Kosten auch für "den Steuerzahler". Und sind diese Menschen wirklich alle willens und bereit, fürderhin mit einem neuen Namen und Geschlechtseintrag für mindestens 1 Jahr durch's Leben zu laufen? Allerdings: wie geil wäre die geforderte Alltagserfahrung wohl früher gewesen, wenn es diese Möglichkeit gegeben hätte und man hätte ganz unverbindlich aber umfänglich probieren können? So rum betrachtet gefällt mir das besser. Aber nen Therapeuten würde ich trotzdem gerne mit im Boot haben.
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Lana
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 37 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe K.

Wir hatten diese Diskussion in der Vergangenheit hier des öfteren, wenn es dich interessiert, dann such dir einfach die Beiträge zum Thema "Selbstbestimmungsgesetz" raus.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 22. Okt 2024, 21:14 Aber nen Therapeuten würde ich trotzdem gerne mit im Boot haben.
Mein Standpunkt dazu ist, dass dir die Möglichkeit doch gar nicht genommen wird, eine Therapie zu machen. Wenn du das möchtest, bitteschön, es steht dir und allen anderen vollkommen frei.

Ich möchte es derzeit nicht, und wenn es verpflichtend wäre, würde ich es genauso als Bevormundung empfinden wie die alte Regelung nach TSG.

Zu guter Letzt:
Was soll eine Zwangstherapie bringen? Therapie funktioniert nur dann, wenn man selbst bereit dazu ist.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 38 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Hi Lana,

das ihr darüber ausgiebig diskutiert habt, davon gehe ich aus. Ich wollte die Diskussion hier auch gar nicht neu führen, aber mich hat Anne-Mettes Satz einfach angesprochen.

Was die Therapie"pflicht" angeht, letztendlich ist doch immer die Frage - wie gut kenne ich mich wirklich und wo belüge ich mich vielleicht auch selbst? Also für mich, und das ist halt eben meine ganz persönlich Erfahrung, waren die Sitzungen mit meiner Therapeutin echt wertvoll.

Vielleicht habe ich die falschen Wort gewählt - ich finde eine therapeutische Begleitung hilfreich und darum sinnvoll. Aus vielen Gründen. Natürlich funktioniert das nur freiwillig. Und ich spreche ja auch nicht von einer ewig langen Zeit, wie das früher so gefordert war. Vielleicht war die Therapie für mich auch deshalb so wertvoll, weil ich mich eben nicht in kleinen Stückchen outen konnte, weil ich niemanden hatte, mit dem ich mich darüber austauschen konnte (auch: wollte, weil: Angst). Das geht vielen von euch hier anders und ich bin schon etwas neidisch auf die vielen toleranten Partner*innen. Meine hat keine zwei Monate gebraucht um festzustellen, sie möchte nur mit jemandem verheiratet sein, der sich auch als "Mann" identifiziert. Also selbst wenn ich nichts gemacht hätte, allein durch mein Outing war alles vorbei.

Anyhow - ich werde dazu nichts weiter schreiben. Diese Diskussion gehört hier nicht hin und ich werde mir mal die entsprechenden Fäden aus der Suchfunktion angeln. Vielleicht sprechen wir da ja weiter :)
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 39 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Warum kein "trans Test" für die Personenstandsänderung?

Erstens weil sich trans, in allen Schreibweisen und Formen, nicht nur "nicht hieb und stichfest" testen lässt, sondern einfach gar nicht. Das ist Stand der Erkenntnis. Dokumentiert in Stellungnahmen von Fachgesellschaften. Die Gutachten waren und sind Unfug ohne wissenschaftliche Basis. "Getestet" wurde maximal Stereotypen-Konformität. Und zwar genau der Performace bei den Gutachten. Sprich: Tanz mir den Klischee-Mann / die Klischee-Frau vor.

Zweitens ist eine Personenstandsänderung für "den Steuerzahler" kein Aufwand. Im Gegenteil. Kapazitäten der Amtsgerichte werden frei für sinnvollere Dinge. Gutachtende können sich echter Therapie widmen. Der Kabinettsentwurf schätzt die Einsparungen auf jährlich ca 1,7 Mio für eingesparte Verfahrenskostenbeihilfe, ca 8000 Stunden Gerichts-Servicekräfte, macht 270.000 € und ca 11500 Stunden ~= 750.000 € für Richter'innen. Wir werden sehen, ob das eintrifft. Es gibt auch keine neuen Kosten bei den Standesämtern, weil die quasi genau das gleiche machen wie vorher.

Drittens setzt das SBGG die Einschätzung des BVerfG um, dass Geschlecht für erwachsene Menschen nichts mit der optischen Zuordnung bei Geburt zu tun hat und der Staat sich nicht in die Entscheidung von Menschen einzumischen hat, in welcher Genderrolle sie leben wollen oder ob sie aus dem Spiel so weit wie möglich aussteigen wollen. Was an geschlechtsspezifischen Regelungen noch existiert gehört an tatsächlichen Gegebenheiten gehängt.

Viertens können Menschen heiraten, Kinder kriegen, falsche finanzielle Entscheidungen treffen, ungesunde Freizeitbeschäftigungen betreiben usw. ohne vorherigen Test, ob die sich über die Konsequenzen völlig im Klaren sind.

Fünftens ist ein geänderter Personenstand und Vorname in den Akten erst mal nur dort und an sich wirklich erst mal eine Kleinigkeit. Wie eins lebt, sich outet, die Änderungen verbreitet, Dokumente ändern lässt ist das eine. Das kann eins nämlich schluren lassen. Das andere ist, wie die Umwelt darauf reagiert. Meine Erfahrung - Ich habe meinen Personenstand 2019 auf "divers" ändern lassen: Gar nicht. Kriegt nämlich ohne optische Veränderung etc. keinein mit. Wenn du dein Geschlecht nicht für andere lesbar ausdrückst, passiert gar nichts. Im Alltag wird Geschlecht "an der Backtheke konstruiert". Und zwar per "Augenscheingutachten" durch die Person dir gegenüber.

Sechstens haben wirklcih viele Menschen seit mindestens 2022 darauf gewartet und kein TSG Verfahren gemacht. Ich habe etliche in meinem Umfeld. Insbesondere Menschen, die eine der beiden nichtbinären Optionen haben wollen. Die hatten nämlich bis jetzt kaum eine Chance, Gutachtende zu finden. Denn welche nichtbinären Klischees sollst du denen vortanzen? Nichtbinäre Menschen stellen (weltweit) ca 1/3 aller trans Personen. In D wurden 2019-2022 jährlich ca. 2000-3000 Änderungen nach TSG durchgeführt. Parallel hat die dgti 3500-6000 Ergänzungsausweise pro Jahr ausgegeben [Q]. Da ist also ziemliches Potenzial an Menschen, die mit dem EA auf das SBGG warteten.

Siebtens sind auch Selbsthilfegruppen, trans- und peer-Beratungen seit langem dabei, Menschen die Konsequenzen zu erkären. Nicht so sehr die bürokratischen, sondern die alltäglichen wenn sie sich outen. Früher gab es Hilfeseitten zum TSG, jetzt gibt Info-Seiten zum SBGG, z.B. sbgg.info, die von einer Koalition von Aktivist'innen gepflegt werden. Es finden Info-Veranstaltungen statt, usw.

Achtens wird sich das alles einpendeln. Auch ein Jahr mit falschem Eintrag ist höchsten etwas ärgerlicher Aufwand, aber keine Katastrophe. Jede Scheidung und jeder Haus-Fehlkauf machen da mehr Probleme.

Und dennoch... Ganz unabhängig von der Personenstands- und Vornamensänderung wäre es für viele Menschen gut, bei weitem nicht nur trans Personen, einen kompetenten Menschen für die vielen kleineren und größeren Altlasten zu haben. Sei es qualifiziertes Coaching oder Therapie. Trans an sich ist eigentlich kein Problem, sondern die Kollision als trans Person mit der cis Umgebung. Der jetzigen und der eigenen Vergangenheit.

Das ist aber noch lange kein Grund für Zwangstherapie oder unsinnige Gutachten. Weder juristisch, noch medizinisch.
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 40 im Thema

Beitrag von Susi T »

Jaddy du zeigst genau die Probleme auf, die es mitbringt wenn man alles will, niemand überzeugt, obwohl man Recht hat und nichts erreicht, weil die Akzeptanz wegen fehlendem Verständnis nicht vorhanden ist.
Das Selbstbestimmungsgesetz mit solchen Argumenten durchzukämpfen war ein Fehler meiner Meinung nach.
Ein paar Kleinigkeiten anders, hätte es allen viel leichter gemacht.
Inter* mit dem Attest belassen, aber den Beamten oder sonstwen das Recht des Einspruchs nehmen, das hätte den Ärtzten ihre Ängst auf Bestrafung genommen und die Hürden und die teils Menschenunwürdigen Offenbarungennötigungen erheblich reduziert.
Trans* das gleiche mit dem Schreiben von der Thera was eh für Hrt benötigt wird, ohne zusätzliche Gutachter, ohne Gericht ect. Einfach nur ein zusätzliche Betreuung mit max 4 Sitzungen, ohne Pathologischer Einflußnahme, etwas was viele eh sich suchen mussten.
Das ganze beim kompletten binären Pä.
Und für alle anderen?
Bei der Änderung auf Divers oder ohne Eintrag? Komplett Selbstbestimmt, denn wer sowas macht, muß ganz besondere Gründe haben, da gibt es nur Nachteile, da gibt es keinerlei Gründe dagegen über die man diskutieren muß ob sie nur vorgeschoben sind oder nicht.
Das hätte selbst für trans* auf die schnelle einen guten Zwischenschritt bedeutet.
Ich selbst habe bei vielen Händlern ect. den Eintrag auf Divers schon seid dem es das gibt und habe es als ersten Schritt für mich als sehr wichtig/schön empfunden.
So hätte sich für alle was positives geändert gehabt, es hätte viel mehr überzeugt und es wäre ein Zwischenschritte gewesen, der Sinn gemacht hätte, der einfach unsinniges gestrichen hätte. Gericht, mögliche neg. Einflußnahmen streichen wären auch ein gute Art der Selbstbestimmungsstärkung gewesen.
Besser als Warnhinweise im Gesetz, die Menschen die das Selbstbestimmungsgesetz nutzen in Generalverdacht stellt.

Mein -§45b schützt mich und da bin ich froh drum, denn wenn es hart auf hart kommt, bekomm ich Hilfe, anstatt Gegenwind.
Hoffe das das für alle auch in Zukunft gilt, auch mit dem SBGG.

Letztendlich müssen wir mit der veränderen Situation klar kommen, hilft alles nichts. Ändern können wir es so leicht eh nicht mehr. Möchte nur darauf hinweisen, das Evolution auch seine Vorteile hat, es muß nicht immer Revolution sein, selbst wenn man Recht hat
Vielleicht hilft es für die Zukunft.
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 41 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hey Tira :)p

Ich kann deine Besorgnisse nachvollziehen, teile aber nicht deine Einschätzungen und Schlussfolgerungen.

Gegen TIN- und queerfeindliche Kräfte würde keiner deiner Vorschläge etwas ausgerichten. Egal ob Attest oder Indikation, es wäre ihnen niemals genug. Ich kann in unter dreissig Sekunden ein Dutzend ihrer Schein-Argumente und Horrormärchen aufzählen, die sich dadurch null ändern. Wer sich wie Schwarzer, Storch oder die ehemaligen Sprecher*innen von TdF äussert, will einfach keine trans Personen dulden. Punkt Ende. Da hilft keine Beschwichtigung durch Pseudo-Gatekeeping. Es braucht nur einen Troll, der eine "erschlichene" Bescheinigung erlangt, schon ist das ganze vom Tisch.

Es gibt auch keinen wirklichen Schutz. Auch nicht mit dem Attest für -§45b. Begründung siehe unten. Auf der rechtlichen Seite sind das alles einfache Bundesgesetze, die jederzeit völlig umgekrempelt werden können, wenn die politischen Mehrheiten das wollen. Dagegen könnte höchstens das BVerfG etwas setzen - je nachdem wie es besetzt ist.

Das BVerfG hat mehrfach tolle Entscheidungen getroffen, die wirksam wurden. Sterilisationszwang weg, Scheidungszwang weg, kein Eintrag nach Geburt möglich, schliesslich positive dritte Option. Es hat aber auch mehrfach das TSG als grundsätzlich überarbeitungswürdig beurteilt, so wie diverse EU-Gremien übrigens auch. Das haben die diversen Regierungen seit mindestens 20 Jahren einfach nicht getan. Und die TSG-Gutachten verstossen angeblich nicht gegen die Verfassung - wobei das im Lichte des aktuellen Wissensstands möglicherweise inzwischen anders beurteilt würde. Weil eben die persönliche Identität nicht testbar ist.

Bitte noch mal genau und Wort für Wort drüber nachdenken: Ob Indikation nach ein paar Sitzungen oder Gutachten nach TSG oder erfolgreich drei Meter geradeaus gehen und dabei Hänschenklein singen: Diese Tests zeigen gar nichts.

Also, mal rein menschenrechtlich gedacht: Warum sollten Menschen in ihrem Recht beschnitten werden dürfen durch nachweislich nicht zielführende Regelungen? Es gibt hier keine zu schützenden Rechtsgüter (ja wirklcih nicht; siehe unten) und damit keinen Grund, etwas zu untersagen. Streng genommen ist es dem Staat damit sogar verboten, sich da einzumischen.

So viel zur (menschen)rechtlichen Seite.

Der gesellschaftliche Aspekt Nummer 1: Nach über vierzig Jahren TSG waren wir noch nicht viel weiter mit der Akzeptanz. Selbsthilfegruppen etc gibt es schon seit vor dem TSG, aber ausser Hilfe nach innen - und die hat Leben gerettet! - ist nach aussen hin nicht wirklich viel passiert. Trans und inter blieben Nischenthemen. Für die Mehrheit unsichtbar, für Fachkräfte in Medizin und Psychologie so fern, dass die meisten immer noch keine Ahnung haben. Von nichtbinären Menschen und ihren Bedarfen mal gar nicht zu reden. Wie lange soll das noch gehen mit dem "langsam machen, die Leute abholen, nicht überfordern"? So wie bei der Ehe für (fast) alle? 25 Jahre nach der ersten Aktion Standesamt immer noch aufgehalten durch "Bauchgefühl" entgegen aller Erkenntnislage, bis die SPD es quasi aus Verzweiflung zum Wahlkampfthema machte und Merkel deshalb dann in einem Brigitte-Interview(!) nachgab?

Die wirklichen Fortschritte sehe ich erst seit ~2010, 2015, seit dem viel mehr Menschen sichtbar werden. Für uns wird sich nur etwas ändern, wenn wir mindestens so selbstverständlicher Teil der Gesellschaft werden, wie der LGB-Teil der Buchstabensuppe. Wenn alle mindestens ein bis zwei TIN-Personen kennen und wir öffentlich vorkommen. Und zwar nicht nur als Witz oder Opfer.

Das ist aber völlig unabhängig vom Gatekeeping bei der Personenstandsänderung. Die meisten Leute haben ja nicht mal eine Ahnung was das TSG war, was da zu leisten war oder was eine PÄ bedeutet. Eigentlich haben sogar viele TIN-Personen keine Ahnung, was das SBGG oder eine PÄ bedeutet. Deshalb...

Gesellschaftlicher Aspekt Nummer 2: Neben der voraussetzungslosen Änderbarkeit habe ich am meisten die Begründung für -§6 gefeiert. Das ist ausgerechnet dieser Paragraph mit Hausrecht und so weiter, und der enthält mE die größten mind boggling Klopper. Ich hab's irgendwo in nem Post hier im Forum, aber das ist die Passage aus dem Kabinettsentwurf ([PDF]), S.41ff:
Mit -§ 6 Absatz 1 SBGG ändert sich hinsichtlich der Rechtsfolgen im Vergleich zum bisher geltenden -§ 10 TSG nichts. Es wird lediglich klargestellt, dass es stets — wie schon bisher — um Rechtsfolgen geht, für die der Geschlechtseintrag im Personenstandsregister beziehungsweise die dort eingetragenen Vornamen einer Person relevant sind.
Bereits vor der Änderung des Geschlechtseintrages und der Vornamen kann zum Beispiel im privaten Bereich eine Verwendung des gewählten Geschlechtseintrags und der Vornamen erfolgen, wenn dem keine gesetzlichen Vorschriften entgegenstehen.
Der jeweils aktuelle Geschlechtseintrag im Personenstandsregister ist etwa bei Regelungen relevant, die das Ziel verfolgen, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen, bestehende Benachteiligungen auf Grund des Geschlechts, insbesondere Benachteiligungen von Frauen, zu beseitigen und künftige Benachteiligungen zu verhindern (zum Beispiel Regelungen zu Arbeitsplatzausschreibung, Bewerbungsgesprächen und Auswahlentscheidungen in der Bundesverwaltung und in den Gerichten des Bundes, soweit für die Berufung von richterlichem Personal keine Wahl oder die Mitwirkung eines Wahlausschusses vorgeschrieben ist, -§-§ 6 bis 8 BGleiG).
Des Weiteren gibt es Regelungsbereiche, in denen zwar grundsätzlich auf den personenstandsrechtlichen Geschlechtseintrag abgestellt wird, aber eine gesetzliche Modifizierung des -§ 6 SBGG geboten ist. Ebenso wie -§ 10 Absatz 1 TSG gilt -§ 6 SBGG nur, soweit durch Gesetz nichts anderes bestimmt ist. Ein Beispiel für eine solche abweichende Regelung ist -§ 9 SBGG für den Spannungs- und Verteidigungsfall.
Geht dann weiter und erläutert ausführlich, warum sich bei all den zweigegenderten Räumen und Strukturen durch eine PÄ praktisch nichts ändert.

Noch mal ganz explizit: Im Alltag ändert sich durch den Registereintrag real gar nichts. Du hast keine neuen Rechte oder Zugänge. Nicht bei Toiletten, nicht bei Umkleiden, nicht bei Saunen, nicht bei Parkplätzen. Das wird alles von Angesicht zu Angesicht ausgehandelt, und zwar egal ob du trans, inter, nichtbinär oder einfach crossgedresst bist. Oder, mein Lieblingszitat aus der ersten Lesung des SBGG, Jürgen Lenders, FDP:
Für 99 Prozent der Bevölkerung ändert sich überhaupt nichts. Für transidente Erwachsene ändert sich, dass sie keine entwürdigende Begutachtung mehr brauchen und nicht mehr zum Amtsgericht gehen müssen. [...] Wenn ich das mal so sagen darf: Was sich wirklich ändert, ist, ob sie zukünftig als Frau oder Mann Post vom Amt bekommen. Selbst im Personalausweis steht ihre geschlechtliche Identität nicht drin. Mehr, meine Damen und Herren, ändert sich nicht.
Klopper Nummer eins: Das haben die (BMJ, BMFSFS) tatsächlich da rein geschrieben! Dass der Personenstandseintrag praktisch keine Wirkung hat. Das wir alle, cis und TIN, uns das immer nur eingebildet haben, bzw immer noch einbilden.

Klopper Nummer zwei: Das war schon immer so! "Es wird lediglich klargestellt, dass es stets — wie schon bisher — um Rechtsfolgen geht, für die der Geschlechtseintrag im Personenstandsregister beziehungsweise die dort eingetragenen Vornamen einer Person relevant sind."

Du kannst auch ohne PÄ fast überall in deinem Geschlecht leben, mit Namen und Anrede und allem. Solange andere dich so akzeptieren (oder mindestens tolerieren). Wenn nicht: Pech gehabt. Aber da hilft und half auch der Eintrag nichts. Weder mit noch ohne Hürden. Ein vorgezeigter Perso wird keine EInstellungen ändern - und Geschlecht steht eh nicht drin.

Selbst wenn sich eins gegen den geäusserten Willen in irgendwas hineinklagt oder gegen Diskriminierung wehrt, wird das den Konflikt nicht lösen. Nicht mit SBGG und auch nicht mit pseudo-Gendertests. Leute wie Amelung sind häufig der Meinung, dass die Hürden nur hoch und anstrengend genug sein müssten, dann würden cis Leute schon diese Mühen anerkennen und TIN Menschen eher akzeptieren. Das entspricht weder meiner Erfahrung noch dem was ich aus der Community von heutigen und altvorderen weiss.

Wir stehen endlich, nachdem diese Illusion des Staates als bösem Gatekeeper und Verantwortlichem für offizielles Geschlecht weg ist, vor der eigentlichen Aufgabe, gesellschaftliche Teilhabe durchaus behutsam, aber wirksam zu diskutieren. Das ist meines Erachtens der Berg, den wir gemeinsam zu bezwingen haben. Und zwar cis wie TIN.
Susi T
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Re: Warum ich Angst habe...

Post 42 im Thema

Beitrag von Susi T »

Eigendlich sind wir in den meisten Dingen, ja in fast allen der gleichen Meinung. Trotzdem, wenn es um Strategie geht war es das Liefern von Munition der anderen Seite für Null? Da du ja selbst von der nicht vorhandenen Auswirkungen sprichst.
Was das Thema Inter* und dem -§ 45b angeht, seh ich deine Argumentation aus deinem Blickwinkel, für mich ist es ein Lebensberechtigungsschein, was mir meine neuen Papiere gegeben haben.
Das Gerichtsurteil hat uns als vollwertige Menschen bestätigt, mit vollen Menschenrechtn, kannst du dir die Auswirkungen überhaupt vorstellen? Kannst du dir vorstellen wenn dein Körper so ist, das ein Arzt das Recht hat dich zu verstümmeln, wie er es mag?
Für trans* Menschen kann ich in meinem Fall sagen, stellt euch vor ihr seid mitten in der Transition, alles läuft super, aber jederzeit kann der Arzt heimlich die Medikamente wechseln, euch eure Brüste Weg operieren wenn ihr mtf seid und euch sonst wie zum ganzen Mann machen. So war Inter* für mich im Umgang mit Ärzten und auf einmal wurde höchst Richterlich festgestellt das das nicht mehr vorkommen soll. Das bedeutet -§ 45b auch für mich.
Das das Gerichtsurteil nur von Intergeschlechtlichen Menschen erstritten wurde, ohne das trans* mit eingeflossen ist, war ein Problem. Im anschließenden Gesetz wurde das auch nicht genau betrachtet und erst als trans Menschen den Paragraphen für sich nutzen wollten gab es interne nachschärfungen, die die Hürden auch für Inter* so hoch setzten, mit allen Problemen und Leiden. Fair wäre es gewesen, sich das gleiche zu erstreiten, aber ich kann alle verstehen, die ihr Leid so mildern wollten. Aber vergesst nicht, wer dafür bezahlt hat.
Wir sollten versuchen uns zu verstehen, nicht alles ist gleich. Es ist schade, wenn wir uns auseinander differieren lassen, wir haben viel gemeinsam, aber sollten auch unsere Unterschiedlichkeit akzeptieren.
Aktuell hab ich den Eindruck das Inter* immer öfter zu Nonbinär geworden ist, in der Presse gibt es sehr blöde Artikel die alles verdrehen. Ich lebe gerne Frau binär und streite für das Recht dazu. Habe selbst ein Kind das mit 14 schon zum CSD gegangen ist und ihr nonbinär Armband neben vielen anderen mir erklärt hat.
Ich brauche keine Fremdzuweisung aus der eigenen Community, wie ich es ab und zu erleben und ich hoffe darauf, das wir die Gesellschaft mitnehmen, denn manchmal hat man nur wenige Worte Zeit des zuhörens.
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