Huhu,
Lana hat geschrieben: Do 17. Okt 2024, 17:01
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 16. Okt 2024, 23:14
welche "Konventionen" wollt ihr brechen?
Nun ja, es gibt sowas wie eine gesellschaftliche Mehrheitsmeinung/Konvention, welche Kleidung für eine, sagen wir mal, 65 Jahre alte Mittelschichtsfrau als angemessen wahrgenommen wird. Das hängt natürlich von den Umständen ab, wurde weiter oben schon ausgeführt.
Jedenfalls wird das eine andere Erwartungshaltung sein als bei einer 25-Jährigen bei ansonsten vergleichbaren Umständen.
Diesen Erwartungshaltungen kann man folgen, wenn man das Bedürfnis hat, in der Masse unterzugehen und möglichst wenig auffallen will. Das ist recht bequem.
Man kann sie auch ignorieren, dann kann es von Fall zu Fall anstrengend werden.
Genau um diesen letzten Punkt geht es hier im Thema.
LGL
Hi Lana und alle anderen,
ich habe eben beschlossen, ich werde hier nur noch mit Interesse mitlesen, kann aber nichts zu dem Thema beitragen. Nach der fünften verworfenen Antwort bin ich zu dem Schluß gekommen, dass meine persönliche Selbstwahrnehmung so grundverschieden zu eurer ist, dass ich die gedankliche Grundlage dieser Diskussion nicht nachempfinden kann. Ihr habt das so toll in einem anderen Faden diskutiert, ich komme mir vor wie eine Blinde, der man versucht, eine Farbe zu beschreiben.
Das ist vollkommen okay so - das ist keineswegs abwertend oder negativ gemeint. Aber für mich ist Kleidung aus der Damenabteilung das, was meinem Selbstverständnis entspricht. Das macht mich aber trotzdem nicht zur "Frau".
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 15. Okt 2024, 09:48
YvonneTV hat geschrieben: Mo 14. Okt 2024, 15:38
Meine Frage ist nun - insbesonder an alle, die das recht frei ausleben und mehr Konventionen brechen - doch auch sonst sind Antworten freilich willkommen:
Ist das AUF DAUER OK für Euch oder wird das auch mal (richtig/zu) anstrengend ???
Hallo Yvonne,
Da musste schon ein wenig über mich nachdenken. Ich möchte die Frage weniger aus der Perspektive der Kleidung beantworten als vielmehr aus einer emotionalen. Kleidungstechnisch trage ich das, was mir gefällt und wie ich mich wohl fühle. Provokativ trete ich i.d.R. nicht auf, wenn man davon absieht, das ich als Transmensch für manch eine Person provoziere. Aber nehme ich nur selten wahr.
Grundsätzlich ist für mich das Leben meiner weiblichen Seite in der Öffentlichkeit nicht anstrengend. Anfangs war es aufregend, Ausflüge in die Öffentlichkeit zu machen. Diese waren i.d.R. nur kurz. Dann kam das Thema auf, ob ich ein Leben als Frau wirklich anstrebe und so lebte ichim Urlaub 24/7 über mehrere Tage hinweg. Das erste Mal war es superanstrengend, nicht weil ich Frauenkleider trug oder weil die Reaktionen negativ gewesen wären, sondern weil ich mich nonstop mit mir, meinen Gefühlen und meinem Äußeren beschaftigt habe. Am Ende dieser Auszeiten war ich ziemlich erschöpft. Aber mit der Zeit wurde ich dabei ruhiger und es gab Phasen, in denen ich "vergessen" konnte, dass ich als Frau lebte. Das ist ein merkwürdiges Paradoxon, je mehr ich vergesse, ein Frauenleben zu führen, um so mehr wurde es ein Frauenleben. Das war gar nicht mehr anstrengend.
Der bisherige Höhepunkt war meine Reha, in der ich 4 Wochen en femme lebte. Hier hatte ich den ganzen Tag enorm viele Kontakte mit anderen Patienten und Ärzten. Ich war mir oft bewusst, dass ich en femme bin, aber die innere Beschäftigung damit hielt sich in Grenzen, so dass das nicht "anstrengend" war.
Im Gegenteil, ich habe erlebt, dass ein Leben als Frau für mich möglich ist und es nur in meiner Entscheidung und meiner Verantwortung liegt, es auch zu tun oder zu lassen.
Um Deine Frage in diesem Sinn zu beantworten: "AUF DAUER" lässt die Anstrengung nach. Es wird "normal", en femme zu leben und en femme wird die Kleidungsfrage auch in dem Sinne "weiblicher", da es im Alltag weniger wichtig ist, was ich trage. Bequemlichkeit und Sinnhaftigkeit der Kleidung tritt in den Vordergrund. Natürlich ist es schön, mich "aufzubrezeln", aber doch nicht im Alltag. Da darf alles ein oder zwei Nummern einfacher sein.
Und so präsentiere ich meine Weiblichkeit, wann und wie mir danach ist.
Sowas zum Beispiel, wie das fett hervorgehobene, als zentrale Aussage - das ist für mich keine Option. War es nie. Ich kann das nicht an oder aus machen. Ich habe es Jahrzehnte lang mit Arbeit, Drogen und purer Willenskraft unterdrückt - aber auch nur nach außen. Das Innere war 24/7 darauf gerichtet, das ich im falschen Körper stecke. Und das ich diesen Umstand mit allen Mitteln verheimlichen muss. Hat nie geklappt, also nicht 100%, vielleicht 80-90%, je nach Umfeld und Aufmerksamkeit der mich Umgebenden.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 15. Okt 2024, 09:48
Anstrengung bedeutet für mich in diesem Zusammenhang, dass etwas nicht so ist, wie es sein soll. Dann stelle ich es nach Möglichkeit ab. Oder ich mache mir klar, warum gerade etwas anstrengend ist, denn manchmal sind Anstrengungen notwendig, um weiter zu kommen.
Ich würde das für mich umformulieren wollen: "Anstrengend" in diesem Zusammenhang heißt, ich fühle mich unwohl. Das vermeide ich normalerweise, oder ich versuche zu verstehen, was das Unwohlsein auslöst. Denn manchmal muss ich dieses Unwohlsein aushalten, um mich weiter zu entwickeln.
In diesem Sinne, fröhliches Weiterdiskutieren
Knäcke