Ach Wally
Also zum einen bin ich sicher nicht im Alleinbesitz irgendwelcher Wahrheiten. Weder absoluter noch sonst welcher. Im Gegenteil. Ich gebe vielmehr den Stand und Konsens der Fachleute wieder, die sich mit dem Zeugs beruflich wissenschaftlich befassen. Also nicht "meinungsmässig", sondern in langjähriger Forschung gemessen, gerechnet, geprüft, miteinander verglichen, sich gegenseitig korrigierend und ergänzend und bestätigt. Konsens im Sinne von "von tausenden Forschenden sind 99,9x% sich einig, dass diese Ergebnisse stimmen", weil es eben nachgeprüft werden kann.
Zum zweiten habe ich keinein zu Feinden erklärt oder verteufelt und argumentiere bzgl Klima auch nicht moralisch, sondern stelle reine Naturwissenschaft dar. Insofern bin ich wirklich perplex, was du da unterstellst.
Ich kann vollkommen nachvollziehen, dass angesichts der Größe und Gewaltigkeit der Natursysteme unglaublich klingt, dass wir Menschen da irgendetwas massgeblich beeinflussen können. Ich habe häufig ein ähnliches Gefühl, wenn ich Großstädte sehe. Also nicht unsere kleinen hier in Deutschland, sondern die Mega-Cities in Asien usw. Wie unglaublich, dass für all diese Häuser Millionen Tonnen Sand bewegt wurden, Millionen Tonnen Zement gebrannt und weitere Millionen Tonnen Stahl als Eisenerz abgebaut und verarbeitet wurden. Die Komplexität, alle mit Wasser, Strom usw zu versorgen.
Aber Milliarden Menschen und 150 Jahre Maschinen und viel Energie können sowas.
Also machen wir mal Naturwissenschaft. Völlig moralfrei, reine Physik, keine Meinung:
Dass CO2 die Strahlungsbilanz der Erde beeinflusst ist in einem einfachen Schulversuch nachweisbar. Eunice Foote hat 1856 diese Experimente gemacht: Luft mit höherem CO2 Gehalt erwärmt sich stärker, als solche mit weniger. Lässt sich messen. John Tyndall hat unabhängig von Foote drei Jahre später das gleiche gezeigt. Svante Arrhenius hat 1896 die quantitativen Zusammenhänge erforscht. Seine Formeln, wie viel CO2 wie stark wirkt, gelten noch heute. Auch sie lassen sich in einfachen Schulversuchen nacherleben.
Wie das funktioniert kann auch mit Klasse 11 Physik gezeigt werden: CO2 absorbiert Infrarot- aka "Wärme"-Strahlung, wird "warm" und erwärmt dadurch die Atome und Moleküle um es herum. Anders als O2, N2, usw. Insbesondere absorbiert es von der sonnenerwärmten Erdoberfläche abgestrahltes IR, das dadurch nicht in den Weltraum geht, sondern auf der Erde bleibt. Glasscheiben tun das gleiche in Gweächshäusern oder Autos, weil sie weniger durchlässig für IR sind, als für höhere Wellenlängen, also sichtbares Licht.
Sprich: Helles, sichtbares Sonnenlicht auf Erde, Erde erwärmt sich, strahlt IR ab, CO2 in Atmosphäre lässt weniger zurück ins All.
Effekt: Strahlungsbilanz der Erde verschiebt sich.
Wie gesagt ist das Physik auf Schulniveau, die mit einfachsten Mitteln nacherlebt und nachgerechnet werden kann.
Auch die Frage "woher wissen wir, dass das CO2 menschenerzeugt ist" ist (Oberstufen)Physik, und zwar so faszinierend, dass ich nen halben Nerdgasm davon kriege: Die Isotope des Kohlenstoffs und der Suess-Effekt. Es gibt die stabilen C12 und C13 und das instabile C14. C14 wird in der oberen Atmopshäre durch kosmische Strahlung aus Stickstoff gebildet und zerfällt mit Halbwertszeit ~5730 Jahren wieder zu Stickstoff und Rest. Das ist ein stabiles Fliessgleichgewicht von Bildung und Zerfall.
Pflanzen bauen am liebsten C12 aus der Luft in ihre Substanz ein. Weniger gerne C13 und C14. Auch das hat physikalische Gründe und die Verhältnisse können/sind gemessen worden (
Suess-Effekt). Tiere konsumieren die Kohlenstoffverbindungen und damit die Isotopen-Verhältnisse. Wenn Organismen sterben, hört deren Stoffkreislauf auf und das C14 zerfällt mit schöner Regelmässigkeit (
Wiki: Radiokarbonmethode). Je weniger C14, desto älter das tote biologische Material.
Fossiles Material wie Kohle, Erdöl und Erdgas enthält quasi 0% C14 und den entsprechend geringeren Anteil an C13. Heisst: Es hat fast nur C12. Wenn eine Menge davon als CO2 in die Luft geht, kann die Verschiebung der Isotopenverteilung C12/C13 zu mehr C12 bzw weniger C13 gemessen werden. Auch einige tausend Jahre zurück (beide sind stabil), u.a. durch Luftbläschen in Eisbohrkernen, Sedimentablagerungen, Baumringen, usw. (
Wiki:δ13C, "Delta-C13").
Ergebnis: Seit dem frühen 19ten Jahrhundert sinkt der C13 Anteil in dem Mass, wie fossiles Material verbrannt wird, weil die Fossilverbrennung praktisch nur C12 beträgt. Das zusätzliche CO2 in der Atmosphäre stammt also genau aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas.
Alles im Zusammenhang erklärt Harald Lesch (etwas langatmig) in 14 Minuten in diesem
Video von 2020, aber es gibt natürlcih unzählige peer-reviewed Fachartikel mit Messungen und Berechnungen. Alles keine Sache von Glauben oder Moral, sondern reine Naturwissenschaft, die jeder Mensch nachlesen und nachrechnen kann.
Und das führt zurück zur Frage, ob wir Menschen irgendetwas am Klima verändern können. Ja, können wir; mit Milliarden Menschen und 150 Jahren Zeit. Die Messungen und Quellennachweise zeigen das. Seit ~1800 haben wir
1,6 Billionen Tonnen fossiles CO2 in die Luft eingebracht und die globale Konzentration um 50% gesteigert (~300 auf 420 ppm). Der Mount Everest wiegt (mit durchschnittlicher Dichte und auf N.N. bezogen) ca. 500 Milliarden Tonnen; also ein Drittel.
Die Prognosen und Berechnungen haben auch längst keine wirklichen Unsicherheiten mehr. Das Gesamtbild ist klar und wissenschaftlich unstrittig. Übrigens spätestens seit 1977. Seitdem wird mit Forschungen in allen Bereichen unterfüttert und Randbereiche geklärt. Es gibt keine belastbaren Fakten für irgendeinen glaubhaften Zweifel(1). Sämtliche sinnvollen Gegenargumente
sind widerlegt.
Und da Patricia Klaus Hasselmann und den Nobelpreis u.a. für seine Forschungen zu Klimamodellierung erwähnt hat: Die heutigen Modelle basieren genau darauf, alle irgendwie signifikanten Variablen und Einflüsse einzuberechnen. Sie sind verlässlich, weil die Modell-Ergebnisse die unzähligen Messdaten aus allen Zeiten und Weltregionen nachbilden. Heisst: Es gibt da keine bedeutsamen weiteren Einflüsse.
Der größte Knaller: Selbst die ersten Modelle von Exxon 1977ff liegen auf der gleichen Linie. Allein basierend auf der CO2 Konzentration (siehe Doku unten und unzählige
Berichte).
Und wird die Klimaerhitzung ein Problem? Ja.
Ja, die Erde hatte mal viel mehr CO2 in der Atmosphäre - lies: 70..500 Millionen Jahre - und siehe da: Es war sehr sehr viel wärmer. +5..+25-°C über unserem Niveau und mehr, bei CO2 Raten von 2000..9000 ppm; aktuell: 420. Und klar gab es da auch Leben auf der Erde, aber die Bedingungen hätten wir nicht ausgehalten und alle aktuell lebenden Spezies auch nicht. Die allermeisten damaligen Spezies könnten heute auch nicht mehr existieren. Die damaligen Ökosysteme, Nahrungsquellen, etc sind längst nicht mehr da. Sie haben sich evolutionär verändert, angepasst, usw.
Und das ist das Problem mit dem aktuellen Klimawandel: Er geht zu schnell. Statt tausender oder Millionen von Jahren passiert es in 200. So schnell kann sich Biologie, Ökologie etc nicht anpassen. Ab +2-°C stehen alle natürlichen Stoffkreisläufe auf dem Spiel, auf die wir angewiesen sind. Auch das ist erforscht und berechnet.
Wir sind schon im sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte und die Ursache sind Klimaerhitzung UND menschliche Umgestaltung der Erdoberfläche. Es brechen die Kreisläufe weg, auf die jene Spezies angewiesen sind, auf die wir angewiesen sind; als Nahrungsquellen, etc. Auch ganze Klimazonen, in denen aktuell Landwirtschaft betrieben wird, verschieben sich. Auch in Deutschland. Frag die Landwirte. Es geht auch für uns zu schnell, um uns anzupassen, bzw es wird extrem teuer und fortlaufend.
Hinzu kommen Kipppunkte, also nichtlineare, defacto über lange Zeit irreversible Effekte. Neun große sind bisher bekannt, soweit ich weiss. Gletscher und Eisschilde (Grönland, Antarktis), die weg sind, bilden sich auch bei zurückgehenden Temperaturen erst in Jahrtausenden nach, weil der dunklere Boden sich stärker erwärmt (und mehr IR abstrahlt...), als das Eis vorher. Abgerissene Meeresströmungen bauen sich nicht einfach wieder auf (AMOC). Vernichteter Regenwald regeneriert sich nicht in Jahrzehnten, sondern Jahrhunderten. Je höher die globale Mitteltemperatur, desto höher die Wahrscheinlichkeit für diese Ereignisse, die wir dann nicht irgendwie rückgängig machen können. Deshalb das 1,5-°C Ziel. Um unter den kritischen Wahrscheninlichkeiten zu bleiben.
"Das Leben" wird das packen. Aber wir nicht, bzw die sorgsam aufgebauten Systeme, die uns am Leben halten.
Also, Fazit: Der Klimawandel ist real (Messreihen). Er ist menschengemacht (Kohlenstoffnachweis). Er ist gefährlich (biologische/ökoligische Forschung, Landwirtschaft, etc). Wir haben nur noch wenig Zeit (Kipppunkte). Wir können etwas tun (Treibhausgas-Emissionen auf Null).
Das ist alles Physik etc
vor dem Komma. Über Details lässt sich reden.
(1) Was es gibt sind faktenwidrige Desinformationskapagnen. Doku dazu:
"Klimawandel — Die Macht der Lobbyisten" (
Video).