LG
Christiane
Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 22. Apr 2021, 14:18
Christiane hat geschrieben: Do 22. Apr 2021, 12:12
Heimat —
ein echt schweres Thema
Wenn ich nun ehrlich zu mir bin — muss ich mich als heimatlos, treibend, Halt suchend bezeichnen.
...
LG
Christiane
Danke, liebe Christiane, für Deine offene Darstellung. Genau durch die von Anne-Mette eingestellte SWR-Sendung wurde mir wieder bewusst, was Dein erster Satz, den ich bewusst zitiere, ausdrückt. Für mich trifft er nicht nur räumlich zu.
Für mich eigentlich auch nicht. Ich kann es aber nur schwerlich beschreiben, warum ich mit meinen Gefühlen und Sehnsüchten derart treibe und manches Mal auch abstürze .......... .
Und ich beziehe dies nicht nur auf M/W oder was sich da sonst noch tummelt. Sondern auf die tiefe Traurigkeit, die immer wieder mein Herz ergreift und in ihren kalten, klammen, dunklen Griff nimmt.
Ich hab mir die ganzen Jahrzehnte immer eingeredet, dass das besser wird, wenn es uns besser geht. Wenn wir zusammen wohnen - wenn wir verheiratet sind - wenn - wenn - und jetzt hat meine Frau ....... .
Das werde ich wohl nie wieder los!
Als ich, als dickes Kind, von einem Lehrer vor versammelter Klasse mit den Worten: "Na, Ralf, Du bist ja mein Fetter!" zum Abschuss freigegeben wurde bekam ich zuhause nur zu hören: "Sei nicht so empfindlich!". Da war ich acht Jahre.
Als ich von vier Mitschülern jeden Tag auf dem Heimweg verprügelt wurde bekam ich mit sieben Jahren zu hören: "Dann lern Dich zu wehren. Wir können Dir nicht helfen."
Kommt mir bekannt vor. "Dann wehr Dich halt mal. Zu was hast Du zwei Fäuste! Du bist ein Junge. Du musst auf Dich selbst aufpassen."
Toll! Wenn man es als Kleinster mit mehreren Gegnern zu tun hat.
Das konnte ich zufällig in der vierten Klasse abstellen. Nämlich indem ich einen Mitschüler, der mir bei den üblichen Attacken zu Nahe kam, fast erwürgt habe - mit bloßen Händen -
ja -
ich weiß was es heißt rot zu sehen.
Dein Schutz - um nicht sehen zu müssen, wie Dein Gegner krepiert. Du siehst wirklich nur noch rot.
Der Lehrer musste mich gewaltsam von ihm lösen. Zu unserem Glück war der Lehrer da. Ich hätte ihn umgebracht - hätte mich selbst gar nicht mehr lösen können. Das ist dann der sechste Gang - ab da geht kein Rückwärtsgang mehr.
Ich möchte dies nie wieder erleben - ich weiß, zu was ich fähig bin - und versuche seitdem nicht mehr in solche Situationen zu kommen. Auch so etwas prägt.
Ich erinnere mich heute noch daran, als ob es Gestern gewesen wäre. Ich war vor mir selbst entsetzt.
Dafür gab es Zuhause die Schläge meines Lebens - aber - die anderen Idioten hatten ab da an Angst vor mir - - auch größere Schüler.
...und wollte von mir hören, dass sie keine Fehler gemacht hätte.
Das kommt mir bekannt vor. Ich hatte ja mal geschrieben, dass wir uns wieder ein wenig angenähert hatten.
Immer wenn das Thema auf meine Kindheit kam, wurde nun steif und fest behauptet, dass mein Vater nie getrunken und uns Kinder nie geschlagen hat.
Mittlerweile sind wir wieder bei einer Nachricht im Monat. Telefoniert haben wir zum letzten Mal im Juli oder August.
Ich will auch nicht mehr.
Wenn ich mich nicht dauernd melde, kommt von der anderen Seite nichts mehr.
Vielleicht ist es auch besser so.
...und seit ungefähr zehn Jahren habe ich gelernt mir nicht die Schuld zu geben für das Geschehene und den Schmerz zuzulassen. Bis dahin habe ich meine Kindheit als eine wohlbehütete sehen müssen, um nicht zu zerbrechen.
Ich habe mir eigentlich nie die Schuld dafür gegeben. Das einzige wofür ich mich lange geschämt habe, war der Missbrauch durch einen Älteren. So was passiert doch keinem Jungen....................... .
Christiane

(brauch ich jetzt - - - 2 oder mehr

)