Heimat - Heimatlosigkeit
Heimat - Heimatlosigkeit - # 2

Christiane
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 16 im Thema

Beitrag von Christiane »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 19. Apr 2021, 09:36 Wieso sind Auslandsdeutsche oft deutscher und Auslandstürken oft türkischer als die Menschen in den Herkunftskulturen?
Einfach zu beantwortende Frage.
Du bist der (böse, doofe, hässliche, ...) Ausländer - egal was Du tust.
Passt Du Dich an - willst Du Dich ja nur anbiedern, bzw. einschleimen.
Akzeptiert wirst Du deswegen noch lange nicht. Eher noch dafür verachtet.
Irgend wann sagst Du dann - so what - FU !!!
Und dann wirst Du DEUTSCHER als die anderen Zuhause. :mrgreen:

Liebe Grüße
Christiane
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Christiane
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 17 im Thema

Beitrag von Christiane »

LG
Christiane
Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 22. Apr 2021, 14:18
Christiane hat geschrieben: Do 22. Apr 2021, 12:12 Heimat ein echt schweres Thema

Wenn ich nun ehrlich zu mir bin — muss ich mich als heimatlos, treibend, Halt suchend bezeichnen.
...
LG
Christiane
Danke, liebe Christiane, für Deine offene Darstellung. Genau durch die von Anne-Mette eingestellte SWR-Sendung wurde mir wieder bewusst, was Dein erster Satz, den ich bewusst zitiere, ausdrückt. Für mich trifft er nicht nur räumlich zu.
Für mich eigentlich auch nicht. Ich kann es aber nur schwerlich beschreiben, warum ich mit meinen Gefühlen und Sehnsüchten derart treibe und manches Mal auch abstürze .......... .
Und ich beziehe dies nicht nur auf M/W oder was sich da sonst noch tummelt. Sondern auf die tiefe Traurigkeit, die immer wieder mein Herz ergreift und in ihren kalten, klammen, dunklen Griff nimmt.
Ich hab mir die ganzen Jahrzehnte immer eingeredet, dass das besser wird, wenn es uns besser geht. Wenn wir zusammen wohnen - wenn wir verheiratet sind - wenn - wenn - und jetzt hat meine Frau ....... .
Das werde ich wohl nie wieder los!
Als ich, als dickes Kind, von einem Lehrer vor versammelter Klasse mit den Worten: "Na, Ralf, Du bist ja mein Fetter!" zum Abschuss freigegeben wurde bekam ich zuhause nur zu hören: "Sei nicht so empfindlich!". Da war ich acht Jahre.
Als ich von vier Mitschülern jeden Tag auf dem Heimweg verprügelt wurde bekam ich mit sieben Jahren zu hören: "Dann lern Dich zu wehren. Wir können Dir nicht helfen."
Kommt mir bekannt vor. "Dann wehr Dich halt mal. Zu was hast Du zwei Fäuste! Du bist ein Junge. Du musst auf Dich selbst aufpassen."
Toll! Wenn man es als Kleinster mit mehreren Gegnern zu tun hat.
Das konnte ich zufällig in der vierten Klasse abstellen. Nämlich indem ich einen Mitschüler, der mir bei den üblichen Attacken zu Nahe kam, fast erwürgt habe - mit bloßen Händen - ja - ich weiß was es heißt rot zu sehen.
Dein Schutz - um nicht sehen zu müssen, wie Dein Gegner krepiert. Du siehst wirklich nur noch rot.
Der Lehrer musste mich gewaltsam von ihm lösen. Zu unserem Glück war der Lehrer da. Ich hätte ihn umgebracht - hätte mich selbst gar nicht mehr lösen können. Das ist dann der sechste Gang - ab da geht kein Rückwärtsgang mehr.
Ich möchte dies nie wieder erleben - ich weiß, zu was ich fähig bin - und versuche seitdem nicht mehr in solche Situationen zu kommen. Auch so etwas prägt.
Ich erinnere mich heute noch daran, als ob es Gestern gewesen wäre. Ich war vor mir selbst entsetzt.
Dafür gab es Zuhause die Schläge meines Lebens - aber - die anderen Idioten hatten ab da an Angst vor mir - - auch größere Schüler.
...und wollte von mir hören, dass sie keine Fehler gemacht hätte.
Das kommt mir bekannt vor. Ich hatte ja mal geschrieben, dass wir uns wieder ein wenig angenähert hatten.
Immer wenn das Thema auf meine Kindheit kam, wurde nun steif und fest behauptet, dass mein Vater nie getrunken und uns Kinder nie geschlagen hat.
Mittlerweile sind wir wieder bei einer Nachricht im Monat. Telefoniert haben wir zum letzten Mal im Juli oder August.
Ich will auch nicht mehr.
Wenn ich mich nicht dauernd melde, kommt von der anderen Seite nichts mehr.
Vielleicht ist es auch besser so.
...und seit ungefähr zehn Jahren habe ich gelernt mir nicht die Schuld zu geben für das Geschehene und den Schmerz zuzulassen. Bis dahin habe ich meine Kindheit als eine wohlbehütete sehen müssen, um nicht zu zerbrechen.
Ich habe mir eigentlich nie die Schuld dafür gegeben. Das einzige wofür ich mich lange geschämt habe, war der Missbrauch durch einen Älteren. So was passiert doch keinem Jungen....................... . :cry:

Christiane (drink) (drink) (brauch ich jetzt - - - 2 oder mehr (ki) )
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 18 im Thema

Beitrag von AlexLyrics »

Das sehe ich so auch. Aber das geht allen Menschen so, die in eine Kultur ziehen. Ich glaube es gelingt nur selten, ein nicht fremdes Mitglied einer fremden Kultur zu werden. Damit meine ich nicht, dass man ausßerhalb der aufnehmenden Kultur steht sondern die vielen Kleinigkeiten, die fremd bleiben (Akzent bei vielen, vielleicht eine Religionszugehörigkeit, die im aufnehmenden Land eine Minderheit ist, ein tief verankertes Festhalten an kultureller Erziehung aus dem Herkunftsland). Und um nur nicht aufzufallen, versucht man sich erheblich anzupassen. Aber das hängt alles auch davon ab, on man gezwungen ist irgendwo hinzugehen oder ob man das vollständig reiwillig tut. Oft glauben Menschen auf der Reise, sie werden zurückkehren, was vermutlich einen erheblichen Leidensdruck auslösen dürfte, dabei denke ich an die vielen Mitbürger, die aus Syrien zugezogen sind.

Christiane hat geschrieben: Do 22. Apr 2021, 16:37
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 19. Apr 2021, 09:36 Wieso sind Auslandsdeutsche oft deutscher und Auslandstürken oft türkischer als die Menschen in den Herkunftskulturen?
Einfach zu beantwortende Frage.
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Passt Du Dich an - willst Du Dich ja nur anbiedern, bzw. einschleimen.
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

ARTE am 15. Mai um 23:50: Warum ist es für uns so wichtig, eine Heimat zu haben?

https://www.arte.tv/de/videos/080986-00 ... hilosophy/
Christiane
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 20 im Thema

Beitrag von Christiane »

Ein Ur-Instinkt?

Wäre zumindest eine annähernd plausible Erklärung.
Als wir noch als Jäger und Sammler umhergestreift sind - aber auch als wir schon sesshaft waren - war das Rudel, die Sippe, der Stammesverband eine Gewähr für bessere Überlebenschancen.
Alleine war man in diesen Zeiten mal schnell der lecker Nachtisch von größeren Jägern, oder ist einfach verhungert, wenn es nichts zu erbeuten gab. Die Sippe hat diese Risiken verringert.
Mit der Sesshaftigkeit kann man dann auch den Bezug zum geografischen Ort herstellen. "Da habe ich überlebt - ging es mir gut - habe ich meine "Sippe" "

LG
Christiane
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 21 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Vorhin bin ich beim Schreiben, oder eher beim Sammeln von Ideen für eine (oder auch mehrere?) Geschichten auf eben dieses Thema gestoßen und dachte mir dann, da war doch mal was im Forum "¦ — ja, manchmal ist mein Gedächtnis dann doch gut ;) Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich "damals" nur mitbekommen hatte, dass es dieses Thema gibt, gelesen hatte ich die Beiträge noch nicht. Wie öfters mal "¦

Und ja, in so einigen erkenne ich mich wieder, in anderen nicht ganz so, wie es eben oft ist im Leben. Da kam gerade auch einiges wieder hoch, was ich (wieder einmal?) halbwegs verdrängt hatte. Und es wird bestimmt noch anderes kommen. Vielleicht warte ich also noch, bis ich mehr dazu schreibe? Nicht wieder Jahre, sondern eher Stunden oder höchstens ein paar Tage? Sonst wird es noch chaotischer, als es ohnehin werden wird "¦

LG
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Re: Heimat „ Heimatlosigkeit

Post 22 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo,

bei 'Heimat' denke ich irgenwie zuerst an die Filme von Edgar Reitz. Inzwischen ist der Hunsrück für mich so etwas wie Heimat. Mein Geburtsort, Essen, war das aber irgendwie nie. Dort sind die Eltern und Großeltern meines Vaters wegen des Bergbaus hin gezogen. Damit war es immer nur Wohnort und Arbeitsplatz.

Sonst ist es bei mir auch schwierig mit dem Begriff Heimat. Mütterlicherseits kommt es aus Polen und Russland (Wolga-Deutsche), väterlicherseits aus Wetter an der Ruhr und Leipzig. Für meine Oma war 'Zuhause' immer ein Bauernhof bei Lodz in Polen. Inzwischen habe ich die meisten Orte meiner Herkunft bereist. In Russland kam ich aber über St. Petersburg und die Gegend um Moskau nicht hinaus. Und heute wieder nach Russland? - Bei der politischen Lage und in Frauenkleidern ist es sicher keine gute Idee.

So viel erstmal.

LG Nicole
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