Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?
Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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ExUserIn-2026-04-08
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Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 1 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Guten Morgen,

ich möchte eine Diskussion vom Zaun brechen, da ich glaube, dass die vielen Begriffe zum Thema "Trans" für die Diskussion in der Öffentlichkeit wenig nützlich sind. Ich fand folgenden Textteil:
In der öffentlichen Wahrnehmung ist für die Vielfalt an Selbstverständnissen von trans* Menschen oft kein Platz. Wenn ein "Trans..."-Begriff fällt, wird dieser oft mit irgendwelchen Klischeevorstellungen verbunden, die das weitere Handeln beeinflussen können — oft zum Schaden der Menschen, die von diesen Bildern abweichen. Das ist einer der Gründe, warum trans* Menschen ihre Verschiedenheit auch sprachlich sichtbar machen wollen. Ein weiterer Grund ist, dass sie Ersatz für diskriminierende Bezeichnungen suchen.
Quelle: https://www.regenbogenportal.de/infoartikel/trans-was

So sehr wir uns auch darum bemühen, unsere Identität zu finden und wir dann etwas gefunden haben, macht es wenig Sinn, diese Individualität in einen separaten Begriff zu packen. Das versteht kein Mensch. Männer oder Frauen für sich genommen, werden auch nur an wenigen Merkmalen fest gemacht, aber die Individuelle Spannweite ist enorm. Ich gehöre zur Gruppe der Transgender und wer es genauer wissen will, bekommt eine Erklärung. Wenn eine Unterteilung erforderlich ist, würde ich die Menschheit in Frauen, Männer, Intersexuelle und Transgender unterscheiden. Dass es in jeder Gruppe Abstufungen und Überschneidungen gibt, ist für mich selbstverständlich. Das halte ich als Transgender auch aus. Provokativ gesprochen: Genau genommen sind wir in unterschiedlicher Ausprägung auch "nur" Mischformen von Wesen mit männlichen und weiblichen Merkmalen (körperlich, geistig). Es gibt keine eigenständige trans* oder Inter-Selbstdarstellung. Manche kleiden sich andrgyn, was aber letztlich auch nur eine Mischform von m/f-Kleidung ist.

Wie seht Ihr das ? Brauchen wir in der öffentlichen Diskussion für Trans* die unübersichtliche Anzahl von Begriffen zur Unterscheidung ? Ich bin gespannt.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
missy
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 2 im Thema

Beitrag von missy »

Vielleicht liege ich mit meinem Ansatz völlig neben deinem Thema, aber mir zielt deine Fragestellung zu sehr auf das Körperliche ab.
Mein körperlichen Merkmale sind eindeutig und das mir zugewiesene Geschlecht entspricht meist meiner Identität.
Ich bin ein Mann, ja, aber ich bin trotzdem anders.
Ich bezeichne mich als queer und fand das als Oberbegriff eigentlich sehr zutreffend, weil es sehr vielfältige Themen beinhaltet.
Gruß, missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

Vielfalt kann gut sein auch in der Begrifflichkeit zum Thema Trans*. Unterschiedliche persönliche Sichtweisen und Gefühlwelten lassen sich durchaus mit unterschiedlichen Begriffen beschreiben und näher präzisieren. Eine Schwierigkeit sehe ich darin, dass jede/r unter einem Begriff wenn auch nur geringfügig etwas anderes versteht. Es gibt einfach nicht den Begriff, sondern einen Begriff für eine Sache und oftmals eine erforderliche Erklärung dazu durch Betroffene. So halte ich das mit meinem Trans-Sein; ich erkläre Hintergründe und so, kann der Begriff einen Inhalt bekommen.

Grüße, Ulrike-Marisa ))):s
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 4 im Thema

Beitrag von sbsr »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 16. Jul 2024, 06:48 Wie seht Ihr das? Brauchen wir in der öffentlichen Diskussion für Trans* die unübersichtliche Anzahl von Begriffen zur Unterscheidung?
Meiner Meinung und persönlichen Erfahrung nach definitiv ja.

Die Fragen derer, die den Mut aufgebracht haben mich darauf anzusprechen, zeigen sehr deutlich, dass es erforderlich ist die verschiedenen Abstufungen zumindest halbwegs begrifflich zu erfassen.
Fragen wie wir sie wahrscheinlich alle schon gehört haben, "Willst du eine Frau sein?", "Stehst du dann auf Männer?", "Lässt du dich operieren?".

Unsere Antworten auf diese Fragen sind so verschieden wie wir eben sind. Natürlich lassen sich nicht für alle Kombinationen entsprechende Begriffe finden, die Liste wäre endlos, aber es macht in der Wahrnehmung trotzdem einen großen Unterschied, wie man sich bezeichnet. Nicht nur innerhalb der Community, sondern auch und vor allem gegenüber Außenstehenden.

Zum Beispiel trete ich bei der Arbeit bewusst als Crossdresser auf und bezeichne mich auf Nachfrage auch so, ich erhebe also ganz gezielt keinen Anspruch auf weibliche Anreden oder die Nutzung der Sozialräume für Damen. Natürlich stimmt "nur" Crossdresser nicht wirklich und ich würde mir bei weitem mehr wünschen, aber ich möchte das trotzdem so beibehalten, weil ich mir sicher bin den einen oder anderen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe, ansonsten zu überfordern.
Dabei hilft es einen Begriff zu haben, der mehr oder weniger verständlich klar macht: Mann in Frauenklamotten, nicht trans("sexuell"), also auch nicht als Frau zu behandeln.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 5 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 16. Jul 2024, 06:48 So sehr wir uns auch darum bemühen, unsere Identität zu finden und wir dann etwas gefunden haben, macht es wenig Sinn, diese Individualität in einen separaten Begriff zu packen. Das versteht kein Mensch. Männer oder Frauen für sich genommen, werden auch nur an wenigen Merkmalen fest gemacht, aber die Individuelle Spannweite ist enorm.

Hey...


da muss ich doch kurz einhaken...

für mich ist es ein definitves NEIN. Nicht deshalb weil ich nicht an einen fluiden und änderbaren Persönlichkeitsanteil glaube.
Sondern deshalb, weil dies ganz einfach Eigenschaften unter vielen Eigenschaften sind.

Warum sollte ich mich mit einem Begriff belegen, der einer anderen Person quasi schon alles mitbringt?
Ich möchte ganz gerne jemanden, oder etwas oder ein Land "kennenlernen". Das dauert und ist im Grunde das Schöne im Leben.
Das ist Erfahrungen sammeln..wenn ich das alles jetzt schon vorab in fertige Häppchen packe und präsentiere, fehlt das Salz in der Suppe...

oder anders gesagt, wenn alles vordefiniert ist, tötet das die Individualität die es ausdrücken soll.
Ja, es führt dazu das man sich weil man nie komplett in eine Box passt sich eine eigene bauen muss und das dann zur
Entfremdung von anderen...

PS..nicht alles was sich gerade als trans* darstellt ist es auch wirklich

Alles Liebe Marie (flo)
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am Di 16. Jul 2024, 14:11, insgesamt 1-mal geändert.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 6 im Thema

Beitrag von Susi T »

Mit dem Begriff trans kann ich was anfangen und solange er für sich steht ist das völlig ok.
(Sobald da Sex mit reinkommt, bin ich raus, denn meine Sexualttät hat mit trans aus meiner Sicht null zu tun, ist ein dämlicher Übersetzungsfehler(da im Englischen eine mehrfache Bedeutung, die es im Deutschen nicht gibt), der selbst im Englischen zunehmend dem Begriff Gender weicht.
Sowas schafft nur Irrtümer und bringt keinerlei Mehrwert. Das gilt auch für alle anderen Verknüpfungen.)

Ich bin eine Frau und damit hat es sich erstmal.
Wer es genauer wissen will, so bin ich eine Frau mit Varianzen, Volkstümlich Inter* oder Zwitter genannt und desweiteren befinde ich mich in Transistion, bin also auch trans.
Aber all diese genauen Differenzierungen spielen im Alltag für mich kaum noch eine Rolle. Noch zum Teil bei Menschen die mich von früher kennen, bei Menschen aus diesem oder jenem Forum und teilweise bei Ärzten. Aber im Alltag nicht, höchstens insofern das ich drauf achte was mir an Klamotten steht und ein paar Kleinigkeiten, was aber recht normal ist.
Edit:
So gesehen steht trans bei mir nicht an erster Stelle, warum sollte es mich dominieren und ich dem alles unterordnen? Hab ich mein Leben lang gemacht, mich nach den Vorgaben der Gesellschaft gerichtet und das mach ich nicht mehr, das gilt auch für trans Vorgaben.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 7 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Tira hat geschrieben: Di 16. Jul 2024, 12:34 Mit dem Begriff trans kann ich was anfangen und solange er für sich steht ist das völlig ok.
(Sobald da Sex mit reinkommt, bin ich raus, denn meine Sexualttät hat mit trans aus meiner Sicht null zu tun, ist ein dämlicher Übersetzungsfehler(da im Englischen eine mehrfache Bedeutung, die es im Deutschen nicht gibt), der selbst im Englischen zunehmend dem Begriff Gender weicht.
Sowas schafft nur Irrtümer und bringt keinerlei Mehrwert. Das gilt auch für alle anderen Verknüpfungen.)
Das sehe ich ganz genauso. Für mich ist der Begriff "Transsexuell" einfach zu stark negativ vorbelastet und heißt, dass viele Mitmenschen sich darunter irgend etwas obszönes vorstellen.
LG Christina
edeka
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 8 im Thema

Beitrag von edeka »

hier fängt es an mit der Erfindung von immer neuen - aus meiner Sicht unnötigen - Begriffen:
ChristinaF hat geschrieben: Di 16. Jul 2024, 12:52 Für mich ist der Begriff "Transsexuell" einfach zu stark negativ vorbelastet und heißt, dass viele Mitmenschen sich darunter irgend etwas obszönes vorstellen.
Das passt genau zu dem Eingangszitat von Vicky:
Ein weiterer Grund ist, dass sie Ersatz für diskriminierende Bezeichnungen suchen.
Die Wahrnehmung, was diskriminierend und was neutral ist, die ist unterschiedlich, also der eine so bezeichnete kann sich diskriminiert fühlen, der andere wiederum nicht.
So wurde aus transsexuell transgender, aus Transvestit Crossdresser. Schade. Und die alten Begriffe verschwinden damit ja nicht, sonst wäre es egal.

Wir bestimmen nicht, welche und wieviele Begriffe im trans Spektrum gebraucht werden, sonst würde ich es deutlich reduzieren.
Bei den Geschlechtern fände ich Mann, Frau und intersexuell auch ausreichend. Selbst 'transgender', 'Transfrau/mann' gehören nicht in die öffentliche Diskussion, das bezeichnet ja nur die Herkunft, die man wenn man selbst will, thematisieren darf.

Mein Eindruck ist, es wird in den Medien ständig plakativ - teils auch sachlich - von allen möglichen Trans-Varianten oder sexuellen Besonderheiten berichtet, weil das alte Sprichwort gilt: "sex sells". Damit einher gehen die vielen Begriffe, die die wenigsten noch verstehen. Das kann man schon an der Abkürzung LSBxxxx sehen, die wurde ja schon öfters erweitert und variiert.
Was ist die Wirkung auf Aussenstehende ? Ich vermute es ist eine zunehmende Ablehnung im Sinne von 'die nehmen sich viel zu wichtig und sind abgehoben von den wirklichen Problemen die alle betreffen'.

Also ... jeder für sich selbst und auf Nachfrage : klar - da kann man dem Gesprächspartner die eigene Situation am besten mit eigenen Worten erklären, auch mit Fachbegriffen. (yes)
Für die öffentliche Diskussion ist es was anders...
Wally
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 9 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe Vicky-Rose,
Schön, dass Du von Deinem Teil-Rückzug aus dem Forum so schnell wieder zurückgekommen bist :-) Ich freue mich ehrlich darüber!

Die Fragestellung erinnert mich an die Anfangszeit meines Coming-Out in den 80er Jahren. Damals gab es in unserer Kultur genau zwei Geschlechter, sonst nichts. Alles, was davon irgendwie abwich, galt - auch unter den Betroffenen selber! - als körperliche Fehlbildung (Intersexuelle), als psychische Krankheit (Transsexuelle) oder als sexuelle Perversion (Transvestiten, Homosexuelle). Das duale Geschlecht als Grundkategorie wurde nicht in Frage gestellt.

Eine unausweichliche Folge dieser Grundeinstellung war für uns Transsexuelle, dass wir uns strikt gegen Transvestiten abgrenzten: wir wollten (!) damals als "krank" gelten und entsprechend medizinische Hilfe in Form einer möglichst weitgehenden Angleichung ans Gegengeschlecht beanspruchen. Es galt da "Alles oder Nichts": wer nicht konsequent, ohne Rücksicht auf Verluste, den kompletten Weg ins Gegengeschlecht inkl. Chirurgie und öffentlichem Rollenwechsel anstrebte, wurde gar nicht erst als "transsexuell" anerkannt, sondern stattdessen als "sexuell pervers" ausgegrenzt und moralisch verurteilt - und zwar gerade auch von uns Transsexuellen selber!

Als Motiv imaginierten wir eine asexuelle, unveränderbare, psychisch/geistige Geschlechtsidentität. Der damals vom Verein "Transidentitas" kreierte Begriff "Transidentität" versuchte, Transsexualität von jeglicher Sexualität loszulösen. Wer sexuelle Motive offenbarte, wer zugab, dass ihn das "Verkleiden" auch nur irgendwie sexuell reizte, wurde von Gutachtern und Ärzten - aber auch von den Transsexuellen selber! - prompt ausgegrenzt und als "sexuell pervers" abgestempelt. Erotisch/sexuell motivierter Transvestismus galt als absolute Kontraindikation gegen jegliche, medizinische Geschlechtsangleichung und soziale Anerkennung im Gegengeschlecht. Eigentlich völlig verrückt, ausgerechnet die Sexualität aus der Transsexualität so strikt auszuklammern; aber das war nun mal die damals allgemein übliche Denkweise.

Immerhin enthielt dieses Denkmuster eine durchaus richtige und bis heute gültige Grundkomponente: nämlich das strikt dual männlich/weibliche Fortpflanzungsgeschlecht als geschlechtliche Grundkategorie. Auf der rein biologischen Ebene gibt es nun mal genau zwei Geschlechter; die können sich zwar in einzelnen Individuen auch vermischen oder einander zeitlich ablösen - aber eben als zwei, nicht drei, fünf oder 87 Geschlechter. Ein drittes Geschlecht als eigenständige Grundkategorie macht biologisch und evolutionstheoretisch einfach keinen Sinn. Das ist ungefähr so, wie wenn man angesichts der Vielzahl real vorkommender, elektrischer Spannungen neben positiver und negativer Ladung noch eine dritte Form elektrischer Ladung postulieren würde. "Geschlecht" ist als biologischer Grundbegriff dual definiert - genauso wie die elektrische Ladung in der Physik.

In der Praxis kollidierte diese damals übliche Denkweise freilich ständig mit der Realität: denn jenseits des biologischen Grundprinzips, im Alltag, erweist sich "Geschlecht" als alles andere als dual. Das fängt schon mit der Körperform an: sämtliche sekundären Geschlechtsmerkmale (Körpergröße, Knochenbau, Fettverteilung, Behaarung, Stimmlage, Hauttyp usw.) sind eben nicht digital männlich ODER weiblich, sondern nur quantitative Unterschiede mit weiten Überschneidungen zwischen den Geschlechtern; sie spannen jeweils ein Kontinuum zwischen den zwei (!) geschlechtlichen Polen auf. In der Alltagspraxis identifizieren wir unsere Mitmenschen sogar ausschließlich an der Summe solcher sekundärer Merkmale als Männlein oder Weiblein - erstaunlich genug, dass das trotzdem in fast allen Fällen so prompt und zuverlässig funktioniert... Diese Unterscheidung scheint uns Menschen für die Einordnung in unser soziales Leben ausgesprochen wichtig zu sein: "Männlich oder weiblich?" - eben nicht "Männlich, weiblich oder was sonst?" als Grundfrage - obwohl schon unser Körper größtenteils nicht explizit männlich oder weiblich, sondern eine Mischform aus beidem ist.

Es kommt immer auf die Betrachtungsebene an: auf der Ebene der Fortpflanzung, als biologisches Grundprinzip ist das Geschlecht ein strikt duales Phänomen, ein Entweder/Oder mit nix dazwischen. Auf allen anderen Ebenen - schon körperlich bei allen sekundären Geschlechtsmerkmalen, und erst recht sozial - ist es dagegen ein quantitativer Effekt irgendwo in einem Kontinuum zwischen den beiden geschlechtlichen Polen. Mit "Alles oder Nichts" versuchten wir damals, das strikt duale, geschlechtliche Grundkonzept in den Alltag zu übertragen. Das hat aber nur für wenige von uns wirklich funktioniert; für die meisten bedeutete es eine verhängnisvolle Selbsteinschränkung.

Ich habe mich damals - als einer der Ersten überhaupt im deutschen Sprachraum - jahrelang öffentlich für das Konzept eines "dritten Geschlechts" eingesetzt; insofern darf ich mich zu den Protagonisten zählen, die diesen Begriff hierzulande überhaupt erst eingeführt haben. Wir meinten damit allerdings nicht eine dritte, biologisch-geschlechtliche Grundkategorie, sondern ein eigenes, gleichwertiges, soziales Lebenskonzept: wir postulierten damit ein - damals noch keineswegs selbstverständliches - Recht, unseren geschlechtlichen Lebensstandpunkt individuell beliebig im Kontinuum zwischen den beiden geschlechtlichen Polen zu wählen, anstatt uns strikten, geschlechtlichen Klischees zu unterwerfen. Was wir tatsächlich sind und wollen, war dabei immer mit den Kategorien "männlich" oder "weiblich" - samt allen Abstufungen dazwischen - abschließend beschreibbar; eine eigenständige, dritte Geschlechtskategorie als biologisches Grundkonzept war dazu nie nötig.

Das "dritte Geschlecht" als soziales Konzept (!) hat seitdem eine ungeahnte, damals kaum für möglich gehaltene Karriere gemacht: ich kann heute (und tue es konsequent seit dreieinhalb Jahren) völlig unbehelligt als Frau in Rock/Bluse/Kleid, Nylons und Pumps leben, obwohl man mir den geborenen Mann trotzdem auf den ersten Blick ansieht. Ich werde deswegen nicht mehr (na ja: kaum mehr) mit Verachtung und Ausgrenzung bestraft, ich errege damit nicht mal mehr Aufsehen; die allermeisten Leute geben sich mir gegenüber genauso offen, zugewandt und sogar noch ein gutes Stück freundlicher und hilfsbereiter wie vorher in meiner männlichen Rolle. Ich darf meine weibliche Seite offen zeigen und bin damit sozial akzeptiert und wenigstens teilweise auch als "weiblich" sozial eingeordnet. Genau das ist es, was ich immer schon wollte - und leider erst auf meine alten Tage real leben kann. Aber immerhin darf ich jetzt noch so leben, nachdem ich das jahrzehntelang für völlig ausgeschlossen und grundsätzlich unmöglich gehalten habe.

Namen und Bezeichnungen sind Schall und Rauch. Ob mich jemand - individuell für sich - als Mann oder als Frau empfindet und mich in der Folge "er" oder "sie", "Transe" oder "Tunte", "Transgender", "Transfrau", "LSB", "Transvestit", "nonbinär" oder weiß Gott was nennt, das ist sein Problem, nicht meines. Wer bin ich, dass ich anderen Leuten den Ausdruck ihrer ureigenen Empfindungen verbieten wollte? Wichtig für mich ist einzig, dass ich mich selber so zeigen kann und darf, wie es meinem Selbstverständnis entspricht, und dass man mich deshalb nicht sozial ausgrenzt - was man ja auch so gut wie nicht mehr tut. Insofern haben auch ehemalige Schimpfworte wie "Transe" oder "Tunte" ihr Gift verloren; ich kann sie heute als genauso neutrale Eigenschaftsbezeichnung akzeptieren, wie Homosexuelle das ehemalige Schimpfwort "schwul" für sich akzeptiert und ins Positive verwandelt haben.

Ein wirkliches Problem habe ich allerdings mit der neuerdings verstärkt um sich greifenden, meist politisch-ideologisch motivierten Aufweichung des Geschlechtsbegriffs, indem man ein drittes (viertes, fünftes...) Geschlecht als biologische Grundkategorie etablieren will. Man verwässert und entwertet damit den Geschlechtsbegriff an sich; man versucht, das herkömmliche Geschlechtsverständnis jeglicher, praktischer Relevanz zu berauben.

Meine Besonderheit als transsexueller Mensch liegt nun mal genau in diesem Spannungsfeld zwischen "männlich" und "weiblich". Wie soll ich mich denn als Transfrau noch zeigen, erklären und selbst verwirklichen, wenn diese beiden zugrundeliegenden, geschlechtlichen Kategorien jeglicher Symbolik und praktischen Bedeutung entkleidet sind? Eines weiß ich nach vier Jahrzehnten bewussten, transsexuellen Lebens ganz sicher: dass sich eine transsexuelle Veranlagung nicht wegreden lässt. Die verbale Neutralisierung der Kategorie "Geschlecht" löst das transsexuelle Problem nicht, es macht stattdessen jegliche Lösung unmöglich.
Herzliche Grüße
Wally
Jaddy
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 10 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Meine erste Frage ist, wer genau "die Öffentlichkeit" ist. Ich brauche auf jeden Fall verschiedene Vokabularien und Konzepte, je nachdem mit welchen Menschen ich über das Thema rede. Worum geht es, was steht auf dem Spiel, wie viel Tiefgang ist nötig für zielführende Unterhaltung, ab wo ist mein Gegenüber überfordert?
trans people talking about gender.jpg
Viele cis-Menschen muss ich ziemlich bei Null "abholen". Ich denke, ich kann den meisten in ca. 5 Minuten die wichtigsten Dinge rüberbringen zu Geschlechtsidentität vs Präsentation vs körperliche Merkmale, trans vs Travestie vs Crossdressing / Transvestit*innen bis zu einer leicht verständlichen Idee von nichtbinär. Da lasse ich aber natürlich die Mikrolabel wie Agender, Genderfluid, Genderflux, Demi-wasauchimmer usw weg. Mit Glück kriege ich noch unter, dass geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung verschiedene Dinge sind.

Aber wenn es ins Detail geht, brauche ich auch präzisere Sprache und "Fachvokabular". Wie bei jedem Fachgebiet. Die müssen die meistens aber gar nicht kennen oder verwenden. Sprich: Es ist okay, sich da nicht mit zu beschäftigen, wenn's persönlich nicht nötig ist. Es wäre zugegebenermassen schön, wenn nicht-so-ganz-cis Menschen wenigstens an andere oder gute Quellen verweisen würden, wenn sie gefragt werden. Aber das betrachte ich als Bonus. Es soll sich bitte keinein genötigt fühlen, Gender-Universal-Experty zu werden.

Ich bin großes Fanby von abgestufter, flexibler Antwort. Die meisten Menschen sind meiner Erfahrung nach mit groben Erklärungen und einfachen Anleitungen bestens zufrieden. In meinem Fall zum Beispiel "Ich bin weder Mann noch Frau, sondern das Beste von beiden" als Erklärung mit Humorfaktor und "einfach meinen Namen verwenden statt er/sie/es". Details lassen sich dann immer noch klären.

Zweitens, ja, sehr viele Menschen brauchen eine Bezeichnung für sich, die sich zum einen stimmig anfühlt und die zum anderen eine Art Schlüssel oder Stichwort sein kann, andere zu finden und damit Zugehörigkeit und Austausch unter Menschen mit ähnlichen Herausforderungen. Aus der neurodiversen Community kommt eine treffende Analogie, die auch auf viele nicht-ganz-cis Menschen zutrifft:
"Warum brauchst Du ein Label?" Weil es beruhigend ist zu wissen, dass du ein normales Zebra bist und kein seltsames Pferd. Weil du keine Gemeinschaft mit anderen Zebras finden kannst, nicht lernen kannst, was ein Zebra gedeihen lässt, was dir Freude bereitet, wenn du nicht weisst, dass du ein Zebra bist und du ausschließlich von Pferden lernst. Es ist nahezu unmöglich, glücklich und geistig gesund zu sein, wenn du dein ganzes Leben lang denkst, du seist ein gescheitertes Pferd, und wenn andere dir sagen, dass du ein gescheitertes Pferd bist, während du die ganze Zeit über gedeihen und verstanden werden könntest, wenn jeder, auch du selbst, einfach wüsste, dass du ein Zebra bist.
(eine der Quellen mit Erläuterung (engl))

Auch hier gilt meiner Ansicht nach: Wer ohne spezifische Label klar kommt - wunderbar. Egal ob Genderthema, Neurodiversität oder eine andere Varianz vom statistischen Normal. Ich denke, im Alltag brauchen wir eh nur wenig davon, aber mehr als noch vor 20 Jahren, und dann in der Art wie ich es oben beschrieben habe: Grundwissen über einige Varianten, einfach um besser und stressfreier miteinander klar zu kommen.

Fazit: Entspannt bleiben :) Kein Mensch muss alles bis ins Detail wissen. Vor allem nicht auf Gebieten, die sich so schnell entwickeln. Alltags-Grundverständnis reicht völlig aus. Fachvokabular und Umgang lassen sich bei Bedarf immer noch lernen. Voraussetzung: Guter Wille und Bereitschaft auf allen Seiten.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 11 im Thema

Beitrag von Vesta »

Es gibt einen Zeitpunkt, wo ich die ganzen Begriffe brauche, nämlich in meiner eigenen Selbstfindung, um zu wissen, was ich bin, um zu wissen, in welche Schublade ich gehöre, was meine Optionen sind. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich Transsexuell oder Transvestit bin, denn in dem einen Fall ist es sinnvoll, über medizinische (d. h. körperverändernde) Maßnahmen nachzudenken, in dem anderen Fall sollte ich davon Abstand nehmen.

Sobald ich weiß, was ich bin, was meine Möglichkeiten sind, bin ich nur noch ich, und die ganzen Begriffe sind überflüssig.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 12 im Thema

Beitrag von Wally »

Jaddys Beitrag (den ich insgesamt für gut und wichtig halte - danke!) animiert mich dazu, hier mal etwas grundsätzlicher über die Bedeutung von Namen und Bezeichnungen zu philosophieren. Ich denke schon, dass das auch im Sinne von Vickys Fragestellung ist: denn letztlich hängt daran die Frage, inwieweit es uns (Transgender im weitesten Sinne) überhaupt gelingen kann, uns anderen, nicht direkt betroffenen Mitmenschen als das sichtbar, denkbar und referenzierbar zu machen, was wir sind.
Jaddy hat geschrieben: Mi 17. Jul 2024, 00:05 Viele cis-Menschen muss ich ziemlich bei Null "abholen". Ich denke, ich kann den meisten in ca. 5 Minuten die wichtigsten Dinge rüberbringen ( ... ) . Mit Glück kriege ich noch unter, dass geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung verschiedene Dinge sind.
Das zeigt sozusagen in Ultra-Kurzform die ganze Crux: Nichtbetroffenen sind wir mit unseren - individuell auch noch höchst unterschiedlichen - Transgender-Empfindungen und -Bedürfnissen so fremd, dass die allermeisten Menschen kaum eine Chance haben, die Natur unseres Andersseins auch nur in Grundzügen halbwegs realistisch zu erfassen; schon gar nicht in 5 Minuten, in denen man (das muss ich aus eigener, jahrzehntelanger Erfahrung bestätigen) noch nicht mal zuverlässig verständlich machen kann, dass ein Transvestit etwas grundsätzlich anderes ist als ein Schwuler. Selbst bei meiner lieben Frau, mit der ich nun schon bald 20 Jahre lang glücklich zusammen bin, die mich beim Rollenwechsel und in meinem neuen Leben schon von Anfang an immer liebevoll unterstützt hat und mich besser kennt als jeder andere Mensch, bin ich mir keineswegs sicher, dass sie mich diesbezüglich wirklich versteht: sogar von ihr höre ich immer mal wieder Kommentare, die mich daran zweifeln lassen. Keine Aversion, keine Kritik von ihrer Seite - sondern einfach nur ein Stück unüberbrückbarer, ratloser Fremdheit gegenüber diesem Teil meiner selbst.

Abgesehen davon wollen es die meisten Menschen auch gar nicht wissen. In all den Jahrzehnten, in denen ich versucht habe, meine weibliche Seite unterhalb der Travestie-Schwelle sichtbar zu machen und "rüberzubringen", habe ich mir immer gewünscht, die Leute würden nicht bloß irritiert gucken, wenn sie an mir was "Tuntiges" entdecken, sondern fragen, mich in ein Gespräch ziehen, dem ich mich liebend gerne offen und ausführlich gestellt hätte. Aber dazu kam es nur höchst selten. Und meinerseits ein solches Gespräch zu initiieren wagte ich dann auch nur selten. Sich offen so zu zeigen, wie man ist, ist eine Sache, Anderen ein (möglicherweise als unangemessen intim empfundenes) Gespräch darüber aufzudrängen nochmal eine ganz andere...

Wozu sind Wörter und Begriffe eigentlich da? Wozu brauchen wir sie, inwieweit sind sie uns nützlich?

Ich kann auf einen beliebigen, äußeren Gegenstand - auf einen Baum, eine Wanduhr, ein Insekt - mit dem Finger zeigen und dazu ein bestimmtes Wort sagen: den Gegenstand somit benennen. Wenn genug Menschen das oft genug einvernehmlich tun, bildet sich daraus ein gemeinsames Wort: sobald wir es aussprechen, assoziieren die Zuhörenden damit den Gegenstand, den man einvernehmlich be-deutet hat - eine innerhalb der Gemeinschaft allgemeingültige, verbale Referenz auf den benannten Gegenstand. Man muss dann nicht mehr unmittelbar darauf deuten, er muss nicht mehr greifbar sein, er muss nicht mal mehr real existieren - mit dem bloßen Wort kann ich den anderen Menschen klar machen, was ich meine. So entsteht Sprache.

Sprache funktioniert assoziativ: Wenn wir ein Wort hören, verbinden wir damit alle möglichen, persönlichen Sinneserfahrungen: optische Bilder, akustische Laute, Gerüche, Tastgefühle, mit dem Gegenstand verbundene, persönliche Erlebnisse... Damit ist auch schon klar, dass Wortbedeutungen nur höchst selten (allenfalls in Mathematik oder Informatik, innerhalb dort streng definierter Regeln) exakt sein können: jeder einzelne Mensch verbindet mit "Baum" eine etwas andere Bedeutung, abhängig von seinen persönlichen Erfahrungen damit. Trotzdem taugt das Wort in den allermeisten Fällen zur Verständigung, weil die gemeinsame Schnittmenge der Bedeutungen groß genug ist, um schwerwiegende Missverständnisse die Ausnahme bleiben zu lassen.

Schwieriger wird es, sobald mit einem Wort nicht mehr unmittelbar ein konkreter Gegenstand, sondern eine ganze Kategorie von Gegenständen und deren kulturellen Zwecken und Bedeutungen gemeint ist. Eine "Vase" etwa mag in jemandem die Vorstellung einer staubtrüben Plastikvase mit verdorrten Blumen an einem verlassenen Grab wecken, für den nächsten ist es ein blitzblank silbernes Prunkstück mit exotischen Orchideen in einem Luxusrestaurant, für einen Dritten sind es vielleicht nur ein paar Tonscherben in einer Ecke einer antiken Römersiedlung. Man muss oft schon den konkreten Gesprächskontext kennen, um da überhaupt noch eine gemeinsame Bedeutung zu finden.

Ganz schwierig wird es, wenn man mit einem Wort nicht einen konkreten, äußeren Gegenstand, sondern Emotionen, Gefühle, persönliche Befindlichkeiten ausdrücken will - womit wir wieder beim Thema wären: wie, zum Teufel, können wir uns mit x-beliebigen, nicht selber betroffenen Menschen über die Bedeutung von Begriffen wie "transsexuell", "transgender", "nonbinär" oder "queer" einigen? Worauf kann ich mit dem Finger zeigen, um ihnen zu be-deuten, was ich mit solch einem Wort meine? Bei "Crossdresser" mag das wenigstens ansatzweise noch funktionieren: ich deute auf jemanden, der körperlich erkennbar männlich ist, aber eindeutig weibliche Kleidung trägt - oder umgekehrt. Aber auch das charakterisiert den Gegenstand nur höchst oberflächlich, ohne die eigentliche Bedeutung zu erfassen: ein so be-deuteter "Crossdresser" kann ein Schauspieler sein, der eine klassische Rolle spielt, er kann ein Fetischist sein, der sich damit einen "runterholt", er kann ein Kabarettist oder professioneller Frauenimitator sein oder jemand, der sich einfach nur mal im Fasching einen harmlosen Spaß ohne jegliche, tiefere Bedeutung macht - oder er kann einer von uns sein. Wo liegt unser Unterschied zu all den Vorgenannten, und wie kann ich das einem nicht persönlich Betroffenen erklären? Wohl können wir ihm noch halbwegs plausibel machen, was wir so alles nicht sind - aber was sind wir stattdessen wirklich? Der Kern der Sache, die Motivation, die eigentliche Bedeutung, die damit verbundenen Gefühle - das alles ist für Nichtbetroffene eine völlig fremde Welt, sie kennen solche Anwandlungen und Empfindungen nicht aus eigener Erfahrung, sie können sich nichts darunter vorstellen. Selbst wenn sie probeweise mal dasselbe tun, bedeutet es für sie etwas gänzlich anderes, sie tun es aus völlig anderen Gründen und empfinden es gänzlich anders. Sie haben schlicht keine Chance, uns in einem tieferen Sinn zu verstehen: sie können nicht nachfühlen, was wir dabei empfinden, weil das komplett außerhalb ihrer eigenen Erfahrung liegt. Beobachten sie jemanden von uns beim Crossdressing, dann können sie über unsere dahinter stehenden Motive nur wild spekulieren, im Rahmen derjenigen Motive, die sie sich vorstellen können, die aber in Bezug auf uns allesamt falsch sind; unsere tatsächlichen Motive kommen in ihrer Vorstellungswelt gar nicht erst vor.

Die eigentliche Bedeutung unseres Tuns einem nicht selbst Betroffenen verbal verständlich zu machen ist also schon von vornherein so gut wie unmöglich. Ein auch nur annähernd übereinstimmendes Sprachverständnis ist unter wenigstens am Rande Betroffenen noch möglich; die können sich unter Worten wie "queer-° oder "nonbinär" eher etwas vorstellen. Aber der cis-hetero-Normalo von nebenan ist damit schlicht überfordert, für den sind das böhmische Dörfer. Man kann es ihm nicht erklären, weil dazu eine beiderseits verständliche, gemeinsame Sprache fehlt - die kann mangels gemeinsamer, einschlägiger Erfahrungswelt gar nicht erst entstehen.

Für uns Crossdresser und Transsexuelle ist das tragisch: denn es liegt in der Natur unserer Veranlagung, dass unsere Bedürfnisse ihre wirkliche Befriedigung erst im Schritt nach außen, im offenen und öffentlichen Sich-Zeigen vor realen Mitmenschen finden. Es sind ganz überwiegend soziale Bedürfnisse... Erzählt mir da jetzt nix: ich selber hab's die längste Zeit meines Lebens fast ausschließlich heimlich im stillen Kämmerlein gemacht; ich weiß sehr genau, dass das immerhin besser ist als gar nix. Aber es war und blieb immer sowas wie eine Trockenschwimmübung, es war bloß Fantasie statt Substanz; im übertragenen - und oft genug dann auch im realen - Sinn war's Onanie statt Geschlechtsakt. Womit ich nix gegen Selbstbefriedigung gesagt haben will, auch das würde ich nicht missen wollen. Aber statt der eigentlichen Substanz blieb's halt bloß eine - oft schale - Ersatzbefriedigung.

Warum habe ich mich so elend lange nicht getraut? Da sind wir wieder beim Thema: Worte, Begriffe, Etiketten... Das Outfit ist ja letztlich auch nichts anderes als eine Sprache, in der wir Teile von uns selbst präsentieren, mit der wir uns sichtbar und verstehbar zu machen versuchen. Wie bei der verbalen Sprache gibt es auch hier das Problem der Fehlinterpretation - seitens nicht selbst betroffener Menschen, die sich unter dem Gezeigten/Gesagten einfach nix vorstellen können. Wenn ich in den 80er Jahren jemandem verbal erklärte, ich sei eine Frau, dann war die übliche - wenn auch schon damals oft nur gedachte statt gesagte - Antwort: "Du spinnst!" Wenn ich stattdessen still im Rock oder mit Pumps rausging, war's auch nicht besser: speziell im Grinsen zuschauender Männer war dann so regelmäßig wie unmissverständlich "Du schwule Sau!" zu lesen. Aus Gesprächen "unter Männern" wusste ich ja sehr genau, wie die üblicherweise über sowas dachten, und was so ein ganz bestimmtes, dreckiges Grinsen zu bedeuten hatte. Auf beide Arten versuchte ich gleichermaßen, mich offen und ehrlich als der Mensch zu zeigen, der ich unter meiner schicksalhaft irreführenden Schale wirklich bin - und wurde in beiden Fällen noch krasser fehlinterpretiert als in der männlichen Rolle.

Das war eine verdammt harte Zeit für unsereins. Der soziale Schaden durch die permanente Fehlinterpretation überwog ganz klar den kargen Nutzen. Dabei hat das öffentliche Sich-Zeigen durchaus auch einen Wert für sich - ganz unabhängig davon, wie es aufgenommen und interpretiert wird. Heute weiß ich sehr genau, dass wir - Toleranz hin oder her - von den allermeisten Menschen nicht wirklich erkannt und verstanden werden; die können gar nicht anders, es liegt einfach außerhalb ihrer Erfahrungswelt. Trotzdem genieße ich es seit meinem endgültigen Rollenwechsel jeden Morgen von Neuem, mir vorm Spiegel mein Outfit zusammenzustellen, und ich atme jedesmal wieder befreit durch, wenn ich dann so vor die Tür trete und mich in die Öffentlichkeit begebe. Das schleift sich auch nicht ab: auch nach drei Jahren Alltag als Frau ist es immer noch dieselbe, euphorisch kribbelnde Empfindung; nur die anfangs noch damit verbundenen Ängste sind im Lauf der Jahre verschwunden. Es ist für mich einfach zutiefst befriedigend, mich gegenüber jedermann offen und unübersehbar als Frau zu zeigen - auch wenn dem jeweiligen Gegenüber trotzdem manchmal noch ein "Herr Sowieso" rausrutscht. Schwamm drüber - fehlinterpretiert zu werden war und ist für mich zeitlebens der Normalfall, egal in welcher Rolle, ich bin's gewöhnt, es ist für mich auch nicht mehr wichtig. Wenigstens darf mich jetzt endlich offen und ungestraft so zeigen, wie ich mich selber sehe und am liebsten mag; endlich muss ich mich nicht mehr verstecken. Und vielleicht gibt's ja doch den einen oder anderen Menschen, der mich so wenigstens ein Stück weit wirklich erkennt und versteht - allein das zählt. Ich fühle mich seitdem wie eine Blume, für die das Blühen Lebenszweck ist: all die Bienen und Schmetterlinge, die mich übersehen und an mir vorbeifliegen, zählen nicht. Was zählt, ist allein das Blühen, in lustvoller Hingabe an die natürliche Bestimmung.

Den Raum für dieses Leben mussten wir uns erst mühsam erkämpfen. Solange wir für unser bloßes Dasein verachtet, diskriminiert und ausgegrenzt wurden - das wurden wir in meiner Generation weiß Gott massiv - , blieb es nicht aus, dass der Kampf auch zu Härte und Verbitterung führte. Das berüchtigte "Transengift" entstammt wohl größtenteils diesem verzweifelten Überlebenskampf - und einem schon sehr speziellen, streitbaren Charakter, der damals dazu gehörte, sich diesem Kampf überhaupt offen zu stellen. Insofern kann ich es gut verstehen, dass so viele - speziell ältere - Transsexuelle auch heute noch so verkrampft und aggressiv bevormundend auftreten und in jedem schrägen Blick gleich Verachtung und Diskriminierung wittern. Lange genug blieb uns ja gar nichts anderes übrig, als unseren Mitmenschen bei jeder offenen Missachtung unserer erklärten Identität brutal über den Mund zu fahren, um wenigstens passiv schweigende Duldung zu erzwingen, wo verstehende Toleranz sowieso nicht zu erwarten war.

Aber heute - in einem doch sehr weitgehend tolerant gewordenen Umfeld - fällt uns diese Haltung auf die Füße. Immer noch maßlosere Forderungen nach Sonderrechten und wasserdichtem Rundumschutz gegen etwaige "Diskriminierungen", wie ihn niemand sonst beanspruchen kann, Strafandrohungen gegen falsches Gendern, Beleidigungsklagen wegen irgend eines gedankenlos herausgerutschten Worts - damit macht man sich auf Dauer keine Freunde. Dass so enttäuschend wenige Menschen - heute noch weniger als in früheren Jahrzehnten, ich hab's ja erlebt und kann es vergleichen - das Gespräch mit uns suchen, liegt nicht nur an mangelndem Interesse; die Leute haben mittlerweile schlicht Angst vor uns. "Eine Transe? Sag jetzt bloß kein falsches Wort; sag am besten gar nichts, sonst steckst du schneller in der "Nazi"- und "Transphoben"-Ecke, als du "Entschuldigung" sagen kannst!"

Duldung kann man bis zu einem gewissen Grad erzwingen; das ist uns mittlerweile in erstaunlichem Umfang gelungen. Empathisches Verstehen kann man nicht erzwingen, man muss darum werben. Aggressive Zwangsbelehrungen mit immer ausgefeilteren Spezialbegriffen, bei denen Genosse Normalbürger schon lange nur noch "Bahnhof" versteht, sind da eher kontraproduktiv; man geht den Leuten damit nur auf den Wecker. Wirkliches Verständnis können wir bei den meisten Leuten sowieso nicht erwarten. Sie können nichts dafür, sie sind dazu einfach nicht in der Lage; für unsere Lebensrealität gibt es in ihrer Vorstellungswelt keine Analogien. Umgekehrt können auch wir Teile ihres Weltbilds genauso wenig verstehen. Kein Grund also, sich klüger zu wähnen...

Was wir tun können: uns offen so zeigen, wie wir sind. Wir können das hier und heute wirklich unbesorgt tun, es drohen uns kaum noch negative Folgen deswegen. Ich tue es jetzt seit dreieinhalb Jahren konsequent 24 Stunden an jedem Tag jeder Woche, ich genieße es jeden Tag und habe es in diesem ganzen Zeitraum noch keinen einzigen Augenblick bereut.

Wie unser Auftreten von anderen Leuten interpretiert wird, ist allein deren Sache. Niemand kann Anderen vorschreiben, wie sie jemanden in ihr ganz persönliches Weltbild einordnen. Es gibt ein Menschenrecht, so zu leben, wie man von Natur aus ist - freilich nur so weit, wie man damit nicht dasselbe Recht anderer Menschen verletzt. Ein Recht, verstanden zu werden, gibt es grundsätzlich nicht.

Verstehen wird man uns um so mehr, je offener wir uns zeigen. Wir selber müssen den Grund und Boden für den Realitätsanker der Leute bilden, an dem sie unsere für sie noch fremde Realität frei erkunden können. Je bessere Erfahrungen sie dabei machen, je freundlicher, toleranter und unaufdringlicher wir uns ihnen dabei zeigen, desto eher können wie darauf hoffen, dass aus der momentanen noch vorherrschenden, stillen Duldung irgendwann auch verstehende Sympathie wächst.

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Mein Respekt denjenigen, die sich durch diesen doch sehr lang gewordenen Text bis hierher durchgebissen haben. Es schien mir nötig, zu diesem Thema einmal den weiten Bogen über ein halbes Jahrhundert einschlägiger Lebenserfahrung zu ziehen.
Herzliche Grüße
Wally
Lana
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 13 im Thema

Beitrag von Lana »

Wally, ganz lieben Dank für die Einblicke in vergangene Zeiten!
Wally hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 00:51 Abgesehen davon wollen es die meisten Menschen auch gar nicht wissen. In all den Jahrzehnten, in denen ich versucht habe, meine weibliche Seite unterhalb der Travestie-Schwelle sichtbar zu machen und "rüberzubringen", habe ich mir immer gewünscht, die Leute würden nicht bloß irritiert gucken, wenn sie an mir was "Tuntiges" entdecken, sondern fragen, mich in ein Gespräch ziehen, dem ich mich liebend gerne offen und ausführlich gestellt hätte. Aber dazu kam es nur höchst selten
Ich mache die selbe Erfahrung. Und bei den wenigen wirklichen Gesprächen, die bisher entstanden sind, gab es neben den von die genannten Gründen auch noch den, dass es irgendwann frustrierend wird. Für beide Seiten. Nämlich dann, wenn man feststellen muss, dass bei aller Geduld und Kreativität der Erklärungen klar wird, dass der entscheidende Punkt nicht vermittelbar ist. Jedenfalls nicht durch die gemeinsame Sprache. Bei mir bleibt dann immer ein Gefühl des Scheiterns und der Ohnmacht zurück, obwohl ich mich doch so sehr bemüht habe, auf die Erfahrungswelt meines Gesprächspartners einzugehen. Und er hat vielleicht das Gefühl, zu wenig offen oder zu dumm zu sein, um mein Anliegen wirklich zu verstehen.

Das ist für beide Seiten unbefriedigend. Ich glaube, dass viele Menschen auch deswegen das Thema vermeiden. Dann kommen noch all die unbekannten Begriffe aus unserer Welt hinzu - da kann man sich als Außenstehender ja nur blamieren, oder?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am ehesten ins Gespräch kommt, wenn ich das Thema relativ belanglos am Rande erwähne, zunächst ohne direkten Bezug auf mich selbst, und dann die Reaktionen beobachte. Zeigt sich Interesse, kann ich darauf eingehen. Falls nicht, rede ich halt über das Wetter.

LGL
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 14 im Thema

Beitrag von Hotte »

Da mache ich aber andere Erfahrungen in meinem Umfeld, Wally. Niemand hat Angst, ich könne ihn:sie verklagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich offen trans* lebe und darüber schreibe.
Menschen lesen - jetzt mit meiner frisch erschienenen Kurzgeschichte MS Queer: Mit dem Schiff ins Glück - zum allerersten Mal eine queere Geschichte, in der sogar gegendert wird, weil eine der Hauptfiguren nicht-binär ist, und sind einfach total begeistert.
Meine Mutter las den Klappentext und fragte, was nicht-binär bedeutet. Das ist ein guter Aufhänger für einen Gesprächseinstieg. Und bei der Lektüre wird auch spielerisch und unkompliziert demonstriert, wie Neopronomen verwendet werden können.
Natürlich werden alle, die mich jetzt deshalb für einen "Genderterroristen" halten, die Finger von dem ebook lassen. Das ist mir auch ganz recht so. Es war mir einfach ein Bedürfnis, ein Stück Casual Queerness zu schaffen. Von aggressiven Zwangsbelehrungen sehe ich allerdings auch ab.

Als ich noch vor einigen (OMG, schon zehn!) Jahren im heute als queer benannten Sportverein (damals: schwul-lesbisch) aktiv war, gab es noch erhebliche Berührungsängste mit mir als trans* Person bei Einzelnen. Das habe ich aber mit einem Offenen Brief aufgelöst oder zumindest einen Prozess angestoßen und heute ist ein Transmann im Vorstand, der dort Diversity Manager ist.

Ich halte Schutz vor Diskriminierungen für außerordentlich wichtig. Ich habe zum Glück das Recht auf die richtige Anrede und ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, warum das so ist. Ich darf das einfordern.
Es passiert immer wieder mal, dass ich als "Frau" angesprochen werde. (Zuletzt am Montagfrüh in einem Chat in einer neuen App.) Es reißt mir jedes Mal den Boden unter den Füßen weg. Am Montag habe ich fünf Stunden gebraucht, bis ich angezogen war und einkaufen gehen konnte.
Was also ist anders, wenn etwa eine nicht-binäre Person mit unerwünschten Pronomen angesprochen wird? Das ist doch genauso schmerzhaft. Oder irre ich?

Mit Blick auf die AFD und den Rechtsruck bin ich sehr viel besorgter als in den letzten Jahren. Ich habe wieder Angst vor Übergriffen. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, ob und wohin ich das Land verlassen könnte, wenn es schlimmer wird.
Für diese Entwicklung sind aber keine Neopronomen oder das Gendern verantwortlich oder gar differenzierende Fachbegriffe, um irgendwie zum Thema zurückzukommen.
post trans*
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Spannend, was da alles so hoch kommt. Vielen Dank für Eure Mühe. Ich teile in weiten Bereichen Wallys Meinung. Ich bin aber davon überzeugt, dass in vielen von uns, die eigene Angst früher sehr viele Steine in den Weg gelegt hat. Die öffentliche Diskussion hat vieles bewirkt und wenn wir uns heute relativ unbehelligt in der Öffentlichkeit bewegen können, hat das viel damit zu tun. Im übrigen habe ich heute keine Angst misgendert oder diskriminiert zu werden, sondern wie Hotte schreibt, vor einem Rechtsruck. Deshalb ist mMn die Öffentlichkeit für uns eine wichtige Basis, dem entgegen zu wirken. Ich glaube nicht, dass die Öffentlichkeit Angst vor uns hat, sie ist einfach genervt von den Diskussionen, die sie nicht nachvollziehen kann. Und ganz ehrlich, ich bin teilweise auch genervt, so wichtig die Diskussion im Grundsatz auch ist.

Es geht mMn zuerst darum, das eigene Gehirn zu entstauben. Wir können so leben, wie wir sind. Ich will gar nicht verstanden werden. Ich will respektiert und akzeptiert werden. Ich verstehe mich selber kaum, aber auch das ist gar nicht so notwendig. Ich lasse es zunehmend auf mich zukommen. Und für die eigene Akzeptanz habe ich Jahrzehnte gekämpft. Da bin ich froh und sehr dankbar, wenn mich andere so akzeptieren, wie ich bin. Ich bin noch sehr selten auf mein Trans-Dasein angesprochen worden. Warum also sollte die sprachliche Differenzierung in der Öffentlichkeit so wichtig sein ? Sehr viel einfacher werden Gespräche, wenn ich mein Gegenüber dort abhole, wo diese Person steht. Es ist schlicht Teil meiner Persönlichkeit, dass ich eine gehörige Portion Weiblichkeit in mir trage. Wie sich das äußert, kann ich besser mit Gefühlen als mit sprachlichen Feinheiten aus der Fachwelt beschreiben. Das ist in meinem Berufsleben auch nicht anders. Auch dort gibt es eine Sprache, die nicht allgemein verständlich ist. Vieles kann man aber auch mit einfacheren, wenngleich auch mehr Worten erklären. Ich weiß, dass ich in meinem Wesen nicht verstanden werde, aber ich kann bei Interesse versuchen, es mit den Worten zu beschreiben, die mein Gegenüber versteht. Wenn ich dann ein "ach so ist das"-Erlebnis erreiche, habe ich schon viel gewonnen.

Ich glaube, wir müssen uns in unserer Empfindlichkeit zurücknehmen, wenn es um das Erklären geht. Es gibt den alten Satz "der Empfänger bestimmt die Botschaft". Wenn wir wollen, dass unsere Botschaft ankommt, müssen wir uns entsprechend verhalten. Wenn ich an Deutschland denke, wie es vor 50 oder 60 Jahren aussah, da kamen die ersten Gastarbeiter an. Da waren sie ein Fremdkörper in der Gesellschaft. Da hat sich bis heute vieles verändert und verändert sich ständig weiter. Ich reibe mir manchmal die Augen, wenn ich die Nationalmannschaft im Fußball sehe. Sichtbarkeit, das gemeinsame Gespräch, egal über welches Thema, persönliche Kontakte sind die Schlüsselmomente der Akzeptanz. Das reduziert auch die Gefahr, dass rechte Gesinnungsgenossen uns zu Sündenböcken oder einfach nur zu Zielscheiben machen.

Ich meine, darauf kommt es an.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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