Der erste niederschmetternde Tag
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Lebensplanung, Standorte
Pikachu
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Der erste niederschmetternde Tag

Post 1 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Hallo,
Ich hatte gestern den ersten großen Rückschlag seit meinem Outing gegenüber meiner Freundin.
Wir haben gestern meine Beine epiliert. Sie hatte mir das mal angeboten, zu helfen und es mir zu zeigen. Also habe ich gestern einfach mal gefragt. Ich hab vorher noch Rasierer gekauft falls die Haare zu lang sind. Ich war so motiviert endlich einen weiteren Schritt zu gehen.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sind nun beide Beine komplett von Haaren befreit. Das ist jetzt ein sehr viel schönes Gefühl und auch Bild als vorher (he)
Leider war meine Freundin danach niedergeschlagen. Ihr hat das Bild meiner rasierten Beine klar gemacht, dass es real ist. Das ich nicht nur davon erzähle werde, dass ich eine Frau sein möchte. Sondern dass es auch Realität werden kann. Da kamen ihr das erste Mal Zweifel, ob sie das kann. Mich als Frau akzeptieren und lieben. Das hat mich schwer getroffen.
Nun habe ich den ganzen Tag immer noch den Wunsch die Frau in mit weiter auszuleben. Aber meine Freundin kann das grad nicht ertragen darüber zu reden geschweige denn es zu sehen (noch niemand hat mich als Frau gesehen :oops: ).
Jetzt bin ich einfach traurig, weil sie erstmal nicht weiter sich mit dem Thema auseinander will. Sie hat sehr viel Stress und jetzt kündigt sich noch eine depressiv Episode an. Also eine gute Kombi für mich.
Ich bin jetzt zwiegespalten. Ich halte mich zurück und versuche mich alleine mit dem Thema zu beschäftigen. Wieder alleine.
Oder ich bin eine zusätzliche Belastung für meine Freundin, kann mich aber weiter selber finden. Oder ich wende mich an jemand anderen. Oder, was ich grad mache, ich wende mich an Menschen, die ähnliches durchmachen.
Das musste ich mal loswerden. Nach all der Euphorie kommt jetzt der erste Rückschlag. Aber das gehört dazu. Es wird wieder aufwärts gehen. Ich bin immer noch fest entschlossen weiter den Weg zu gehen und zu schauen, wer ich bin (smili)
Blossom
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 2 im Thema

Beitrag von Blossom »

Gelesen ... Ich würde ihr Zeit geben und nicht bedrängen. Abwarten, bis sie von allein auf dich zukommt und das Gespräch sucht.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 3 im Thema

Beitrag von NB-Sabine »

Ich überlasse meiner Frau die Initiative und das Tempo, sprich wann, wie oft und wie intensiv sie sich mit meinen Bedürfnissen auseinandersetzen will.

P.S.: Ich will keine Transition und auch sonst keine körperlichen/medizinischen Eingriffe...
Jede(r) ist anders bzw. einzigartig... ;)
Malvine
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 4 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Pi
unser Weg ist immer ein Abwägen der eigenen Motivation in Verbindung mit der Reaktion der Partner/Familie/Mitmenschen. Jetzt scheint ein Punkt zu sein, wo du für dich selber klären musst, wie wichtig es für dich ist und wie schnell du deinen Weg weiter gehen möchtest - du siehst die Auswirkung auf deine Partnerin.
So manche hier stellt ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte hinten an, aus Rücksicht auf ihre Familie, andere nehmen das Scheitern einer Beziehung in kauf, weil sie nicht mehr anders können und wollen...
Gib deiner Freundin Zeit, die Dinge für sich zu verarbeiten. Für unsere Partner ist alles neu, was wir schon ein Leben lang mit uns herum tragen. Unsere Befreiung ist für sie meist eine Konfrontation mit ihrer eigenen Lebensplanung.

LG
Malvine
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 5 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hej Pi,

Das ist eine klassische Situation. Du bist die Lokomotive, sie ist der Bremser. Je mehr du Gas gibst, um so mehr muss sie bremsen. Sie braucht Zeit, Luft zum atmen, um eine Entscheidung zu treffen. Das kann eine Entscheidung für euch beide sein, das kann eine Entscheidung für sie und gegen dich bedeuten oder auch anders herum.

Für deine Partnerin ist es zuerst ein Splin gewesen. Jetzt wird es plötzlich Realität. Das muss die erst mal verkraften. Wir Betroffene können nicht so tun, als ob sich unsere Partner nach uns zu richten haben. Deine Partnerin hat einen Mann an ihrer Seite. Plötzlich kommt seine weibliche Seite ins Spiel. Da kommt Panik auf. Kann ich in einer lesbischen Beziehung leben? Wenn nein, wie sage ich es ihm. Was wird ihre Familie dazu sagen? Wie werden Freunde oder Nachbarn reagieren? Fazit: Es braucht seeehr viel Zeit und die solltest du euch beiden geben, auch wenn das Ende offen ist.

LG Manuela
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Pi,

ich kann mich nur anschließen. Geduld (auch mit Dir selber) und Offenheit halte ich für entscheidend. Schau Dir Deine Gefühle an. Gibt es da etwas, was vielleicht dahinter steht ? Bei mir ist es die fehlende Anerkennung in meinem ganzen (!) Leben, die mir zu schaffen macht. Da ist so ein Rückschlag ein Tiefschlag.Aber vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir klarer wirst, was für Dich Weiblichkeit konkret bedeutet. Dann kannst Du auch leichter mit Deiner Freundin reden und ihr auch zuhören.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 7 im Thema

Beitrag von Pikachu »

(smili) Danke für die vielen Antworten.
Die Nacht war etwas holprig. Haben noch viel geredet. Heute morgen hatte ich einen Traum, wo meine Freundin und ich bei meinen Eltern waren. Ich habe mir Frauensachen angezogen, was für sie ok war, und dann kam meine Mutter. Ich hab mich in eine Ecke gesetzt und geweint und mich gwschäm, dass sie mich so sieht. Meine Freundin hat dann einfach so im Satz fallen lassen, dass es für Transfrauen nicht einfach ist. Sie hat mich damit geoutet vor meiner Mutter, aber hat so direkt die Situation entschärft. Zumindest hat sie es versucht. Für mich war die Situation einfach unerträglich. Dann meinte meine Mutter, die sich neben mich gesetzt hat, dass es ok ist und das sie das schon lange wussten. Auf einem Bauernhof als Kind haben sie das gemerkt. Also sehe ich meine Freundin weiterhin als Unterstützung an. Was gut ist.
Aber es braucht Zeit. Die Frage wie unsere Beziehung aussehen wird, wenn ich mich zu einer Frau entwickel, steht hier im Mittelpunkt. Ist es für sie möglich eine solche Beziehung zu haben? Wie sieht die Familienplanung aus?
Für mich hat sich wenig verändert. Ich hab die gleichen Vorstellungen für vorher. Nur das ich mich nicht mehr als Mann sehen sondern auch die Frau. Ich denke immer, dass ich weiterhin ich bin. Warum erkennt sie das nicht? Weil sie das erst seit jetzt kennt. Sie muss das aufarbeiten, was ich seit Jahren mit mir rumtrage und nun endlich ausleben möchte. Das, neben den anderen Themen, wird irgendwann einfach zu viel. Eure Nachrichten haben mir das nochmal gezeigt.
Geduld ist jetzt angesagt. Viel Geduld.
Und am Ende, wenn sie sich entschieden hat, muss ich damit leben. Ob sie es versucht oder es nicht weiterführen kann. Ich muss es akzeptieren. So wie ich mich selber akzeptiere
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 8 im Thema

Beitrag von Susette »

Das ist für die betroffene Partnerin ganz sicher keine leichte Sache.
Wird es "nur" der Partner mit einer femininen Seite? Oder würde es tatsächlich in eine lesbische Beziehung hinauslaufen?
Das sind ja fundamental unterschiedliche Möglichkeiten, die sie bestimmt verunsichern und worüber sie nachdenkt.
Ich denke nicht, dass jede Frau einfach so plötzlich oder gerne zur Lesbe werden kann oder will. Ziemlich sicher sogar, dass dies nicht dem Wunsch der meisten Partnerinnen entspricht.
Es ist alles noch so frisch bei Euch...
Ich glaube es wäre hilfreich für sie, wenn Du ihr Zeit gibst und auch in Dich reinhörst, wie weit Du gehen willst oder musst, um im Einklang mit Dir zu sein.
Und dies dann auch nicht erst äußerst, wenn es für sie schon zu spät ist und sie ggf. "die Flucht" ergreift aus Mangel an sicheren Perspektiven, mit welchen sie evtl. doch klar kommt.
Das klingt vielleicht sehr harsch... aber ich glaube, den Partner so unvorbereitet mit dem Wunsch nach diesem für sie wahrscheinlich unerwartetem Weiblichkeitswunsch zu erleben ist auch nicht ohne.
Viel Erfolg, dass ihr die Kurve kriegt!
Anne-Mette
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Morgen Pikachu,

ich erlaube mir einen Rat: eine Beratung wäre angebracht - oder zumindest eine Selbsthifle- oder Gesprächsgruppe.
Mit "Bordmitteln" werdet ihr das schlecht alleine hinbekommen.

Wenn der in deinem Profil angegebene Wohnort stimmt, dann würde ich dir als erste Anlaufstelle den Sonntagsclub in Berlin empfehlen. Die haben wechselnde Gruppen-Angebote:
https://www.sonntags-club.de/wir.php
Da kommst du sicherlich "von Mensch zu Mensch" ins Gespräch.

Falls Bedarf besteht, kann ich dir auch Adressen von psycholosichen Fachkräften nennen "mit trans-Erfahrung".

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Pikachu hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 07:42 Nur das ich mich nicht mehr als Mann sehen sondern auch die Frau.
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was "Frau" für Dich ganz persönlich bedeutet ? Wenn Dir das klar ist, werden Gespräche vielleicht einfacher. Auch Fragen wie, woher kommt die Scham ? Wovor habe ich genau Angst ? etc. können helfen, in Dein Inneres vorzudringen. Was brauchst Du wirklich ? Da sind Aussagen wie "Weiblichkeit leben" viel zu schwammig. Damit könnt Ihr wenig anfangen. Ich vermute, es ist ein Symptom, nicht Deine Lösung. DAnn bleibt die Frage "Was kommt jetzt noch?" in der Luft hängen.

Ich drücke mit Weiblichkeit Bedürfnisse aus. Es macht mMn Sinn, diese zu ergründen und zu kommunizieren. Aber diese sind auch nicht statisch, so dass es immer wieder neuen Gesprächsbedarf gibt. Sich gegenseitig mit Offenheit und Vertrauen zu begegnen, ist da ein wertvolles Pfund.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 11 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 09:02 Guten Morgen Pikachu,

ich erlaube mir einen Rat: eine Beratung wäre angebracht - oder zumindest eine Selbsthifle- oder Gesprächsgruppe.
Mit "Bordmitteln" werdet ihr das schlecht alleine hinbekommen.

Wenn der in deinem Profil angegebene Wohnort stimmt, dann würde ich dir als erste Anlaufstelle den Sonntagsclub in Berlin empfehlen. Die haben wechselnde Gruppen-Angebote:
https://www.sonntags-club.de/wir.php
Da kommst du sicherlich "von Mensch zu Mensch" ins Gespräch.

Falls Bedarf besteht, kann ich dir auch Adressen von psycholosichen Fachkräften nennen "mit trans-Erfahrung".

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Hallo Anne-Mette,

Danke für die Hinweise. Der Sonntagsclub wäre auf jeden Fall mal ein Anlaufstelle. Sowas suche ich schon länger. Ich hab bei einer Beratungsstelle nach sowas gefragt und wurde erstmal hin und her geschickt, ohne Erfolg. Daher danke :D

Wir sind beide bei einer Therapeutin in Therapie. Meine Therapeutin habe ich auch gezielt wegen der Trans-Erfahrung gewählt. Sie ist sogar Paar-Therapeutin, was vielleicht irgendwann auch helfen könnte.
Wir versuchen das auch jeweils dort zu besprechen. Aber es gibt auch Zeiten, wie jetzt gerade, wo man alleine mit seinen Gedanken ist. Ich wollte einfach mal meinen Kopf freimachen. Das hat auch geholfen. Wir arbeiten dran
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

https://www.sonntags-club.de/beratung/transberatung.php

Meine Vorschläge bedeuten allerdings NICHT, dass du nicht weiterhin hier schreiben sollst/darfst )))(:

Gruß
Anne-Mette
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 13 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 09:30
Pikachu hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 07:42 Nur das ich mich nicht mehr als Mann sehen sondern auch die Frau.
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, was "Frau" für Dich ganz persönlich bedeutet ? Wenn Dir das klar ist, werden Gespräche vielleicht einfacher. Auch Fragen wie, woher kommt die Scham ? Wovor habe ich genau Angst ? etc. können helfen, in Dein Inneres vorzudringen. Was brauchst Du wirklich ? Da sind Aussagen wie "Weiblichkeit leben" viel zu schwammig. Damit könnt Ihr wenig anfangen. Ich vermute, es ist ein Symptom, nicht Deine Lösung. DAnn bleibt die Frage "Was kommt jetzt noch?" in der Luft hängen.

Ich drücke mit Weiblichkeit Bedürfnisse aus. Es macht mMn Sinn, diese zu ergründen und zu kommunizieren. Aber diese sind auch nicht statisch, so dass es immer wieder neuen Gesprächsbedarf gibt. Sich gegenseitig mit Offenheit und Vertrauen zu begegnen, ist da ein wertvolles Pfund.
Das ist es ja. Ich habe genau darüber nachgedacht, was bedeutet es für mich eine Frau zu sein. Die Antwort war dann leider sehr kurz. Ich weiß es nicht. Ich möchte nicht als "typische" Klischee-Frau gesehen werden (ich möchte damit niemanden verletzen). Ich möchte einfach ich sein. Nur mit einem anderen Aussehen (Kleidung, Makeup, Perücke). Aber ich fühle mich nicht als Mann sondern als Frau. Allgemein, keine Ahnung, wie ich das erklären soll.
Aber ich muss mich weiter mit mir und meinen Bedürfnissen beschäftigen. Ich bin immer noch am Anfang und erkenne aktuell nicht vieles weibliche, was ich noch ausleben möchte.
Das Thema Scham kommt bestimmt auch daher, da ich generell schüchtern und ein geringes Selbstwertgefühl habe. Ich bin ungern im Mittelpunkt und als Mann in Frauenkleidern bin ich, gefühlt zumindest, immer der Mittelpunkt :?
Außerdem hab ich öfter die Gedanken, dass ich nicht als Frau leben darf. Meine Familie, Freunde, Kollegen würde ich damit ja alle überfordert bzw. denen Probleme bereiten. Auch wäre ich nicht mehr der Zwillingsbruder wie früher. Das alles eigentlich nichts, was mich abhalten sollte, mich selber zu finden. Aber es führt immer wieder dazu, dass ich Angst habe, dass alle mit dem Finger auf mich zeigen. Das kennen bestimmt viele auch von euch.
Aber ja, es gibt noch viel Arbeit :roll: es wird nicht leicht, aber ich mich selbst finden. Was auch dabei rauskommt
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 14 im Thema

Beitrag von Maike »

Hallo Pi,

Deine Situation und Fragen kann ich gut nachvollziehen - sie sind auch Teil meiner Transidentität / Transition. An dieser Stelle nur ein paar Punkte aus eigener Erfahrung:
- Das Thema Scham hat mich auch sehr beschäftig. Es war mit ein Grund, dass ich meine Transidentität nicht offen angehen konnte. Nora Dahmer hat hierfür den Begriff "Schamkäfig" geprägt, den ich sehr passend finde. Ihr Buch war für mich sehr lesenswert.

- Seit meinem Outing versuchen meine Frau und ich gemeinsam einen Weg zu finden, wie wir mit dieser Situation umgehen. Sie kann sich eine Ehe mit einer Frau nicht vorstellen - und ich will sie nicht verlieren. Das kann zu einer Trennung führen oder zu Kompromissen, mit denen wir beide leben können. Das finden wir derzeit heraus und es klappt für uns beide besser als befürchtet. Natürlich ist auch eine Entwicklung dabei. Meine Frau war von den ersten Fotos von mir als Frau richtig geschockt - und wenige Wochen später war eine "Testwoche" mit mir als Frau (im Urlaub/Ausland) kein Problem mehr für sie.

- Allerdings ist auch die Angst, den Mann zu verlieren, den sie liebt und geheiratet hat, ebenfalls sehr zentral. Solche Verlustängste können schon so "Kleinigkeiten" wie der Verlust der Beinhaare auslösen - wenn es also real (sicht- und spürbar) wird.

- Lasst Euch also die Zeit, die Ihr benötigt und nutzt die externe Hilfe: Mit einer trans-erfahrenen (Paar-)Therapeutin haben wir auch sehr gute Erfahrung gemacht. Unsere Ehe ist derzeit so gut, wie seit Jahren nicht mehr. Wo uns allerdings der Weg hinführt, kann keiner sagen.....

LG Maike
Es ist wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst!
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 15 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hej Pi,
dass ich nicht als Frau leben darf
Das ist Kopfkino pur. Das ist so eine übliche Redewendung, dass ich genau das hinterfragen möchte. Ein Crossdresser mag WIE eine Frau leben, empfindet sich aber trotzdem als ganzer Kerl. Du fühlst dich als Frau und möchtest einfach du selbst sein und natürlich kein Klischee bedienen. Da sehe ich schon eine Tendenz in Richtung Transidentität. Wenn dein gefühltes Geschlecht weiblich ist, dann lebst du nicht wie eine Frau, dann bist du eine Frau. Das könnte durch ein Karyogramm, also durch die grafische Darstellung der x und y Chromosomen entweder ausgeschlossen oder nachgewiesen werden. Es könnte sogar sein, dass du schon seit deiner Geburt aufgrund einer Genmutation ein weibliches Gehirn hast. Das ist zwar wissenschaftlich umstritten, aber ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass die Brücken zwischen meinen beiden Gehirnhälften eindeutig weiblich sind.

Auch rechtlich brauchst du keine Bedenken haben, denn du bist durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Kleidung, Make up wird für dich bald ganz normal sein. Eine Perücke mag für den Anfang richtig sein, aber lass deine Haare möglichst lange wachsen, denn die eigenen Haare sehen einfach besser aus als eine Perücke.

Das Schamgefühl ist eine soziologisch aufgezwungene Angelegenheit. Schon in frühester Kindheit wird einem das eingetrichtert. Es ist eine Art Ur-Angst . Nur ist Angst ein schlechter Ratgeber. Gibst du der Angst nach, wird sie in kurzer Zeit noch stärker zuschlagen. Vertraue auf deine eigene Wahrnehmung.
Was meinst du mit "Weiblichkeit ausleben"? Schon das klingt nach Klischee. Es ist egal wie man das sieht. Egal welches Geschlecht du empfindest, du bist immer noch der selbe Mensch mit den selben Problemen, Gedanken, Gefühlen. Es gibt also gar nichts auszuleben.
Natürlich gibt es einzelne Menschen, die mit dem Finger auf dich zeigen. Dafür gibts Therapeuten, die dich stark machen, um mit solchen Typen umgehen zu können. Den meisten Menschen ist dein gefühltes Geschlecht total egal.

Liebe Grüße
Manuela
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