Ich möchte Violettas Anmerkung in einem anderen Fred zum Anlass nehmen, die Vermischung von Sexualität, Crossdressing und Transdasein an dieser Stelle zu thematisieren.Violetta Arden hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 23:10 Natürlich hatte das auch bei mir einen sexuellen Reiz.
Warum sollte ein Crossdresser/Transmensch keine Lust Empfinden, wenn er/sie sich in gegengeschlechtlicher Kleidung sexuell wohl fühlt ? Die Vermengung dieses Aspekts mit dem eigenen inneren Gefühl für das Gegengeschlecht in Diskussionen halte ich schlicht für nicht tragbar und unwürdig. Kaum jemand macht sich einen Kopf, wenn ein Cis-Mann oder Cis-Frau Sexspielzeug nutzt. Dessous sind in sehr vielen Beziehungen Alltag. Kein Hahn kräht danach. Warum also sollte ein Mensch keine sexuellen Gefühle im Gegengeschlecht entwickeln (dürfen) ?
Ich finde, die immer wiederkehrende Betonung auf der sexuellen Ebene, von uns, aber auch von Dritten, ist aus meiner Sicht völlig unnötig. Ob mein Gefühl für Weiblichkeit auch eine sexuelle Dimension hat, ist völlig unerheblich. Das Sexuelle wird offensichtlich noch immer dämonisiert. Dabei gehört zu jedem Menschen auch seine Sexualität, für die er ungefragt den entsprechenden Raum haben darf. Warum sollte ich als Transfrau mich öffentlich von meiner Sexualität distanzieren bzw. sie relativieren ? Wie Violetta und viele Andere stehe ich dazu. Es ist aber trotzdem gefährlich, da die Diskussion um mein Transdasein allzuleicht auf eine sexuelle Ebene reduziert wird. Das ist für mich eine Analogie zu den Menschenrechtsdiskussionen in den USA, wo Menschen mit nichtweißer Haut oftmals auf ihre Hautfarbe reduziert werden.
Vielleicht muss man in Diskussionen den Spieß einfach herum drehen, wenn die Diskussion zu sehr auf die sexuelle Ebene reduziert wird. Ein passender Satz wäre z.B. "Natürlich habe ich wie alle Frauen in ihrer Vielfalt auch eine weibliche Sexualität. Warum auch nicht, aber können wir jetzt zu den wesentlichen Themen kommen, z.B. meinem individuellen Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung ?"
Mein Credo: Ich möchte mich nicht auf sexuelle Themen reduzieren lassen. Ich möchte mich auch nicht für meine Sexualität entschuldigen oder genötigt sehen, sie zu erklären. Ich bin stolz auf meine Sexualität, aber ich gehe damit nicht hausieren. Ich stehe selbstbewusst dazu, aber sie geht niemanden etwas an. Ich wehre mich gegen jeden Missbrauch von Sexualität als Waffe in einer Diskussion, um Angst oder Scham zu schüren. So wie in der Frauenbewegung berechtigt auf eine freie Entfaltung der Sexualität der Frau plädiert wurde und wird, nehme ich sie auch für mich in Anspruch und ich akzetiere nicht, dass sie missbraucht wird, um Angst zu schüren. Ich glaube, in vielen Köpfen steckt noch viel vom Geist der Vergangenheit.
Ich wünsche mir für uns, dass wir auch in dieser Frage selbstbewusst dazu stehen, wie wir sind. Aber wir müssen auch nicht die Diskussionen um CD oder Trans selber auf eine sexuelle Ebene heben. Dadurch schränken wir unsere tieferen Anliegen ein, nämlich die als Menschen anerkannt zu werden, die wir sind. Unsere Sexualität ist ein Teil davon, aber die leben wir wie die Menschen im Allgemeinen im Privaten aus. Sie ist nicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion.
Mich würde interessieren, wie Ihr das seht. Brauchen wir mehr Selbstbewusstsein für unsere Sexualität ? Lassen wir uns zu sehr auf eine sexuelle Ebene reduzieren ? Wann leisten wir selber einer möglichen Reduzierung auf sexuelle Aspekte Vorschub ?