Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird
Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird - # 2

allgemeiner Austausch
Maura.Masqurin
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 16 im Thema

Beitrag von Maura.Masqurin »

@gabo

Ich habe das bei einem befreundeten Crossdresser genau so erlebt wie du es beschreibst. Immer wenn er ein negatives Ereignis mit dem Crossdressing in Verbindung brachte, äußerte er diese Gedanken. Er dachte eben auch immer, dass das Crossdressing eine psychische Ursache hat, die man behandeln müsste. Das war aber nur ein Rückschluss auf das, was ihm im Leben von außen als normal suggeriert wurde. Dadurch empfand er sich als andersartig und minderwertig. Erst als er durch Austausch mit mir sah, dass es anderen Leuten auch so geht, die aber völlig normal damit umgehen, konnte er es akzeptieren. Nach außen tragen ging aber trotzdem nicht. Das liegt dann am jeweiligen Charakter und dem Mindest der betroffenen Person.

Und übrigens, dein Avatarfoto sieht stark aus.
TUN ist wie wollen, nur krasser !!!
petra0103
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 17 im Thema

Beitrag von petra0103 »

Im jugendlichen Alter, ich glaube es war zwischen 14 und 18 war der Auslöser für das Tragen von Röcken meiner Mutter die sexuelle Erregung. Nach dem Ende der Schule und während des Studiums war feminine Kleidung kein Thema. Es wurde erst wieder aktuell, als ich eine eigene Wohnung und ein eigenes Gehalt hatte. Aber dann auch nur in den eigenen vier Wänden und im Hybrid-Modus. Als ich dann meine Frau kennengelernt habe, sank der Drang Röcke zu tragen (Kleider habe ich damals noch nicht in Erwägung gezogen). Ich glaube, dass es bei mir auch einen Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und Crossdressing gibt. Röcke wurden erst wieder interessant, als es in der Ehe kriselte und ich eine Ersatzbefriedigung benötigte. Mein Crossdressing bestand anfangs nur aus dem Tragen von Röcken, zuerst im Verborgenem und später auch in der Öffentlichkeit. Dann kamen Kleider und Schuhe hinzu und im Winter auch ein Pelzmantel. Das alles habe ich im Hybridmodus durchlebt. Vor 3 Jahren bin ich dann einen weiteren Schritt gegangen und habe begonnen eine Perücke zu tragen. In dem Zuge habe ich dann begonnen mich zu Schminken.
Warum ich diese Entwicklung genommen habe, ob es nur am fehlenden Geschlechtsverkehr lag, kann ich nicht sagen. Ist für mich auch nicht wichtig, ich bin insgesamt mit meinem Leben zufrieden und geniesse die Stunden in der Woche, die ich Frau sein kann. Und das ist für mich vollkommen ausreichend.

Liebe Grüße
Petra
Céline
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 18 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo Gabo,
Beim lesen Deiner Zeilen kam in mir Traurigkeit auf. Deine Geschichte macht mich betroffen da ich das in gewisser Weise nachvollziehen kann. Genau dies Gefühle belasteten mich selbst sehr lange weil ich mich selbst für Krank und Pervers gehalten habe. Quäle Dich bitte nicht selbst den Du bist genauso wie andere ein ganz besonderer Mensch. Etwas besonderes und wie meine Psychologin einmal sagte eine Laune der Natur. Lebe Dein Leben denn Du hast doch nur das Eine. Und lebe es nicht so wie Andere es wollen.
Liebe Grüße Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
Wally
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 19 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe Gabo,

Ich habe mein Schicksal hier anderweitig schon in aller Ausführlichkeit beschrieben, deshalb hier nur nochmal als kurzer Abriss:

Ich hatte das Bedürfnis zum Crossdressing (damals gab es das Wort noch gar nicht) auch bereits in der Kindheit in mir, ich war nie wirklich ein Junge. Hab's für eine sexuelle "Perversion" gehalten, mich furchtbar dafür geschämt - aber genauso für meinen Körper, wie er nun mal war. Deine Erzählung von Sportunterricht und Schwimmhallen könnte wortwörtlich von mir stammen... Habe verzweifelt versucht, ein Mann zu werden und zu sein. Unfähig, auf Mädchen zuzugehen - habe immer darauf gewartet, dass die den ersten Schritt tun. Wie Du keinerlei sexuelles Interesse an Männern, aber bei den Frauen, die mir gefallen hätten, auch nicht den Hauch einer Chance. Bin schließlich sehr verkrampft über ein Zeitungsinserat an eine brutal gewalttätige Frau geraten, die ich nie wirklich geliebt habe und die mir 5 Jahre lang das Leben zur Hölle machte. Mit der auch noch eine Tochter gezeugt, für die ich nach der Scheidung 25 Jahre lang Unterhalt bezahlt habe; zum letzten Mal persönlich gesehen habe ich sie, als sie 7 Jahre alt war. Seit Ende ihres Studiums (und damit auch des Unterhalts) vor 10 Jahren gar kein Kontakt mehr. Ich weiß nicht mal mehr, wo sie wohnt und wie sie heißt (falls geheiratet); würden wir uns heute auf der Straße begegnen, dann würden wir einander nicht mal erkennen.
---
Nach der Scheidung Psychotherapie: mit 40 überhaupt erst verstanden, dass ich transsexuell bin. Bezüglich Partnerwunsch resigniert, Hormone genommen und die Brust mit Silikonimplantaten aufbauen lassen, obwohl ich öffentlich als Mann weiterlebte. Alles nach dem Motto: Partnerschaft kann ich mir sowieso abschminken, dann will ich wenigstens das noch für mich haben. Und dann die Riesen-Überraschung: mit den Titten (2x500 ml) unterm Hemd habe ich mir nicht etwa die allerletzten Chancen bei Frauen verbaut. Ganz im Gegenteil: genau bei dem Typ Frauen, zu dem ich mich schon immer hingezogen fühlte, hatte ich damit erstmals echte Chancen! Ich brauchte keine verkrampften Zeitungsinserate mehr, erstmals liefen mir passende Frauen einfach "über den Weg", es ergaben sich ganz zwanglos Beziehungen, die erstmals auch wirklich funktionierten. Nach einigen Jahren lernte ich schließlich meine jetzige Frau kennen (auch "einfach so", beim Bergwandern), verliebte mich in sie, heiratete sie - und jetzt leben wir schon seit 16 Jahren glücklich zusammen. Nach der Verrentung bin ich dann - mit ausdrücklichem Einverständnis meiner lieben Frau - komplett in die weibliche Rolle gewechselt; wir leben seitdem laut Amtsdeutsch als "gleichgeschlechtliches Ehepaar" zusammen. Seit unserer Heirat vor 16 Jahren ging es mir schon richtig gut, ich konnte mich rundherum als "glücklich" bezeichnen. Aber nun, als Rentnerin, komplett auch öffentlich und amtlich als "Waltraud Helene", geht's mir tatsächlich nochmal ein Stück besser: Wolke 7, wenn ich richtig gezählt habe ;-)
---
Fazit: ohne Transgender-Veranlagung wäre mein Leben (ich bin jetzt 74) zweifellos einfacher gewesen, und die erste Lebenshälfte vermutlich auch nicht so schrecklich unglücklich. Aber ich bin's nun mal, ich konnte mich letztlich nur damit arrangieren und konsequent dazu stehen. Seit ich das endlich getan habe, ging's mir rundherum gut. Es ist nie zu spät dazu!
Herzliche Grüße
Wally
Petticoat
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 20 im Thema

Beitrag von Petticoat »

Liebe Gabo,
danke für Deine Geschichte.
Wir alle, ob nun Crossdresser, Highheel- oder Busenliebhaber sind im Grunde nur das Resultat unserer neuronalen Verschaltungen, welche sich Aufgrund von Erfahrungen entwickeln. Diese finden in der Regel zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr statt.
Wir empfinden ein Erlebnis als extrem angenehm oder beängstigend. Unser Gehirn speichert diese Infomation für später ab und assoziiert entsprechende, an dem Erlebnis gebundene Objekte mit dem entsprechenden Gefühl, welches dann in unserem späteren Leben wieder abgerufen wird.
So können Dinge in uns Emotionen auslösen, ohne das wir uns des eigentlichen Ursprungs noch bewusst sind.
Im Laufe der Pupertät können dann diese, in uns Wohlbefinden auslösende Situationen oder Objekte dann sexuellen Charakter annehmen.

Wie bereits erwähnt, sind wir alle lediglich das Resultat der Summe unserer neuronalen Programmierung aufgrund unser Lebenserfahrung. Genau das macht uns als Individuum aus.
Das einzige , was "pervers" ist, ist der Glaube, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben darüber urteilen zu können , wie individuel ein Mensch sein darf.
🤦
𝗚𝗹𝘂𝗲𝗰𝗸 𝗶𝘀𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻𝗸 𝗱𝗲𝘀 𝗦𝗰𝗵𝗶𝗰𝗸𝘀𝗮𝗹𝘀... 𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗱𝗮𝘀 𝗘𝗿𝗴𝗲𝗯𝗻𝗶𝘀 𝗗𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗚𝗲𝗱𝗮𝗻𝗸𝗲𝗻.
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 21 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich reihe mich ebenfalls in die Gruppe derjenigen ein, die unter ihren Talenten gelitten hat und das auch teilweise heute noch tut.
gabo hat geschrieben: So 27. Aug 2023, 16:41 Ich denk aber wirklich, dass ohne mein Crossdressing es etwas einfacher währe.
Natürlich wäre es das. Aber dann wärst Du nicht Du.

Ich denke, das Thema ist extrem vielschichtig. Da spielt die (scheinbar oder tatsächliche fehlende) Anerkennung von Dritten eine wichtige Rolle. Auch ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen, extrem wichtig und auch unsere Vergangenheit mit den entsprechenden Prägungen ist nicht zu vernachlässigen. Letztlich führt das alles zu einer der Abqualifizierung und Entwertung der eigenen Person.


Aber das Problem bist nicht Du. Du hast Talente und Fähigkeiten, die andere Menschen nicht haben und nicht nachvollziehen können oder wollen. Aber wie Wally schreibt, gibt es Menschen, die Dich akzeptieren wie Du bist. Die Dich sogar so wollen, wie Du bist. Aber um diese Menschen zu finden, muss man sich ihnen zeigen und dieser Weg kann sehr dornig sein.

Als wir auf die Welt kamen, hat uns niemand gesagt, dass es schwierig werden würde. Man wollte das Beste für uns und man uns auch gesagt, was das Beste denn sei, allerdings ohne auf das zu schauen, was das beste für uns ist.

Das Problem für viele Transmenschen wie uns ist, dass wir ungeprüft anderen glauben, was das beste für uns sei. Wir spüren aber, dass es das nicht ist und dieser Widerspruch macht uns mehr oder weniger zu schaffen. Andere Menschen sind wichtig für uns. Was passiert aber, wenn wir uns selbst zum Massstab nehmen ? Es gibt keine Garanie, dass wir damit glücklich und zufrieden werden, aber es dürfte sicher sein, wenn wir das nicht tun, es auch nicht werden. Was in uns steckt, ist unser Charakter und Potential. Das zu negieren bedeutet, sich selber zu vergewaltigen.

Wenn wir um Selbstakzeptanz kämpfen, können wir verlieren, wenn wir uns nicht akzeptieren, haben wir verloren. Die Verantwortung für uns liegt in uns und nicht in der Gesellschaft, der Prägungen oder sonstiger äußeren Gründe. Wir müssen uns annehmen, wie wir sind und nicht wie uns andere haben wollen.

Ich versuche das schon seit Jahrzehnten und habe heute immer noch Schwierigkeiten. Vieles ist besser geworden, aber noch nicht alles erreicht. Aber darauf kommt es auch nicht an, sondern das ich mich bemühe, jeden Tag einen Schritt auf meinem Weg zu gehen. Dieser Weg ist nicht vorgegeben, aber er entsteht, in dem ich ihn gehe. Und ich entscheide, in welche Richtung er mich weist. Die Wegweiser sind meine Gefühle. Ihnen zu folgen ist meine Verantwortung für mein Leben. Dann haben wir auch die Chance, die "richtigen" Menschen für uns zu finden oder gefunden zu werden.

Kurz gesagt, es ist nicht entscheidend (aber manchmal hilfreich), die Ursachen zu kennen, sondern das daraus zu machen, was uns gerecht wird.
Viele Grüße
Vicky

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katjaosna
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 22 im Thema

Beitrag von katjaosna »

Guten Morgen @all ,

ich würde auch gerne wissen, woher dieser Drang sich weiblich zu kleiden und als Frau aufzutreten kommt. Das Leben wäre als "normaler" Mann sehr viel leichter.

Was mich wirklich stört ist diese Heimlichtuerei und das verstecken , ich habe es füher wegducken genannt. Man konnte nie mit einem lieben Menschen das Glücksgefühl teilen, einen neuen
Rock zu haben oder einen schicken Lippenstift. Dadurch fühlte es sich wohl immer falsch an, wie oft habe ich aus Unsicherheit oder Scham meine schönen Sachen entsorgt.

Neid ist auch natürlich auch ein Thema bei uns, auf Bio-Damen...

Mir hat tatsächlich eine Therapie geholfen, zu mir zu stehen, auch das Interesse Frau an der Seite eines Mannes zu sein war schwer einzugestehen.

Ich glaube aber, die Facetten bei uns Mädels sind so vielschichtig - es gibt keine richtige oder falsche Antwort.

VG
Katja
Wally
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 23 im Thema

Beitrag von Wally »

katjaosna hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 11:03 Was mich wirklich stört ist diese Heimlichtuerei und das verstecken , ich habe es füher wegducken genannt. Man konnte nie mit einem lieben Menschen das Glücksgefühl teilen, einen neuen
Rock zu haben oder einen schicken Lippenstift. Dadurch fühlte es sich wohl immer falsch an, wie oft habe ich aus Unsicherheit oder Scham meine schönen Sachen entsorgt.
Das stört Dich sehr zu Recht: es geht hier schließlich um das Outfit - und wozu ist ein Outfit da? Um sich anderen Menschen darin zu zeigen! Solange wir das nur im stillen Kämmerlein tun, einsam vor dem Spiegel (ich weiß, wovon ich rede, hab mich selber mein halbes Leben lang nichts anderes getraut), geht das doch am Sinn des Ganzen vorbei - ein bloßer Mindf..k.

Rausgehen, sich in aller Öffentlichkeit so zeigen, sich zu diesem Teil der eigenen Person bekennen - GENAU DAS ISSES! Mittlerweile dürfen wir das ja auch; man wird nicht mehr dafür verurteilt und abgestraft wie in früheren Zeiten. Also...
Herzliche Grüße
Wally
petra0103
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 24 im Thema

Beitrag von petra0103 »

katjaosna hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 11:03 Ich glaube aber, die Facetten bei uns Mädels sind so vielschichtig - es gibt keine richtige oder falsche Antwort.

VG
Katja
Ich glaube das bringt es auf den Punkt. Ich denke es ist das Beste sich selber keine Vorwürfe zu machen sondern das weibliche Outfit zu geniessen. Jede von uns hier ist einzigartig.

Liebe Grüße
Petra
Jaddy
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 25 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Eigentlich finde ich es nicht sonderlich verwunderlich, dass es "uns" in allen Ausprägungen gibt, von "mal crossdressen" bis "Frau! 100%! am besten 150%".

Unsere ganze Kultur ist vom Zwei-Gender-System durchsetzt. Von der Begegnung an der Backtheke, immer mein Lieblingsbild, über Familienkram, Ritualen im Job, usw. Die unterschiedliche Sprache, Anreden, Sprachmelodie, die Erwartungen, wie sich "Frauen" und "Männer" verhalten, was sie können, wollen, wie sie aussehen dürfen, usw.

Es gibt keinen Lebensbereich, der nicht irgendwie zweigegendert ist. Manchmal gibt es gleichzeitig eine "weibliche" und eine "männliche" Art, etwas zu tun, aber sie sind immer als solche markiert. Autofahren zum Beispiel, selbst gärtnern oder Fussball spielen. Es gibt kaum Überlappungen.

Uns allen wird bei Geburt genau eine der beiden Variante zugewiesen. Bei allem was wir tun wird erwartet, dass wir es auf die "richtige" Art tun, nicht auf die andere. Und es gibt Bereiche "der anderen Seite", die uns nach der Zuweisung nicht erlaubt werden.

Der wichtige Punkt dabei: Nichts davon ist "natürlich". Auf unseren geschlechtsbstimmenden Genen sind weder Vorlieben für Farben, Klamotten oder Interessen kodiert. Das ist alles eine gerade mal zu dieser Zeit und dieser gesellschaftlichen Umgebung gültige Idee, die uns kulturell beigebracht wird.

Aber Menschen werden nicht 100% durch Erziehung geformt. Es gibt immer Varianten, die dem widerstehen. Das ist vollkommen natürlich. Evolution und Weiterentwicklung lebt von zufälligen Varianten. Es braucht keine konkreten Gründe, keine traumatischen Erlebnisse und keine "Störung".

Nicht in ein völlig willkürliches System von Dualismen zu passen ist daher eher die Normalität und zwar je enger und strikter das System, umso wahrscheinlicher. Wir führen andauernd Diskussionen darüber, wie Rollen modifiziert werden, welche Überlappungen und Varianten okay sind. Dazu gehören auch Mode, alle Formen von Präsentation und die damit verbundene Symbolik.

Also wie gehen wir damit um, wenn wesentliche Anteile von uns nicht in die zugewiesene Variante passen? Wenn wir nur zum Teil so sein können, wie von uns erwartet wird? Wenn wir Dinge, die uns wichtig sind, eigentlich nur auf "die andere" Art tun können? Wenn die Art, wie unsere zugeordneten Geschlechtsgenoss*innen etwas tun uns unangenehm ist?

Der logische Schritt ist, dies mindestens für uns deutlich zu machen, indem wir zum Beispiel die Symbolik der "anderen Seite" adoptieren. Das versöhnt und entspannt von dem Aufwand, nach aussen performen zu müssen, was uns eigentlich nicht entspricht. Da ist eigentlich nichts schlimmes oder beschämendes dran. Crossdressing, selbst 150% trans mit allem ist "natürlicher" als der normative Druck von aussen.

Ich möchte deshalb dazu ermutigen, die Verantwortung für den Leidensdruck dorthin zu platzieren, wo er hin gehört: Zu denen, die uns vorschreiben, wie wir sein sollen, obwohl unsere natürliche Variante niemandem etwas schadet oder wegnimmt. Im Gegenteil gibt es viele Beispiele, wie Menschen ausserhalb der Norm die Gesellschaft bereichern.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 26 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 12:37 Ich möchte deshalb dazu ermutigen, die Verantwortung für den Leidensdruck dorthin zu platzieren, wo er hin gehört: Zu denen, die uns vorschreiben, wie wir sein sollen, obwohl unsere natürliche Variante niemandem etwas schadet oder wegnimmt.
Wie gesagt, das sehe ich etwas differenzierter. Zuerst ist es einmal von Bedeutung, dass wir uns annehmen wie wir sind. Ich denke, es gibt viele, die zweifeln bereits an ihrem Dasein irgendwo im Raum zwischen den Geschlchtern wenn sie alleine zuhause sind. Manche auch erst, wenn sie befriedigt sind. Aber hiermit nähren wir bereits die gesellschaftliche "Ordnung". Unser Schlchtfühlen ist ein Motor für Diskriminierungen. Zuerst müssen wir uns nehmen, wie wir sind, sogar mit unserer Lust. egal, ob sie weiblich oder sonstwie geprägt ist. Dieser Leidensdruck kommt aus unserem Inneren. Wenn wir damit nicht klar kommen, werden wir Anfeindungen nicht viel entgegen zu setzen haben.

dann haben wir aber auch die Kraft, von der Gesellschaft den respekt eizufordern, der uns wie jedem anderen Menschen gebührt. Die Frauenbewegungen, die Menschenrechtsbewegungen, Homosexuelle haben auch erst dann ihre Kraft entwickeln und entfalten können, als sie ihr Selbstbewusstsein gefestigt haben. Und auch nur dann werden wir Stück für Stück Erfolg haben können.

Die Schuld für unseren Leidensdruck auf die Gesellschaft abzuwälzen, ist einfach zu wenig. Dann fehlt uns jedes Standing. Selbstzweifel werden immer auftreten, aber damit müssen wir selber fertig werden. Unterstützung ist willkommen, aber nicht Voraussetzung.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 27 im Thema

Beitrag von Franziska »

Die Beiträge von Gabo und Celine kann ich gut nachvollziehen, wobei ich nicht soweit gehen würde, das ich mich geschämt habe.
Aber Zweifel, vielleicht auch gewisse Ängste, die immer mal wieder hochkommen, sind auch bei mir vorhanden.
Der typische Spruch: "Was sollen die Leute sagen."

Jeder von Euch geht damit sicherlich anders um, das hängt mit dem Lebensumfeld zusammen aber auch wie lange man schon "dabei" ist
und welche Erfahrungen man gesammelt hat.

Ich habe das Crossdressing für mich erst sehr spät entdeckt und es war eigentlich purer Zufall. Ich war mit meiner Frau shoppen,
sie hatte sich u.a. einen sehr schönen Body gekauft, als sie ohne "Vorwarnung" plötzlich sagte: Du solltest dir auch mal einen kaufen,
wird dir bestimmt gut stehen!" Wir haben das dann zuhause mal probiert und irgendwie hat dann bei mir der Blitz eingeschlagen.

Und was dann mit verschiedener Damenwäsche begann, hat sich dann bei mir Stück für Stück weiterentwickelt zum Crossdressing.
Auch jetzt, wo meine Frau nicht mehr an meiner Seite ist, bleibe ich dabei. Wie aber schon oben geschrieben, Zweifel bleiben natürlich.

Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Satz gelesen (der Autor ist mir nicht mehr bekannt), der lautete:
"Dies ist keine Persönlichkeitsspaltung, sondern eine Erweiterung und Entfaltung der Persönlichkeit."
Ich glaube, das trifft es sehr genau.

Liebe Grüße
Franziska
Genieße Deine Zeit, denn du lebst nur jetzt und heute. Morgen kannst Du gestern nicht mehr nachholen.
Und später kommt früher als Du denkst.
Albert Einstein
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 28 im Thema

Beitrag von gabo »

Hallo ihr Lieben ;-)

Ich danke euch für die vielen Lieben Typs. Ihr seit so toll. Dank dieses Forums, und dem Austausch mit euch ist es für mich ein klein bisschen einfacher. So fühle ich mich in der Crossdress Sache nicht so alleine. Dennoch sind viele, sehr lieben Typs (zum Beispiel; einfach machen, dazu stehen, mal im Kleid und Ballerians rausgehen) für mich nicht umsetzbar (ich weis es ist nur Kopfsache). Die Masse ist nicht so weit mit sowas umzugehen. Ich bekomme tagtäglich mit, wie Mittarbeiter aus Projekten, bei Entscheidungen weggemopt werden. Nur weil sie sich zum Beispiel die Haar Blau gefärbt haben. Was ich übrigens sehr toll fand (es war ein schönes dunkelblau mit verlauf ins Violett). Der Person mit Begeisterung mitteilte. Und schon war ich auch abgestempelt und wurde nicht fürs gemeinsame Mittagessen gefragt. Das sei ja unmöglich so rumzulaufen. Ich konnte, und wollte es nicht verstehen. Komischerweise machen die Selben Leute kein Unterschied bei Tattoos. Was mir auch egal ist.
Ein andres Erlebnis. An mir Selber. Vor einige Jahre Trug ich im Alltag oft Damenmokassins. (Eigentlich ganz schlichte, ohne Verzierungen oder Applikationen. Der einzige unterschied zum Herren Model war. Das der Ausschnitt grösser war.) Bei einem Schulanlass der Kinder, fragte mich die Nachbarstochter, Lauthals warum ich Schuhe meiner Frau trage, das würde ihre Mutter nie erlauben. Ich darauf, das seien aber meine und nicht die meiner Frau. Sie schaute mich verdutz an. Meiner Frau war das super peinlich und sagte keine Wort (auch den Rest des Tages sprach meine nicht mehr mit mir). Und von hinten hörte ich. "Schwule machen das halt". Die Quintessenz daraus. Meine Frau forderte, nein sie befahl mir, diese Schuhe nie mehr im Dorf zu tragen. Meine Kindern war es egal. Einige Leute, habe noch Wochen später die Strassenseite gewechselt, als ich auf dem Gehweg ihnen entgegen kam. Niemand hat mich je gefragt warum ich diese Art von Schuh getragen habe. Denn nebst denn, dass sieh mir viel besser gefallen, als das Herren Modell, finde ich sie für mich viel, viel Bequemer. Da ich wirklich, ein sehr hohes Rist habe, komme ich ins Herren Model gar nicht rein. Mich machte es sehr traurig, das meine Frau, nicht zu mir Stand, Denn sie wusste das auch wegen meinem hohen Rist. Und so trage ich öffentlich, fast nur noch Turnschuhe ohne die oberen drei Schlafen zu binden. Das scheint so OK zu sein. Nicht auszudenken, was gewesen währe, wenn ich damals im Kleid und Ballerinas, dort gewesen währe. Denn als zugezogener, mit Osteuropäischen Wurzen, in einem Schweizer Kuhdorf ist es schon so nicht einfach.

Liebe Grüsse

gabo :-)
andrea8847
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 29 im Thema

Beitrag von andrea8847 »

marabella68 hat geschrieben: Di 21. Jan 2014, 19:44 ...... Jahrelang war Crossdressing für ich auch eine Ersatzbefriedigung. ......Tatsache ist jedenfalls, dass der Reiz Frauenkleidung zu tragen nie ganz weggegangen ist. Er ist nur wesentlich schwächer geworden, als ich dann das erste mal mit einer Frau zusammen war und wurde auch immer nur dann wieder stärker wenn mit Frauen nichts lief, oder wie jetzt, kaum noch Geschlechtsverkehr stattfindet.

LG
Marabella
Das habe ich ebenso erlebt. Auch fühle ich nach schwieriger Kindheit und Jugend, dass ich mit dem Crossdressen ein Kleid aus Liebe anziehe, die ich sonst wenig bekam....

Liebe, traurige und nachdenkliche Grüße
Auf der Suche nach dir, vergiss nicht, zu leben 😻
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andrea8847
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Re: Woran mag es liegen, das man zum Crossdresser wird

Post 30 im Thema

Beitrag von andrea8847 »

gabo hat geschrieben: So 27. Aug 2023, 16:41 Hallo Zusammen

Ich weis nicht, ob dieser Beitrag noch aktiv geführt wird?!

Ja, ich schäme mich Crossdrersser zu sein.

Dennoch möchte ich hier was Schreiben....

Weiterhin einen schönen Sonntag
Oh man, mir steht das Wasser in den Auge, ich kann dich sehr gut verstehen. Scham ist ein furchtbar schädliches Gefühl, eingepflanzt eigentlich schon in der Kindheit durch Eltern und weitere. Ich hoffe, du schaffst es dieses Gefühl zu überwinden, denn es gibt ja nichts was du getan hast, wofür Kritik okay wäre. Du hast dir deine Besonderheit mit Sicherheit nicht ausgesucht, das Leben wäre sonst leichter.

Tja, und auch bei, kurz vor der 60 trennt sich die Frau. Ist noch nicht fix, aber wird schwierig und auch meine Besonderheit hat dazu beigetragen.

Ich würde dir gerne sooooo viel geben, aber wie du hier liest, vis du nicht alleine. Ich drücke dich sehr warmherzig.
💔 Liebe Grüße Andrea
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