Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?
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Lavendellöwin
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Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 1 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Okay, ich glaube da ist immer noch Diskussionsbedarf, deswegen kopple ich das Ganze mal aus,
weil ich auch auf 2 Dinge eingehen möchte

Patricia_cgn hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 09:10 Ich habe letztes Jahr einen jungen Menschen kennengelernt, welchem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde und dieser Mensch identifiziert sich als nicht binär und wollte unbedingt Hormone, war aber nicht bereit ohne eine HRT sich auszuleben. Ganz ehrlich da habe ich massive Bedenken ebenso habe ich mal eine Transfrau kennengelernt so um die 50 Jahre alt, welche der Meinung war sie kann nicht sie selbst sein ohne Hormone und sie feindete alle an die ihr gesagt haben, dass das sehr wohl geht und dass Hormone eigentlich nur ein Goodie bei der ganzen Sache sind.
Ja, das kann man so sehen. Allerdings habe ich auch Verständnis für die Personen die erst mal eine gewisse
körperliche Angleichung erreicht haben wollen, bevor sie in die andere Präsentation gehen.
Ich persönlich, finde eher 180 Grad Wenden super seltsam, gestern stand da noch ein Typ mit Bart und heute eine hmm Person auf hohen Schuhen. Hmm, nein.

Ich habe ja schon öfter gesagt, ich habe den langsamen Weg genommen, alle haben meine Veränderungen nach und nach
erfasst und wahrgenommen, ich bin reingeflossen, das ist viel unanstrengender für eine Person selbst und die anderen drum rum die genauso mit
in die Transition gehen. Deswegen sind ja diese Alltagstests so ein Humbug...alles verändert sich nach und nach und nicht von gestern auf heute.

Aber Patricia, sagt ihr, also du und Miri nicht auch ihr könnt ohne Androcur nicht? Wegen der Libido und so?
Weil die nicht zu euch gehört? Ist das nicht deckungsgleich mit der angesprochenen Transfrau?
Dann findest du Hormone sind nur ein Goodie, das passt nicht zusammen.

Jaddy hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 00:22 Technisch hindert einen Menschen mit Approbation und Rezeptblock nichts daran, HET zu verschreiben und die zugehörigen Checks zu machen.
Hey, technisch betrachtet sicher, aber kann die Person es denn auch beraten? Aufklären, sich die Zeit nehmen offen und
umfassend mit der anderen Person zu sprechen die gegenüber sitzt.

Mein Hausarzt hat ganz klar gesagt "ich unterstütze alles und helfe wo ich kann, aber von Hormonen habe ich keine Ahnung und deshalb
lass ich die Finger davon."

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

EmmiMarie hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 10:03
Jaddy hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 00:22 Technisch hindert einen Menschen mit Approbation und Rezeptblock nichts daran, HET zu verschreiben und die zugehörigen Checks zu machen.
Hey, technisch betrachtet sicher, aber kann die Person es denn auch beraten? Aufklären, sich die Zeit nehmen offen und
umfassend mit der anderen Person zu sprechen die gegenüber sitzt.

Mein Hausarzt hat ganz klar gesagt "ich unterstütze alles und helfe wo ich kann, aber von Hormonen habe ich keine Ahnung und deshalb
lass ich die Finger davon."
Beides sehr wichtige Punkte. Wir haben nach meinen Erfahrungen in der Tat ein massives Kompetenzproblem in der gesamten Medizin "in der Fläche". Nicht nur was Hormone betrifft. Der Hausarzt meiner Mutter dilettiert seit Jahren an ihrer Diabetes und den Folgeerscheinungen herum. Zu spät diagnostiziert, falsch medikamentiert, nicht kontrolliert, bis sie mit massiver Herzinsuffizienz wegen verengter Coronargefässe ins Krankenhaus kam. BZ 370, eine Niere ausgefallen, usw. Alles Folgeprobleme seiner Schlurigkeit. Zitat mir gegenüber: Er müsse laut Leitlinie ja nur alle 6 Monate den HbA1c messen und solange der unter 8 bliebe sei ja alles okay. Ich bin dann wohl etwas eskaliert...

Deshalb meine Hochachtung vor jedem Arzty, das sich Dinge nicht zutraut - aber dann bitte eine andere, fachkundigere Person heranholt. Das geht, auch wenn es massiv mehr Kapazitäten in ganz vielen Bereichen braucht. (Zum Beispiel könnte Beratung und Einleitung bei Facharzty erfolgen und Rezepte und Checks in der Regeln von Hausarzty in Rücksprache)

Worauf ich aber noch mal aufmerksam machen möchte ist dieses Missverhältnis, sobald es um nicht-cis Belange geht. Gynäkologys zum Beispiel verteilen immer noch hormonelle Verhütungsmittel auch an Teenies ohne die gleiche Sorgfalt, die du bei "gegengeschlechtlichen" Hormonen verlangst. Mein Diabetes-Beispiel ist Alltag: BZ zu hoch? Hier, 2 mal täglich Metformin 500 und kommen Sie in 6 Monaten wieder - bitte einmal hier unterschreiben, dass ich Sie als chronischen Fall ausserhalb der Budgetquote behandeln kann.

Also so berechtigt die Forderung nach guter Beratung und Begleitung ist: In vielen anderen, viel dramatischeren Fällen mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen passiert das auch nicht, obwohl es sollte. Das ist also kein Grund für eine Sonderbehandlung bei freiwilliger HET, die jederzeit modifiziert, unter- oder abgebrochen werden kann. Meine Forderung lautet Gleichbehandlung, und zwar am besten gleich gut statt gleich schlecht.
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Re: Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 3 im Thema

Beitrag von Patricia »

Liebe Marie,
ich bin einer dieser Personen mit der 180-° Wende :),oder so ähnlich zumindest. Sind zwei Wochen kurz genug?
Ich habe gelebt wie von mir erwartet wurde und dann habe ich angefangen zu leben wie es mir gut tat.

Ja,ich möchte auf Androcur derzeit nicht verzichten, das ist vollkommen richtig und ist dennoch kein Widerspruch zu meiner Meinung, dass die Hormone nur ein Goodie sind. Als ich in Transition gegangen bin, habe ich angefangen mein Leben so zu leben wie es sich für mich richtig anfühlt. Ich habe mir eine Begleittherapie organisiert und habe dann gewartet bis ich die Indikation bekomme, was auch noch etwas gedauert hat. Ich habe mich von Anfang an weiblich präsentiert. In dieser Zeit habe ich keine Hormone genommen obwohl ich eine Tube Estrogel in der Schublade hatte. Ich habe die ärztliche Freigabe abgewartet, denn es hätte auch durchaus sein können, dass es medizinische Gründe gibt welche eine HRT ausschliessen. auch dann wäre ich meinen Weg weitergegangen. Ohne Androcur und ohne Estradiol. Ich würde auf Androcur gerne verzichten, wenn meine Ärzte sich darauf einlassen und ich mehr Estradiol bekomme um die Testoproduktion weitgehend zu supprimieren. Doch das machen meine Ärzte leider nicht. Arztwechsel wäre wohl die Lösung, nur wohin? Zum wievieltem Mal? Es ist mittlerweile die dritte Praxis in der ich in der HET bin und überall wird mir gesagt,meine Gesundheit ist nun mal so und nicht anders.
Eine Orchiektomie war bisher aufgrund diverser anderer Geschichten nicht möglich. Doch das Thema werde ich versuchen demnächst anzugehen.
EmmiMarie hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 10:03 Allerdings habe ich auch Verständnis für die Personen die erst mal eine gewisse
körperliche Angleichung erreicht haben wollen, bevor sie in die andere Präsentation gehen.
Genau das finde ich wiederum problematisch, wenn es nur am äußerem Erscheinungsbild festgelegt wird. Was ist wenn sich dann das Erscheinungsbild nicht genug ändert? Heißt das die betroffene Person kann sich nie offenbaren?

Es bedeutet nicht, dass ich es kritisiere falls jemand nach und nach rauskommt. Ich will damit lediglich sagen, dass sich die betroffene Person meines Erachtens erst jede Menge Gedanken noch zu dem Thema machen sollte wenn sie die Transition unbedingt an stark sichtbare körperliche Veränderungen knüpft. Falsche Erwartungen können nämlich gerne zu Problemen führen.

LG
Patricia
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Re: Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 4 im Thema

Beitrag von Helga »

EmmiMarie hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 10:03 Allerdings habe ich auch Verständnis für die Personen die erst mal eine gewisse
körperliche Angleichung erreicht haben wollen, bevor sie in die andere Präsentation gehen.
Hallo Marie,
ich frage mal ganz ahnungslos (und vielleicht auch provokant): Was verstehst du unter der Angleichung für die "andere Präsentation"? Veränderungen im Gesicht, die sich alle erhoffen, aber die wenigsten erreichen? Ein verringertes Bartwachstum, das rasieren und schminken trotzdem nicht entbehrlich macht? Ein Brustwachstum, das niemand sieht oder zumindest niemand als natürlich erkennt? Eine Kopfbehaarung die entweder vorher noch vorhanden war oder trotz HRT nicht nachwachsen wird?
Ironie beseite: Für eine weibliche Präsentation bedarf es keiner HRT, OP oder sonstiger Maßnahmen. Kleidung und sonstige Accessoires aus der Damenabteilung kann ich auch mit Testosteron im Blut tragen.
Ich finde es offengestanden sehr fragwürdig, wenn ich hier im Forum gelegentlich lese (sinngemäß): "ich fühle, dass ich eine Frau bin! Als Frau zeige ich mich aber erst, wenn die Wirkung der HRT einsetzt."
Ok, es kostet zu Anfang ein wenig Überwindung sich in der weiblichen Präsentation zu zeigen. Es wird aber mit jedem mal leichter und irgendwann zu einer (interims) Normalität.
Wenn ein Mensch sich weiblich fühlt, aber nicht auf HRT verzichten kann um dies auch zu zeigen, dann kann doch mit den Gefühlen etwas nicht stimmen. Klar, die HRT wirds irgendwann richten, aber wird ein Mensch, der so "unstimmig" ist mit einer Transition glücklich werden?
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Helga hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 22:11 dann kann doch mit den Gefühlen etwas nicht stimmen.
Kommen wir damit nicht in die Problematik, über andere Menschen zu bestimmen ? Genau so ist es doch mit der 180-°-Wende oder dem allmäklichen Übergang in die weibliche "Darstellung". Jeder Jeck ist anders, sagt man und ich glaube in diesen schlichten Worten steckt ganz viel Wahrheit. Menschen ihren persönlichen Weg zu lassen, ist doch eine Respektsbezeugung, mehr noch es ist Anerkennung.
Zuletzt geändert von ExUserIn-2026-04-08 am Mi 12. Jul 2023, 11:45, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Ist das so wirklich ein "Systemfehler"?

Post 6 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Di 11. Jul 2023, 22:11 Wenn ein Mensch sich weiblich fühlt, aber nicht auf HRT verzichten kann um dies auch zu zeigen, dann kann doch mit den Gefühlen etwas nicht stimmen.
Deine Frage ist nicht provokant, Helga alles gut.

Ganz genau sagen ich es dir auch nicht, weil ich mich 12 anfangen habe mich zu schminken und keinen männlichen
Stil gelebt habe in dem Sinn was manche als männlichen Stil wahrnehmen. Mein Weg war einfach nicht so weit,
ich habe nur nicht gesagt ich bin sicher eine Frau. Damals nicht, aber ich habe auch nicht gesagt das ich es nicht bin.
Also wurde ich als schwul tituliert und ich stehe ja auch auf Männer, gerne mit Bart und Brusthaar.

Ich könnte provokant fragen, darf eine trans Frau keine Hosen mehr tragen oder ein trans Mann keinen Nagellack oder
Mascara mehr benutzen? Was stimmt mit dem Gefühl der anderen Personen nicht?
Oder wolltest du sagen, wenn wer nicht alle typischen Klischees erfüllt ist für die Person keine HRT drin?
Ich hatte immer lange Haare, lange Haare sind aber per se nicht weiblich..sondern eben auch genauso männlich.

Ich könnte auch fragen, warum haben 180 Grad Wende Personen, wenn sie es doch wussten, nie auch nur das kleinste Teil
gezeigt? Wie ist das möglich sich selbst so zu unterdrücken? Was stimmt da im Gefühl nicht? Also zu sich selber?
Das macht es für mich unglaubwürdig.
Noch unglaubwürdiger wirds dann wenn jemand erst zum "Alltagstest" aufgefordert werden muss, was soll der Käse?

Und ich möchte auch die Frage beantworten, es ist Angst, Verzweiflung und andere Gefühle die hier einschränken.
Und genau aus diesen Grund ist es auch legitim wenn Menschen mit Angst sagen, es muss sich erst was entwickeln oder ich muss
mich erst richtig fühlen mit der HRT um rauszukommen, mich selbst mehr zu zeigen.
Ich erinner mich, als ich offiziell mit der HRT angefangen habe, habe ich von einem Tag auf den anderen meine Sillies weggelegt.
Weil ab dem Zeitpunkt mein Busen, mein Busen war, auch wenn ich faktisch immer noch eine Brust wie ein Brett hatte.

Da sind Schalter die kippen, Schalter die sagen so ist das richtig. Ich brauche die Anbauteile nicht mehr um Frau zu sein.
Ich brauche den ganzen Zirkus nicht mehr um Frau zu sein.

Das Wort Präsentation habe ich nur gewählt, weil das in letzter Zeit viele tun. Aber für mich ist es so, das eine Präsentation
nie die ganze Wahrheit ausfüllt. Ich wollte aber sagen, es gibt nicht nur den einen Weg und welchem man wählt ist irgendwie
nicht wichtig.

Alles Liebe Marie (flo)
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