Malvine hat geschrieben: Di 25. Apr 2023, 17:55Wie lange hat die Einführunge von genderneutralen Pronomen und Artikeln in den jeweiligen Ländern gedauert?
Jeweils nur wenige Jahre. they/them war in UK zu Zeiten Shakespeares in Gebrauch und kam ab dem 18ten Jahrhundert zugunsten männlicher Pronomen aus der Mode. In UK und USA war es aber ab und zu als generell genderneutrales Pronomen in Verwendung ("someone left their handbag over there") und ab ca. 2018 als selbstgewähltes Pronomen.
Hen in Schweden wurde laut
WIki erst ab 2010 in einigen Büchern und Zeitschriften benutzt und 2014 als neuer offzieller Eintrag im schwedischen Wörterbuch angekündigt, das 2015 herauskam. Sie hatten den Vorteil, dass es lautmässig einfach ist und ausserdem im Finnischen bereits etabliert.
Französisch und Spanisch sind noch ganz am Anfang, ihre neuen Formen einzuführen, und die sind sehr neu, weil diese Sprachen ähnlich binär wie Deutsch sind. Die Diskussionen laufen auch ähnlich heftig wie bei uns.
Davon abgesehen ist bis auf Schweden keine davon eine offizielle Sprachregelung, auch weil mW von den Ländern nur Frankreich eine staatliche Sprachhoheit hätte. In UK bildet das Oxford Dictionary ähnlich dem Duden bei uns den tatsächlichen Gebrauch ab.
Malvine hat geschrieben: Di 25. Apr 2023, 17:55Und jetzt kommt das Problem, dass der Bevölkerung keine Zeit für die Entwicklung gegeben wird.
Beg your pardon, aber das Binnen-I wird seit den 80ern aktiv verwendet. Auch in offiziellen Schriften, wenn sie sich Mühe geben wollen. Die Diskussion ist noch älter. Im Vergleich zu Schweden und USA/UK sind wir da äusserst langsam unterwegs. Soll heissen: Bei uns dauert alles offenbar mehrere Generationen. Analog zu erneuerbaren Energien, Bildungsmodernisierung, Digitalisierung, restauriertem Gesundheits- umd Sozialsystem, usw. Die sind alle ebensolange in der Diskussion und die Probleme und Lösungen ebensolange klar auf dem Tisch. Es ist reine Blockade und Veränderungsunwillen.
Dieses betuliche "Mitnehmen" akzeptiere ich deshalb nicht so einfach. In der Regel ist das eine sehr billige Abwehr, sich während der eigenen Lebenszeit jedenfalls nicht mehr damit beschäftigen zu wollen.
Gerade bei der Sprache braucht es nämlich keine Entscheidung von höherer Stelle. Eine jede Person kann zu jeder Zeit entscheiden, jetzt neue Formen lernen und verwenden zu wollen. (Ja, in Institutionen gelten ggf Sprach- und Schriftregelungen für offiziellen Output).
Es nicht zu tun ist jedenfalls auch ein Statement.