taz Queer Talk mit Sigi Lieb: Alle(s) Gender?
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Anne-Mette
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Jaddy
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Re: taz Queer Talk mit Sigi Lieb: Alle(s) Gender?
Ich... bin gespannt und etwas skeptisch. Das Probekapitel ihres gleichnamigen Buchs, zu dessen Bewerbung die Veranstaltung offenbar dient, macht mir ambivalente Gefühle. Sie eiert ein bisschen zwischen 80er Jahre Feminismus und aktueller Erkenntnislage hin und her. Vor allem frage ich mich, ob sie tatsächlich der Meinung ist, körperliche Transition sei allein Folge gesellschaftlichen Drucks, insbesondere bei transmännnlichen Personen. Das scheint da nämlich durch.
Mein Gedanke dazu: Auch wenn Gendernormative vollständig abgeschafft würden, also "wenn ein Mann sanft, empathisch und nachgiebig sein darf und das als völlig normal gilt, und wenn eine Frau auf den Tisch hauen darf und sich laut und forsch durchsetzt, ohne dass sich jemand wundert" (Zitat aus dem Buch), ist es legitim, dass Menschen sich ein anderes Genderlabel geben (weil sie das als passend empfinden) und*oder ihre Körper verändern, weil sie sich damit besser fühlen. Da hat keinein drein zu reden. Ja, auch wenn ein Teil des besser fühlens die Sicht und Reaktion von anderen auf diesen Körper ist.
Sehr großartig finde ich ihr Statement zur Sprache:
Mein Gedanke dazu: Auch wenn Gendernormative vollständig abgeschafft würden, also "wenn ein Mann sanft, empathisch und nachgiebig sein darf und das als völlig normal gilt, und wenn eine Frau auf den Tisch hauen darf und sich laut und forsch durchsetzt, ohne dass sich jemand wundert" (Zitat aus dem Buch), ist es legitim, dass Menschen sich ein anderes Genderlabel geben (weil sie das als passend empfinden) und*oder ihre Körper verändern, weil sie sich damit besser fühlen. Da hat keinein drein zu reden. Ja, auch wenn ein Teil des besser fühlens die Sicht und Reaktion von anderen auf diesen Körper ist.
Sehr großartig finde ich ihr Statement zur Sprache:
Gendersensible Sprache ist mein Fachgebiet und der Stern ist das Sonderzeichen, das ich, sparsam eingesetzt, bevorzuge.
Ich erlaube mir, bei allen Wortarten die gleiche Regel zu verwenden wie bei den Nomen: Wortstamm*längere Endung (jed*er). Dadurch wird die Regel einheitlich und der Stern sprechbar. Wenn das Nomen bereits durch den Stern als geschlechterübergreifend markiert ist, bleiben die Adjektive oder Artikel im femininum.
Eine Sternenflut würde nur den Lesefluss stören, ohne zusätzliche Informationen zu liefern. Bisher fehlen in der deutschen Sprache genderneutrale Pronomen und Artikel. Andere Sprachen sind weiter. Im Englischen gibt es das Singular-they als neutrales Pronomen, im Schwedischen hen als Ergänzung zu han/hon. Im Französischen und Spanischen bilden sich ebenfalls neutrale Pronomen heraus: iel/yel und ele/elle. In beiden Fällen werden sie aus den Pronomen für sie und er gebildet. Ich verwende für dieses Buch ein analoges Konzept, wenn ich genderneutrale Pronomen benötige: sier als Personalpronomen, sihr als Possessivpronomen und dier als Relativpronomen.
Es ist einer der Vorschläge aus der Queer-Community. Ich habe mich für diese Form entschieden, weil sie deklinierbar ist und sich auch sonst flüssig in deutsche Texte integrieren lässt. Anstatt ewig über das Ob zu diskutieren, möchte ich das Wie probieren. Wo, wenn nicht in einem solchen Buch, soll ich kreative Lösungen für schöne und gendersensible Sprache ausprobieren?
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Malvine
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Re: taz Queer Talk mit Sigi Lieb: Alle(s) Gender?
Da es hier um etwas anderes geht, habe ich mir erlaubt, meine Meinung zu dem Zitat in den bereits laufenden Thema zu schreiben.
viewtopic.php?p=369314#p369314
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
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Marlene K.
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Re: taz Queer Talk mit Sigi Lieb: Alle(s) Gender?
Auch ich habe mir den Probeartikel durchgelesen. Ja, auch schwul-lesbische cis Menschen stellen sich die Frage des sozialen Geschlechts oder bekommen dieses in Frage gestellt.
Die Frage ist, was für Schlüsse ziehe ich daraus. Was kann ich für mich, was für andere beantworten.
Ich bin auch eher skeptisch, auch wie Herr Feddersen als "neutraler" Moderator dieses Gespräch lenken wird. Ein ambivalentes Beispiel ist sein Beitrag zu Frau Pusch https://taz.de/Die-Lobbyistin-des-Binne ... 5&s=pusch/
Die Frage ist, was für Schlüsse ziehe ich daraus. Was kann ich für mich, was für andere beantworten.
Ich bin auch eher skeptisch, auch wie Herr Feddersen als "neutraler" Moderator dieses Gespräch lenken wird. Ein ambivalentes Beispiel ist sein Beitrag zu Frau Pusch https://taz.de/Die-Lobbyistin-des-Binne ... 5&s=pusch/
Marlene
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.