Hallöchen meine Lieben,
Lange ist es her, dass ich hier das letzte Mal geschrieben hatte und es hat sich einiges ereignet.
Knapp über zwei Jahre ist es jetzt seit meinem Outing her und ich bin angekommen (Naja, zumindest meistens

)
Meine letzte OPs (Brustaufbau und Korrektur) waren Ende letzten Jahres und somit ist das gesamte Pflichtprogramm erledigt.
Ob ich es wieder machen würde? Das "Ja, auf alle Fälle" überwiegt, obwohl das Dasein als Frau auch seine Schattenseiten hat. Es ist (ein Glück) alles ziemlich normal geworden und natürlich habe ich so meine Passingfehler (Größe und Stimme).
Ich habe aber festgestellt, dass mir diese je nach Laune mehr oder weniger zu schaffen machen. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich mal eine hübsche Frau oder den männlichen Background. Je nachdem, wie ich mich fühle. Aber dieses Gefühl der "Männlichkeit" vergeht dann ein Glück rasch, so dass mittlerweile das Positive überwiegt. Ich habe aber lange zum Lernen gebraucht, diese "männlichen" Gedanken beiseite zu wischen, bzw. zu ignorieren. Leider weiß ich auch nicht, ob sich das jemals ganz auslöschen lässt?
Zum Thema Misgendern möchte ich noch sagen, dass ich hier durch die ganzen Debatten überhaupt erst sensibilisiert wurde (Leider nicht im positiven Sinn). So habe ich zB angefangen bei alltäglichen Situationen genau hinzuhören. Und es gibt viele Situationen, in denen selbst Biofrauen von sich in der männlichen Form sprechen, da deutsch nun mal eine männlich geprägte Sprache ist. Auf Grund dieser blöden Sensibilisierung hatte ich dann, je nach Stimmung, begonnen dies persönlich auf mich zu münzen und wurde deprimiert, obwohl es dazu gar keinen Grund gab.
Natürlich rede ich hier nicht von dem offensichtlichen Missgendern, wenn man direkt als Mann angesprochen wird. Dies passiert mir leider auch noch hin und wieder, da sich manche durch die Öffentlichkeitsarbeit der Transbewegung wohl auf die Suche machen, wenn eines der weiblichen Kriterien nicht ganz erfüllt ist, z.B. Größe, Stimme, Körperbau, usw.
Um es aber nochmals klar zu stellen. Ich bin zufrieden.

Was mir aber diesbezüglich wohl weiterhin ein Geheimnis bleiben wird ist, ob mich die Menschen als Frau sehen oder als Frau mit Trans Hintergrund, da ich es niemandem auf die Nase binde? So eine Transition im fortgeschrittenen Alter ist halt doch was anderes als wenn die Fee mit dem Zauberstab kommt.

Dies Gedanken (nicht den von der Fee

) muss ich noch aber noch ablegen, da es vom Prinzip her egal ist, da man mich akzeptiert.
Auch möchte ich noch sagen, dass ich mich manchmal nach dem Mann sein zurücksehne und ich glaube, dass das auch in Zukunft noch hin und wieder durchblitzen wird. Z.B. habe ich einen neuen MiniJob als Bedienung in hiesiger Therme. Tja.... Die Männer fühlen sich toll vor einem und den Frauen bin ich egal, bzw. werde gemustert. Auch kam es vor, dass Frauen mir gegenüber pampig werden und die Männer beruhigen dann. Lustig war auch meine Einweisung von einer Kollegin in Bezug auf betrunkene Gäste. Ich fragte dann, ob ich die dann rauswerfen darf. Dann sagte sie, dass ich dazu den Koch holen soll!

Es hat halt alles sein Vor- und Nachteile!
Mit dem Sport habe ich auch wieder aktiv begonnen.

Beim Schwimmen gibt es überhaupt keine Probleme mit dem Passing, da Schwimmerinnen ja auch breitere Schultern haben. Beim Lauftraining hingegen haben mich zwei offensichtlich missgendert, da ich wahrscheinlich schneller war als sie und sie ne Ausrede gesucht haben, warum sie gechickt worden sind.

Aber mir macht es Spaß und es tut gut wieder Mitglied einer Mannschaft zu sein.

Und die beiden wurden dann auch ein bisschen von den anderen in den Senkel gestellt.

Es ist auch hier komisch, dass einem immer nur die negativen Sachen im Kopf bleiben und die ganzen vielen schönen, bzw. wo nichts passiert, nicht...
Tja, und hier wären wir beim nächsten Thema, dem Bekannten und Freundeskreis. Hier habe ich leider / ein Glück einen Cut gemacht und (fast) alles Alte abgeworfen. Dies hat mir weh getan, hat aber keinen Sinn mehr gemacht. Meine Ex führt auch heute noch Krieg gegen mich und verbreitet mittlerweile sogar Lügen! Irgendwann war ich es satt mich vor anderen zu rechtfertigen / verteidigen. Dies dann in Verbindung mit dem alten Ego, da mich diese Leute ja noch von früher kannten und auch noch (verständlicherweise nach so vielen Jahren) dauerhaft mit meinem alten Namen, Pronomen angesprochen haben. Das hat mir nicht gut getan und somit lerne ich gerade neue Menschen kennen, welche keinen Kontakt zu meiner Ex und meinem früheren Leben haben

Auch haben sich sehr liebe Menschen von mir angewendet, da sie mit "meinem neuen Lebenswandel" nicht zurecht kamen.

Aber sie haben es zumindest versucht.
Meine Tochter hat nun ganz den Kontakt abgebrochen und gerade bin ich auch dabei meinen Sohn zu verlieren. Die ständige Beeinflussung meiner Ex macht sich leider bemerkbar. Ich hoffe aber, dass sie irgendwann wieder zur Vernunft kommen, sobald sie ausgezogen und frei von Einflüssen sind.
So, das ist jetzt alles mal im Gröbsten.... Ahhhh Beziehung...

Nichts in Sicht, mittlerweile unsicher (Männlein / Weiblein / Egal) und vor allem gerade überhaupt keine Lust!
Ich wollte noch ganz kurz ein Fazit ziehen, falls diesen Beitrag jemand (Hier auch ein Gutes Beispiel für das ungewollte Missgendern, obwohl alle angesprochen sind) lesen sollte, der sich gerade auf den Weg der Transition macht:
Wie Ihr seht, kommen bei mir immer noch hin und wieder mal Zweifel auf. Daher kann ich Euch nur den Rat geben nichts zu überstürzten. Natürlich ist man sich sicher und möchte alles lieber gestern als heute, aber sucht Euch einen guten Psychologen, der Euch eine Zeit lang begleitet bevor Ihr mit der HRT beginnt! Und nehmt Euch zwei gute Gutachter für Eure PÄ und VNÄ und nicht jemand, bei dem Ihr nach einer halben Stunde draußen seid! Es handelt sich um einen schweren Einschnitt in Eurer Leben, welcher in den seltensten Fällen rückgängig gemacht werden kann! Und hier meine ich nicht auch nicht nur die körperlichen Veränderungen, sondern auch die Konsequenzen in Bezug auf Familie und persönliches / berufliches Umfeld! Mir hat es hin und wieder Sicherheit gegeben, wenn ich an mir selbst gezweifelt hab, ob das der richtige Weg war / ist.
Noch eine Sache was mir innerhalb der Community aufgefallen ist und welche ich nicht verstehe.
Ich habe es leider ein paar Mal mitbekommen, dass untereinander eine Missgunst zwischen den einzeln Grüppchen entsteht. So hat zB eine sehr nette Pflegerin im Krankenhaus zu mir gesagt, dass sie non binär ist, da sie "trans" nicht benutzen möchte, da sich ansonsten die "richtigen"!!!

Transmenschen auf den Schlips getreten fühlen...

Haben wir denn nun selbst innerhalb unserer Community "Hierarchien" ???

Crossdresser mischen sich in Trans Angelegenheiten und umgekehrt und werden dafür angefeindet.

Puppies werden nur widerwillig akzeptiert und dürfen bei CSD mitlaufen.

Wir sind doch ohnehin schon wenige und warum fühlen sich dann einige wichtiger / richtiger als andere? Hier entsteht bei mir der Eindruck, dass es tatsächlich manche wegen dem "Hype" machen und dann dieses "Privileg"

für sich beanspruchen möchten, anstatt Hand in Hand zusammenzuhalten. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich verstehe auch vieles nicht und einiges ist nicht mein Ding, aber das muss es doch auch nicht!
So, jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben und möchte mich nun verabschieden, obwohl es noch viel mehr zu erzählen gäbe.
Ich drücke Euch ganz arg und nochmals einen ganz lieben Dank an alle und dieses Forum
Ein ganz liebes Grüßli
Jen
Den Vogel erkennt man an seinen Federn.
Den Mensch an seinen Freunden.