Wally hat geschrieben: Fr 24. Feb 2023, 01:37
Aber Scherz beiseite: weniger Kliniken bedeutet zunächst mal längere Wege dort hin. Hier in Hurlach z. B. würde eine Schließung der nächsten beiden (kleineren) Kliniken bedeuten, dass wir vierzig statt zehn km bis zum nächsten Krankenhaus hätten. Welche Folgen das in akuten Notfällen (Herzinfarkte, Gehirnschläge, Atemwegsobliterationen, schief laufende Hausgeburten, innere Blutungen nach Unfällen usw.) hätte, in denen es vorrangig auf jede Minute bis zum OP ankommt, kann man sich unmittelbar in Sterbezahlen ausrechnen... Da müßte eine Großklinik schon verdammt viel besser sein, um diesen Nachteil wenigstens anderweitig statistisch noch wettzumachen. Zumal man besonders schwierige Spezialfälle ja immer noch in kompetentere Kliniken verlegen kann, wenn's nicht gerade akut um die letzte Minute geht.
Das sehe ich genauso. Etliche Schlaganfälle wären anders gelaufen, wenn ein Klinik MIT ausreichenden Notfallressourcen in der Nähe gewesen wäre. Auch bei Geburten, bei den keine schweren Komplikationen zu befürchten sind, ist die Klinik in der Nähe aus vielen Gründen die bessere Lösung.
Die Radiologie hier ist für 90% der Fälle ausreichend - Knochenbrüche, Gelenkschäden, Wirbelsäule... Ich gehe für die Nachsorge in die nächste Uniklinik, dort haben sie Technik mit viel höherer Auflösung, mit den z.B. Rezidive nach Tumorbehandlung deutlich früher erkannt werden können. Geht nur als Privatpatient.
Durch das Versagen der Krankenhausfinanzierung der Länder mußte unser lokales Krankenhaus ein hochauflösendes Ultraschallgerät über Spendengelder beschaffen - sonst wäre deren CashCow (Gynäkologie) nicht mehr wettbewerbsfähig gewesen. Halt staatliches Gesundheitswesen - nicht am Notwendigen orientiert, sondern am Haushalt. Und imme rnur für 1 Haushaltsjahr Budgets planen.
Wally hat geschrieben: Do 23. Feb 2023, 23:18
Dazu ein paar persönliches Detais aus meiner Erfahrung als privat versicherter Patient:
Die Chefarztbehandlung ist nicht unbedingt nötig - meistens ist der leitende Oberarzt der bessere Operateur. Bei privaten ambulanten Leistungen ist das Ergebnisgespräch mit dem Chefarzt schon nützlich. Die großen Kliniken haben auch genügen EZ. Unsere kommunale hat je Station nur 1. Habe auch schon keins bekommen, einmal wurde ich nach 2 Tagen gefragt, ob nicht umziehen kann für eine ältere Dame. Antwort war natürlich nein - für mich ist auch nie jemand umgezogen.
Wally hat geschrieben: Do 23. Feb 2023, 23:18
Als Rentnerin kann ich mir diesen teuren Tarif - nach den massiven Preiserhöhungen gerade in den letzten paar Jahren - nun nicht mehr leisten, und ich seh's auch nicht mehr ein: da sie mich dann ja trotzdem nur wieder in ein Zweierzimmer stecken...
Nach einigen Jahren muß man in der PKV selbst aktiv werden und seinen Tarif überprüfen. Nachdem ich 1999 auf fast 1000 DM/Monat gekommen war, habe ich den Tarif gewechselt und bei etwas reduzierten Leistungen dann nur noch 350 bezahlt (jetzt natürlich mehr). Vor 10 Jahren wieder in einen "jungen" Tarif (neu geschaffen im Wettberb um junge Neukunden, die gut zahlen aber wenig kosten) gewechselt und zahle weniger als für GKV mit Zusatzpaketen. Die PKV hat 20.000 € für Zahnerersatz voll übernommen, meine "GKV-Frau" mußte trotz Zusatzversicherung noch 12.000 € zuzahlen. Und bald wieder für die nächste Zahnreihe.
Es gibt keine pauschalen pro und contra bei PKV vs GKV. SInnvoll ist ein System der Patientensteuerung, dass aber von der organisierten Ärzteschaft abgelehnt wird. Rechtliche Probleme wie Zuordnung von Verantwortung werden vorgeschoben. Gemeint ist natürlich eine andere Vergütungsverteilung. Funktioniert aber woanders. Die Anzahl der Arztbesuche muß reduziert werden, denn sie führen nicht zu mehr Gesundheit, dafür Kosten. Ein kleiner, aber merklicher Eigenbeitrag, nicht fix sondern abhängig von der Höhe des Kassenbeitrags könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Eine weitere Erhöhung der staatlichen Zuschüsse würde die Probleme nicht lösen, sondern die Probleme staatlicher Gesundheitswesen einführen. Und ganz schnell: Die FInanzierung UND Vergütung der Kliniken muss neu geregelt werden. Wenn dies verbessert ist, kann man auch an optimierte Abläufe denken bzw. diese als Bedingung machen. Ich war mal in einem Projekt für einen großen IT-Konzern, der Klinik-Prozesse ideal strukturierte, um eine interaktrive Prozesssteuerung zu ermöglichen. Wurde dann doch nicht umgesetzt, da die Wiederstände bei den Kunden zu groß waren. Etwas anders zu machen, wäre ja zu stressig.
Ach ja, Pflege: ich habe mehrere Bekannte, die in der Altenpfle beschäftigt sind: Eigentlich kommen sie zurecht, bemängeln vor allem, dass kein planbares Privatleben möglich ist. Durch den Mitarbeitermangel sind die Dienstpläne jede Woche anders - es gibt keine planbaren Familien-, Sport-, kulturellen Aktivitäten, denn jeder Wochentag hat wieder andere Dienstzeiten als die Woche davor. Und bei unvorgesehen Fehlzeiten bleibt gar nichts mehr übrig, da werden alle Freizeiten "einkassiert".
Liebe Grüße Nora_7
Schönheit ist weiblich, und ich bin auch gerne schön.
Ich kann alles tragen, wenn ich ein Mädchen bin