Noa hat geschrieben: Mo 12. Dez 2022, 22:44
Als Beobachter konstatiere ich dann bei dir eine Gummihand-Illusion, und das wolltest du doch gerade nicht, oder?
Ich bin mir da unsicher. Ich möchte eine These formulieren. Es könnte hinter der "Illusion" Gummihand und dem Selbstbild eines weiblichen Körpers eine vergleichbare Verarbeitung im Gehirn bestehen. Das ist erst einmal nicht schlecht. Wir sollten hier nicht der Falle erliegen und das Phänomen bewerten. Etwas ist real nicht vorhanden, aber das Gehirn ist in der Lage, uns etwas glauben zu machen. Der Unterschied liegt darin, dass bei der Gummihand über Sinnesreize (Berührungen), im Falle meines Körperbilds durch eine innere Einstellung Körperlichkeit suggeriert wird.
Das ändert ja nichts daran, dass die innere Einstellung vorhanden ist. Im übrigen spüre ich eine Körperreaktion, wenn ich en femme meine Brüste (Silikoneinlagen) berühre. ISt das etwas anderes als die Gummihand ?
Klingt irgendwie schrecklich, aber ich bemühe darum, sachlich zu verstehen, was in mir passiert. Ich will mir einfach nichts vormachen. Meine Weiblichkeit ist etwas sehr schönes für mich. Sie passiert mutmaßlich in meinem Gehirn und da greift die Wahrnehmungspsychologie.
Ist Weiblichkeit eine Idee oder ist sie real ? Ist die Idee nicht auch real (für mich) ? Wir denken und handeln niemals außerhalb einer Emotionsebene. Alles was wir denken und fühlen ist virtuell und existiert nur in uns selber. Ist ein Baum ein Baum für uns oder nehmen wir nur die Idee eines Baumes wahr ? Sieht der Probant im Gummihandexperiment seine Hand oder seine Idee von seiner Hand ?
Wenn ich bei dem Gedanken erschrecke und verunsichert bin, bin ich es nur, weil meine Vorstellung, dass ich doch meinen Körper erkennen müsste, getäuscht wird. Mache ich mich frei von dem Gedanken, dass es etwas so sein müsste, wie ich es mir vorstelle, werde ich ruhiger. Für mich ist die eigentliche Frage, woher kommt das innere Gefühl, das sich mal stärker, mal schwächer bemerkbar macht ? Es ist beängstigend, dass mich etwas steuert, auf das ich keinen Einfluss habe. Wer oder was zieht da hinter den Kulissen die Fäden ? Oder ist das nur Zufall ? Kann ich mich selber steuern ? Mir kommt das so vor, als wolle eine Marionette sich an den eigenen Fäden ziehen.
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Ist also mein Körperbild eine Gummihandillusion ? Ich sehe das so und das ist ja auch gut so. Wie sonst könnte ich mit einem inneren Gefühl für Weiblichkeit sonst Ausdruck verleihen und greifbar macht ? Genau das ist der Unterschied zur Verkleidung, was für mich ein "so-tun-als-ob" ist. Ich gebe meiner inneren Wahrheit ein äußeres Bild. Damit bin ich mit mir kongruent. Nicht mein Körper definiert mich, sondern ich beschreibe mich über meinen Körper. Die Brücke dazwischen ist der "Gummihandeffekt". Er erlaubt, das ich das, was ich im Spiegel zu sehen glaube, auch bin.
Im Experiment erkennt jeder Aussenstehende, dass es völlig unnötig ist, Angst wegen der Gefährdung einer Gummihand zu haben. Hier kann ich die Parallele zu Menschen ziehen, die sehen, dass ich physisch keine Frau bin, weshalb es unnötig ist, sie wie eine solche zu verhlaten und zu kleiden. Erst wenn Außenstehende bereit sind, dass es nicht der Körper ist, der die Idee definiert, sondern die Idee im Körper einen Ausdruck erfährt, kann er verstehen und akzeptieren, was im Anderen passiert. Das bedeutet aber auch, dass der Außenstehende für sich selber das gleiche annehmen muss. Einen Transmenschen im genannten Sinne zu akzeptieren bedeutet, dass man sein eigenes Denken, Fühlen und Handeln in Frage stellen muss. DAs verunsichert, denn was ist denn nun real für den Außenstehenden selber, da das natürlich nicht auf das Geschlechtsempfinden beschränkt ist ?
Ich denke, hier könnte eine Wurzel liegen, dass wir Ablehnung bis hin zur Gewalt erfahren. Wir verunsichern, weil wir die Sinneswahrnehmung und damit die Verbindung zur Außenwelt, in Frage stellen. Wir glauben das, was wir sehen, aber das Gummihandexperiment und auch wir Transmenschen zeigen, dass wir den Sinnen nicht trauen können. Wir sehen das, was unser Gehirn sehen will. DAs Gehirn scheint auf eine innere Stimme zu hören. Es ist aber auch manipulierbar. Die Gewissheit, was wahr ist, steht auf einem schwankenden Boden. Ist das Gefühl für meine Weiblichkeit echt oder ist es manipuliert ?
Soweit meine These.