Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Lebensplanung, Standorte
Simone
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 1 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Sara,
ich kann dir wahrscheinlich kein bisschen weiter helfen, denn die Fragen, die du stellst, sind die, die auch mich seit Jahren beschäftigen. Insofern fühle ich mich dir sehr nah.
Ich hoffe, es hilft dir vielleicht zu wissen, dass du nicht allein bist.
Liebe Grüße und gute Nacht,
Simone
Jenniffer63
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 2 im Thema

Beitrag von Jenniffer63 »

Willkommen im Club Sara.

Deine Fragen sind genau die, die ich und sicherlich auch viele andere sich immer wieder stellen.
Da ich ja noch nicht so lange hier bin ist mein Fragezeichen sicher noch größer.
Sicherlich, ich habe hier viel von den Erzählungen und Lebensberichten profitiert und tue das immer noch.
Ähnlich ist vieles und dennoch niemals Gleich.
Aber Fragen stehen vor jeder Antwort und ich für mich möchte es einfach herausfinden.
Deine Fragen sind immer aktuell, und danke das du sie nochmals gestellt hast.

Liebe Grüße
Jenniffer
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NanaVistor
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 3 im Thema

Beitrag von NanaVistor »

Ich will eigentlich, das mich andere als "Frau" wahrnehmen. Dafür wende ich meine Mühe auf.

Wie ist denn das Gefühl "Mann sein"? Das Ist bestimmt ähnlich einfach zu beschreiben ;-)
Auch Vordenker müssen nachdenken.
Marielle
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 4 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Sara, Hallo zusammen,
Explorer hat geschrieben:
Das erkenntnistheoretische Konzept von "Okhams Rasiermesser" sagt, dass man bei verschiedenen denkbaren Erklärungen erstmal mit derjenigen arbeiten sollte, die die wenigsten zusätzlichen Annahmen erfordert. Das hieße: Das naheliegendste ist, dass wir uns da wirklich einfach etwas einreden. :idea: Das wäre nicht unbedingt die Variante, an die ich glauben will - aber vielleicht kann mich ja jemand umstimmen.
Hmm...... . Ist die naheliegenste Erklärung dann nicht eher, dass es einfach so ist wie es ist? Diese Erklärung braucht jedenfalls gar keine zusätzliche Annahme. Die Erklärung sich etwas einzureden bräuchte immerhin die Annahme, dass es Geschlecht als 'über-individuelle' Kategorie, also quasi etwas 'Gottgegebenes', das Menschen einteilt, gibt.
Explorer hat geschrieben:Vielleicht ist die Frage nicht, wie weiblich wir wirklich sind, sondern wie wir diesen Wunsch nach Weiblichkeit möglichst positiv gestalten können - dass er uns nicht ausbremst, sondern voranbringt. :?:
Mir liegt ein Vorschlag nahe: Wie wäre es, wenn man "diesen Wunsch nach Weiblichkeit" durch 'diesen Wunsch nach individueller Menschlichkeit' ersetzt?

Das schliesst Weiblichkeit nicht aus, es schliesst aber alles ein.

Habt es gut

Marielle
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Dolores59
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 5 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Explorer hat geschrieben: Aber da wird mir "Weiblichkeit" zu diffus. Wenn ich mir etwas wünsche, muss dieser Begriff ja irgendeinen Inhalt haben. Und wenn ich mir wünsche, dass andere mich genauso wahrnehmen, muss dieser Begriff auch eine inhaltliche Schnittmenge mit dem haben, was andere darunter verstehen. Wenn die erwünschte Weiblichkeit zu variabel und undefiniert bleibt, verliert der Wunsch danach ja auch an Bedeutung. Also im Wesenskern: Was genau will ich eigentlich, wenn ich weiblich sein will?
Dazu müsstest Du erstmal "Weiblichkeit" definieren. Was ist für Dich weiblich? Was für Eigenschaften gehören dazu?

Welche dieser Eigenschaften finden sich auch unter "Männlichkeit"? Welche nicht?

Die Abgrenzung weiblich - männlich ist nicht einfach, weil es Übergänge und Gemeinsamkeiten gibt.

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)
JaquelineL
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 6 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Liebe Sara,
Explorer hat geschrieben:Der wirkliche "Wesenskern" von Männlichkeit und Weiblichkeit sind die Dinge, die eindeutig körperlich bedingt sind.
Ja?

Das ist *eine* Sichtweise. Meiner Meinung nach aber obendrein eine, die in ihrer Absolutheit schon von Dir selbst (durch Deine als Thread-Start aufgeworfene Fragestellung) falsifiziert wird. Vielleicht fällt es Dir deshalb so schwer, eine Antwort zu finden?

"Falsifiziert" deshalb, weil Du das Geschlecht mit Deiner Behauptung körperlich definierst (wobei sich selbst da schon Schwierigkeiten auftun), jedoch nach dem geschlechtlichen *Empfinden* fragst. Demnach scheint sich ja selbst für Dich die Kategorisierung nicht auf körperliche Aspekte beschränken zu lassen, bzw. es auf der einne Seite ein Definition gemäß Körper, aber auch eine andere gemäß "Seele" zu geben.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 7 im Thema

Beitrag von -Mia- »

@Sara und @Simone
Ich danke euch erst mal für eure Fragestellungen und eure Freds, denn das sind genau die Fragen die mich seid einiger Zeit auch beschäftigen!

Wie schon gesagt worden ist, verschwimmt eine klare Definition von Frau und Mann wenn man die Körperlichen Attribute bei Seite lässt.
Könnte man es vielleicht so sehen wie ein Schneckenhaus? Da wo ich mich am wohlsten fühle da bin ich zuhause? Also ein Gefühl der Geborgenheit?

Das kam mir jetzt so in den sinn beim Lesen des Freds hier.

LG Mia
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 8 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Sara,

das ist natürlich die Mutter aller Fragen und alleine die dadurch losgetretene Folgefrage nach der Definition von Weiblichkeit macht deutlich, wie schwierig das ist.

Ich versuche mal zu beschreiben, wie ich damit umgegangen bin.

Eine ganze Weile habe ich es rational versucht, viele der oben genannten Punkte und Argumente kommen mir deshalb sehr bekannt vor. Aber das hat mich immer wieder in eine gedankliche Sackgasse geführt und ich war noch verzweifelter, als davor. Allein die Frage, was ist der Unterschied zwischen männlich und weiblich hat mich schier zur Verzweiflung gebracht. Ich bin mir sicher, dass der Unterschied (und ich meine nicht den körperlichen) existiert und gravierend ist. Aber ich finde es unfassbar schwierig ihn zu greifen und ihn dann auch noch in Worte zu fassen.

Irgendwann habe ich diesen Ansatz aufgegeben. Denn wenn ich immer wieder in der selben Sackgasse lande, dann ist die Methode vermutlich falsch.

Also habe ich angefangen meine Gefühle und Empfindungen zu befragen. Ich habe mir Fragen gestellt wie: Möchte ich als Mann leben? Empfinde ich mich als Mann? Würde ich etwas vermissen, wenn ich nicht mehr als Mann leben würde? Wie fühlt es sich an wenn ich mir vorstelle, als Frau zu leben? Gibt es etwas in einem Leben als Frau, bei dem ich Probleme hätte es anzunehmen? Wie fühle ich mich, wenn ich weiblich gedresst bin? Und so weiter....

Und plötzlich war es für mich sehr einfach. Auf all diese Frage hatte ich schnell sehr eindeutige Antworten. Nachdem ich mich zuvor Wochen und Monate über den rationalen Weg vergeblich abgearbeitet hatte, war mir nun innerhalb weniger Tage klar, was ich wollte, was gut und richtig für mich ist.

Meine Umgebung und was bedeutet das in der Wirklichkeit, all das habe ich erst einmal ausgeblendet. Mit war es sehr wichtig mir erst einmal Gewissheit über mich selbst zu verschaffen. Erst als das klar war, habe ich mir über darüber Gedanken gemacht, wie wohl meine Umgebung reagiert, wie der Weg aussieht und wie ich es umsetze.

Auch die Frage nach dem Warum und dem Wieso habe ich dabei ausgeblendet. Natürlich sind das für mich interessante Fragen. Aber auf der Suche nach mir selbst und dem was ich will, hätten sie mich nur gestört.

Wie einige hier wissen, habe ich mich gefunden, seitdem weiß ich was ich, hab mir meinen Weg gesucht und bin ihn auch gegangen. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass es zumindest für mich genau so richtig war und auch immer noch ist.

Liebe Grüße

Anke
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Eisfee
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 9 im Thema

Beitrag von Eisfee »

Anke hat geschrieben: Auch die Frage nach dem Warum und dem Wieso habe ich dabei ausgeblendet. Natürlich sind das für mich interessante Fragen. Aber auf der Suche nach mir selbst und dem was ich will, hätten sie mich nur gestört.
Vielen Dank für Deinen Beitrag Anke, das entspricht ganz exakt auch meiner Ansicht und Vorgehensweise.


Vielleicht noch ein Klassiker für die Argumentsuchenden:

Mann und Frau als Paar streiten sich.
Er geht danach ins Bett und schläft in aller Seelenruhe.
Sie denkt nächtelang darüber nach und sucht nach einem Harmoniekonsens.
Tage später präsentiert sie ihm ihre Gedanken und Ideen.
Aber er hat es meistens schon längst vergessen und ist vielleicht noch genervt von ihrer Diskussionsfreudigkeit.


An solchen "einfachen" Alltagsgeschehnissen orientiere ich zum Beispiel mein Geschlechtsempfinden.


Trotzdem sollte man dabei übrigens nicht verdrängen und sich auch nicht dafür schämen, dass man als Frau mit TS-Hintergrund auch die Männlichkeit oft gut nachempfinden kann.
Wenn ich zum Beispiel mal eine Liebesgeschichte über Mann und Frau lese, dann kann ich meist beide Seiten, beide Gefühlswelten, ziemlich gut nachempfinden.
Allerdings identifiziere ich mich als Person dann stets in der weiblicheren Rolle in der Geschichte, welches natürlich in den allermeisten Fällen die Frau ist.
(na)
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 10 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Morgen Sara, Hallo zusammen,
Aber da wird mir "Weiblichkeit" zu diffus. Wenn ich mir etwas wünsche, muss dieser Begriff ja irgendeinen Inhalt haben.
Ganz bestimmt hat der Begriff Weiblichkeit (bzw. Geschlecht) einen Inhalt. Ich glaube aber, dass das kein universeller Inhalt ist, den man klar benennen kann und über den man Einigkeit in Form einer Definition herstellen kann. Es ist vielmehr eine Art (Ideal-)Bild, dass sich jeder Mensch vorstellt bzw. das er in sich trägt. Man kann es aus der eigenen Sicht heraus beschreiben, aber weil man es nicht sehen kann, werden sich andere Menschen nach dieser Beschreibung nie exakt vorstellen können, wie das Bild aussieht. Es bleiben Unschärfen und Interpretationsspielräume.

Daraus erkläre ich mir (ansatzweise) auch das Geschlechtsempfinden. Man hat ein Bild davon, wie man selbst ist, wie das eigene Geschlecht ist und gleicht dieses Bild mit sich selbst, seinen körperlichen und psychischen 'Gegebenheiten' ab. Dieser Abgleich ist individuell, findet aber unweigerlich auch im jeweiligen sozialen Geflecht eines Menschen statt. Wenn dieser Abgleich keine wesentlichen Differenzen zu dem eigenen Bild von Geschlecht ergibt, ist man 'cis'. Wenn man Menschen sexuell attraktiv findet, deren Bild sehr anders als das eigene ist, ist man 'hetero'.

Und wenn man es (aus welchen Gründen auch immer) will, kann man Menschen anhand irgendwelcher Merkmale in zwei Gruppen einteilen, dazu jeweils einen statistischen Mittelwert der individuellen Bild-Beschreibungen ermitteln und diese Positionen 'Mann' und 'Frau' nennen. Ich finde aber, man sollte das nicht tun, weil es m.E. keinen guten und vernünftigen Grund dafür, aber durchaus welche dagegen gibt.

Und wenn ich mir wünsche, dass andere mich genauso wahrnehmen, muss dieser Begriff auch eine inhaltliche Schnittmenge mit dem haben, was andere darunter verstehen.
Das sind dann wohl die genannten 'Mittelwertspositionen', an denen man seine eigene Aussendarstellung (Kleidung, Verhalten usw.) ausrichten kann oder denen sie einfach von allein entsprechen.

Aber ist es nicht so, dass man damit auch eine Forderung aufstellt, für die es vielleicht gar keine Grundlage gibt? Der Wunsch, von anderen als etwas Bestimmtes wahrgenommen zu werden, bedingt doch, dass es gesellschaftliche Vereinbarungen / Konventionen gibt, die diese gewünschte Wahrnehmung beschreiben und damit auch normieren. Das wären nur leider die gleichen Normierungen, die vorher zu einem Differenzerleben zwischen dem eigenen Bild einerseits und den eigenen 'Gegebenheiten' sowie den äusseren Erwartungen und Zuweisungen anderseits geführt haben.

Wenn die erwünschte Weiblichkeit zu variabel und undefiniert bleibt, verliert der Wunsch danach ja auch an Bedeutung.

Ich glaube, dass darin ein nicht optimaler (sogar falscher) Ansatz steckt. Weiblichkeit ist für dich doch nicht variabel oder undefiniert. Du kannst dein Bild von deinem Geschlecht ja ganz genau sehen; wenn du lange und genau genug hinguckst in allen Details. Undefiniert wird nur der soziale Teil des Abgleichs, der zwischen dir selbst und den Mittelwerten (die dann verschwunden wären) abläuft. Das macht die Sache nicht leichter, aber besser (finde ich). Es ist schwieriger, sich selbst zu bestimmen, als ein von aussen gereichtes Bild zu beschreiben, aber es ist besser, weil damit auch Normierungen und Zuweisungen ihre Macht verlieren. Dein Wunsch wird aber nicht an Bedeutung verlieren, wenn du dich selbst bestimmst, anstatt dich bestimmen zu lassen.
Also im Wesenskern: Was genau will ich eigentlich, wenn ich weiblich sein will?
Wenn meine Vorstellung stimmt, willst du deinem eigenen Bild ((d)einem guten Ideal) entsprechen. Du willst du selbst sein. Aber frag bitte nicht, wie dein Bild aussieht. Ich kann es nicht sehen, nicht beschreiben und werde dich auch nicht normieren.

Hab es gut

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Simone
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 11 im Thema

Beitrag von Simone »

Liebe Sara,
ich glaube, dass das, was wir als geschlechtstypisch empfinden, grundsätzlich den Aufgaben zur Arterhaltung der Gattung Mensch entspricht. Das ist im Laufe der Menschheitsgeschichte durch verschiedene Geisteshaltungen kulturell beeinflusst worden. Aber ich glaube, man muss nicht weit in der Geschichte zurückgehen, um in einer Zeit zu landen, in der die Frage nach geschlechtstypischen Verhalten von fast allen Menschen leicht hätte beantwortet werden können. Erst in den letzten gut 100 Jahren haben sich vor allem westlich geprägte Kulturen so entwickelt, dass die Konturen verwischen. Ich habe Männer und Frauen seit einiger Zeit auf Grund von ähnlichen Fragen, wie du sie stellst, beobachtet. Deutliche Unterschiede meine ich im Kommunikationsverhalten in gleichgeschlechtlichen Gruppen beobachtet zu haben. Aber das hat mir für mein geschlechtliches Empfinden nicht geholfen. Im Moment verhalte ich mich wie ein Mann. Aber ich habe ja auch noch nie als Frau zu einer Frauengruppe gehört. Ist es da verwunderlich, das ich mich nicht so verhalte. Es gibt natürlich immer solche Fälle, bei denen sich Jungs in Mädchengruppen viel wohler fühlen und sich auch sonst 'typisch weiblich' verhalten. Was immer das ist. Aber selbst die haben möglicherweise die gleichen Identitätsfragen wie wir. Ist es nicht so, dass man sich dem Geschlecht zugehörig fühlt, in dem man von seinen Mitmenschen bestätigende Reaktionen auf sein Handeln (und Aussehen) bekommt bzw. erwartet? Ich mag mich z.B. gern schminken. Das können natürlich auch Männer tun, aber nur wenige tun es, obwohl sie es an einer Frau wahrscheinlich auch mögen. Ich möchte Frau sein, weil ich wahrgenommen und behandelt werden möchte, wie ich Frauen wahrnehme und behandele. Und ich habe Angst, dass das alles nur ein Wunsch, eine Hoffnung, eine Erwartung ist und meine Chancen Bestätigung zu bekommen als Mann viel größer sind als als Frau. Dass ich als Frau, als Transfrau eher Ablehnung erfahre.
Irgendwie habe ich jetzt den Faden verloren.
LG Simone
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 12 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Explorer hat geschrieben:
Also habe ich angefangen meine Gefühle und Empfindungen zu befragen. Ich habe mir Fragen gestellt wie: Möchte ich als Mann leben? Empfinde ich mich als Mann? Würde ich etwas vermissen, wenn ich nicht mehr als Mann leben würde? Wie fühlt es sich an wenn ich mir vorstelle, als Frau zu leben? Gibt es etwas in einem Leben als Frau, bei dem ich Probleme hätte es anzunehmen? Wie fühle ich mich, wenn ich weiblich gedresst bin? Und so weiter....
Wo würdest du denn für dich den Unterschied sehen zwischen "als Mann Klischees brechen" und "als Frau leben"?
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Mittlerweile bin ich mir meiner Weiblichkeit völlig sicher. In der Vergangenheit habe ich zwar als Mann gelebt, aber rückwirkend betrachtet ist mir klar, dass das immer eine Rolle war. Deshalb kann ich mir dieses "als Mann Klischees brechen" für mich überhaupt nicht vorstellen.

Die Frage spiegelt natürlich wieder meinen eigenen inneren Konflikt. Wieso will ich überhaupt "Frau sein", was macht diesen Wunsch aus? Und wo liegt für mich der Unterschied dazu, einfach ein unkonventioneller Mann zu sein?[/quote]

Das kann ich gut verstehen. Aber ich befürchte, dass Du auf die Frage nach dem Wieso kaum eine Antwort finden wirst. Ehrlich gestanden weiß ich auch nicht, wieso ich so bin. Aber es kümmert mich auch nicht, ich bin einfach glücklich so wie ich bin und lebe.

Vielleicht probierst Du einfach mal das eine oder andere aus. Entweder in deiner Vorstellung oder in einem Stück deines Alltags, in dem Du dich problemlos ausprobieren kannst. Wenn sich das eine oder das andere für dich gut und richtig anfühlt, dann hast Du deine Antwort.

Ich hab mal eine Weile versucht hin- und her zu switchen, auch im Hinblick auf meine Partnerschaft. Das hat überhaupt nicht funktioniert und hat mich völlig kirre gemacht. Damit war klar, dass das für mich nicht in Frage kommt. Du wirst sehen, wie es dir mit dem einen oder anderen geht und ich finde es wichtig, genau darauf zu hören. Am Ende geht es doch darum, mit sich selbst und dem eigenen Leben im Reinen und Einklang zu sein, dass es einem selbst gut geht.

Ich hoffe, dass das ein wenig hilft.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 13 im Thema

Beitrag von -Mia- »

@Simone
Wenn du das nur auf das Kommunizieren innerhalb gleicher Geschlechtergruppen reduzierst ob man männlich oder weiblich ist ,dann wäre ich definitiv weiblich, denn ich habe noch nie so wirklich mit reinen Männergruppen was anfangen können, da bin ich eher passiver zuhörer. Sobald ich aber mit Frauen rede blühe ich förmlich auf . Ist das aber schon ein Indiz dafür das ich weiblich bin ? Oder ist es eher etwas was mich geprägt hat in meiner Kindheit? Denn in meiner Familie gibt es mehr Frauen als Männer. Ich denke so einfach ist es dann auch wider nicht.

LG Mia
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 14 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Sara,
Und ich denke es ist legitim zu sagen: "Ich bin körperlich männlich, aber ich entspreche nach meinem Empfinden eher dem gesellschaftlichen Bild einer Frau. Gendermäßig bin ich damit eher weiblich."
Sicher ist das legitim. Vielleicht ist es auch gar nicht nur 'gendermässig', wie du dich empfindest. Niemand weiss das genau und allenfalls du selbst hast dazu was zu sagen. Ich selbst bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass alle geschlechtlichen Selbstbestimmungen gut und richtig sind, solange sie nicht zur Voraussetzung haben und machen, dass es eindeutige und universelle Kategorien gibt. Am Ende sind nämlich diejenigen, die solche Kategorien produzieren und reproduzieren, das Problem und nicht die Lösung.

Ja, ich will meinem eigenen Ideal entsprechen. Und dieses sehe ich nicht als männlich, sondern eher als androgyn bis weiblich. Und dahingehend sollte ich wohl einfach selbstbewusster sein, und mir weniger daraus machen, was andere denken.

Aber kann ich deshalb von anderen erwarten, dass sie es genauso sehen?..........
Nö, das kannst du wohl noch nicht. Ganz weit vorn am Horizont dämmert aber eine Zeit herauf, in der das gehen wird. Wir sind nur zu früh dran :wink:

Habs gut,

Marielle

PS:
"Ich bin, wie ich bin, ich bin glücklich damit, und ich tue auch niemandem damit weh."
Guter Plan )))(:
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?

Post 15 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo nochmal,

das sind viele Fragen; mal sehen, ob ich sie zufriedenstellend beantworten kann und ich auch das Thema mit den Begriffen gut hinkriege.


Ich gehe mittlerweile ziemlich offen (und manchmal auch offensiv) damit um, dass ich ich bin. Mit Ausnahme weniger Bereiche bin ich 'geouted'. Aus Teilen meines Berufslebens und aus meinem Elternhaus halte ich das Thema allerdings ganz bewusst heraus und bin gut zufrieden damit, dass ich das tun kann, weil mir dieses zeitweise Rollenspiel nicht wehtut und mich nicht in Frage stellt.


Die nächste Frage stellt mich schon vor ein Problem :wink:. Aber bleiben wir mal beim Begriff 'Mann' in der üblichen Bedeutung. Dann lebe ich nicht äußerlich normal als Mann. Ich trage allermeistens Röcke oder verzierte Hosen, Schuhe mit Absätzen, Schmuck und sonstige Sachen, die man 'Frauen' zuordnet. Aber ich habe auch einen ziemlich dichten Bart im Gesicht und (fast) immer kein Härchen an den Beinen.

Meine äußere Erscheinung führt gelegentlich zu Irritationen und wohl auch dazu, dass andere mich als unentschieden oder auch unentschlossen wahrnehmen, wenn sie mich nicht näher kennen. Ich sehe mich aber absolut nicht als unentschlossen oder ähnliches. Ich habe (m)eine Position, die mir gefällt und mir guttut und ich habe meine Geschichte, an der nicht allzuviel richtig Schlechtes ist, die mich aber geprägt hat.


Ich stelle mich als Marielle vor, wobei ich in letzter Zeit angefangen habe, meinen Taufnamen dazunehmen und mich als M....-Marielle vorzustellen. Mit welchem Namen oder Pronomen sie mich ansprechen, stelle ich den Leuten frei. Erstens weil es mir nicht sooo sehr wichtig ist und zweitens weil ich um meine 'uneindeutige' Wirkung auf die Leute weiss. Ich freu mich aber natürlich, wenn sie M...-Marielle oder Marielle sagen, weil das die Namen sind, die ich für mich bestimmt habe. Ziemlich viele tun das auch.


Gegenüber anderen versuche ich mich um Kategoriebegriffe herumzudrücken, was natürlich nicht immer funktioniert. In der Regel bezeichne ich mich dann als Transgender. Das aber eher deswegen, weil ich annehme, dass die Leute es am besten mit meiner Person und Erscheinung in Einklang bringen können und weil es ein ziemlich bekannter Begriff ist, der sie schonmal ein gutes Stück weiterbringt. Das funktioniert auch ganz gut.

Bei weitergehenden Gesprächen beschreibe ich mich als Mensch, der ein ständiges Differenzerleben zwischen den Erwartungen an ihn und seiner Selbstsicht hat, wenn er 'äußerlich normal als Mann' wahrgenommen wird. Ich versuche dann zu erklären, dass ich aus meinem eigenen (er-)Leben alle Begebenheiten erzählen kann, die üblicherweise als Anzeichen für Transsexualität genannt werden. Und das ich mir zwar sehr gut vorstellen kann, einen biologisch weiblichen Körper zu haben (ich bin neidisch darauf), aber dann trotzdem nicht als Frau im üblichen (Rollen-)Verständnis gelesen werden wollen würde. Ich würde meinen Körper eintauschen wollen, aber nicht meine Erfahrungen und meine Geschichte. Ich versuche zu erklären, das ich nicht bereit bin, meinen ganz gut funktionierenden Körper wesentlich zu verändern und ich mich schon gar nicht am üblichen Geschlechter(rollen)verständnis orientieren werde, weil mich das schon einmal falsch getroffen hat. Wenn ein Gespräch dann soweit gekommen ist, stellt kaum noch jemand die Frage, welches Geschlecht ich habe. Und wenn doch, frage ich nach einer Definition, die ohne genital-basierte Zuweisungen und ohne Stereotype auskommt. Die hat noch niemand bringen können. :wink:


Dein 'Bammel' ist zum (kleineren) Teil leider berechtigt. Man kommt in Situationen, in denen man sich erklären muss oder über ein entsprechendes Empfinden bei anderen Menschen einfach hinweggehen können muss. Dieses 'hinweggehen können' kann auf sozialer oder wirtschaftlicher Ebene notwendig sein; es kann sein, dass Menschen sich abwenden oder versuchen, dir Schwierigkeiten zu machen. Aber: Seeeehr viele Menschen (die weitaus meisten) wissen genug über 'uns' und sind offen genug, um gut mit uns umgehen zu können. Nur: Erwarte nicht (wie manche das meiner Meinung nach tun), dass man dir einen Sockel baut, auf dem du stabil stehst. Den musst du dir selbst bauen, egal welchen Geschlechts du bist.

Hab es gut

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