Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen
Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen - # 2

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Cybill
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 16 im Thema

Beitrag von Cybill »

Liebe Alle!

Die Änderung von Sprache von oben herab - in diesem Fall durch eine mehrheitlich akademische Minderheit - hilft niemandem, außer der Eitelkeit der Initiatoren.
Sprache wandelt sich durch Gebrauch.
Es ist ausgesprochen dumm, als Minderheit Änderungen durchsetzen zu wollen, die einer Einsicht oder Akzeptanz der herrschenden Mehrheit bedürfen. Derartiges Handeln führt nur zu Widerstand und "verbrennt" Wohlwollen.

Wer so agiert schadet denen, für die diese Person eintreten will.

Falls es jemand mitbekommen hat:
Das war "genderneutrale" Sprache ohne zu gendern.

-Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Michi
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 17 im Thema

Beitrag von Michi »

Weil es manch Eine offenbar nicht mitbekommen hat:
Eigentlich ging es darum, dass die CDU die Rechtsextremen in der Politik salonfähig gemacht werden.

Und was uns die Geschichte lehrt:
Wenn Konservative die Rechtsextremen hofieren, führt das nicht zu mehr Stimmen für die Konservativen, sondern zu mehr Zustimmung für Rechtsextreme!
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Michi
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 18 im Thema

Beitrag von Michi »

Lina hat geschrieben: So 13. Nov 2022, 15:28
MichiWell hat geschrieben: So 13. Nov 2022, 14:58
Lina hat geschrieben: So 13. Nov 2022, 14:20 Man verlangt einfach diktatorisch einen bestimmten Sprachgebrauch
Diese Behauptungen höre und lese ich immer wieder. Aber: Wer verlangt das denn?
Die, die sich als woke betrachten [...]
Sorry, ich kann die Märchen nicht mehr hören!

Lina hat geschrieben: Mo 14. Nov 2022, 14:36 Das mit dem Populismus ist ein wichtiger Punkt.

Es kommt immer wieder zu Situationen, selbst die ganz Moderaten auf einzelne Punkte mit Populisten einig sind. Wenn es zu oft passiert, ist es immer ein Zeichen, dass von irgend einer Seite etwas falsch gemacht wurde oder wird.
Wenn jemand kein Problem darin sieht, dass er/sie die Suggestionen von Populisten übernimmt, zugleich die Fehler bei allen anderen sucht, um bloß nicht nachdenken zu müssen, was bei ihm/ihr schief läuft .. da fehlen mir die Worte! :cry:
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
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Jaddy
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Cybill hat geschrieben: Mo 14. Nov 2022, 21:57 Falls es jemand mitbekommen hat:
Das war "genderneutrale" Sprache ohne zu gendern.
Tja, nein. In der deutschen Sprache lässt sich, sobald von Personen die Rede ist, realistisch nichts formulieren, ohne Standpunkt zum Thema Gender und Sprache zu beziehen. Egal ob absichtlich neutral, mit Sternchen oder generischem Maskulin: Wir können gar nicht nicht gendern. Es ist immer eine mehr oder weniger bewusste Entscheidung, ob wir Menschen inkludieren, sie uns egal sind oder wir sie absichtlich ausgrenzen.

Zu den anderen Statements: Es gibt keine "kleine akademische Minderheit", die "Sprache von oben herab verordnen" will. Das sind Schauermärchen von Bild, Welt, von Storch und Co. Die einzigen, die von oben herab verbieten wollen, sind jene, die selbst Empfehlungen und Freiheiten unterdrücken wollen. Und die zielen eigentlich, siehe Punkt 2 im CDU Antrag, auf die Zementierung des Zwei-Geschlechter-Systems auf biologisch-essenzialistischer Grundlage: Sprich: Es soll nur Männer und Frauen geben, unveränderbar, biologisch. Nix trans, nix nonbinär. Darum geht es ihnen eigentlich. Für die sind wir alle hier Perverse, die am besten nicht existieren sollten.

Spassigerweise gibt es seit Jahrzehnten Sprachregelungen von oben herab. Wer mag kann mal die Aufregung um die mehreren Rechtschreibreformen nachlesen - die übrigens vom Rat für deutsche Rechtschreibung kamen, also einer akademischen Minderheit, die die CDU Thüringen jetzt als Referenz heranzieht :)

Die Folge waren Prognosen des Untergangs der Sprachkultur, der Bildung usw. von den gleichen Gruppen und Medien, die jetzt nicht nur gegen Sternchen, sondern gegen die Diskussion über geschelchtliche Vielfalt generell wettern. Auch damals versuchten selbsternannte Rettys der deutschen Sprache gesetzliche Verbote.

Aber: Es ist nix untergegangen. Stattdessen ist eine gewisse Vielfalt eingekehrt. Behörden machen teilweise unterschiedliche Vorgaben, manche Schulbehörden regulieren mehr als andere, einige Redaktionen sind stoisch bei der ungeänderten Form geblieben, andere haben nur eine Reform mitgemacht. Und der Duden, der ja Sprachgebrauch dokumentiert, lässt Delfine und Delphine zu, Grafik und Graphik, Porte-­mon-­naie und Port-­mo-­nee. Im Duden steht auch wieder die Gästin, die zu Goethes Zeiten noch gängig war, dann aus der Mode kam und bei Wiedereinführung - weil das Wort in der Bevölkerung wieder benutzt wurde - Konservative auf die Palme trieb.

Im Gegensatz dazu gab es meines Wissens nirgendwo verpflichtende Vorgaben, mit Sternchen zu schreiben, lediglich Empfehlungen und auch die nur für offizielle Schreiben. Wer ohne Sternchen neutral oder inklusiv schreiben kann: prima.

Die ganze Diskussion über Sprache ist aber nur Stellvertretung, Lackmustest und canary in the coal mine. Klar geht es um sprachliche Sichtbarkeit, aber die soll ja zur Gleichstellung und Berücksichtigung in allen Lebensbereichen führen. Und an der Stelle sind der Spass und die Geduld langsam zu Ende. Seit Jahrzehnten wird von gemässigten politischen Kräften, lies: Liberale, Sozialdemokraten, tw Grüne, nur vertröstet. Seid ruhig und nett, nicht zu laut, wir müssen die Leute langsam mitnehmen. Gleichzeitig tun sie aber praktisch nichts, höchstens ein paar Reden, während "Konservative" bis hin zu den religiösen und rechtsextremen Netzen massiv und konzertiert Hetze und Falschinformationen verbreiten, Strohpuppen aufbauen, usw.
Magdalena
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 20 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 00192.html

heute 21 Uhr im NDR Fernsehen kommt eine Sendung zum Thema Gendern.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
Lina
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 21 im Thema

Beitrag von Lina »

MichiWell hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 00:24
Lina hat geschrieben: So 13. Nov 2022, 15:28
MichiWell hat geschrieben: So 13. Nov 2022, 14:58

Diese Behauptungen höre und lese ich immer wieder. Aber: Wer verlangt das denn?
Die, die sich als woke betrachten [...]
Sorry, ich kann die Märchen nicht mehr hören!

Lina hat geschrieben: Mo 14. Nov 2022, 14:36 Das mit dem Populismus ist ein wichtiger Punkt.

Es kommt immer wieder zu Situationen, selbst die ganz Moderaten auf einzelne Punkte mit Populisten einig sind. Wenn es zu oft passiert, ist es immer ein Zeichen, dass von irgend einer Seite etwas falsch gemacht wurde oder wird.
Wenn jemand kein Problem darin sieht, dass er/sie die Suggestionen von Populisten übernimmt, zugleich die Fehler bei allen anderen sucht, um bloß nicht nachdenken zu müssen, was bei ihm/ihr schief läuft .. da fehlen mir die Worte! :cry:

Es ist eher, wenn relevante Kritikpunkte, die dummerweise am lautesten von den Populisten geäußert werden, korrelieren ...

Ich sehe z.B. keinen Grund, Kritik zu unterlassen, nur weil Populisten zufällig das Gleiche ansprechen.
Das ist z.B. in der Corona-Debstte häufig vorgekommen.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 22 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Irgendwie muss ich mir sehr oft die Frage stellen.

Was haben wir gegen uns?

Viele von uns scheinen ja bewusst/unterbewusst mit der Überzeugung zu leben:

- Wir nehmen uns zu viel raus
- Wir sind too much
- Wir werden toleriert was wollen wir mehr?

Ihr denkt da falsch. Wir sind keine Zumutung. Wir sind ganz tolle, friedliche Bürger. Wir sind im Einklang mit dem Grundgesetz. Wir bereiten den Weg der Gerechtigkeit für künftige Generationen vor. Von alleine wird auch nichts passieren. Es wird Zeit das wir für voll genommen und respektiert werden. Auch sprachlich.

Denkt bitte darüber nach.

LG
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 23 im Thema

Beitrag von Olivia »

Offener Brief: Forscher gegen Gender-Antrag der CDU-Fraktion

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/p ... 0fc26ba729
Michi
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 24 im Thema

Beitrag von Michi »

Lina hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 13:10 Es ist eher, wenn relevante Kritikpunkte, die dummerweise am lautesten von den Populisten geäußert werden, korrelieren ...

Ich sehe z.B. keinen Grund, Kritik zu unterlassen, nur weil Populisten zufällig das Gleiche ansprechen.
Das ist z.B. in der Corona-Debstte häufig vorgekommen.
  1. Populisten sind immer sehr laut.
  2. Möchte ich sehr bezweifeln, dass "Kritikpunkte" für die gleichgültige Allgemeinheit bereits relevant waren, bevor sie von Populisten geäußert wurden. Allenfalls sehe ich da ein gewisses Unwohlsein und die damit verbundene Abneigung, sich näher damit zu befassen, sodass in der Folge bereitwillig die einfachen Antworten .. aka "Kritikpunkte" .. der Populisten übernommen werden.
  3. Haben Populisten zum Thema Corona mit der Schrotflinte so viele unterschiedliche Behauptungen, "Fragen" und "Kritiken" rausgeschossen, dass sich zwangsläufig ein paar darunter finden lassen, die man mit sehr viel Wohlwollen als irgendwie zutreffend einordnen kann. Das bedeutet aber genau nicht, dass sich die Populisten ernsthaft und sachlich mit dem Thema auseinander gesetzt hätten, geschweige denn, dass man ihnen eine themenbezogene Relevanz, Sachlichkeit und Objektivität zuschreiben darf. Ein blindes Huhn, dass mal ein Korn gefunden hat, ist trotzdem immer noch blind.
  4. Ist es natürlich allen freigestellt, jede noch so hanebüchene Meinung zu haben, zu übernehmen und zu vertreten .. mit allen Konsequenzen.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 25 im Thema

Beitrag von TanjaTV »

Ich finde das ganze viel zu übertrieben nicht die Sprache muss geändert werden sondern die öffentliche Wahrnehmung in den Köpfen der Menschen.
Wenn ich zum Arzt gehe bin ich persönlich nicht auf männlich oder weibliche festgelegt. Ein Arzt ist für mich eine Person die mir hilft und ist in meinem Kopf keinem Geschlecht zugeordnet.
Erst in der Praxis treffe ich auf einen männlichen Arzt oder auf eine Ärztin.
Es wird ja immer gesagt wenn man zum Arzt geht wäre das dann ein rein männlicher Begriff für mich ist es aber erst mal eine Berufsgruppe.
Bei der Hebamme denken ja auch jeder an eine Frau. Eine männliche Hebamme wird eigentlich Entbindungspfleger genannt.
Ich bin der Meinung wir haben ein größeres Kopfproblem und bei der Sprache muss nur leicht nachjustiert werden.
Ich fühle mich auch oft überfordert es HYPER Korrekt umzusetzen.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 26 im Thema

Beitrag von Mirjam »

TanjaTV hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 20:47 Bei der Hebamme denken ja auch jeder an eine Frau. Eine männliche Hebamme wird eigentlich Entbindungspfleger genannt.
"¦ weil es ja gar niemals nicht sein kann, dass ein Mann eine weibliche Berufsbezeichnung tragen muss. Wo kämen wir da nur hin? Es wäre ja schon fast so etwas wie ein generisches Femininum, das da ansonsten mal eben heimlich, still und leise eingeführt würde. Der Untergang des Abendlandes wäre gewiss :shock:

Bei Frauen wird es aber umgekehrt ganz selbstverständlich vorausgesetzt, männliche Berufsbezeichnungen für sich zu akzeptieren. Sollte da vielleicht das Patriarchat dahinter stecken? Aber das kann ja nicht sein, selbiges ist doch längst abgeschafft "¦ :wink:

Mirjam

PS: Wer Spuren von Satire in diesem Beitrag findet, darf sie gerne behalten.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 27 im Thema

Beitrag von Jaddy »

TanjaTV hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 20:47 Ich finde das ganze viel zu übertrieben nicht die Sprache muss geändert werden sondern die öffentliche Wahrnehmung in den Köpfen der Menschen.
Wenn ich zum Arzt gehe bin ich persönlich nicht auf männlich oder weibliche festgelegt. Ein Arzt ist für mich eine Person die mir hilft und ist in meinem Kopf keinem Geschlecht zugeordnet.
Das magst Du denken, aber ich wäre sehr überrascht, wenn Du zu den äusserst wenigen Menschen gehörtest, bei denen das tatsächlich so ist. Ich gebe zu, dass ich das nicht so hinkriege, wie ich es gerne würde. Ich muss mich bewusst darauf besinnen.

Die alltägliche Erfahrung bspw für Personal in Kliniken ist nämlich: Wenn eine (optisch) weiblich gedeutete und eine (optisch) männlich gedeutete Person an ein Bett treten, wird die männliche regelmässig als Arzt angsprochen, die weibliche als "Schwester". Egal ob es zwei Ärztys, zwei Pflegys oder eine beliebige Kombination davon sind. Genauso werden Ärztinnen in einer Gruppe regelmässig als untergeordnet angesehen, weil "Chefärzte" in den Köpfen nun mal männlich sind.

Es gibt reichlich Experimente dazu, das ist also keine Phantasie oder Einzelfall.

Das sind auch Folgen der Sprache, und Sprache anzupassen ist ein kleiner Baustein, um wie Du richtig sagst, die Wahrnehmung in den Köpfen zu ändern.

Der Knackpunkt ist meiner Ansicht nach, dass selbst die sprachliche Gleichstellung vielen schon zu anstrengend scheint, obwohl wir alle durch Sprache die alten Muster in unseren Köpfen immer wieder verfestigen - was ja auch Ziel der "Konservativen" ist.

"Die" wissen nämlich auch, dass sich ohne Änderung der Sprache auch das Denken nicht ändern wird. Egal für wie neutral oder gleichstellungsdenkend sich die meisten halten.

Wer richtig ausführlich und wissenschaftlich darüber lesen will: https://www.beck-shop.de/Kotthoff-Nuebl ... t/25604794
Zuletzt geändert von Jaddy am Di 15. Nov 2022, 22:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 28 im Thema

Beitrag von Blossom »

Mirjam hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 21:23 "¦ weil es ja gar niemals nicht sein kann, dass ein Mann eine weibliche Berufsbezeichnung tragen muss. Wo kämen wir da nur hin? Es wäre ja schon fast so etwas wie ein generisches Femininum, das da ansonsten mal eben heimlich, still und leise eingeführt würde. Der Untergang des Abendlandes wäre gewiss :shock:
Es kommt jedenfalls vor ... Ich habe mal in der Gemeindepflege für die Diakonie gearbeitet. Da gab es nur Anstecker mit der Bezeichnung: Gemeindeschwester. Den habe ich voller Stolz getragen und mich bei den Hilfebedürftigen auch als ihre Gemeindeschwester vorgestellt ... verbunden mit einem verschmitzten Lächeln ... damals halt noch männlich unterwegs.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 29 im Thema

Beitrag von Dietlind »

Jaddy hat geschrieben: Di 15. Nov 2022, 22:31 Die alltägliche Erfahrung bspw für Personal in Kliniken ist nämlich: Wenn eine (optisch) weiblich gedeutete und eine (optisch) männlich gedeutete Person an ein Bett treten, wird die männliche regelmässig als Arzt angsprochen, die weibliche als "Schwester". Egal ob es zwei Ärztys, zwei Pflegys oder eine beliebige Kombination davon sind. Genauso werden Ärztinnen in einer Gruppe regelmässig als untergeordnet angesehen, weil "Chefärzte" in den Köpfen nun mal männlich sind.
Das ist aber typisch Deutsch. In den USA tragen Pfleger*innen meistens andere Kleidung als Ärzte, und durchweg trägt jede Person ein Namensschild mit Berufsbezeichnung. Natürlich wird auch hier niemand mit Herr oder Frau Doktor angeredet, wir sind alle Doktor Soundso. Und Chefärzte gibt es hier schon mal gar nicht.

Ich persönlich gehe nur zu Ärztinnen, weil ich halt lesbisch bin, und es sehr unangenehm finde, wenn ein Mann an mir herumfummelt. Aber das hat mit dem Gendern nur sekundär zu tun.


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Re: Ablehnung gendergerechter Sprache in Thüringen

Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Dietlind hat geschrieben: Mi 16. Nov 2022, 01:48 Das ist aber typisch Deutsch. In den USA tragen Pfleger*innen meistens andere Kleidung als Ärzte, und durchweg trägt jede Person ein Namensschild mit Berufsbezeichnung.
Das mag in konkreten Situationen dort helfen, ändert aber das grundsätzliche Problem nicht. Die stereotypische Wahrnehmung wird lediglich durch weitere Signale maskiert. Werden diese weggelassen, kommen die gleichen Reflexe wieder zum Vorschein, weil sie nie entlernt wurden.

Auch in den USA werden männlich gedeutete Medizin-Personen tendenziell eher als Ärzte wahrgenommen, vor allem aber weiblich gedeutete eher als Pflegekräfte. Und im Vergleich nebeneinander ein männlicher Arzt als kompetenter eingeschätzt, als die weibliche Ärztin daneben. Die anderen Faktoren, Hautfarbe, Körpergröße, Behinderung könnt ihr selber dazu denken.

Sprache ist deshalb so entscheidend, weil jedes wahrgenommene oder gedachte Wort im Hirn Bilder, Erinnerungen und Gefühle anstösst, die über Jahre geprägt und immer wieder verfestigt worden sind. Weiter die gleiche Sprache zu benutzen bedeutet, aus dieser Denke nicht heraus zu kommen.
Gesperrt

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