Haben Wir es geschafft?
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Marlene K.
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Haben Wir es geschafft?

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Wie einige mitbekommen haben, bin ich am 03.07.2022 um 16:35 überfallen worden.
viewtopic.php?t=291&start=19470#p349153
Im folgenden gab es folgenden Artikel von Herrn Feddersen.
https://taz.de/Gegenwart-und-Zukunft-qu ... /!5865081/
Vor wenigen Stunden las ich von meiner guten Bekannten Trude, dass bei ihrem Ausflug ins Mecklenburgische in Schwerin ein Räuber versuchte, ihr die Handtasche zu entwenden und sie dabei auch persönlich schmähte — mit irgendwas übel Abträglichem in Sachen Trans. Trude war nämlich mal ein Mann.
...
Feiern sollten wir, dass das Wesentliche erreicht wurde. Schwule und Lesben sind, aus dem Blickwinkel von heterosexuell orientierten Menschen, vielleicht anders, aber...
...
Über den Rest wird gestritten, mehr und mehr auch in der nichtqueeren Öffentlichkeit. Eine Grundgesetzerweiterung mit einer Passage, die auch ausdrücklich Schutz der sexuellen Orientierung (oder Identität) benennt, steht auf der Agenda.
...
Denn das Gesetz ist den meisten Menschen im Lande gleichgültig. Queeres mit oder ohne Stern, (narzisstische) Ausstellung der Pronomen (he/his oder she/her), Spielchen um den Abschied von Geschlechtsbinaritäten, das alles ist eigentlich Kinderkram für 98 Prozent aller Wähler...
...
Mir ist es aber wichtiger, darüber zu berichten, dass eine gute Bekannte wie die transsexuelle Trude endlich als Frau anerkannt wird — und sich zur Wehr setzt. Das ist ein ermutigendes Zeichen. Bräuchte ich mal einen Bodyguard-Service: Ich würde auf Trude bauen. Mit Menschen wie ihr geht es sich wesentlich leichter durch die Welt.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Marlene K.
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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Auf diesen unsäglichen und offen transfeindlichen Artikel habe ich wie folgt geantwortet.
Liebe TAZ Mitarbeitende, lieber Jan Feddersen,
mit befremden sehe ich mich, mehr oder minde schlecht verborgen, in einem von mir mehr als kritisch bewertetem Artikel zum CSD benutzt.
Ich, Marlene Komitsch, bin die trans Frau, 62 Jahre, die in Köpenick am 3.Juli dieses Jahres auf dem Heimweg nahe meiner Wohnung am Nachmittag überfallen wurde. So weit sind die Fakten einer Polizeimeldung, die auch in der TAZ gemeldet wurde, der polizeilichen Veröffentlichung zu entnehmen, bis auf meinen Namen.
Jan, Du hast mich am 8.Juli dieses Jahres gefragt, ob Du meine Geschichte für einen Artikel benutzen dürftest. Diesem habe ich unter Vorbehalt zugestimmt. Daraufhin schriebst Du mir, dass Du aus Termingründen die Geschichte schon verfremdet benutzt hast.
Am Anfang und Ende des Artikels gibst Du Dich trans unterstützend und benennst meine Wehrhaftigkeit als zu bewundernd.
Anders im Fließtext:
"Feiern sollten wir, dass das Wesentliche erreicht wurde. Schwule und Lesben sind, aus dem Blickwinkel von hetersexuell orientierten Menschen, vielleicht anders, aber keine Aliens, die es zu züchtigen gilt."
Wo ist hier meine Identität? Bin ich der schwule Mann, der Männer begehrt? Oder darf ich der Mensch ohne Zuschreibung sein, der sich lieber mit Frau als mit Herr ansprechen lässt?
Oder ist das alles nur Kinderkram?
"Eine Grundgesetzerweiterung mit einer Passage, die auch ausdrücklich Schutz der sexuellen Orientierung (oder Identität) benennt, steht auf der Agenda."
Die Identität interessiert nur so nebenher. Nur die Orientierung ist für Dich wichtig.
"Außerdem kann ja nicht jede sexuelle Identität gewertschätzt werden: Pädosexualität sollte ja nicht gemeint sein."
Setzt Du hier den Kampf für trans und inter mit Kampf um Anerkennung pädosexueller Orientierung gleich? Das ist mehr als unterirdisch und wird und wurde so gegen Schwule und Lesben verwndet.
"Denn das Gesetz ist den meisten Menschen im Lande gleichgültig. Queeres mit oder ohne Stern, (narzisstische) Ausstellung der Pronomen (he/his oder she/her), Spielchen um den Abschied von Geschlechtsbinaritäten, das alles ist eigentlich Kinderkram für 98 Prozent aller Wähler jenseits der großen Städte."
Also ich bin in Deinen Augen eine Narzisstin, die sich mit kindlichen Fragen beschäftigt.
So gibst Du dem Täter, der mich mit "Scheiß Transe" betitelt, die Argumente in die Hand.
Du vergisst, dass es schwarze trans Frauen waren, die am 28. Juli 1969 maßgeblich den Kampf aufnahmen.
Ich verbitte mir, so missbräuchlich benutzt zu werden.
Danke an die anderen TAZ Mitarbeitenden, die glücklicherweise eine vielfältigere Sicht auf queere Fragen haben, als Du, lieber Jan.
Verärgert

Marlene Komitsch
Alle von mir dargestellten Fakten kann ich belegen, zum Beispiel die Anfrage von Jan Feddersen.

Das nennt Frau dann mal ein vergiftetes Lob. Ich bin gespannt, ob meine Zeitung diese Diskussion zulässt oder Herrn Feddersen schützt vor der Wehrhaften Frau, die mal ein Mann war. War sie das?
Marlene

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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 3 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Liebe Marlene,

nein, von dem Überfall auf dich habe ich nichts gelesen - die Outfit-Storys sind nicht so mein Thema. Aber nachträglich natürlich auch von mir alles Gute bei der Verarbeitung des Erlebten.

Der von dir zitierte Satz
Feiern sollten wir, dass das Wesentliche erreicht wurde. Schwule und Lesben sind, aus dem Blickwinkel von heterosexuell orientierten Menschen, vielleicht anders, aber...
erinnert mich an eine Podiumsdiskussion, die schon ein paar Jahre her ist. Da wurde auch aus dem Publikum von einem (offensichtlich) schwulen Mann gefordert, dass nach der Eheöffnung nun auch mal gut sein muss mit den Forderungen aus der LSBTI-Ecke. Das Wesentliche (die Eheöffnung) ist also erreicht und alle anderen sollen jetzt mal ganz still sein... Der Artikel von Jan Feddersen haut in dieselbe Kerbe, er kann eben seine schwulen Scheuklappen nicht abnehmen, aber das wissen wir ja bereits aus vielen anderen Artikeln von ihm.

Auch die Vorfälle beim diesjährigen Dyke-Marsch in Köln zeigen, dass wir noch lange nicht die "eine" Community sind, wie wir es ja nach außen immer gerne deutlich machen. Ich bin auch immer geneigt, von der einen und einigen Community zu sprechen/zu träumen, aber meine Frau (he) holt mich dann immer auf den Boden der Tatsachen zurück.
Hawadehre
Svetlana

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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 4 im Thema

Beitrag von Susi T »

Gut gemacht Marlene,
Ich hab allerdings erst den kompletten Text lesen müssen um zu sehen wie geschickt er unter die Gürtellinie getreten hat. Das ganze hat den Charme einer überzeichneten Karikatur aus dem rechten Lager.
Das Selbstbestimmungsgesetzt dann mit dem Versuch einer Spaltung der Gesellschaft gleichzusetzen, ist dann in meinen Augen die Krönung. Danke das du darauf geantwortet hast, obwohl du mit Sicherheit lieber anderes getan hättest. Weiter alles gute,
Liebe Grüße Tira (flo)
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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 5 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...meine klare Meinung ist, dass wir es noch lange nicht geschafft haben. Wir sind als Betroffene immer noch auf dem Weg in eine gesellschaftliche Anerkennung Toleranz und Gleichberechtigung. Zu stark sind tradierte Wertevorstellungen noch in der Gesellschaft hierzulande vorhanden und es wird eher wohl noch Generationen dauern, bis es soweit ist, dass jeder Mensch sich wirklich selbst bestimmen und seinem Gefühl entsprechend unbehelligt leben kann.

Grüße, Ulrike-Marisa
Marlene K.
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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 6 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Weil ich mittlerweile versuche mich von der Vorstellung zu trennen, den Artikel von Jan Feddersen öffentlich eingeordnet zu bekommen seitens der TAZ habe ich mal Herrn Feddersen in die Suchmaschine eingegeben um andere Stimmen zu ihm zu lesen. Spannend, was ich da so finde: https://taz.de/LGBTQ-Diskriminierung-im ... a/!169099/ https://verqueert.de/taz-zensiert-kriti ... userungen/ https://verqueert.de/taz-zensiert-kriti ... userungen/ Den ersten Artikel hatte ich zwar gelesen und einen Leser*Innenbrief dazu geschrieben, der natürlich nicht gedruckt wurde, aber dann vergessen.
Interessant finde ich den zweiten Vorgang, der die TAZ nicht wirklich gut aussehen lässt. Sie ist trotzdem "meine" Zeitung.
Marlene

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Re: Haben Wir es geschafft?

Post 7 im Thema

Beitrag von Susi T »

Hallo Marlene, ich fand ja schon schlimm was er über dich geschrieben hat, aber bei diesem Artikel hab ich bei der Hälfte aufgehört, einfach nur unterirdische Verleumdung und Hetze. Lass dich von diesem Typen nicht zu sehr beeinflussen.
Liebe Grüße Tira
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