Auf diesen unsäglichen und offen transfeindlichen Artikel habe ich wie folgt geantwortet.
Liebe TAZ Mitarbeitende, lieber Jan Feddersen,
mit befremden sehe ich mich, mehr oder minde schlecht verborgen, in einem von mir mehr als kritisch bewertetem Artikel zum CSD benutzt.
Ich, Marlene Komitsch, bin die trans Frau, 62 Jahre, die in Köpenick am 3.Juli dieses Jahres auf dem Heimweg nahe meiner Wohnung am Nachmittag überfallen wurde. So weit sind die Fakten einer Polizeimeldung, die auch in der TAZ gemeldet wurde, der polizeilichen Veröffentlichung zu entnehmen, bis auf meinen Namen.
Jan, Du hast mich am 8.Juli dieses Jahres gefragt, ob Du meine Geschichte für einen Artikel benutzen dürftest. Diesem habe ich unter Vorbehalt zugestimmt. Daraufhin schriebst Du mir, dass Du aus Termingründen die Geschichte schon verfremdet benutzt hast.
Am Anfang und Ende des Artikels gibst Du Dich trans unterstützend und benennst meine Wehrhaftigkeit als zu bewundernd.
Anders im Fließtext:
"Feiern sollten wir, dass das Wesentliche erreicht wurde. Schwule und Lesben sind, aus dem Blickwinkel von hetersexuell orientierten Menschen, vielleicht anders, aber keine Aliens, die es zu züchtigen gilt."
Wo ist hier meine Identität? Bin ich der schwule Mann, der Männer begehrt? Oder darf ich der Mensch ohne Zuschreibung sein, der sich lieber mit Frau als mit Herr ansprechen lässt?
Oder ist das alles nur Kinderkram?
"Eine Grundgesetzerweiterung mit einer Passage, die auch ausdrücklich Schutz der sexuellen Orientierung (oder Identität) benennt, steht auf der Agenda."
Die Identität interessiert nur so nebenher. Nur die Orientierung ist für Dich wichtig.
"Außerdem kann ja nicht jede sexuelle Identität gewertschätzt werden: Pädosexualität sollte ja nicht gemeint sein."
Setzt Du hier den Kampf für trans und inter mit Kampf um Anerkennung pädosexueller Orientierung gleich? Das ist mehr als unterirdisch und wird und wurde so gegen Schwule und Lesben verwndet.
"Denn das Gesetz ist den meisten Menschen im Lande gleichgültig. Queeres mit oder ohne Stern, (narzisstische) Ausstellung der Pronomen (he/his oder she/her), Spielchen um den Abschied von Geschlechtsbinaritäten, das alles ist eigentlich Kinderkram für 98 Prozent aller Wähler jenseits der großen Städte."
Also ich bin in Deinen Augen eine Narzisstin, die sich mit kindlichen Fragen beschäftigt.
So gibst Du dem Täter, der mich mit "Scheiß Transe" betitelt, die Argumente in die Hand.
Du vergisst, dass es schwarze trans Frauen waren, die am 28. Juli 1969 maßgeblich den Kampf aufnahmen.
Ich verbitte mir, so missbräuchlich benutzt zu werden.
Danke an die anderen TAZ Mitarbeitenden, die glücklicherweise eine vielfältigere Sicht auf queere Fragen haben, als Du, lieber Jan.
Verärgert
Marlene Komitsch
Alle von mir dargestellten Fakten kann ich belegen, zum Beispiel die Anfrage von Jan Feddersen.
Das nennt Frau dann mal ein vergiftetes Lob. Ich bin gespannt, ob meine Zeitung diese Diskussion zulässt oder Herrn Feddersen schützt vor der Wehrhaften Frau, die mal ein Mann war. War sie das?