Dali hat geschrieben: So 3. Jul 2022, 19:44
Entschuldige die Frage, aber was wäre dann das dritte oder vierte Geschlecht???
Für mich gibt es zwei Geschlechter, die allerdings durchaus untereinander vermischt sein können. M, W und ggf eine Mischung daraus. Aber die Mischung ergibt doch in meinen Augen kein drittes Geschlecht???
Oder sehe ich da etwas falsch?
Nicht
ganz falsch, aber - wie ich meine - unvollständig und zu stark vereinfachend. Ich biete eine andere Perspektive. Die hab nicht ich erfunden, sondern andere und sie ergibt sich aus den Erkenntnissen und ich bleibe da erst mal strikt in der Biologie, ganz ohne den kulturellen Kram namens Gender.
Geht wie folgt: Jeder Mensch ist biologisch komplex. Du kannst ihn wie einen Kristall von verschiedenen (biologischen) Seiten betrachten, mit unterschiedlichem Lichteinfall und du wirst bei den meisten zwar eine Hauptfarbe wahrnehmen - Rubine sind meistens rot - aber aus bestimmten Winkeln eben auch andere. Manche opalisieren vielleicht sogar (Chimären). Manche haben Einschlüsse. Übersetzt: Je nachdem auf was du guckst, Genitalien, Gonaden, Chromosomen, verschiedene Organe, Mitochondrien, Haarfollikel an unterschiedlichen Körperstellen, Drüsengewebe, verschiedene Hormonrezeptoren überall, kriegst du ggf unterschiedliche Antworten. It's a spectrum.
Sprich: EIgentlich ist biologisches Geschlecht also keine abzählbare Menge, schon gar nicht eine mit nur zwei Elementen ("M", "W"), sondern ein multidimensionaler Vektor (lies: Tabelle) mit - keine Ahnung - 5? 10? 15? Koordinaten. Je feiner du guckst, desto mehr Variationsmöglichkeiten (=Tabellenzeilen) lassen sich finden. Und je nachdem welche medizinische Frage gerade vorliegt, sollte ggf nicht auf Genitalien, sondern auf die tatsächliche Konstitution der betreffenden Organe geschaut werden.
Warum sollte das auf genau zwei reduziert werden? Was genau wollen wir also wissen, bei "biologischem Geschlecht"?
Was wir normalerweise damit ausdrücken wollen ist: "Du siehst von aussen (körperlich) so aus, als ob du diese und jene Fortpflanzungsorgane hättest".
Aber wozu soll diese Annahme eigentlich im Alltag gut sein? Naja, die Folge der Annahme ist in der Regel eben nicht biologisch - das interessiert nur Ärztys oder vielleicht Menschen, die Nachwuchs haben wollen - sondern "Gender": "...deshalb setze ich voraus, dass du dich soundso kleidest, verhältst, sprichst, angesprochen und behandelt werden willst, auf sexuelle Avancen reagierst", undsoweiter.
D.h. im Alltag ist nicht "biologisches Geschlecht" der Knackpunkt, sondern körperliche Signale, die kulturell - Gender - aufgeladen, vergeschlechtlicht wurden. Aus der Biologie sind wir da längst draussen. Die kümmert sich um viele tolle Details und nicht darum, ob oder wie Menschen in genau zwei Kategorien aufgeteilt werden können.