Marlene K. hat geschrieben: Do 21. Apr 2022, 07:28
In dem wir uns in der Gesellschaft verorten, egal ob als Frau, Mann, non binärer Mensch, schwul, lesbisch oder oder oder schreiben wir uns selbst Eigenschaften zu.
Ist es nicht anders herum ? Wir besitzen Eigenschaften und weisen uns dann einer Gruppe zu ?
Marlene K. hat geschrieben: Do 21. Apr 2022, 07:28
Oft wird diesen Selbstzuschreibungen von anderen widersprochen.
Das mag sein, aber ist der Widerspruch für meine Eigenschaften relevant ? Der Widerspruch hat doch seinen Ursprung in einer anderen Sichtweise anderer Menschen. Damit ist es zunächst ihre Sache, wie sie mich sehen. In zweiter Linie kann mich das betreffen. Im besten Fall ist das der Ursprung für einen Austausch. Im schlechtesten Fall erleide ich Gewalt. Wichtig ist für mich, dass man die zwei Ebenen (Eigensicht-Fremdsicht) nicht vermischt.
Marlene K. hat geschrieben: Do 21. Apr 2022, 07:28
wer den Mehrheitsvorgaben der Gesellsschaft in Begehren und/oder geschlechtlicher Identität nicht entspricht.
Ich würde nicht von "Vorgaben" sprechen, denn die sind nicht festgelegt. Meine Frau hat da sicher andere Vorstellungen als mein Nachbar, meine Freunde oder irgendwer auf der Straße. Wir glauben immer wieder, es gäbe Vorgaben, aber auf der Straße erlebe ich sie nicht.
Marlene K. hat geschrieben: Do 21. Apr 2022, 07:28
Da aber mehrheitlich wohl die erste Lesart üblich sein dürfte
Müssen wir uns das zu eigen machen ? Ich meine nein. Wir müssen vielleicht damit umgehen, aber zunächst müssen wir uns doch selber positionieren. Ich gebe Dir natürlich Recht, wir sind keine Mehrheit. Aber es kommt immer darauf an, wie man queer beschreibt. Als es den Begriff noch nicht gab, waren wir noch viel mehr Minderheit. Da gab es Schwule oder Transmenschen etc. Heute hat man alles unter einen Begriff gepackt. Die "Minderheit" ist ganz schön groß geworden. Wenn ich auch die Menschen hinzupacke, die jemals ein gegengeschlechtliches Kleidungsstück getragen haben, wird vielleicht sogar eine Mehrheit draus. Aber der Begriff löst sich in Wohlgefallen und Nutzlosigkeit auf.
Marlene K. hat geschrieben: Do 21. Apr 2022, 07:28
Wenn mir ins Gesicht gespuckt wird bin ich zunächst Opfer einer Straftat,
Klar, aber das meine ich nicht. Wenn mir jemand meinen Geldbeutel klaut, bin ich auch Opfer einer Straftat. Aber es wird sehr häufig behauptet, wir seien "Opfer" auf Grund unserer Eigenschaften und nicht einer Straftat. Ist das wirklich die Regel ? Ja, wir erleiden häufer Benachteiligungen im Berufsleben oder in anderen Gebieten. Aber wenn ich das akzeptiere, mache ich mich zum Opfer. Ich meine das im Sinne von " Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat verloren". Mir geht es um den Mut, die Dinge in die Hand zu nehmen. Vor allem für mich selber. Aber dafür brauche ich eine andere Einstellung. Ich bin
- ich,
- positiv zu meinen Eigenschaften eingestellt,
- ein nützlicher Teil in der Gesellschaft,
- stärker als ich denke,
- mutiger als ich denke,
- fähig, meine Sicht von der anderer Menschen zu trennen,
- unabhängig von der Meinung einiger weniger,
- sicher, dass es "die Gesellschaft" als homogene Einheit nicht gibt,
- mir darüber klar, dass ich eine differenzierte Sichtweise brauche,
- kein Opfer, sondern muss für mich einstehen.
Und das ist etwas, was ich mir für uns alle wünschen würde: positiver und aktiver zu werden und sich nicht in irgendwelche Scheinperspektiven zu drängen bzw. drängen zu lassen. Ich bin überzeugt davon, dann wäre auch unser Leben in der Gesellschaft viel selbstverständlicher und einfacher. Der Schalter dafür liegt in erster Linie in unserem Kopf, dann erst bei den Anderen.