Moin,
Helga hat geschrieben: Di 28. Sep 2021, 23:12
Ich finde bereits den Begriff "Geschlechtsempfinden" schwierig.
Manche Menschen nennen es "Identität". Das finde ich noch schwieriger. Ich meine das "Grundgefühl", dass wir ein Geschlecht haben. Aber was sind "typisch männliche oder weibliche Gefühle ?" Du sagst selbst, das ist für Dich bedeutsam, wenn Du darüber nachdenkst. Und ich glaube, die Frage gewinnt um so mehr an Bedeutung, je mehr man darüber nachdenkt, weil man so Strukturen im Gehirn prägt. Für mich ist diese Fage ja fast übermächtig.
Wally hat geschrieben: Di 28. Sep 2021, 18:30
Ich bezweifle sogar, dass es ein primäres, unmittelbares Geschlechtsempfinden (im Sinne geschlechtlicher Identität) überhaupt gibt - ob nun prä- oder postnatal. M. E. gibt es lediglich geschlechtlich unterschiedliche Emotionen und Motivationen (auch die nicht grundsätzlich unterschiedlich, sondern nur in der statistischen Ausprägung). Da aber gesellschaftliche Gender-Rollen auf diese unterschiedliche Emotionalität zugeschnitten sind, gerät man damit in Konflikt, wenn man da individuell ganz oder teilweise "andersrum gepolt" ist. Man fühlt sich dann in der aufgrund des Körpers zugewiesenen Rolle einfach permanent unwohl, teils unausgefüllt, teils überfordert, es geht einem vieles irgendwie "gegen den Strich". Aber erst wenn man bei einem allfälligen Rollenwechsel merkt, dass es einem in der anderen Genderrolle besser geht, wird einem auch rational bewußt, dass man geschlechtlich wohl "anders" ist.
Ich sehe darin einen Widerspruch. Einerseits vermutest Du kein unmittelmares Geschlechtsempfinden, andererseits geht es Dir nach einem Rollenwechsel besser. Woher kommt denn das bessere Gefühl, wenn nicht aus einem inneren Grundgefühl ? Wieso hast Du einen Konflikt, wenn Dir eine (unpassende) Rolle zugewiesen wird ?
!EmmiMarie! hat geschrieben: Di 28. Sep 2021, 18:20
beobachtest du bei dir eher eine (lineare) Entwicklung oder eine Basis die durch Beschäftigung mit Weiblichkeit
positive Kurven hat..ich frage das deshalb, weil es so klingt als wärst du ohne Beschäftigung mit Weiblichkeit
weniger weiblich..?
Es gibt definitiv eine Entwicklung, die aber mMn mehr mit äußeren Einflüssen und dem Umgang damit verbunden sein dürfte. Sie ist aber definitiv nicht linear, sondern schubweise. Hier einige Beobachtungen:
- Beginn der bewussten Wahrnehmung in der frühen Pubertät in den 70ern. Damals ging es um Kleidung und erste sexuelle Erfahrungen damit. Im Rückblick scheine ich zu dieser Zeit bereits das Gefühl gehabt zu haben, nicht ganz richtig zu sein. Aber ich habe versucht, die Anforderungen an mich auch gegen meinen inneren Widerstand zu erfüllen. Sexuelle Motive sind beim Dressen im Vordergrund.
- Mit der Zeit kommen Aspekte der Identifikation mit Weiblichkeit ins Spiel. Es gab aber praktisch keine Informationsmöglichkeit. Das Thema gab es praktisch nicht im Fernsehen, Radio oder Zeitung. Ich war auf mich alleine gestellt. Gefühle der Perversion sind an der Tagesordnung.
- Kontakte mit Mädchen und Frauen führen zu einer vorübergehenden Abminderung des Bedürfnisses, Weiblichkeit in irgendeiner Form zu leben. Es kommt aber immer wieder durch. In Krisenstiationen scheint das Bedürfnis stärker zu sein.
- Ein Durchbruch kam mit dem Internet und dem Vorläufer, dem Deutschen Forschungsnetz. Jetzt begann die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Sexuelle Aspekte treten immer mehr in den Hintergrund. Mir scheint heute die sexuelle Motivation als eine Art Ventil zu sein, um die eigene innere Krisenhaftigkeit zu bewältigen.
- Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt dann eine immer deutlicher werdende Weiblichkeit im Alltag. Es bildet sich eine eigene weibliche Sicht auf Sexualität heraus. Meine Persönlichkeit ist in vielen Bereichen typisch männlich, in anderen Bereichen typisch weiblich (im Sinne der allgemeinen Sichtweise). Ich kann für mich kein eindeutiges Geschlecht in Anspruch nehmen, aber ich kann auch keines ausschließen.
Wie Du schon schreibst, sind es Rückgriffe auf soziale Muster, die aber eine positive Wirkung zeigen. Damit dürften sie eine Basis im Unbewussten haben, da ich bewusstes Handeln und innere Werte in Einklang bringe. Ich könnte mir vorstellen, dass es solche inneren Prozesse sind, die zu einer positiven Ausstrahlung führen können. Du beschreibst ja ähnliches.
!EmmiMarie! hat geschrieben: Di 28. Sep 2021, 18:20
ich habe mal gesagt ich würde dafür sterben-dazu stehe ich noch immer...
Genau das meine ich, wenn ich eine starke, innere Bedürftigkeit wahrnehme. Ich weiß nicht, ob ich dafür sterben würde, aber unter "Entzug" bin ich in einer psychischen Ausnahmesituation, die nur begrenzt kontrollierbar ist. Ich fühle mich extrem unwohl und die Reize, die real und imaginär auf mich einwirken, kann ich nicht mehr richtig verarbeiten. Ich brauche eine Ausgewogenheit zwischen männlich und weiblich, um solche Situationen sicher zu vermeiden. Woher kommt das ?