Nicht gut genug um Blut zu spenden
Nicht gut genug um Blut zu spenden - # 2

edeka
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 16 im Thema

Beitrag von edeka »

mein erster Gedanke war:
eine Blutspende wird doch in jedem Fall auf infektiöse Krankheiten - insbesondere HIV - geprüft. Das ist doch das einzig entscheidende !
Oder stimmt das etwa nicht ???????
Darauf suchte ich den Artikel ab. Schliesslich fand ich dazu auf Seite 26 folgendes:
Jede einzelne Blutspende wird auf HIV, HBV und HCV untersucht. Die gegenwärtig verwendeten Tests sind sehr
zuverlässig, können jedoch die Problematik der diagnostischen Fensterphase nicht gänzlich beseitigen. Auch ein
direkter Virusnachweis mittels hochsensitiver Testsysteme (z.B.NAT) kann die Fensterphase nur verkürzen.
Ein Restrisiko wird nicht zuletzt ver bleiben, weil das Genom der Viren sich durch Mutationen stetig verändert und dadurch ein Testversagen nach sich ziehen kann. In dem Zeitraum 2007 bis2011 wurden vom Paul-Ehrlich-Institut insgesamt 17 Fälle mit einem negativen Ergebnis in der HIV-1 NAT-Pool-Testung dokumentiert. In 14 der 17 Fälle war der serologische HIV-Test positiv und in 13 Fällen konnte die HIV-Infektion in der HIV-1 Einzel-NAT-Testung nachgewiesen werden.
...
Mit Ausnahme von zwei Fällen konnten die Spenden auf Grund positiver serologischer Tests rechtzeitig gesperrt werden;
"Fensterphase" bedeutet der Zeitraum von Beginn der Infektion bis zur Möglichkeit des Nachweises per Test.
Die folgenden Zeiträume der Fensterphase werden in der Publikation von Hourfar et al 2008 angegeben: HBV: 31,4 Tage, HCV: 6,3 Tage, HIV: 9,7 Tage .
Also: ja, es werden alle Blutspenden getestet.
Der TEst war - Stand 2011 !! - sehr zuverlässig, wenn auch nicht 100 %.
Was ich nicht verstehe: warum vermeidet man die Fensterphase nicht einfach, indem man die Blutspenden erst nach dieser Zeit testet ?
Moghediena
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 17 im Thema

Beitrag von Moghediena »

ascona hat geschrieben: Di 26. Jan 2021, 12:44 Was ich nicht verstehe: warum vermeidet man die Fensterphase nicht einfach, indem man die Blutspenden erst nach dieser Zeit testet ?
Was ich weiß ist, dass Blut nicht lagerfähig ist. Das muss sehr zeitnah (direkt am Spendentag noch) weiterverarbeitet werden. Ich weiß sogar, dass die Beim Blutspendedienst extra Spätschichten haben, für die abends eintreffenden Konservern. Im Zuge dieser Verarbeitung wird das Blut dann für eine gewisse Zeit haltbar, ich weiß aber nicht in wieweit das ganze während der Verarbeitung verändert wird, was rausgefiltert wird etc.

Ich könnte mir vorstellen, dass der Test evtl. dann nicht mehr funktioniert. (keine Gewähr)
Karla
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 18 im Thema

Beitrag von Karla »

Ich sehe dieses Dilemma:
Es gibt nun mal Trans-Frauen, die mit Sex-Work ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch das Geld für eine Blutspende gut gebrauchen könnten.
Wie soll die Blutspendeeinrichtung die identifizieren?
Nachteil für die Trans-Frau: Keine zusätzliche Einnahmequelle durch die BlutspendeMonat: ca 100,-€ /Monat.
Risiko für Empfänger bei falsch negativem Test: wenn's dumm läuft HIV-Infektion: Kosten der Behandlung: 5-6-stellig!?
Mit dem Ausschluß müssen wir daher wohl leben.
LG Elly
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Michi
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 19 im Thema

Beitrag von Michi »

Elizabeth hat geschrieben: Di 26. Jan 2021, 23:10 Ich sehe dieses Dilemma:
Es gibt nun mal Trans-Frauen, die mit Sex-Work ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch das Geld für eine Blutspende gut gebrauchen könnten.
Wie soll die Blutspendeeinrichtung die identifizieren?
Es gibt nun mal Cis-Frauen, die mit Sex-Work ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch das Geld für eine Blutspende gut gebrauchen könnten.
Wie soll die Blutspendeeinrichtung die identifizieren?

Nach der auf Trans-Frauen angewendeten Logik müsste man doch ebenso alle Cis-Frauen als Blutspender ausschließen.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 20 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi,

Ich bin heutzutage wegen mehrerer Kriterien vom Blutspenden ausgeschlossen - u.a. weil ich in den 80er Jahren längere Zeit in England war. Das werde ich nicht mehr ändern können. Mir erzählte es ein Arzt so: Wenn ich eine seltene Blutgruppe hätte, dann würden sie die Spende trotzdem entgegen nehmen. Da mein Blut aber "Massenware" ist, können sie es sich leisten, es abzulehnen, denn in den Lagern ist eh schon genug eingelagert und von anderen kommt aus ausreichend frischer Nachschub. Sie suchen nach und brauchen einfach genug Vorrat bei den selteneren Kombinationen und weniger gut miteinander kombinierbaren Gruppen.

Nach der ersten Enttäuschung habe ich daraus gelernt, dass es erstens offensichtlich für mich genug Blut gibt, wenn es mal wieder nötig werden sollte, und zweitens dass das Blutspenden halt eine Frage von Angebot und Nachfrage zu sein scheint, wie so vieles auch. Wenn das Blut irgendeine exotiosche Untergruppe ist, die besonders knapp ist, dann werden die Risikokriterien zur Seite geschoben und das Blut abgenommen und natürlich entsprechend untersucht. Übrigens: Wenn auch 11 % der Transsexuellen risikoreiche Sexarbeit betreiben, so heißt es doch so viel, dass die übrigen 89 % doch nicht mehr zu dieser Risikogruppe gehören. Auch da ist dies Kriterium ziemlich an den Haaren herbei gezogen, um zu verschleiern, worauf es bei der Auswahl der Blutspenden eigentlich ankommt. Die Massenware zu beschränken. Sprich: Wenn die Blutsorte nötig, wird schon danach gesucht und darum geworben. solange mahe ich mich eher an anderer Stelle nützlich.

Mich ärgert es mehr, dass diesselben Kriterien auch beim Blutplasmaspenden gelten. Denn Blutspenden kann man nur alle drei Monate. Aber Blutplasma kann man alle zwei Wochen spenden und bekommt beim jeden Mal genauso viel Geld wie bei der Blutspende. Sprich: Wer Geld verdienen will, sollte Plasma spenden gehen.

Ach ja, und da hier Organ spenden angesprochen wurden. Ich habe mir gedacht: Da mache ich mir jetzt nichts mehr vor. Wer mein Blut nicht braucht, wird mit meinen Organen auch nicht mehr viel anfangen können. Das dürfte auch eher der Fall sein wegen Altersverschleiß und Schäden der Gewebe durch Medikamente und anderes. Wer wil denn schon eine abgenutzte Leber eingesetzt bekommen oder gar ein geflicktes Herz? ? Meine ausgeleierten T-Shoirts will ja auch niemand mehr als edles "Second Hand"-Exemplar haben.

Ich sehe es so: Meine wertvollen Qualitäten für die Mitmenschen sind halt woanders als bei Blut und Organen.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 21 im Thema

Beitrag von Karla »

MichiWell hat geschrieben: Di 26. Jan 2021, 23:32
Elizabeth hat geschrieben: Di 26. Jan 2021, 23:10 Ich sehe dieses Dilemma:
Es gibt nun mal Trans-Frauen, die mit Sex-Work ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch das Geld für eine Blutspende gut gebrauchen könnten.
Wie soll die Blutspendeeinrichtung die identifizieren?
Es gibt nun mal Cis-Frauen, die mit Sex-Work ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch das Geld für eine Blutspende gut gebrauchen könnten.
Wie soll die Blutspendeeinrichtung die identifizieren?

Nach der auf Trans-Frauen angewendeten Logik müsste man doch ebenso alle Cis-Frauen als Blutspender ausschließen.
Wenn 11% der cis-Frauen als Sex-Workerinnen tätig wären, dann müßten sie als Blutspenderinnen auch kritischer betrachtet werden.
Wenn auch nur eine falsch negative Blutspende (HIV) durchrutscht, dann ist der Schaden halt 6-stellig / ein Leben heftig beeinträchtigt.
Mit dem statistischen Verdacht müssen wir daher m.E. leben, der wirtschaftliche Schaden hält sich in Grenzen!
LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
Marlene K.
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 22 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Wie wäre es, wenn wir, die Gesellschaft, promiskes Verhalten oder Sexarbeit abfragen bei einer Blutspende? Das sind doch wohl allgemein anerkannt die Risikofaktoren und nicht die Homosexualität oder die Transidentität.

Alles andere ist eine Diskriminierung.

Um auf den Vergleich von Laila Sarah zurückzukommen über junge Männer auf dem Land und ältere Frauen in der Stadt:
Hier gibt es dann die Schadensfreiheitsrabatte, die diese privatwirtschaftliche Bewertung mit der Zeit mindern...

Ich habe früher Blut gespendet ohne finanzielle Vergütung, so wie es die meisten wohl heute noch tun. Ich habe nicht promisk gelebt und habe keine Sexarbeit gemacht. Ich spende kein Blut mehr trotz seltener Blutgruppe. Ich will nicht lügen.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Phi
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Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden

Post 23 im Thema

Beitrag von Phi »

Ich war vor ein paar Monaten Blutspenden, habe den Bogen wahrheitsgemäß ausgefüllt - bei mir liegt kein Risikoverhalten vor und dass ich trans bin hat dort niemanden gestört. Die Behandlung war absolut zuvorkommend! Beim DRK war das meine Erstspende. Habe dann ein paar Tage später einen Ausweis zugesandt bekommen und ein Dankesschreiben und dass sie sich freuen würden, wenn ich weiter spende.

Geld gab es da nicht, darum ging es mir auch nicht.
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