Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??
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Michaela Smile
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Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 1 im Thema

Beitrag von Michaela Smile »

Gedankenalarm......Wer oder was bin ich ??

diese Frage stelle ich mir jetzt schon mal wieder ne gefühlte Ewigkeit...

zuerst mal wieder ein Hallo an alle. Ich war ja schon ne Weile nicht mehr hier, halt stimmt nicht, ich hab mich nur nicht im Forum beteiligt, hab aber schon mal ab und an reingeschaut.
Mir fehlte irgendwie der Bezug "¦. oder so....

Mich beschäftigt intensiv die Frage nach dem Wer bin ich ? Was bin ich? Was will ich sein? Warum ist es so schwer mich auch nach außen so zu zeigen wie ich bin, mich wohlfühle? Warum zieht mein Umfeld das alles ins lächerliche? warum ist es anderen nicht einfach egal? Oder denke ich das nur?

Auslöser war wieder einmal ein Post hier vor längerer Zeit (finde den nicht mehr) und auch Kommentare in meinem Fr Bekanntenkreis oder meiner Frau..

Sie toleriert es (akzeptiert?) das ich "Frauen"- Sachen zuhause trage, aber nur im Haus. Wir gehen auch zusammen Shoppen (also ich im Male Modus) oder sie bringt mir das ein oder andere Teil mit.
Was sie aber überhaupt nicht verstehen kann ist warum ich Polster an Hüften und Brust einlege. Da wird dann schon mal richtig abgelästert, weswegen ich dann an Tagen an denen sie auch zuhause ist (idR Sonntags) die Dinger weglasse **snief**
Ich fühle mich dann aber irgendwie nicht vollständig, da fehlt was. Selbst wenn ich die Silis weg lasse und nur den leeren BH trage, was für mich sehr angenehm ist, fragt sie warum ich den das Teil anziehe, ich soll doch froh sein, das ich es nicht brauche. Wenn ich versuche es zu erklären, auch warum mir die Einlagen wichtig sind dann kommt wie immer die Frage/Aussage:" Also willst du doch eine Frau sein?!"

Will ich das?
Das ist sehr komplex.
Nach meinem Verständnis kann ich nicht Frau sein wollen. Ich bin eine Frau oder ich bin es nicht, Dann bin ich halt Mann oder irgendetwas dazwischen. Auch wenn das Erscheinungsbild etwas anderes sagt.
Gut, manchmal wünschte ich schon ich wäre eine Frau, weil dann vieles einfacher wäre. Aber vielleicht hätte ich dann das gleiche Problem nur von der anderen Seite......
Was ich für mich weis, ist das ich schon gerne einen feminineren Körper hätte. Statt der V — Körperform viel lieber ein A. Ich hätte unheimlich gerne eigene kleine Brüste, ein breiteres Becken, feinere Hautstruktur und vor allem vollere Haare. Rein schon aus Gründen der Ästhetik. Und ja, manchmal hätte ich das Ding zwischen den Beinen auch gerne weg. Aber da gibt"™s ja auch Mittel und Wege die Beule einigermaßen zu verstecken und so hinzubekommen das der feine Spitzenstring einigermaßen passt ;-)
Aber will ich deswegen eine Frau sein, oder bin ich im Kopf eine und versuche die Optik anzupassen? Woher weis ich das? Bin ich irgendwas dazwischen? Oder bin ich ein Kerl der einfach nur aussehen möchte wie eine Frau?

Ich benutze hier einfach mal den Terminus Frau. Denn mit Brüsten, Hüften, geschminkt und im Rock, nein — dann sogar in Hosen und nem bunten Top sieht eigentlich jeder Körper, vorausgesetzt es wurde ernsthaft und vernünftig ausgeführt und soll nicht lächerlich/aufgesetzt wirken, aus wie das was landläufig als Frau definiert/angesehen wird.

Und warum, wird bei jedem Mensch der so aussieht, oder bei dem erkennbar ist das er so aussehen möchte sofort und eigentlich immer was `sexuelles` impliziert? Die Gesellschaft, zumindest wenn ich auf Kommentare in meinem Umfeld zu dem Thema achte, assoziiert immer zuerst: " ..Aha, das ist n Kerl der sich nen Kerl angeln will"
Ich garantiere, wenn ich in meinen Lieblingsklamotten rausgehen würde, käme recht bald der Kommentar "... bist jetzt schwul oder was!?" oder würde bei meiner Familie nachgefragt ob ich denn neuerdings auf Männer stehen würde und was meine Frau dazu sagt.....

Nein, diese "sexuelle" Sache ist für mich absolute Nebensache. Interessiert mich überhaupt nicht. Und wenn, dann ist es so wie es ist i.O.
Ok, neugierig wäre ich schon mal wie das so anders rum wäre "¦.... :-D, aber halt nur neugierig.
In jeder Dokumentation die es dazu gibt, und das werden glücklicherweise immer mehr seriösere, kommt aber früher oder später das Gespräch darauf, : " ja es kann ganz normaler Verkehr durchgeführt werden und auch die Orgasmusfähigkeit ist gegeben". - Rumms da ist es wieder, die Unterstellung das es doch immer nur um das eine geht.
Klar, mir ist schon bewusst das für Transidente Menschen die eine vollständige Angleichung an das gefühlte Wesen vornehmen, es sehr wichtig ist, und freue mich auch, das es geht, aber muss das denn immer gleich auch als wichtig überall in den Vordergrund gestellt werden. Ist das nicht kontraproduktiv der allgemeinen Akzeptanz des Erscheinungsbildes gegenüber, das es vermeintlich nur um die Ausübung zwischenmenschlicher Turnübungen geht?

Warum müssen Menschen einen immer in die schwarz /weiß Schublade einordnen?
Warum werden Unterschiede immer nach z.B. Kleidern oder dem Erscheinungsbild gemacht?
Warum ist es heutzutage ganz normal wenn ein Mensch mit einem weiblichen Körper Anzug und Krawatte (z.B.) oder Baggy Jeans und Hoody, also nach außen hin ganz klar maskulin definierte Kleidung trägt, und warum ist es unglaublich, eine "das geht ja gar nicht" Sensation die man sofort breittreten muss, wenn ein Mensch mit einem männlichen Körper Kleidung trägt die der Designer ursprünglich für den anderen Körperbau vorgesehen hatte?

Es könnte doch alles so einfach sein "¦. und auch wiederum nicht

Ein Mensch mit einem männlichen Körper, der aber weiblich gelesen werden möchte.. (am besten auch nackt)
Es gibt aber auch Tage/Zeiten, da bin ich mit meinem männlichen Körper ganz zufrieden.
Das ist meist Situationsbedingt, oder eben nach aktueller Gefühlslage.
Manchmal bin ich die Michaela, manchmal bin ich der Dirk, manchmal bin ich die Michaela die aussieht wie n Kerl und manchmal bin ich der Dirk der aber eher nach Frau aussieht.

Es ist mir nicht unbedingt soo wichtig das ich in meiner "femininen" Erscheinung unbedingt auch mit meinem "Mädchennamen" angesprochen werde, obwohl es für mich auch ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit ist. Aber ich identifiziere mich fest mit meinem mir von den Eltern gegeben Namen. Eigentlich identifiziere ich mich mit beiden Namen, denn ich sage jeweils :" Ich bin...." und nicht "ich heiße..."

Woher weis ich was ich bin?
Bin ich ein "echter" Kerl? — wohl eher nicht.
Bin ich eine "echte" Frau im falschen Körper? - wohl eher auch nicht
Bin ich ein Kerl der denkt er wäre eine Frau im falschen Körper? - nee, auch nicht
Bin ich eine Frau im falschen Körper, die sich damit abgefunden hat ein Mann zu sein ohne es zu wissen, denkt wie ein Mann der sich manchmal wünscht wie eine Frau zu sein? - hmmm vermutlich auch nicht.

Woher weis ich das ?
Mein denken, so wie ich das tue ist für mich doch ganz normal. Woher weis ich ob mein denken und fühlen, also mein ich, dem eines "Mannes" oder dem einer "Frau" entspricht? Ich hab da doch überhaupt keine Referenz.
Wenn ich mich in meinem männlichen Körper im Spiegel sehen, dann ist das i.O.
Wenn ich mich aber als Michaela im Spiegel sehe, dann ist das richtig, und fühlt sich gut an. Dann muss ich einfach sagen, "jepp, das bin ich!"

Des öfteren fiel schon die Bezeichnung "Enby", "None-Binär". - Bin ich so was?
Nein, bestimmt nicht. Das ist was "außerirdisches....so hört es sich für mich zumindest an. Und ein Alien bin ich mit Sicherheit keiner. Obwohl, wer weis, wer weis **lol**

Meine Schwester, die nichts von meinem zweiten Leben weis, meinte einmal zu mir "eigentlich bist du nicht mein Bruder, sondern meine große Schwester..." - wenn die wüsste.
Vielleicht wäre das eine Gelegenheit gewesen mich Ihr anzuvertrauen, vielleicht...?

Ich schreibe mich schon wieder mal um Kopf und Kragen. Vor langer Zeit war ich schon mal viel weiter, da machte ich mir weniger Gedanken und schritt einfach zur Tat.
Vielleicht ist es ja auch die Anzahl an Jahren, die mich mehr über alles nachdenken lässt. Wer weiß?
Jedenfalls fühle ich mich als stünde ich wieder am Anfang und muss mir ne gewisse Selbstverständlichkeit einfach wieder erarbeiten......

Doch auch das wäre um vieles einfacher, wenn ich selbst genau wüsste wo ich mich einordnen kann.

"¦. meine Gedanken....... wollte ich jetzt einfach mal loswerden. Danke wenn ihr bis hierher durchgehalten habt. (he)
Michaela
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Hallo Michaela,

irgendwie kommt mir diese Frage jetzt sehr bekannt vor. Ich habe mal ganz viel dazu geschrieben (ist nicht mehr aktuell, vom 1.12.2018). Falls Du es lesen möchtest:
https://www.bookrix.de/_ebook-nicole-do ... s-bin-ich/

Du kannst das Ebook online lesen oder kostenlos herunter laden.

Gruß Erika
Michaela Smile
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 3 im Thema

Beitrag von Michaela Smile »

Hallo Erika,

dachte, nee besser hoffte, ich schon das sich sicher einige die gleiche Frage stellen. Das du sogar n Buch dazu geschrieben hast hätte ich jetzt nicht erwartet.
Danke dafür (he)
werde ich auf jedenfall lesen. 130Seiten...... Naja, heute Nacht nicht mehr :-)

Gruß
MIcha
Michaela
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Michaela,

ähnliches hat mich auch lange geplagt. Für mich habe ich eine Vorstellung entwickelt, mit der ich gut leben kann:

viewtopic.php?f=3&t=21013&sid=4a0087c17 ... 65#p293567
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Céline
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 5 im Thema

Beitrag von Céline »

Guten Morgen Michaela und Willkommen zurück

Danke für Deinen Post und deine Gedanken. Darauf etwas zu schreiben oder eine Antwort zu finden ist sehr schwierig und meiner Meinung nach fast nicht möglich.
Denn...... Wie fühlt sich eine Frau? Wie fühlt sich ein Mann? Sind wir doch mal ganz objektiv...niemand weiß das und kann es beantworten weil jedes Empfinden vollkommen individuel ist und nur eigene Gedanken und Emotionen spiegelt. Also kann niemand sagen wer wir sind. Alles andere sind nur Meinungen und Eindrücke die uns so gelehrt und anerzogen wurden. Und ich spreche hier nicht von Sichtbaren Körpermerkmalen sondern von dem das in uns steckt.
Zum Mann oder Frau macht uns doch die Gesellschaft oder Forderungen die gestellt werden.
Aber das wichtige ist doch das wir ganz tief in uns hineinhören und mit uns so umgehen und so leben das es uns gut tut. Im Grunde unsere Seele und parallel unseren Körper gesund erhalten und wenn dazu Dinge gehören die in anderen Augen pervers und abartig sind dann sollte uns eben genau diese Meinung nicht interessieren.
Mir ging es lange Zeit ganz genauso,ich wusste nicht wer ich bin. Ich wusste aber die von Kind an konditionierte Feststellung das ich " ein Mann bin und ein Mann zu sein habe".
Und eben genau diese Feststellung lebte ich aus Furcht und Scham mein Leben lang und lebte mein zweites Ich mit einem unglaublich schlechten Gewissen und den Gedanken Pervers und Abartig zu sein ein Leben lang.
Aber was hatte ich davon? Ok ich führte ein relativ normales Leben mit allem was dazu gehört aber nichts bleibt ohne Folgen. Ich bekam körperliche Problem die kein Arzt erklären konnte und meine Psyche wurde immer kränker. Das ging soweit das ich bereit war alles zu beenden. Erst als ich angefangen habe zu suchen, den Grund zu suchen warum ich so bin wie ich bin und Schritt für schritt gegangen bin wurde mein Zustand besser. Mich zu Stylen, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen, offen rauszugehen und wirklich zu leben brachte eine unglaubliche Besserung.
Aber auch heute noch die Frage: Bin ich eine Frau? Ganz ehrlich...ich weiß es nicht.
Ich sehe aus wie Eine, ich lebe wie Eine und ich werde gesehen wie eine Frau aber das ist nur eine optische Wahrnehmung, ein Gefühl.
Ich weiß nur eins. Mir geht es unglaublich gut bis auf einige Tiefschläge und Konsequenzen die mein Weg mit sich bringt aber ich lebe mein Leben.
Und die Sprüche die du genannt hast kenne ich sehr gut. Menschen funktionieren eben so, auch in meinem Umfeld. Da gibt es genügend die mich als Mann in Frauenkleidern sehen oder die Probleme damit haben aber andererseits überwiegt die Zahl derer die mich in ihr Herz geschlossen haben und offen annehmen. Und darunter sehr viele die ich zum Umdenken gebracht habe denn die Welt besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß.

Liebe Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
Stina
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 6 im Thema

Beitrag von Stina »

Liebe Michaela!
Also zu allererst einmal bist du ein Mensch. Du fühlst, du denkst also bist du. Ich als Bio Frau kann mir natürlich nicht vorstellen, wie es ist, in einem solchen Gedanken und Gefühls Chaos zu stecken. Zumindest nicht was die Identität angeht. Aber ich sehe grade bei meinem Cross dressenden Mann, was passiert, wenn man, gesellschaftlich nicht so recht in Raster passt. Für mich steht der Mensch im Vordergrund. Er bleibt aber auch immer ein er für mich, egal was er an hat! Ich weiß nicht, wie es für mich sein wird, wenn die Entwicklung weiter geht. Das sehe ich dann! Der. Sarkasmus innerhalb der Familie muss schlimm für dich sein. Versuche doch mal, den Menschen, der dir aus dem Spiegel entgegen guckt nur als Mensch zu sehen. Losgelöst von der Geschlechter Frage. Du hast das ja schon schön formuliert, du bist beides! Ist da nicht genug Platz für beide? Muss es eins sein? Das klingt jetzt vielleicht vermessen, aber manchmal wünsche ich mir, ich könnte auch zwischen den Geschlechtern hin und her switchen. Das würde den Alltag ab und zu einfacher machen! Nicht, dass ich mich als Mann fühle, aber ab und an nicht meine Frau stehen zu müssen, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen (immer adrett, erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, tolle Hausfrau, alle Termine im Kopf und im Bett der Hammer 🤐) das hätte schon was!!
In erster Linie sind wie empatische Wesen. Wir wollen geliebt werden und lieben, so wie wir sind. Mit allen Facetten. Es tut weh, abgelehnt zu werden, vor allem von sich selbst.
Du schaffst das, wirst auch irgendwann antworten bekommen, das glaub ich ganz fest, ganz liebe Grüße Stina
Diana.65
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 7 im Thema

Beitrag von Diana.65 »

Hallo Michaela.

Danke für deinen ausführlichen Post. (yes)
Ich sehe mich in vielen deiner Gedankengänge wieder. Jedoch habe ich es für mich bereits so umgesetzt, dass ich mir nicht mehr ganz so viel Gedanken darüber mache und lebe meine weibliche Seite immer mehr auch nach außen hin aus.
Sicherlich beschäftigt mich dabei auch die Frage, wer oder was bin ich, aber dafür habe ich inzwischen auch therapeutische Hilfe an meiner Seite. Ob das, wie wir denken und fühlen, männlich oder weiblich ist? An was sollen wir das fest machen. Wollen wir das überhaupt?
Schade ist es, wenn unser Umfeld negativ reagiert und es ins lächerliche oder sexuelle zieht. :cry: Gerade die Frage: "Bist du da jetzt schwul" hatte ich auch schon, hatte mir da aber schon im Vorfeld die Anwort: "Dann doch eher lesbisch" zurecht gelegt. Das hat dan den Fragenden erst mal den Wind aus den Segeln genommen.
Ich denke, dass wir vielen Vorurteilen nur mit eigener Offenheit begegnen können. Das wird zwar nicht in allen Situationen und bei allen Menschen helfen, erleichtert es uns aber ungemein.
Ich hoffe, dass du für dich für viele deiner Fragen Antworten findest.

Liebe Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
Wally
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 8 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe Michaela,

Was mir an Deinem Post spontan am meisten auffällt, ist so ein gewisses, geschlechtliches "Herumschlingern": heute so, morgen wieder ganz anders - als ob Du da gar keinen festen Standpunkt hättest und finden könntest, was ja dann auch den Kern Deiner Fragestellung bildet.

Aus meiner eigenen Lebenserfahrung bin ich zu dem Schluß gekommen, dass unsere tiefere, geschlechtliche Identität keineswegs so instabil ist, wie es manchmal scheint, ganz im Gegenteil: die ist so festgefügt, dass wir sie nicht mal willentlich verändern können. Ich hab's jahrzehntelang versucht, mit dem Ziel, endlich ein "richtiger" Mann zu werden, zuletzt jahrelang in einer Psychotherapie. Da ging NICHTS!

Das Problem ist nicht, dass wir keine Identität hätten, sondern dass unsere Identität sich nicht so glatt und eindeutig wie bei den meisten Menschen in das binäre, soziale Geschlechtergefüge einordnen läßt. Wir unterscheiden Männer und Frauen im Alltag nicht am primären Geschlecht (das ja auch bei uns i. d. R. zunächst mal eindeutig wäre), sondern an einer Vielzahl rein quantitativer, sich geschlechtlich überschneidender, sekundärer, körperlicher wie psychoszialer (!) Unterschiede, die alle zusammen eine Art Mosaik bilden, aus dem wir dann wiederum rein digital schwarz/weiß auf ein binäres Geschlecht schließen. Wenn dieses - in sich durchaus individuell festgefügte, stabile! - Mosaikbild in der Gesamtschau so uneindeutig ist wie bei unsereins, dann kippt eben die binäre Fremd- UND Selbstwahrnehmung situationsbedingt, fallweise/teilweise mal in die eine, mal in die andere Richtung: eben dieses geschlechtliche Herumschlingern, das Du beschreibst.

Was also tun? Momentan ist es ideologischer Zeitgeist, das binäre Geschlechterbild einfach für "falsch" zu erklären, für ein soziales "Konstrukt". Gerade für uns Transgender klingt das zunächst mal verlockend, weil doch gerade wir selber regelmäßig mit dem binären Geschlechterbild kollidieren: wir sind der lebende Beweis dafür, dass Geschlecht nicht (oder besser gesagt: NICHT NUR) eine binäre Kategorie ist. Aber sämtliche psychosozialen Geschlechtsunterschiede einfach mit der Planierraupe einzuebnen, geht an der menschlichen Natur vorbei: wir wollen uns binär als Männer oder Frauen sehen, das steckt ganz tief in uns drinnen. Wenn sich zwei Menschen begegnen, dann checken sie dabei als allererstes, blitzschnell, in Bruchteilen von Sekunden, das Geschlecht des Gegenübers ab: für die nachfolgende, soziale Interaktion ist das wichtiger und entscheidender als alles andere! Dass dieser binäre Erkennungsvorgang so blitzschnell - und im Normalfall auch höchst zuverlässig - funktioniert, ist angesichts der Kompexität dieser Erkennung anhand einer Vielzahl sich nur quantitativ unterscheidender, sekundärer Geschlechtsmerkmale nur dadurch zu erklären, dass das in unserem Gehirn fest verschaltet ist - eine erlernte Funktion könnte das niemals so schnell und zuverlässig leisten. Es liegt in unserer Natur, Menschen binär in zwei Geschlechter einzuteilen und in der Folge entsprechend unterschiedlich mit ihnen zu interagieren. Selbst bei uns Transgendern ist das so, obwohl wir selber in das binäre Schema nicht zu passen scheinen! Tief in uns möchten wir es halt gerne geschlechtlich eindeutig haben - bei uns selber genauso wie bei anderen Menschen.

Das binäre Geschlecht als psychosoziale Kategorie ausrotten zu wollen, ist nicht nur aussichtslos, weil es an der menschlichen Natur vorbeigeht; es ist darüber hinaus auch gar nicht wünschenswert. Transgender zu sein, ist ja keineswegs nur ein Problem; das Crossdressing und andere Brüche von Geschlechtstabus haben für uns ganz wesentlich auch ihren spezifischen Reiz, wir genießen den Rollentausch. Das könnten wir nicht, wenn es all die psychosozialen Geschlechtsunterschiede gar nicht mehr gäbe: denn dann gäbe es logischerweise auch keine diesbezüglichen Regeln und Tabus mehr, für das wohlige Kribbeln beim Crossdressing als Tabubruch wären keinerlei Auslöser mehr da. Es wäre dann einfach völlig egal und nichtssagend, ob wir Pumps oder Herrensandalen, ein Kleid oder einen Anzug, graue Socken oder Nylons tragen, oder ob wir uns Lippen und Fingernägel anmalen und uns Klimperglitzerzeug an die Ohren hängen oder nicht. Das alles würde in einer Einheits-Gender-Sauße einfach verschwinden: nicht nur von seiner Bedeutung her, sondern in der Folge dann mangels Bedeutung auch ganz real, zugunsten einer mausgrauen Uniform. Wozu sich noch aufwendig individuell kleiden, wenn das doch eh nichts mehr aussagt? Am Ende laufen wir dann wie bei Mao unseligen Angedenkens alle in denselben, schlabbrigen Unisex-Einheitskitteln herum, schon weil man einfach nichts anderes mehr kriegt. Für mich ist das eine Horrorvorstellung. "Gleichstellung" fördert Diversität nicht, sondern zerstört sie.

Zugegebenermaßen hilft das alles auch nicht dagegen, daß speziell uns Transgender das binäre Geschlechterbild im Alltag häufig hemmt und verunsichert. Ich kann dazu nur empfehlen, diese spezielle Herausforderung als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen: Leben bedeutet nun mal Höhen UND Tiefen. Wer überall nur möglichst glatt und widerstandslos mit dem Mainstream durchzurutschen versucht, der lebt nicht, sondern vegetiert nur. Ich habe mich fürs Leben entschieden.

Herzliche Grüße
Wally
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Wally
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 9 im Thema

Beitrag von Klaudia »

Hallo Michaela,

vielen Dank für den thread, diese Gedanken beschäftigen mich auch schon lange. Eine Antwort habe ich allerdings auch nicht parat.

Aber wie war es denn auf der anderen Seite, als Frauen die männliche Kleidung erobert haben? Coco Chanel wollte für die Frauen bequeme Kleidung. Wollte einengende Korsetts etc. aus der Damenmode verbannen und hat so auch angefangen Hosen zu tragen. Damals natürlich auch ein Skandal. Aber andere Frauen waren begeistert und haben das übernommen und so wurde es mehr und akzeptiert in der Modewelt.

Und genau dieser Schritt bleibt bei uns Männern, die gerne Frauenkleidung tragen, aus.

1. Wir TV's / CD's sind Wenige und machen es leider immer noch nicht offen und selbstbewußt genug (dazu gehöre ich auch)
2. Ich vermute mal, dass es auch nicht allzu viele Nachahmer geben würde
3. Es wird tatsächlich auch immer in die sexuelle Schublade gesteckt und damit wird es für die Mehrheit zu etwas Peinlichem, was man im Verborgenen macht

LG
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 10 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Hey Wally,

sehr gute Aufdröselung. Die Knackpunkt sind genau, dass Geschlechtsempfinden nicht immer binär ist, wir aber trotzdem von anderen so einsortiert werden. Interessanterweise haben auch Enbys unter sich das Problem. D.h. 1 kann durchaus selbst nicht-binär fühlen und trotzdem mit den binären Brille rumlaufen. Ob und wie viel diese Brille - oder Scheuklappen - angeboren oder anerzogen ist, lasse ich mal offen.

Genaus so wahr ist, dass die meisten Menschen mit den Zuschreibungen durch andere ziemlich gut klar kommen. Ob das tatsächlich so ist, oder nur Gewöhnung, well, only time will tell.

Es geht aber gar nicht wirklich darum alles für alle abzuschaffen. Das ist ein Pseudo-Argument, das eigentlich nur von -hm- Gender-Extremistys aller Seiten vorgebracht wird. Die einen wollen die Gender-Weltrevolution, die anderen zurück in die binäre Bigotterie der 50er.

Tatsächlich geht es um individuellen Respekt. Und das bedeutet nichts anderes, als das Geschlechtsempfinden anderer zu achten, sprich: individuelle Ansagen einerseits und Vielfalt von vornherein "mitdenken" andererseits. Schon können sich Frauen, Männer und alle anderen wahrgenommen fühlen - egal wie sie aussehen und egal wie sie sich kleiden.

Und vielleicht kriegen wir ja über die Zeit mal hin, Umgangsformen von Geschlecht zu lösen.
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 11 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hallo Michaela,
Da kam mir direkt eine Sendung in den Sinn:
"Mo more boys and girls" .
Dort wurde gezeigt, das vieles in unseren Köpfen verankert ist und anerzogen wird. Entscheidend sind hier die ersten Lebensjahre. Auch der so genannte Hormon-Cocktail spielt neben der Erziehung eine große Rolle. Früher wurden die Kinder, bis zu einem gewissen Alter, der Bequemlichkeit, vor allem auf dem Land, gleich angezogen. Weil damals Kleidung teuer war, konnte oder wollte man nicht alles neu kaufen, sondern wurde weiter vererbt.
In einigen Kulturen ist die Kleidung androgyn, da fällt eine Bestimmung schwer. Im Tierreich ist es oft an den Äußerlichkeiten festzumachen, wobei es bei unseren nächsten Verwandten schwierig wird.
Unsere jüngste Geschichte hat dazu beigetragen, eine Geschlechtertrennung vorzunehmen.
Ist das Geschlecht nicht eine subjektive Ansicht?
Egal von uns oder von anderen.
Ich frage mich oft, wer oder was bin ich und wo will ich hin.
Sein oder nicht Sein ist hier die Frage.
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 12 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Grüß dich Wally
Eigentlich ein guter Beitrag, aber hier
Wally hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 12:03 ..... gar nicht wünschenswert. Transgender zu sein, ist ja keineswegs nur ein Problem; das Crossdressing und andere Brüche von Geschlechtstabus haben für uns ganz wesentlich auch ihren spezifischen Reiz, wir genießen den Rollentausch. Das könnten wir nicht, wenn es all die psychosozialen Geschlechtsunterschiede gar nicht mehr gäbe: denn dann gäbe es logischerweise auch keine diesbezüglichen Regeln und Tabus mehr, für das wohlige Kribbeln beim Crossdressing als Tabubruch wären keinerlei Auslöser mehr da......
bist du zu kurz gesprungen. Vielleicht mag es für dich um den Regel & Tabubruch gehen, um das wohlige Kribbeln.....
Mir geht es aber darum, zumindest Stunden weiße eins zu sein mit meinem innersten. Zu sein wie ich wirklich bin.

LG Kerstin
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 13 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Huhu,

manche Probleme kann man nicht wirklich lösen, man kann sich nur damit arrangieren und eine praktische und pragmatische Lösung in form eines Kompromisses finden. Oder können wir das Hungerproblem auf der Welt lösen, die ganzen Kriege, den Leid, die Ungerechtigkeiten. Wir arrangieren uns damit und versuchen in unserem Umfeld etwas zu bewirken, wissend, dass es nur in unserem Umfeld bleiben wird. Wenn du z.B. mit einem Handicap geboren wurdest, kann man diese Dinge nicht rückgängig machen aber sich damit arrangieren und das beste daraus machen. Und genau so gehe ich es an. Ich bin ich und ich bin so wie ich bin. Wenn die Welt es nicht 100% akzeptieren und sich damit anfreunden kann, dann ist es eben so. Ich zerbreche mir in letzter Zeit nicht mehr so den Kopf darüber, sonder versuche so zu leben, wie ich es in diesem Augenblick empfinde. Praktisch und pragmatisch halt. Und es funktioniert mittlerweile ganz gut. Oder immer besser. Für mich und für alle Beteiligten. Manche gehen, manche bleiben, manchen ist es Schnuppe. Ich habe für mich zwei Sachen herausgefunden: 1. Keine Energie für Sachen verschwenden, die nicht machbar sind und 2. Ab einem Punkt akzeptieren und weitermachen. Das ständige Grübeln oder nach Lösungen zu suchen kann auch zu einer Unglücklichkeitfalle werden.

Ich hatte mal irgendwo gelesen:
Leiden entsteht beim Versuch zu kontrollieren wie Dinger zu sein haben, anstatt zu genießen, wie sie sind
VlG
The trick is to keep breathing

I have big dreams and a small world in between
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 14 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hallo Michaela,

Man merkt das du dich irgendwie in dem Vorherrschenden binären Modell der Geschlechter nicht wirklich wiederfindest, dass du auf der Suche bist nach einer Definition für dich um dich besser zu verstehen.

Du merkst die Grenzen von Begriffen wie Mann und Frau und das du beiden Bildern die meistens mit den Begriffen assoziiert werden nicht entsprichst.

Wer bist du?
Du bist ein Mensch.
Was bist du?
Ein Mensch der sich sucht, der dich unsicher ist über dich selbst.

Ich denke das geht oder ging den meisten von uns auch so.

Du stellt die rhetorische Frage warum alle immer Einen Menschen in Die schwarz- weiß Schublade einordnen und ich denke du beantwortest sie dir selbst, wenn du über EnBy und NonBinary schreibst.

Die meisten Menschen nutzen die schwarz-weis Schublade, weil sie sich mit einer "Erweiterung" unwohl fühlen.
Vielleicht spürst du mal rein warum der Begriff enby bei dir ein Bild von einem Alien erzeugt?

Dabei gibt es dieser Erweiterungen in anderen Gesellschaften aber es gibt sie auch biologisch.
Die Kaotai Thailands oder intersexuelle als Beispiel genannt.

Ich fühle mich heute als Enby, als genderfluid, als AndroGyn - dazwischen halt.

Und:
Warum reibst du dich sosehr am Begriff auf?
Warum scheint dir das begreifen so wichtig? Das einordnen?
Es sind letztlich nur Begriffe.

Viele liebe Grüße
Lori
Männlich / Weiblich: das sind doch bürgerliche Kategorien.
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Re: Gedankenalarm......Wer oder was bin ich??

Post 15 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich kann das Unbehagen bezüglich mancher Begriffe schon verstehen.

Worte haben Macht - in Gehirnen - weil sie da mit Bildern, Konzepten, Erfahrungen usw verknüpft sind. Weshalb mögen wir nicht (oder nicht immer) als "Mann" oder "Frau" bezeichnet, gelesen, behandelt werden? Weil bei uns und anderen damit Konsequenzen verknüpft sind.

Und "Enby", "nicht-binär", "androgyn" kann eben genau so mit eigenen Assoziationen verknüpft sein und denen anderer Menschen in unserer Umgebung, die vielleicht nicht positiv sind.

Manchmal reicht es schon, dass das "anders", das "nicht ins bekannte passen" ein Problem erzeugt. Weil zum Beispiel 1 selbst irgendwo zugehören möchte und die Umgebung auf "anders sein" mit Abgrenzung reagiert.

Wichtig finde ich nur, dass anderen Label weder aufgedrückt, noch verweigert werden.
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