Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?
Wieso trans, wenn alles erlaubt ist? - # 2

Lavendellöwin
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

doppeldoppelx hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 19:12 Warum möchten einige unbedingt ins andere Geschlecht? Das ist für mich schwer nachvollziehbar.
Hi Sandra...

ich könnte jetzt schon sagen, ich habe meine Diagnose, diese haben 2 Personen aus dem psychotherapeutischen
Bereich unabhängig voneinander bestätigt und mehrere Fachärzte unterstützen diese.
Ich will nicht ins andere Geschlecht, ich gleiche nur meinen Körper so weit an bis es für mich stimmig ist.
Mein Körper ist bis auf gewisse Faktoren schon weiblich-hormonell zum Beispiel.
Aber so einfach ist es nicht...

Ich könnte auch 2 Faktoren aufzeigen die mir locker die Möglichkeit geben würden mich im
intersexuellen Spektrum einzuordnen, die seit Geburt bestehen und tatsächlich habe ich mich äusserlich auch
eher sehr lange zwischen den Geschlechtern befunden. Selbst meine Liebste hat mich nicht als
vollwertigen "Mann" gesehen, sondern eher die "weiblichen" Eigenschaften an mir als Vorzüge positiv bewertet.
Und ich dafür ihre "männlichen"..
Wir beide haben die Einstellung lieben kann ich jede Person unabhängig vom theoretisch doch so eindeutigen
"Geschlecht"...ich sag lieber Gegut-klingt mir positiver..

Mir ist es völlig egal was ich trage oder nicht trage, auch nackt bin ich eine Frau, weil ich mich und auch mein
Umfeld so wahrnehme/wahrnimmt. Eine "männliche" Sozialisation hatte ich nicht, sondern eine eher neutrale..
Laila-Sarah hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 21:55 Es ist deshalb genau so sinnvoll oder sinnfrei wie zu fragen "warum z.B. du Autist bist, wenn du ja alles andere sein kannst?"
Danke Laila..das trifft den Kern...

aber und ich glaube, der wichtigste Punkt für mich ist, völlig egal wie mich wer definiert, das ich weiss wer ich bin.
Ich bin kein Wesen das in eine DIN-Norm zu packen ist, dafür habe ich zu viele Facetten.
doppeldoppelx hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 19:12 Und wenn ich auf einer Bühne stehe, in der Schwerbehinderte einen Dreck wert sind, dann spiele ich meine Rolle als Schwerbehinderte so, wie ich das Drehbuch schreiben würde.
Ah, schau du willst die Regisseurin und Autorin sein? Gleiches Recht für alle? Wär das okay?

Habt es gut..
Alles Liebe Marie (flo)
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Magdalena
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 17 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo.

Ich möchte noch einmal auf den Anfang dieser Diskussion zurück kommen.

doppeldoppelx hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 19:12 Wieso wollen Menschen im Körper des anderen stecken, wenn man in der heutigen Zeit theorethisch geschlechtsspez. keine Grenzen mehr hat.
Ein Mann darf Röcke tragen, eine Frau muss keinen BH tragen usw.
Ich meine, keiner hier möchte im Körper des anderen stecken. Aber der Körper passt nicht zum eigenen Geschlechtsempfinden. Quasi ein Fehler der Natur. E gibt dann nur für Transgender nun die Möglichkeit mittels Hormongabe und OP diesen Fehler der Natur zu korrigieren. Dennoch bleibt es immer noch der gleiche Körper. Und es bleibt für viele Betroffene der einzige Weg Körper und Identität in Gleichklang zu bringen.

Die Kleidung ist dabei nur ein äußerliches Zeichen, mit der ich mich in meiner Haut wohlfühle. Aber über Kleidung definiere ich nicht das eigene Geschlecht. Ich darf anziehen was ich möchte, da ist richtig. Wie dann eine von Andern sehen , ist etwas anderes.

Transgender haben meist eine starkem Leidensdruck, nicht im Einklang mit dem gefühlten Geschlecht geboren zu sein. Die Angleichung des äußern Geschlechts, und nicht der Wechsel des Geschlechts, ist ein langer Weg. Und nicht so mal schnell einen Rock oder eine Hose aus dem Schrank zu holen vergleichbar.


Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Alles unterschrieben, Magdalena, bei mir mit einer Ergänzung: Mein Körperempfinden war/ist genauso unspezifisch, wie mein Verhältnis zu den binären Gendern. Sprich: Dieser Körper war eben da, ohne dass ich mit seinen Features irgendwas anfangen könnte. Einige störten mich, waren unpassend, aber "die andere Variante", binär gesehen, war irgendwie genauso unpassend. Also warum sollte ich den Aufwand treiben?

Erst die Erkenntnis nicht-binär zu sein löste den Knoten: Körper und Gender können getrennt betrachtet werden. Der Zusammenhang zwischen Körper und (meist binärer) Genderzuordnung ist häufig, aber nicht zwingend.

Das war mir lange nicht klar. Dieser Körper gehört mir. Es ist keine ungeliebte Mietwohnung, wo sich halt nix besseres findet, sondern mein Eigenheim, das ich für mich gestalten kann. Nach meinem Wohlbefinden, hormonell und operativ. Ohne dass ich damit einem (binären) Typus folgen muss.

Es braucht kein Leiden (an Gender) für eine körperliche Veränderung. Aber ein solches Leiden ist natürlich auch ein triftiger Grund.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 19 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo,

also ich glaube dieser Thread führt gerade zwei Unterdiskussionen durch, die sich aber ergänzen.
1. Die anfängliche Frage, warum Menschen in bestimmte Schubladen wollen, wenn sie doch überall sein könnten (Fragesteller und die direkt drauf antworten)
2. Das der Inhalt der Schubladen nicht homogen ist (Jaddy, Erika)

Ich finde beides ist richtig. Menschen sind verschieden, Frauen sind verschieden, Männer sind verschieden, Enbies sind verschieden. Es gibt nicht DIE Frau, DEN Mann, DEN weiblichen- oder männlichen Körper oder -Gehirn. Dennoch fühlen sich Menschen bestimmten Schubladen zugehörig und in diesen Schubladen glücklicher als in anderen. So organisieren wir uns im sozialen Leben so funktioniert die Gesellschaft und das Individuum. Die einen brauchen mehr Schubladen, die anderen weniger. Aber der menschliche Gehirn ist assoziativ und funktioniert nur mit Schubladen. Manche Menschen beanspruchen sogar mehrere Schubladen (siehe Teilzeitfrauen z.B.). Aber wie gesagt ist jedes Individuum in jeder Schublade nie identisch, sogar sehr verschieden.

Ist doch alles prima und für mich alles schlüssig. Korrigiert mich wenn ich falsch bin.

VlG
The trick is to keep breathing

I have big dreams and a small world in between
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 20 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Laila-Sarah hat geschrieben: So 4. Okt 2020, 16:31 Aber wie gesagt ist jedes Individuum in jeder Schublade nie identisch, sogar sehr verschieden.

Hihi...

also in meiner Schublade ist es meist ziemlich kuschlig und ich mag auch ganz gern Besuch,
von Zeit zu Zeit mag ich da aber auch gerne allein sein
und ein Spagat zwischen 2 Schubladen ohne sich Aufzuwärmen, nee, das gibt eine Zerrung im Beckenbereich (ki)

(flow) Marie
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 21 im Thema

Beitrag von doppeldoppelx »

Erich_Erika hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 22:09
Laila-Sarah hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 21:55 Beim Transmenschen ist das Gehirn entgegengesetzt des biologischen Geschlecht "programmiert"
Wie soll denn bitte ein männlich oder weiblich "programmiertes" Gehirn aussehen oder funktionieren? Jedes Gehirn ist vollkommen individuell programmiert. Ob es nun trans, nicht binär, autistisch oder was auch immer ist, hängt doch nur von den Erwartungen oder Klischees ab, die von einer Person und/oder dem, was sie zwischen den Beinen hat, erwartet werden. Wenn es dann nicht passt, gibt es die entsprechende "Diagnose" oder "Indikation".

Liebe Grüße
Erika
Ich glaube, sie meinte eher, das ein Teil des Gehirns so programmiert ist, dass es glaubt, es sei im anderen Geschlecht. Auf den Rest des Gehirns hat dies keine Auswirkung.
Daher treffen beide Aussagen wohl zu.

Ich als Autistin habe dank des zweiten X, was leider immernoch falsch interpretiert wird, auch nicht nur autistische Gehirnanteile, sondern ein Mischmasch.
Genauso könnte es auch hier der Fall sein. Ein kleiner Teil ist anders als in der Norm und der Rest ist eben Norm. Dabei muss das nicht krankhaft bedeuten, sondern eben nur aus der Norm.
Es gibt auch Laborwerte, die aus der Norm sind, aber nicht krankhaft sind (weil sie kein Beschwerdebild verursachen). Hat was mit Statistik zu tun.

Mir geht es bei der Diskussion darum, mein gegenüber zu verstehen und mich durch Bildung und Erfahrung weiterzubilden.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 22 im Thema

Beitrag von Jaddy »

So ganz vereinfacht sehe ich die Problematik folgendermassen: Hirne sind äusserst komplexe Systeme, auf die ständig diverse Faktoren Einfluss nehmen. Einerseits biochemische von der Genetik über Hormone bis zur Nahrungsauswahl, andererseits Erfahrungen, Erinnerungen, Erziehung, Umgang mit anderen. Und das kann auch noch ungünstig aufeinander treffen und in einem Moment nachhaltig prägen.

Wir können das nicht unbeeinflusst betrachten, weil unsere Beobachtung durch diese Faktoren bereits verfälscht wird. Auch unsere Erinnerungen. Die wenigstens davon sind wirklich akkurat.

Anyway. Es entwickelt sich also ein erstaunlich flexibles Dingens, von denen jedes fähig ist zu all den Variationen, die wir jemals auf diesem Planeten gesehen haben, von Montezuma bis Gandhi, Hypathia bis Garbo, mit einem unscharfen Übergang zwischen Hardware (Physiologie) und Software (Psychologie) in Interaktion mit anderen. Und dann kommt die jeweilige Kultur, vertreten durch die Menschen um dich und bietet dir nur eines von zwei Verhaltens-Sets und darin nur wenigen Unterschubladen. Was eben so gängig ist in deinem Herkunftsumfeld.

Und diese Sets sind nach aktuellen Erkenntnissen weitgehend willkürlich. D.h. es gibt keine nennenswerten biologischen Faktoren für das, was wir so selbstverständlich "männlich" und "weiblich" einordnen. Das allermeiste ist nur tradierte, perpetuierte Gewohnheit, die genauso willkürlich mit körperlicher Erscheinung, Klamotten usw zusammen zu einer sehr limitierten, nämlich meist nur binären Selektion verquickt wird.

Ehrlich gesagt wundert es mich mehr, dass nicht viel häufiger gegen dieses streamlining aufbegehrt wird.

Alle Hirne sind Mischmasch. Die meisten werden mehr oder weniger erfolgreich dressiert, vereinfacht, beschnitten. Und diejenigen, bei denen das partout nicht klappt werden als gestört bezeichnet. Well... es könnte auch so sein, dass die dressierte Mehrheit da nicht die Deutungshoheit haben sollte.

Und vor allem ist es nicht logisch, sich selbst dressieren und beschneiden zu wollen/lassen. Höchstens bequem.

Trans bedeutet nach meinem Verständnis: Ich bin richtig, meine Empfindung ist richtig. Ihr habt nen Fehler bei meiner ungefragten Einordnung gemacht und das lass ich mir nicht mehr bieten.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 23 im Thema

Beitrag von gagalady »

doppeldoppelx hat geschrieben: Sa 3. Okt 2020, 19:12
Und wenn ich auf einer Bühne stehe, in der Schwerbehinderte einen Dreck wert sind, dann spiele ich meine Rolle als Schwerbehinderte so, wie ich das Drehbuch schreiben würde.
Hallo doppeldoppelx,
ich habe eine Verständnisfrage: siehst Du Dich als schwerbehindert an?
Wenn ja, würde ich das nicht wirklich verstehen. Autismus betrachte ich zwar als eine Gegebenheit, die zu gewissen Einschränkungen führt, wie so viele andere Umstände auch, aber eine Behinderung ist, denke ich, doch noch etwas anderes.
Und das meine ich jetzt durchaus sehr positiv, fühle Dich dadurch bitte nicht herabgesetzt oder absichtlich missverstanden.
Liebe Grüsse, GL
ohne Worte (sind gerade ausgegangen...)
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 24 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

doppeldoppelx hat geschrieben: So 4. Okt 2020, 22:34 ... Ich als Autistin habe dank des zweiten X ...
Du hast verstanden, was ich ausdrücken wollte. Kurz zum Autismus. Als ich mich als Mann in die Einsamkeit zurück zog, zeigte ich recht extreme autistische Züge. Eine Diagnose hat es aber nie gegeben, nur eine selbst-Beurteilung aufgrund dessen, was ich über Autismus gelesen habe. Nach meinem Outing als "Transfrau" waren diese weitestgehend verschwunden. Und mit Corona sind sie wieder zurück gekehrt.

Ich denke, Du überschätzt den Einfluss des zweiten X. Für mein Verständnis gibt es viele verschiedene Faktoren, (gesellschaftliche Umstände, Genetik, embryonale Entwicklung des Gehirns, Krankheiten*, ...) die letztlich zur Diagnose 'Autismus' führen.

* Hier gibt es Beispielsweise interessante Zusammenhänge zwischen Autismus und einer nicht optimal funktionierenden Darmflora. Könnte bei mir zutreffen, aber was hilft es mir, wenn ich es weiß? Es geht davon nicht weg. Also muss ich trotzdem damit klar kommen.

Liebe Grüße
Erika
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 25 im Thema

Beitrag von Jaddy »

gagalady hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 11:10Autismus betrachte ich zwar als eine Gegebenheit, die zu gewissen Einschränkungen führt, wie so viele andere Umstände auch, aber eine Behinderung ist, denke ich, doch noch etwas anderes.
Sorry, dass ich nur den einen Satz zitiere. Er bringt es einfach so gut auf den Punkt. Bezieht sich auch nicht auf Dich persönlich, sondern allgemein aufs Thema:

Auch beim Wort behindert gibt es unterschiedliche Perspektiven. Wir kennen meist nur "x ist behindert". Was aber viel häufiger der Fall ist: "x wird behindert". Nämlich durch Konstruktionen und Systeme, die höchstens für eine Minderheit junger, fitter, sehender, hörender, auf eine bestimmte Art sozialisierte und denkende Menschen ausgelegt sind. Sämtliche Konventionen, sowohl technische, architektonische, soziale, gehen von vielen Voraussetzungen aus, die für ihre Benutzung und Teilhabe gegeben sein müssen und alle anderen mehr oder weniger ausschliessen.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Erich_Erika hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 11:21Ich denke, Du überschätzt den Einfluss des zweiten X
Na, der Knackpunkt liegt vielleicht in der Verbindung von "ich hab diese Chromosomen [und in folge diesen Körper und damit verknüpftes Gender]" und "deshalb wird dieses/jenes Verhalten von mir erwartet". Das eine ist Biologie, das andere Kultur.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 27 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Jaddy hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 10:52 So ganz vereinfacht sehe ich die Problematik folgendermassen: Hirne sind äusserst komplexe Systeme, auf die ständig diverse Faktoren Einfluss nehmen. Einerseits biochemische von der Genetik über Hormone bis zur Nahrungsauswahl, andererseits Erfahrungen, Erinnerungen, Erziehung, Umgang mit anderen. Und das kann auch noch ungünstig aufeinander treffen und in einem Moment nachhaltig prägen.

Wir können das nicht unbeeinflusst betrachten, weil unsere Beobachtung durch diese Faktoren bereits verfälscht wird. Auch unsere Erinnerungen. Die wenigstens davon sind wirklich akkurat.

Anyway. Es entwickelt sich also ein erstaunlich flexibles Dingens, von denen jedes fähig ist zu all den Variationen, die wir jemals auf diesem Planeten gesehen haben, von Montezuma bis Gandhi, Hypathia bis Garbo, mit einem unscharfen Übergang zwischen Hardware (Physiologie) und Software (Psychologie) in Interaktion mit anderen. Und dann kommt die jeweilige Kultur, vertreten durch die Menschen um dich und bietet dir nur eines von zwei Verhaltens-Sets und darin nur wenigen Unterschubladen. Was eben so gängig ist in deinem Herkunftsumfeld.

Und diese Sets sind nach aktuellen Erkenntnissen weitgehend willkürlich. D.h. es gibt keine nennenswerten biologischen Faktoren für das, was wir so selbstverständlich "männlich" und "weiblich" einordnen. Das allermeiste ist nur tradierte, perpetuierte Gewohnheit, die genauso willkürlich mit körperlicher Erscheinung, Klamotten usw zusammen zu einer sehr limitierten, nämlich meist nur binären Selektion verquickt wird.

Ehrlich gesagt wundert es mich mehr, dass nicht viel häufiger gegen dieses streamlining aufbegehrt wird.

Alle Hirne sind Mischmasch. Die meisten werden mehr oder weniger erfolgreich dressiert, vereinfacht, beschnitten. Und diejenigen, bei denen das partout nicht klappt werden als gestört bezeichnet. Well... es könnte auch so sein, dass die dressierte Mehrheit da nicht die Deutungshoheit haben sollte.

Und vor allem ist es nicht logisch, sich selbst dressieren und beschneiden zu wollen/lassen. Höchstens bequem.

Trans bedeutet nach meinem Verständnis: Ich bin richtig, meine Empfindung ist richtig. Ihr habt nen Fehler bei meiner ungefragten Einordnung gemacht und das lass ich mir nicht mehr bieten.

Dem will ich widersprechen. Natürlich gibt es biologische und deutlich erkennbare Unterschiede für "typische" m/w-Kategorien: Allein schon der Körperbau und die daraus resultierende unterschiedliche Motorik läßt sich nicht verleugnen. Die meisten "Transen" (Bitte keine Diskussion über Wortwahl) in der Öffentlichkeit werden nicht an der Kleidung, sondern am Gang erkannt. Natürlich läßt sich die jeweilige Motorik antrainieren, und das war für mich auch sehr wichtig, und das Umschalteen geht automatisch. Auch bestimmte verhaltensmuster sind zunächst infolge der Ausprägung bestimmter Hirnregionen genetisch bestimmt, lassen sich aber hormonell (Entwicklung im Mutterleib) und kulturell (Kindheit) verändern.

Das durch dieses multifaktorielle (auch biologische!) Geschehen menschliche Vielfalt der Sexualität bzw. des Geschlechtsverständnisses das eigentlich Normale ist, bleibt leider den meisten Menschen verborgen. Und die Religionen, die primär zur Regulierung der Fortpflanzung erfunden - äh gegründet - wurden, konservieren diesen Zustand.

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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 28 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

So sehe ich das auch. Darüber hinaus prägt die Umwelt nicht nur das Gehirn, sondern das geprägte Gehirn nimmt Dinge anders wahr als andere. Das verstärkt die Wirkung des Selbstverständnisses.
Jaddy hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 10:52 Trans bedeutet nach meinem Verständnis: Ich bin richtig, meine Empfindung ist richtig.
Damit bin ich einverstanden. Aber wenn das Gehirn flexibel ist, warum beharrt es immer wieder auf einer Aussage zum Geschlecht, statt sich anzupassen ? Es muss also einen Teil geben, der entweder fix ist oder nur extrem schwer änderbar. Und warum ist das so und betrifft gerade das Geschlecht ? Ist das, was ich sehe und anfassen kann, entkoppelt vom eigenen Geist zu sehen ? Ist vielleicht körperliche Gestalt (z.B. Frau sein) etwas anderes als das Empfinden (z.B. Weiblichkeit) ? Liegt der Fehler im System in der Verknüpfung Frau-Weiblichkeit ? Das ist ja die Basis des Gender-Gedankens. Aber wenn das so ist, warum streben dann TG, in welcher Form auch immer, nach den äußerlichen Merkmalen des anderen biologischen Geschlechts ? Offensichtlich gibt es dann doch eine Verknüpfung.
doppeldoppelx hat geschrieben: So 4. Okt 2020, 22:34 Ein kleiner Teil ist anders als in der Norm und der Rest ist eben Norm.
Genau an diese "Norm" im Gehirn glaube ich nicht. Untersuchungen an Gehirnen von Taxifahrer in London
(z.B. https://www.welt.de/wissenschaft/articl ... ellen.html) haben gezeigt, dass diese Taxifahrer, vereinfacht gesagt, ein anderes Gehirn haben als "Normalbürger". Gibt es jetzt ein "Normgehirn" für Taxifahrer und eines für Normalbürger ? Oder sind Taxifahrer nicht normal ? Norm bedeutet immer auch Wertung. Norm bedingt aber auch die Definition einer Gesamtheit und von Kriterien. Was ist denn eine "Normfrau" ein "Normmann" ? Es gibt ein Konglomerat von unterschiedlichen Kriterien, sowohl körperliche als auch seelisch/geistige. Je mehr Kriterien verwendet werden, um so mehr verschwimmen die Begriffe, da die unterschiedlichsten Kombinationen möglich sind. Dazu kommt, dass die Kriterien auch zeitvariant sein können, wie uns alleine schon die Entwicklungen der Hormone mit dem Alter zeigen.

Genau genommen könnte man sogar den Transmenschen als das "normale" sehen, weil er sich in der Mitte des Spektrums ewegt. Mann oder Frau sind eher Extrempositionen. Vielleicht ist das sogar so, aber in den Gesellschaften ist im Allgemeinen die Polarisierung im Fokus. Das könnte mit der für die Gesellschaft notwendigen Reproduktion zu tun haben.

Aber das sind nur Gedankensplitter aus meinem "Normgehirn" ;-)
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 29 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Nora_7 hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 11:36Auch bestimmte verhaltensmuster sind zunächst infolge der Ausprägung bestimmter Hirnregionen genetisch bestimmt
Öhm, da wäre ich jetzt sehr interessiert, wie das konkret belegt werden könnte oder gar wurde. Menschliche Hirne sind ja bei Geburt noch weitgehend unspezifiziert, d.h. die neuronalen Bahnen fast gleichmässig. Bei Verhaltensexperimenten an Neugeborenen konnten mW keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gefunden werden. Und da Erwachsene mit Kindern praktisch immer geschlechtsspezifisch umgehen - dazu gibt es Studien - lässt sich bereits kurz nach der Geburt nicht mehr klären, was erlernt und was irgendwie endogen bedingtes Verhalten ist.

Die körperlichen Unterschiede in Knochenlängen und Muskelmasse entwickeln sich hauptsächlich in der Pubertät. Von daher sind auch Bewgungsmuster eher antrainiert als irgendwie physiologisch bedingt.
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Re: Wieso trans, wenn alles erlaubt ist?

Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 5. Okt 2020, 11:42Damit bin ich einverstanden. Aber wenn das Gehirn flexibel ist, warum beharrt es immer wieder auf einer Aussage zum Geschlecht, statt sich anzupassen ? Es muss also einen Teil geben, der entweder fix ist oder nur extrem schwer änderbar. Und warum ist das so und betrifft gerade das Geschlecht ? Ist das, was ich sehe und anfassen kann, entkoppelt vom eigenen Geist zu sehen ? Ist vielleicht körperliche Gestalt (z.B. Frau sein) etwas anderes als das Empfinden (z.B. Weiblichkeit) ? Liegt der Fehler im System in der Verknüpfung Frau-Weiblichkeit ? Das ist ja die Basis des Gender-Gedankens. Aber wenn das so ist, warum streben dann TG, in welcher Form auch immer, nach den äußerlichen Merkmalen des anderen biologischen Geschlechts ? Offensichtlich gibt es dann doch eine Verknüpfung.
Es gibt auch andere Aspekte, die fix oder nur schwer änderbar sind. Optimistische vs pessimistische Grundhaltung zum Beispiel. Misstrauen/Vertrauen in die Mitmenschen. Neigung zu metaphysisch/spirituell/religiöser Weltsicht.

Dass "uns" gerade der Aspekt Geschlecht (Sex, Gender) so auffällt, liegt mE daran, dass es zum einen aktuell so dominant ist. Es wird momentan sehr viel gender-seggregiert, auf bestehende Unterschiede aufmerksam gemacht, Veränderung der tradierten Rollenbilder und des maskulin-zentrierten Gesellschafts-Führungsprinzips diskutiert. D.h. Gender hat derzeit - und vor allem in unserer Blase hier - einen übermässig hohen Aufmerksamkeits- und Stellenwert.

Zum anderen ist es verdammt schwierig, sich selbst von den antrainierten Verknüpfungen von Körper und Gender zu lösen. Kein Mensch kann das wirklich unbeeinflusst und rational betrachten. Weder bei sich selbst, noch bei anderen. Ist dieser Wunsch nach körperlichen Veränderungen wirklich ein intrinsisches Körperbild oder zu welchem Teil stammt es aus dem Wunsch, in "der anderen" sozialen Gruppe zu sein? Wie viel der Angleichungen wäre krass gesagt vergleichbar mit dem sozialen Druck in bestimmten Gruppen/Gesellschaften zu Haarschnitt, Tätowierungen, Konventionen zu Nähe und Abstand zu anderen Menschen? Nach Jahrzehnten alltäglicher Wiederholung und vor allem ohne echte Alternativen - das wären ungegenderte oder anders gegenderte Gruppen - lässt sich der Ursprung nicht mehr feststellen.

Klar, dass dann alle Signale bedeutsam werden, die für 1 selbst irgendwie mit Geschlecht zu tun haben. Daran kann 1 aber auch sehen, dass es unterschiedliche Prioritäten gibt. Die Dysphorien sind höchst unterschiedlich, was einzelne körperliche und andere Aspekte angeht.

Ich weiss bei mir, dass ich diese Label "männlich"/"weiblich" für mich nicht verstanden habe. Mich nicht männlich gefühlt habe, weil unzureichend, keine Identifikation. Und trotzdem habe ich erst kurz vor der OP herausgefunden, dass ein gewisser Teil meiner Motivation dafür war, auch bei diesen Details nicht mehr falsch zugeschrieben zu werden - und auch in meinen eigenen Augen nicht ("na guck, also eigentlich bist du doch...").
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