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evacampelli
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Post 1 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Hallo liebe Freunde und Freundinnen hier,

ich bin ja hier im Forum eigentlich nicht dafür bekannt allzu tief in mein Seelenleben blicken zu lassen. :roll:
Ja, ich finde es grundsätzlich unpassend über tiefere Empfindungen und Sorgen in einem Internet-Forum zu schreiben.
Weil das hier ein sehr spezielles Forum mit besonderen Menschen ist und ich den Eindruck haben dass die Beteiligten hier mehr aufeinander und auf die Vertraulichkeit und Integrität achten, komme ich doch mal aus der Deckung:

Irgendwie hab ich seit 1/2 Jahr das Gefühl auf einer schiefen Ebene zu sein. Ich rutsche eigentlich ständig tiefer in das Leben als Frau rein ohne dass ich das bewußt entschieden hätte. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich das eigentlich nicht will.
OK, für mich ist es ja rein optisch ziemlich leicht das tägliche Leben als Frau zu bestreiten, solange ich Arbeit und das sonstige (nicht involvierte) soziale Umfeld irgendwie auf Distanz halte. Ich hatte ja auch schon an anderer Stelle angemerkt, dass mich die Erfahrung mehrere Tage Eva zu sein ziemlich beeindruckt hat.
Aber es geht nicht so weiter.

Meine Konzentration leidet - meine Arbeitsqualität sinkt dadurch - der private Lebens-Fokus verschwimmt und meine Zeit und Energie verwende ich mehr für Äußerlichkeiten als mir gut tut. Schließlich bin ich wirklich nicht die Beauty Queen...

Bis Anfang 2020 war ich eben nur gelegentlich und mit langen Unterbrechungen als Eva unterwegs.
Mal mit gleichgesinnten Bekannten einen Wein trinken, mal alleine in der Stadt zum einkaufen oder auch mit dem Rad unterwegs.
Einfach das Gefühl genießen als halbwegs attraktive Dame gesehen zu werden und sich vom Wind die Beinen streicheln lassen....
(Ja gut, Narzissmus spielt auch eine Rolle wenn ich in den Spiegel schaue...)

Das passte alles ganz gut zu meinem privaten Lebensrhytmus, zu meiner Arbeit und zu meinem Selbstbild. (Mann mit einem Faible für das weibliche.)
Drag in einer milden Ausprägung, irgendwie.

Über die Entwicklung und die Signale im einzelnen, die ich an mir in letzter Zeit wahrnehme muss ich eigentlich gar nicht viel schreiben....
Die die ich hier anspreche, kennen die ja selber. Lese ich jedenfalls aus vielen Beiträgen so raus.

Zeit der Entscheidung!
Nicht ob ich als Mann oder Frau leben will - so schwarz / weiss ist das ja nicht - sondern welche Richtung ich verfolgen will und auch verantworten kann.
Im Sinne einer Entwicklung also.

Irgendwer hat das sogar als Motto in seinem Profil:
Der Narr tut was er nicht lassen kann, der Weise läßt was er nicht tun kann.

Dabei dachte ich, ich bin da angekommen wo ich sein will. (Das stimmte auch bis Anfang des Jahres)
Aber gut es bleibt nichts wie es ist!
Gemütlichkeit ade' - es ist wieder mal Arbeit an der Persönlichkeit erforderlich.

Warum schreib ich das eigentlich alles?
Nun, zum einen hoffe ich auf Reaktionen, Meinungen, Erfahrungen, was auch immer. Davon werd ich zwar nicht wirklich stark beeinflusst, aber es erweitert den Horizont.
Zum anderen: ich denke es gibt gerade hier Menschen, die diese Situation kennen oder zukünftig mal an so einen Punkt kommen. In dieser Runde würde ich mich über einen Austausch freuen:
Wie war das bei Euch ?
Wie habt ihr solche Lebensweg Entscheidungen getroffen ?
Was hat Euch beeinflußt ?
Seid Ihr glücklich damit ?

So, jetzt schnell auf SENDEN Knoopf drücken, bevor ich mir das noch einmal anders überlege und den Threat lösche bevor es ihn gibt.

Liebe Grüße
Eva
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Re: Decision strongly required

Post 2 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Eva,

ich habe/hatte ein identisches Problem und werde dir heute Abend ausführlich über meine Erkenntnisse berichten. Jetzt mit Schmachtfön kann ich wie Trump nur Tweeten xD

VlG
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Re: Decision strongly required

Post 3 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV »

Hallo Eva,

ich finde das als Außenstehende ganz schön schwierig zu beantworten oder dir Tipps zu geben: Ich versuche mir Vor- und Nachteile/Risiken erstmal klar zu machen und anhand derer zu beurteilen ob es das Wert ist. Zweitens stellt sich die Frage leidest du - außer Konzentrationsschwierigkeiten - unter der jetzigen Situation? Wenn ja solltest du vielleicht mal erforschen was der Grund dafür sein könnte. Vielleicht ist das ein Ansatzpunkt um von hier aus mal zu bohren, wo dieses "Gefühl" herkommt.

LG
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evacampelli
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Re: Decision strongly required

Post 4 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Viktoria-TV hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:30 Hallo Eva,

ich finde das als Außenstehende ganz schön schwierig zu beantworten oder dir Tipps zu geben: Ich versuche mir Vor- und Nachteile/Risiken erstmal klar zu machen und anhand derer zu beurteilen ob es das Wert ist. Zweitens stellt sich die Frage leidest du - außer Konzentrationsschwierigkeiten - unter der jetzigen Situation? Wenn ja solltest du vielleicht mal erforschen was der Grund dafür sein könnte. Vielleicht ist das ein Ansatzpunkt um von hier aus mal zu bohren, wo dieses "Gefühl" herkommt.

LG
Viktoria
Hi Viktoria,
lieben Dank für Deine Nachricht. (dr)
Tipps oder Ratschläge sind ja ehr nicht das Ziel dieses Threats und hoffentlich stecken auch keine verstecken Fragen oder Hilferufe darin. (buch)
Ich wollte ehr einen Erfahrungsaustausch anregen um daraus für mich und andere einen Erkenntnisgewinn zu ziehen.

VG
Eva
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Re: Decision strongly required

Post 5 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Laila-Sarah hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:27 Hallo Eva,

ich habe/hatte ein identisches Problem und werde dir heute Abend ausführlich über meine Erkenntnisse berichten. Jetzt mit Schmachtfön kann ich wie Trump nur Tweeten xD

VlG
... ich freu mich darauf von Dir zu lesen!
Eva
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Re: Decision strongly required

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Wie es letztendlich weitergeht kannst nur du allein bestimmen.

Stell dir vor du befindest dich auf einer Reise zu dir selbst.
Tempo und Zwischenstationen sind alles was du beeinflussen kannst.

Gegen dich und deine Empfindungen anzuleben ist etwas, das man nicht auf Dauer ertragen kann. Das hast du bereits selbst festgestellt, deine Arbeit beginnt darunter zu leiden. Es leidet nicht nur deine Arbeit, sondern auch deine Gesundheit wird physisch wie psychisch aller Wahrscheinlichkeit nach Schaden nehmen.

Ich habe viel zu viele Jahre selbst versucht mein wirkliches Wesen zu verbergen. Das ließ sich oft nicht verhindern. Das ist der Grund, warum ich dir in deiner Situation keinen wirklichen Rat geben kann.

Heute bin ich Gott sei Dank in der Situation nicht mehr auf andere Rücksicht nehmen zu müssen, kann mich wesentlich freier bewegen als noch vor einem Jahr. Erholung pur hat begonnen. Weil ich mich so lange versteckt habe, geht es nun in kleinen Schritten voran.

Jeden dieser Schritte feiere ich mit dem kleinen Rückblick :
" Hättest du dich das noch vor einem Jahr getraut, nee aber heute." Das Gefühl ist unbeschreiblich schön.

Ich wünsche dir auf deiner Reise zu dir selbst alles erdenklich Gute

LG
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Re: Decision strongly required

Post 7 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:01 Drag in einer milden Ausprägung, irgendwie.
Liebe Eva...

hmmm...Drag in einer milden Ausprägung?
Da frage ich mich ist Eva wirklich oder ist Eva eine "Kunstperson", eine "Kunstform"?

Ja, es ist nicht schön von mir mit einer Frage in meine Antwort einzusteigen.
Aber andererseits hast du mit deinem Geschriebenen und deinen Fragen auch schon recht viel
Antwort geliefert. Also, aus meiner Sicht zumindest.
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:01 Über die Entwicklung und die Signale im einzelnen, die ich an mir in letzter Zeit wahrnehme muss ich eigentlich gar nicht viel schreiben....
Die die ich hier anspreche, kennen die ja selber. Lese ich jedenfalls aus vielen Beiträgen so raus.
Warum denn nicht? Ich fänd das toll, da trotz vieler Parallelen es doch auch Unterschiede gibt.
Und auf die Unterschiede bin ich nun wieder neugierig (smili)

An der Stelle, möchte ich auch wieder sagen, das mir Kleidung, Makeup und so weiter nicht wichtig sind.
Mein Körper, meine Seele sind die Punkte an denen meine Weiblichkeit ankert.
Anziehen kann ich was ich möchte, das ändert nichts daran und hat es auch nie.
Also nicht das ich jetzt Lust hätte Männersachen anzuziehen-das sollen Männer machen...hihi...
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:01 Nicht ob ich als Mann oder Frau leben will - so schwarz / weiss ist das ja nicht - sondern welche Richtung ich verfolgen will und auch verantworten kann.
Im Sinne einer Entwicklung also.
Das ist ein so sehr wichtiger Satz!
Bezogen auf decision strongly required, kann ich nur antworten let it flow..

ach, ich glaube das weisst du selbst sehr gut. Eine persönliche Entwicklung fliesst mal
schneller und mal langsamer. Wenn du nun fühlst, das du dein weibliches Sein mehr, hmmm,
kultivieren möchtest, tu das!
Es ist für mich so, das ich diese harten Wechsel, die auch ich manchmal hatte, also Erscheinung
Mann-Frau-Mann immer weniger nachvollziehen kann. Das ist wie gegen den Fluss zu schwimmen.
Anstrengend, verletzend und wenn ich mir die ganzen Jahre anschaue, einfach falsch.
Stimmt, es gibt dieses schwarz / weiss nicht, weil alle Menschen irgendwie immer ein bisschen enby
sind und es auch bleiben werden. Und ich sag das obwohl ich mich binär verorte.
Denn das bisschen enby gibt Freiheit...weibliche Fluidität.

Okay....
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:01 Wie war das bei Euch ?
Wie habt ihr solche Lebensweg Entscheidungen getroffen ?
Was hat Euch beeinflußt ?
Seid Ihr glücklich damit ?
Ermmmm..
Wie ist das bei euch, ist für mich die richtigere Frage..
ich bin eine Frau, aber ich entwickle noch immer mein weibliches Sein und ich denke,
das das nie endet.
Entscheidung getroffen? Nein, hab ich nicht, denn ich bin die die ich im Moment bin.
Und diese Person steht nicht still..

"Forever running even when we are standing still
Driven on and fired up as the whirlwinds blow
And shouting out inside "I'm proud of you, I'm proud of you"
Ten thousand footsteps echo down the Brixton Road
Eleven sweet years and no nearer home
A hundred thousands miles through this battle zone
Still high on the wire above the hollow darkness
Trying not to look down"

Eleven Years - New Model Army

Was hat mich beeinflusst....

mein Herz, meine Seele. Ich bin. Und nicht als...
An dem Tag an dem ich laut sagte, ich bin eine Frau, stand ich grade am Spülbecken und habe
abgewaschen. Mein Blick hüpfte so von Berg zu Berg, die Vogesen auf der einen und der Schwarzwald
auf der anderen Seite. Dann blieb ich an den Windrädern auf dem Rosskopf gedanklich stehen
und dann sagte ich es das erste mal laut zu meiner Liebsten, "wenn ich mitgekommen wäre 5 Frauen,
nicht 4 Frauen und ich" "ich bin eine Frau".
Mein Geist war in dem Moment völlig befreit, da draussen über den Bergen.

Hey...ja, ich bin überglücklich, aber auch traurig-das gehört bei der Entwicklung irgendwie zusammen.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Decision strongly required

Post 8 im Thema

Beitrag von Wally »

evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 10:01
Wie war das bei Euch ?
Wie habt ihr solche Lebensweg Entscheidungen getroffen ?
Was hat Euch beeinflußt ?
Seid Ihr glücklich damit ?
Liebe Eva,

Du willst offenbar einfach ALLES wissen :-)
Na gut: ich will's mal versuchen. Um keinen Roman daraus werden zu lassen, muß ich es stichpunktartig zusammenfassen; wenn Du zu einzelnen Punkten mehr wissen willst, frag einfach nach.

Lebensphasen:

Kindheit: Sissyboy. Leider nicht genussvoll spielerisch, wie man sich das heute vorstellt, sondern brutal diskriminierend - wie eben in den 50er Jahren mit einem "Jungen" umgegangen wurde, der nie wirklich einer war und sein konnte. Z. B. wurde ich monatelang am Abend jeden Tages, an dem ich aus egal welchem Grund geweint hatte (also nahezu jeden Tag...), zur Strafe eine Stunde früher ins Bett geschickt: "Ein Junge weint nicht!". "Genützt" hat es natürlich nix; obwohl ich deswegen auch von den Kameraden ständig gehänselt wurde und selber brutal darunter litt, habe ich meine Tränen erst als 16-Jähriger schließlich unter Kontrolle gekriegt - und dann aber gleich so, dass ich 10 Jahre lang überhaupt nicht mehr weinen konnte.

Jugend: "pervers". Transsexuelle gab's damals in den 60ern im Kollektivbewußtsein noch nicht. Ein Junge, der Mädchen nicht bloß geil fand, sondern in erster Linie beneidete und heimlich weibliche Kleidung und Wäsche anzog, galt damals nicht als Transgender (den Begriff gab's erst viel später), sondern als sexuell pervers. Man wußte es einfach nicht besser, und als Jugendlicher hatte man deshalb auch gar keine Chance, sich wenigstens für sich selbst von dieser moralischen Verurteilung zu emanzipieren. Als streng katholisch erzogener Junge kam für mich auch noch der Aspekt "Sünde" dazu, um mein sexuelles Selbstbewußtsein vollends in den Dreck zu ziehen. 20 Jahre lang permanent, aber vergebens gegen die eigene Natur angekämpft.

Junge Erwachsenen-Zeit: "Mann" spielen. Mit größter Mühe war es mir endlich gelungen, wenigstens äußerlich als "Mann" akzeptiert zu werden - nachdem mich meine Kameraden die ganze Jugend hindurch (damals sehr gegen meinen vergewaltigten Willen) "die Wally" gerufen hatten, mit konsequent weiblichen Personalpronomina. Erst sehr spät (mit 25) erste, sexuelle Beziehungen mit Frauen. Die üblichen, heterosexuellen Anbandelungs-Rituale blieben für mich immer ein Mysterium: so, wie heterosexuelle Frauen es von mir als vermeintlichem Mann erwarteten, konnte ich mich ihnen einfach nicht annähern und um sie werben, das ging so völlig gegen meine Natur, dass ich es noch nicht mal glaubhaft imitieren konnte. Ich hab's dann 20 Jahre lang verkrampft über Zeitungsannoncen probiert (Internet gab's noch nicht), und bin dabei von einer Beziehungspleite in die nächste geschliddert, bis hin zu einer 5-jährigen Hölle von erster Ehe, in der ich beinahe täglich körperlich wie seelisch mißhandelt wurde.

Therapie, Selbsterkenntnis, Coming out: Nach dieser ersten Ehe (ich war jetzt 36) begann ich eine Psychotherapie, um die Traumata der Ehe zu verarbeiten und "endlich ein Mann zu werden". Die Therapie - unterstützt von "Körperarbeit" in diversen, therapeutischen Gruppen - war sehr erfolgreich: fast alles in meinem Leben kam in Bewegung, sehr vieles wandte sich dabei zum Besseren. Nur der eigentliche Punkt, wegen dem ich eigentlich in erster Linie in die Therapie gegangen war - nämlich "endlich ein Mann werden" - bewegte sich keinen Millimeter. Ich mußte erkennen und akzeptieren - das war dann letztlich der wichtigste Erfolg der Therapie - dass ich dieses "Unmännliche" in mir nicht ändern konnte und auch gar nicht sollte, weil es der Kern meines Wesens war und ist. Ich lernte, das für mich anzunehmen und dazu zu stehen: den Crossdressing-Akt nicht mehr mit schlechtem Gewissen als heimliche, sexuelle Perversion eines "Mannes", sondern als Offenbarung meines eigentlichen Wesenskerns zu betreiben. Prompt kam damit auch meine Beziehung zu Frauen besser ins Lot: erstmals "funkte" es so richtig mit Frauen, die mir einfach über den Weg liefen; erstmals brauchte ich nicht mehr den verkrampften Weg über Zeitungsannoncen; erstmals kam ich bei Frauen an, die ich insgeheim schon immer angehimmelt hatte, bei denen ich aber in jüngeren Jahren nie auch nur den Hauch einer Chance hatte, weil ich sie mit meiner verkrampft aufgesetzten, falschen "Männlichkeit" abgeschreckt hatte. Und erstmals begannen diese Beziehungen auch intim wenigstens kurzzeitig gut zu funktionieren, erstmals konnte ich den Partnersex wirklich genießen und empfand ihn nicht mehr bloß als Pflichtübung.

Operation, zweite Ehe: mit 49 entschloss ich mich schließlich - nach langen, vergeblichen Versuchen mit Hormonen - zum chirurgischen Brustaufbau (den Unterleib ließ ich, wie er war, und lebte auch trotz der Brüste öffentlich/beruflich weiter als Mann). Das war mit Abstand die schwierigste - im Endergebnis aber auch die wichtigste und beste - Entscheidung meines Lebens: es vermittelt mir seitdem nicht nur ein harmonischeres Körpergefühl, sondern schützt mich vor allem vor den falschen Beziehungen: an diesen beiden "nackten Tatsachen" kommt seitdem keine Frau mehr vorbei. Diejenigen, die damit nicht zurecht kommen, scheiden schon im Vorfeld aus, und damit hatte ich endlich bessere Chancen, mit genau den Frauen zusammen zu finden, die wirklich zu mir passen. Es dauerte dann noch einmal ein paar Jahre, bis ich schließlich mit 56 Barbara kennenlernte: nach anderthalb Jahren heirateten wir und sind jetzt schon 15 Jahre glücklich zusammen.

Barbara hat mich von Anfang an so kennengelernt, akzeptiert und geliebt, wie ich bin. Das intime Zusammensein mit einer Frau, die mich in meiner ganzen Zwitterhaftigkeit akzeptiert und liebt, hat den transsexuellen Leidensdruck nahezu völlig aus meinem Leben beseitigt: dass ich weiter draußen nach wie vor als "Mann" gelte, ist dadurch kaum noch relevant, ich kann gut damit leben. Seit ich in Rente bin und folglich auch beruflich keine Rücksicht mehr nehmen muß, zeige ich mich zunehmend auch im öffentlichen Alltag mit meiner weiblichen Seite: ohne Anspruch, als Frau "durchzugehen" (was mir sowieso nicht wirklich möglich ist), sondern ganz offen als Mann UND Frau gleichzeitig. Und das ist für mich jetzt auch kein verquälter/verzweifelter Ausdruck transsexuellen Leidensdrucks mehr, sondern schiere Lebensfreude. Meine liebe Frau unterstützt mich dabei.

Ein klares "Happy End" also - wenn auch reichlich spät: ich mußte erst 50 Jahre alt werden und sehr viel Frust und Unglück (vor allem bezüglich Partnerschaft) erleben, bevor ich endlich auf die für mich richtige Schiene fand. Vom als "Junge" verkannten und mißhandelten Kind über eine zunehmend neurotische, als "pervers" stigmatisierte Jugend bis hin zu 20 Jahren verkrampfter, selbstverleugnender Schauspielerei als "Mann", bevor ich endlich lernen konnte, einfach und ohne Gewissensbisse "ich" zu sein.

Herzliche Grüße
Wally
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Wally
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Re: Decision strongly required

Post 9 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Ich hätte es vorher wissen müssen:

Ihr schickt so ausführliche, warmherzige, bewegende und tiefe Antworten, dass ich kaum wirklich darauf angemessen eingehen kann.
Das seht Ihr mir hoffentlich nach.

Ich möchte aber gerne mit ein bisschen Nachdenken später einige Gedanken aufnehmen und melde mich dann wieder.

Bis dahin: Vielen lieben Dank für Eure Zeit!

Eva
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Re: Decision strongly required

Post 10 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Hallo Eva,

ich überlegte auch bereits meinen Beitrag zu diesem Thema zu leisten. Es wäre aber wohl irgend etwas zwischen dem, was Wally und Petra Sofie geschrieben haben, heraus gekommen. Bis ich 58 wurde, habe ich krampfhaft versucht das Klischee eines Mannes zu bedienen - bis alles zusammen brach. Ich habe lange versucht den "Weisen" zu spielen - und wurde unglücklich. Jetzt zeige ich den "Narren" - und fühle mich erleichtert. Sollen mich doch alle für bekloppt halten!

Gruß Erika
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Re: Decision strongly required

Post 11 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Eva,

dann schreibe ich mal keinen Roman, damit du nicht noch mehr lesen oder beantworten sollst. Sondern so etwas wie: Mit dem Gabel ordentlich durchstechen und 6 min in die Mikrowelle bei 600 Watt. Fertig ... Nicht ganz

Kannst du dich noch an diese Thread erinnern?

viewtopic.php?f=16&t=20095&p=279028&hil ... on#p279028

Nun, die Fragen klingen irgendwie ähnlich und ich habe jetzt einige Erkenntnisse. Wobei es mit Nachdruck meine Erkenntnisse sind. Daher sie funktionieren so weit für mich und ich sehe darin weder eine universelle Weisheit noch eine Lehre. Ich Teile sie nur mit.

Auf die Frage, die mich am meisten beschäftigt hat ... wo das alles am Endeffekt hinführt. Habe ich natürlich keine Antwort aber bekannter Weise führen ja alle Wege nach Rom. Und was Rom für uns bedeutet kann sich jeder selbst denken. Für mich bedeutet Rom einen Zustand der Ausgeglichenheit, wo keine Seite von mir unterdrückt oder verleugnet wird. Wohlgemerkt auch die männliche nicht.
Meine Konzentration leidet - meine Arbeitsqualität sinkt dadurch - der private Lebens-Fokus verschwimmt und meine Zeit und Energie verwende ich mehr für Äußerlichkeiten als mir gut tut.
Darauf bezieht sich meine Erkenntnis. Also deine Produktivität, Zeit, Energie nimmt deine weibliche Seite als Druckmittel um dir zu erklären, dass Dinge sich ändern müssen. Du endlich mal mit ihr redest, zuhörst und emotional aufräumst. Jedes mal wenn du dies getan hast, wirst du zwar ein etwas anderer Mensch (mehr du selbst) und deine weibliche Seite wird immer mehr ein bewusster und aktiver Teil von dir aber du wirst auch merken, dass die Blockaden sich danach auflösen. Jetzt wirst du sagen (zumindest habe ich es gesagt): "Ich gebe ihr sowieso immer mehr Freiräume und stehe immer mehr zu ihr" aber die Wahrheit ist eher so, dass du den Fahrersitz nie freigibst und die Kontrolle nie aufgibst und sie somit nur kontrolliert gewähren lässt. Sie ist aber jetzt erwachsen(er) und will ihren eigenen Willen durchsetzen. Was dieser Willen bei deinem weiblichen Anteil ist, kriegst du nur du selbst durch den inneren Dialog mit. Unterm Strich zieht sie so ein Emanzipations-Ding durch und hat auch einen entsprechend langen Hebel in der Hand.

VlG
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Re: Decision strongly required

Post 12 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Laila-Sarah hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 17:58 Wobei es mit Nachdruck meine Erkenntnisse sind. Daher sie funktionieren so weit für mich und ich sehe darin weder eine universelle Weisheit noch eine Lehre. Ich Teile sie nur mit.
Genau dafür, liebe Laila, könnte ich Dich knutschen!

Die Fragestellung war wirklich sehr ähnlich und ich hab nochmal nachgelesen, wie ich im April darauf geantwortet habe!
Unschwer zu erkennen, welche Geschwindigkeit das Leben so aufnehmen kann! Ein Düsenjet ist eine Schnecke im Vergleich...

Aber nochmal zu Deiner Erkenntnis: Hast Du aus Deiner Analyse in Bezug auf die "Vorgehensweise" und emanzipatorischer Ziele deiner femininen Anteile denn etwas abgeleitet? Ich meine: Dir "zuhören" und mit dir "reden" im Sinne von mit Dir (bzw. der Laila) ins Reine zu kommen und ihr einen fair share des Lebens und der Kontrolle darüber zu geben.

//Ehrlich, ich find es gerade recht anstrend von Dir (oder auch mir selber) als zwei Personen oder autonomen Teilen zu denken und zu schreiben. Das ist doch leicht schizzo! //

Aber auch in anderer Hinsicht hat man ja bi- oder multipolare Anteile in sich.
Die kriegt man ja auch irgendwie harmonisiert. (faul/fleissig, liebenswert/grantig, selbstbewusst/schüchtern, ...)
Das ist vielleicht mal ein Ansatz. Was denkt Ihr?

Das ganz muss ja auch kein Ziel haben, irgendwo hinführen oder -schlimmer noch- irgendwo enden.
Um Marie zu zitieren: Let it flow.

Nochmal Danke und einen schönen Abend :))b

Eure
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Re: Decision strongly required

Post 13 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 21:28 Die Fragestellung war wirklich sehr ähnlich und ich hab nochmal nachgelesen, wie ich im April darauf geantwortet habe!
Unschwer zu erkennen, welche Geschwindigkeit das Leben so aufnehmen kann! Ein Düsenjet ist eine Schnecke im Vergleich...
Tja, wenn ich dir jetzt sage, dass die Menschheit in den letzten 200 Jahren mehr technologische Fortschritte gemacht hat als in den letzten 20000 Jahren klingt es auch schräg. Fakt ist, wenn die kritische Masse erreicht ist ...
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 21:28 Aber nochmal zu Deiner Erkenntnis: Hast Du aus Deiner Analyse in Bezug auf die "Vorgehensweise" und emanzipatorischer Ziele deiner femininen Anteile denn etwas abgeleitet? Ich meine: Dir "zuhören" und mit dir "reden" im Sinne von mit Dir (bzw. der Laila) ins Reine zu kommen und ihr einen fair share des Lebens und der Kontrolle darüber zu geben.
Richtig, da redet man nicht mit sich selber wie die von der Klapse sondern man hört auf gewisse Impulse zu ignorieren und versucht diese zu deuten. Bei mir war es, wie beschrieben, aufzuhören den Impulsen der weiblichen Seite durch die männliche Seite zu verifizieren/filtern sondern sie direkt zuzulassen. Das hat viel gebracht.Ein wenig so als ob du den Wagen Jahrzehnte lang selber gefahren hast. Dann irgendwann zugegeben hast, das noch eine Beifahrerin neben dir sitzt und sie dann hin und gelegentlich gefragt hast wo sie denn gerne hin würde. Das Fragen schließlich immer mehr geworden ist. Und du dann schließlich realisiert hast, dass sie nicht gerne von dir irgendwo hingefahren werden möchte sondern selbst fahren will. Jetzt tauschen wir öfters die Plätze.
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 21:28 //Ehrlich, ich find es gerade recht anstrend von Dir (oder auch mir selber) als zwei Personen oder autonomen Teilen zu denken und zu schreiben. Das ist doch leicht schizzo! //

Aber auch in anderer Hinsicht hat man ja bi- oder multipolare Anteile in sich.
Jupp, ich erstehe was du meinst. Aber Schizzo (sich Realitäten einbilden) und Bipolar (wirklich extreme Stimmungschwankungen) sind doch etwas anderes. Wenn es wirklich zwei Persönlichkeiten wären, die auch nichts von einander wissen, dann wären es multiple Persönlichkeiten. Ich glaube das meinst du.
evacampelli hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 21:28 Die kriegt man ja auch irgendwie harmonisiert. (faul/fleissig, liebenswert/grantig, selbstbewusst/schüchtern, ...)
Das ist vielleicht mal ein Ansatz. Was denkt Ihr?
Exakt! Dein hedonistisches Selbst vs. dein vorausdenkendes Selbst. Dein innerer Schweinehund vs. deine disziplinierte Seite. Dein sentimentales- vs. dein rationelles Selbst. Dein weibliches vs deine männliches Selbst/Seite. Es sind alles Antriebe von DIR und keine eigenen Personen. Aber sie beeinflussen dein Denken und Empfinden und dein Handeln. Gilt alles zu harmonisieren. Die inner Balance zu finden. Was ein wenig im Weg steht sind die eigenen- und die fremden Vorstellungen von dem wie du zu sein hast. Aus meiner Erfahrung sind die anderen Vorstellungen leichter zu Überbrücken (bis auf wenige Ausnahmen). Die eigenen Vorstellungen und Maßstäbe sind die schwereren Hürden. Zumindest bis man sie ernsthaft nach dem Sinn hinterfragt und wenig davon findet.

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Post 14 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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Hallo Eva,
das, was du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. Auch ich glaubte mal, Crossdressing sei die ideale Möglichkeit für mich, meine weibliche Seite auszuleben. Ich konnte die Rolle fast nach Belieben wechseln, brauchte mich nur in kleinem Kreis zu outen, VÄ/PÄ, HRT und GaOP waren für mich kein Thema.
Drei Jahre lebte ich daraufhin als Teilzeitfrau. Meine Gedanken kreisten damals zunehmend um das Thema Frausein und ich konnte mich immer weniger auf andere Aufgaben konzentrieren. Das brachte sowohl Ärger in der Firma, als auch Frust im Privatleben, weil nichts mehr rechtzeitig fertig wurde. Den Zusammenhang zu meiner Trans*-Geschichte erkannte ich aber zunächst nicht, weil parallel dazu noch ein "Scheidungskrieg" lief, der mir nicht weniger zusetzte.
Irgendwann war die Geduld meiner Vorgesetzten zu Ende und mir wurde ein Aufhebungsvertrag angeboten. Im Grunde blieb mir gar nichts anderes übrig, als darauf einzugehen.
Erstmalig in meinem Leben arbeitslos, hatte ich nun alle Zeit der Welt, mich meiner weiblichen Seite zu widmen. Die ursprüngliche Befürchtung, mir könne das Frausein irgendwann überwerden, erwies sich als völlig unbegründet. Im Gegenteil, je länger ich die neue Rolle lebte, umso mehr kehrten meine Lebensgeister zurück und ich konnte mich wieder besser auf anstehende Aufgaben konzentrieren.
Eines Tages fragte ich mich, wie es wohl wäre, wenn ich wieder eine Arbeit fände. Sollte ich mich dazu erneut als Mann "verkleiden"? Nein, das geht gar nicht! Damit war mir klar, dass es für mich künftig nur ein Leben komplett als Frau geben kann.
In meiner alten Firma hatte ich mich nicht geoutet und bis zuletzt den Mann gespielt. Als dann alle Formalitäten im Zusammenhang mit dem Aufhebungsvertrag erledigt waren, gab es keinen Grund mehr, dieses Spiel weiterzuspielen. Meine Männersachen konnte ich daraufhin entsorgen.
Das ist inzwischen 5 Jahre her. Die Entscheidung für den von mir eingeschlagenen Weg habe ich keine Sekunde bereut. Genaugenommen habe ich diesbezüglich aber gar keine Entscheidung getroffen. Das meiste hatte sich einfach so ergeben und ich habe mich lediglich nicht dagegen gewehrt.
Mein gesamtes Umfeld hat meinen Lebenswandel weitestgehend positiv aufgenommen und damit einen nicht unwesentlichen Anteil daran, dass ich meine Weg ohne nennenswerte Probleme gehen konnte.
Mit meiner heutigen Situation bin ich im Großen und Ganzen zufrieden, schließlich ist ein Lebenstraum für mich in Erfüllung gegangen, der jahrzehntelang unrealisierbar schien. Probleme habe ich natürlich trotzdem, aber die haben in der Regel nichts mit Trans* zu tun.
Vielleicht kannst du, Eva, dir aus meiner Geschichte ein paar Anregungen entnehmen?!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
evacampelli
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Re: Decision strongly required

Post 15 im Thema

Beitrag von evacampelli »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Fr 25. Sep 2020, 19:22 Den Zusammenhang zu meiner Trans*-Geschichte erkannte ich aber zunächst nicht, weil parallel dazu noch ein "Scheidungskrieg" lief, der mir nicht weniger zusetzte.
Liebe Andrea,
wir haben uns ja nun auch schon persönlich kennen gelernt und Du hast mir bei der Gelegenheit auch schon das eine oder andere erzählt, aber das wusste ich nicht. Von wirklich vielen hab ich schon gehört das die Phasen der zunehmenden Bedeutung von "Frausein" und Beziehungsprobleme zeitlich nah beieinander liegen. Siehst Du da im Rückblick einen Zusammenhang?

Das Thema Arbeitsleben erledigt sich bei mir in den nächsten zwei- drei jahren. Daher mach ich da bestimmt kein Fass auf.

Liebe Grüße an Dich Andea!
Eva
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