Angst
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Lebensplanung, Standorte
Frieda
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Angst

Post 1 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen liebe Erika❣️
Guten Morgen liebe Community❣️

Aus diesem Post von dir hier.. viewtopic.php?f=5&t=20094&p=289213#p289167 entstand der Gedanke zu einem neuen Thread, schon alleine aus dem Grund den Thread "Doku-Faden" nicht zu zerstören.
Deswegen habe ich nun auch auf deinen Wunsch hin, einen neuen Thread eröffnet
Erich_Erika hat geschrieben: Do 27. Aug 2020, 12:24 PS: Falls wir das Thema weiter diskutieren wollen, sollten wir einen eigenen Thread dazu auf machen.
...

Angst!? Kein leichtes Thema, egal ob es einen selbst betrifft, oder einen Menschen der uns am Herzen liegt.
Wir sprechen nicht zum ersten Mal darüber und ich selbst suche in unseren Gesprächen ernsthaft immer nach Worten, bei denen ich stark hoffe, sie mögen dich beständig erreichen können. Aber mein Geschriebenes zu dir, egal wie fürsorglich ich es auch noch abwiege, trägt keine Früchte ohne dein zutun, liebe Erika. Und schon in deinen Anfängen hier als Erika, und auch noch in der Endphase von Nicole, war es schon hin und wieder zu spüren, dass du an dir arbeitest❣️👍
Deine Reaktion die du dem Fb-Schreiber geschenkt hast unterschreibe ich 100pro, bis auf deinen "liebreizenden" Abschlusssatz, aber das weißt du ja sicherlich!? 😉

Angst kann, wenn sie ausufert eine Falle sein, ich weiß. Mir kommt gerade ein Gedanke in den Sinn, zum Thema "sich Sorgen machen". In meiner Bewusstseinsentwicklung kam ich vor Jahren an einen Bewusstseinspunkt, wo mir für mich selbst klar wurde, dass "sich Sorgen zu machen" zum guten Ton in unserer Gesellschaft gehört. Mir wurde klar, dass Menschen die sich in einer bestimmten Situation sich keine Sorgen um jemand anderen machten, als kaltherzig und egoistisch wahrgenommen wurden. Aber ich fing an, das Thema "sich zu sorgen" besser zu verstehen. "Sich nur Sorgen zu machen" ist absolut vergeudete Zeit. Wir sind nicht schlecht, wenn jemand anderes in Not ist, und wir nicht 24/7 deswegen uns nervlich fertig machen und wir deswegen uns selbst zu einem seelischen Wrack machen. "Sich nur Sorgen zu machen" hilft niemandem, nicht den Betroffenen und auch uns nicht❣️ "Sich nur Sorgen zu machen" bringt nur zusätzliche Last und Leid, für alle Beteiligten. Derjenige der sich in der Not befindet, könnte irgendwann zu dem Punkt kommen zukünftig zu schweigen, um seine Mitmenschen nicht zu belasten. Und der sich Sorgende stürzt sich mit dieser gesellschaftsfähigen Denkweise freiwillig in unnötiges Mitleid (im buddhistischen Denken übrigens ein gewaltiger Unterschied zu Mitgefühl☝️), weil es uns so antrainiert wurde. Ich empfinde das mittlerweile als falsch, und ich stelle sogar das Thema "Angst" mit auf dieselbe Stufe.
Angst darf uns vorsichtig machen, JA, aber sie darf uns nicht beherrschen, denn das ist für alle Beteiligten ebenso vergeudete Lebenszeit❣️Und zusätzlich berauben wir uns selbst unsere Lebensqualität.

Liebe Erika, ich schlage jetzt einen etwas härteren Ton an und das nur, weil du mir echt am Herzen liegst. Ich will nicht streiten, aber ich möchte gern einen gigantischen Felsen in deinem Hirn, der dich in deinem Denkprozess stellenweise doch noch blockiert, wenigstens noch ein bisschen weiter lockern können, denn zum endgültigen Rollen kannst nur du ihn bringen.

Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen über die Dinge, beunruhigen die Menschen. Leiden ist immer eine freiwillige Entscheidung. Wenn du denkst, eine andere Person sei die Ursache deines Problems, bist du verrückt, sry.
Denn (eigentlich) sind unsere Gedanken harmlos, solange wir ihnen nicht blind glauben. Gedanken sind ungeprüfte Geschichten. Solange du deine Gedanken/"Geschichten" blind glaubst, bist du nur offen für den Schmerz. Du wirst sogar zur Ursache deines Leidens. Unsere Gedanken beeinflussen maßgeblich unser Leben.
Wir geben negativen Gedanken zu viel Raum, und unserem Verstand und unserem Mitgefühl zu wenig❣️ Und wir überschätzen unser eigenes "Wissen".
Der Fb-Schreiber zB, ich selbst bin mir nicht sicher, ob er Dich wirklich so negativ wahrgenommen, bzw dich nicht verstanden hat, wie Du es darstellst. Uns selbst, und unsere eigenen Gedanken ernsthaft zu hinterfragen, unsere Gedanken ernsthaft zu untersuchen, wieviel von unseren Gedanken wir wirklich 100%-ig wahrhaftig wissen, ist sehr ausschlaggebend für unsere noch folgenden Gedanken und unser eigenes Wohl, liebe Erika.
Das Leben wird grundsätzlich einfacher und freundlicher, wenn wir unsere stressigen Gedanken wahrhaftig hinterfragen, denn uns selbst können wir nicht belügen!!!
Wut lässt unser Mitgefühl schrumpfen. Eine Haltung von Mitgefühl zu kultivieren und Weisheit (besondere Einsicht) zu entwickeln, sind langsame Vorgänge, dafür braucht es unsere Geduld und unsere Beständigkeit. Zusätzlich sollte man auch sehr freundlich mit sich selbst sein, wenn man etwas Neues lernt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Alte eingefahrene Wege, spuren wir immer und immer wieder viel einfacher nach, als für uns selbst neue Wege, auch in unserem eigenen Denken, zu gehen.
Das menschliche Hirn ist echt genial, aber leider auch faul und träge. Neues fällt uns immer schwerer, als altes Gewohntes. Dazu kommt, dass uns Altes und Gewohntes, sich für uns viel "richtiger" anfühlt, als Neues. Ob es aber wahrhaftig richtig ist, wissen wir nicht immer sicher, wir glauben es nur, eben, weil wir es ja schon sooo lange tun. Eine Überzeugung ist, was wir oft schon jahrelang glauben.
Es gibt eine Apathie und Faulheit die aus einer gewissen Geistesschwäche herauswächst. Wir gewöhnen uns daran auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln ---> wir sind verwöhnt (!), wir tun nur noch das was uns gefällt, und/oder unseren Gepflogenheiten entspricht.
Und wie überwinden wir diesen Zustand?
Wir machen uns die Gewohnheitsbildung ebenso zu nutze, indem wir etwas immer und immer wieder tun, können wir unzweifelhaft neue Verhaltensmuster einüben. Durch stetiges bemühen können wir jegliche jede Form der negativen Konstituierung überwinden und positive Veränderung in unserem Leben herbeiführen.


Ich weiß ich habe schon wahnsinnig viel geschrieben, verzeih es mir bitte Erika.
Zwei Punkte möchte ich im Abschluss noch anbringen dürfen ... Bitte!?

Zum einen das Thema Akzeptanz:
Ein bestimmter Spruch vom Dalai Lama hat in mir, meinen Felsen zum Rollen gebracht, ich glaube ich habe ihn hier auch schon mehrfach erwähnt.
"Akzeptiere es. Es ist nicht Resignation, doch nichts lässt dich so viel Energie verlieren, wie die Diskussionen und der Kampf um eine Situation, die du nicht ändern kannst!".
Und damit meine ich ganz konkret andere Menschen. Niemand auf der Welt hat die Macht, oder das Können einen anderen Menschen zu ändern das können wir nur selbst❣️ Und irgendwie finde ich, hilft mir dieser Spruch auch jetzt in Coronazeiten.

Und das zweite.. Ich las eine Geschichte über einen Novize, der irgendwann einmal schwer verletzt in einer Klinik lag. Es ging ihm wirklich schlecht, er driftete immer weiter ins Jammertal ab, keiner der Mediziner oder Pflegekräfte vermag ihn mental aufzubauen. Der Novize sehnte sich nach seinem Lama und glaubte von ihm DIE Worte zu hören, dass der Lama ihn als Einziger verstehen würde in welchem Leid er sich momentan befindet. Der Lama besuchte ihn auch für wenige Augenblicke und sagte zu ihm nur folgendes .. "Entweder du stirbst oder du erholst dich wieder!".

Es sind allein deine Gedanken liebe Erika, die die Macht besitzen in deinem Leben etwas zu verändern❣️
Ich hab dich lieb und denke wohlwollend an dich❣️

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

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Bea Magdalena
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Re: Angst

Post 2 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena »

Frieda hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 09:20 Frieda hat geschrieben...

Liebe Frieda,

Deinen Worten möchte ich zustimmen!
Nur: ich glaube, sich zB um einen lieben Menschen, der schwer erkrankt ist, zu sorgen oder Angst um ihn zu haben, ist nicht antrainiert, auch gehört es nicht nur zum "guten Ton", sondern es liegt in unserer Natur, es ist einfach menschlich.
Auch wenn es beiden überhaupt nichts hilft.
Sry
ich bin keine Frau, leider
und werde bedauerlicherweise auch nie eine Frau (100%) werden können.
Aber: ich fühle mich als Simulation einer Frau und dabei bin ich mega glücklich!
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Re: Angst

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Hallo Frieda,

deine Antwort zeigt die Problematik - wie natürlich nicht anders zu erwarten - aus einem ganz anderen Blickwinkel. Meine Angst entsteht schlicht und einfach daraus, dass ich keine Chance mehr für die Nicole sehe, irgendwie richtig zu leben. Mit "Maulkorb", Abstand und ausgesperrt ganz alleine ist es einfach nur unerträglich. Genau deswegen gibt es die Nicole auch in diesem Forum nicht mehr. Und irgendwie treffender als der buddhistische Lama in Deiner kleinen Geschichte kann man die Situation nicht deuten:
Frieda hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 09:20 Entweder du stirbst oder du erholst dich wieder
Das trifft es. Der olle Klaus wurde mit dem Tod seiner Mutter überflüssig. Ein selbst, das ihm irgend etwas bedeutete, gab es nicht. Und seine Rolle als Mann hatte er hassen gelernt. Also "erfand" er Nicole, die er wenigstens ein wenig lieben konnte. Damit ging es ein Stück weit aufwärts. Nur ist er nicht so viel Frau, dass ein von künstlichen Hormonen entstehendes weibliches Aussehen und schließlich der "Schmetterling" nach der OP ein Wesen erzeugen könnten, das er wirklich richtig liebt. Das wäre für sein Empfinden ein erneutes Anpassen an ein gesellschaftliches Klischee, dem er mit dem Ablehnen der männlichen Rolle entflohen ist.

Fazit: Entweder es geht mit Corona zu Ende oder mit Nicole. Mit Corona zu leben bedeutet die Einsamkeit und Isolation, die den ollen Klaus kaputt gemacht hat - eine unerträgliche sinnlose Leere. Da erscheint der Tod als einzige Erlösung. Also ist es jetzt dem ollen Klaus oder Erich egal, wenn er an Corona stirbt. Und wer sonst noch daran stirbt, ist auch egal. Also soll endlich die Evolution zuschlagen. Wer immun wird, überlebt, und Corona ist Vergangenheit. Dann ist Nicole entweder Tot, oder es gibt wieder so etwas wie Sinn in ihrem Leben. Eine Impfung ist für den ollen Klaus genau so unnatürlich, wie de Hormone, die ihn nicht wirklich zur Frau machen würden. Also lehnt er sie ab - nur schädliche Chemie im Körper - wie der ganze Plastik-Müll in der Umwelt.

So viel zur Situation.

Hätte nun die Erika nicht noch ein wenig Hoffnung einen im Moment noch völlig undenkbaren Weg aus dieser Lage zu finden, würde sie hier nicht schreiben. Dann würde sie sich zurück ziehen und nur noch Alkohol in sich hinein schütten, bis hoffentlich bald die Leber aufgibt. Für sich alleine findet sie diesen Weg aber nicht. Professioneller Hilfe vertraut sie nicht. Also würde sie diese auch nicht annehmen. Und die üblichen Tipps wie "beschäftige dich doch mit schönen Dingen" sind sinnlos und wirkungslos. Sie gehen nur schrecklich auf die Nerven und bewirken ein weiteres zurück Ziehen in die Einsamkeit.

Was ganz klar helfen würde, wären ein Mensch oder mehrer Menschen, mit denen ich möglichst weit abseits vom Corona-Wahnsinn etwas schönes unternehmen könnte - also letztlich irgendwo zuhause oder draußen in der Natur weit weg von Abstands-Regeln und "Maulkörben". Aber aus den vielen Jahrzehnten Erfahrung in der Rolle als Mann erscheint das völlig unrealistisch. Und wenn ich krampfhaft einen Kontakt suche, kommt erfahrungsgemäß keiner zu Stande. Dating-Plattform? Welches Selbst soll ich da Präsentieren? Nicole gibt es nicht mehr. Und wenn ich die nur spiele, ist es genau so wie früher als Mann. Und wer interessiert sich für ein Häuflein Elend? Uns allen genügt doch unser eigenes Elend.

Der Verstand sagt: Die als Kind nicht erfolgte Sozialisation muss nachgeholt werden. Und die Gefühle sagen: Das kann niemals funktionieren - die Menschheit ist schuld, also soll sie verrecken.

Liebe Grüße
Erika
Simon(e)
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Re: Angst

Post 4 im Thema

Beitrag von Simon(e) »

Liebe Frieda,

ein interessantes Thema!!!
Ich kenne, dass mit dem sich Sorgen machen und weiß aus eigener Erfahrung, dass sowas mit noch mehr Ängsten und Unsicherheiten verbunden ist.
Ich möchte das anhand eines Beispieles erklären!
Damals, als ich die Sache mit dem Crossdressen meines Schatzes, erfuhr, war ich verunsichert und ängstlich.
Mit der Zeit, lernte ich damit umzugehen und die Ängste wurden weniger.
Als unsere besten Freunde davon erfuhren, war dies wieder mit einer Achterbahnfahrt verbunden.
Meine Freundin sagte mir ständig, sie mache sich Sorgen um mich!!!
Dies wiederum feuerten wieder meine Ängste an!!
Eine weitere Freundin, die davon erfuhr, machte sich ebenfalls Sorgen um mich.
Und schon saß ich in der Grübelfalle und dachte, dass sie vielleicht Recht hätten und alles was mein Mann tat, falsch sei.
Mittlerweile versuche ich gelassener damit umzugehen und nicht mehr alles so doll an mich heranzulassen!!!
Dabei hilft mir das Bücher schreiben, dass ich für mich entdeckt habe!!! Es macht mir viel Freude und hilft mir bei Entspannen!!!

Ich möchte dir liebe Frieda nochmals danken, dafür dass du immer die passenden, weisen Worte findest!!!!



Liebe Grüße
Simon(e)
Marlene K.
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Re: Angst

Post 5 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Erich_Erika hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 11:39 ...
Hätte nun die Erika nicht noch ein wenig Hoffnung einen im Moment noch völlig undenkbaren Weg aus dieser Lage zu finden, würde sie hier nicht schreiben. Dann würde sie sich zurück ziehen und nur noch Alkohol in sich hinein schütten, bis hoffentlich bald die Leber aufgibt. Für sich alleine findet sie diesen Weg aber nicht. Professioneller Hilfe vertraut sie nicht. Also würde sie diese auch nicht annehmen. Und die üblichen Tipps wie "beschäftige dich doch mit schönen Dingen" sind sinnlos und wirkungslos. Sie gehen nur schrecklich auf die Nerven und bewirken ein weiteres zurück Ziehen in die Einsamkeit.

Was ganz klar helfen würde, wären ein Mensch oder mehrer Menschen, mit denen ich möglichst weit abseits vom Corona-Wahnsinn etwas schönes unternehmen könnte - also letztlich irgendwo zuhause oder draußen in der Natur weit weg von Abstands-Regeln und "Maulkörben".
...

Der Verstand sagt: Die als Kind nicht erfolgte Sozialisation muss nachgeholt werden. Und die Gefühle sagen: Das kann niemals funktionieren - die Menschheit ist schuld, also soll sie verrecken.

Liebe Grüße
Erika
Liebe Erika,
ich weiß, dass Du das, was ich schreibe, eigentlich weißt.

Du musst den anderen Menschen eine Chance geben, Dich anzunehmen. Dafür musst Du nach außen gehen und einfach Du selber sein. Alles andere wäre ja nur wieder ein Weg nicht als Du selbst angenommen zu werden.

Du irrst in meinen Augen in zwei Grundannahmen. Wir müssen nie fertig sein und eine bestimmte Rolle ausfüllen. Die zweite Annahme ist, dass es für irgend etwas zu spät ist. Es ist nie zu spät einen neuen Weg einzuschlagen.

Der einzige Mensch, den Du überwinden musst bist Du selber. Du musst Dich selber annehmen mit allen Deinen Stärken und vermeintlichen Fehlern. Aber das ist wohl für uns alle der schwerste Kampf von allen. Ich für mich habe gelernt, dass es aber lohnt ...und unvermeidlich ist, um glücklich zu werden ...und von anderen überhaupt wahrghenommen zu werden.

Du bist in meiner durch das Forum vermittelten Wahrnehmung als Erika ja schon ganz viele innere Schritte gegangen. Geh weiter und ich bin überzeugt du wirst überrascht sein wie Du Dich selber mehr siehst und spürst und wie dadurch andere Dein Wesen sehen und Dich schätzen lernen.

Im Augenblick wünschte ich mir, ich könnte auf eine Tasse Kaffee vorbeikommen und wir könnten einfach nur reden (dr)
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Angst

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Ich spreche nur für mich, aus meiner Situation heraus.

Ne richtige Dame werde ich nie. Punkt.

Also warum soll ich mich abmühen, einem Psychologen solange etwas erzählen, nur damit er seine Einwilligung für eine HRT, OP und Personenstandsänderung gibt gibt. Dafür dann ca 1500 - 2000 € kassiert. Damit ein einige Dokumente geändert werden dürfen. Ich mich dann offiziell Frau Petra Sofie Txxxxx nennen darf. Nö Mit fast 65 stehe ich einer HRT kritisch gegenüber, mein Kadaver der so lange mit Testosteron gesteuert wurde, mal eben entwöhnen, und dann auf Östrogen weiterlaufen lassen. Da kommen auch schnell Nebenwirkungen zum Tragen, die nicht gewünscht sind. Eine OP mit 65, da das Ding nun wirklich kein Spaziergang ist,lasse ich es lieber. Irgendwo muß auch die Vernunft siegen.

Was würde es mir im persönlichen Bereich bringen ? Mehr Zufriedenheit, mehr Freunde, mehr Anerkennung, Änderung meiner persönlichen Vorlieben. Nur um anderen zu gefallen, mit einem irendwie zusammengedrechselten Erscheinungsbild, unter in Abrede gestellter Vergangenheit. Was soll ich darauf Neues aufbauen ?

Das wird nichts, 64 Lebensjahre zusammen mit einer shice Kindheit, und 47 Berufsjahre in die Ecke stellen.

Lange habe ich viel zu viel Angst gehabt mich einfach so zu geben wie ich bin.

Ich bin eine Frau, auch wenn man mich rein äußerlich nicht so anerkennt, mit meiner Art von Weiblichkeit.
Als Mann erkennt mich die Gesellschaft allerdings auch nicht an, das ist mir seit kurzem egal.

Weil.

Ich gebe mich so wie ich bin, mache mir keinen Kopf mehr wie mich andere einsortieren. Bin einfach nur ich selbst.
Das merkwürdige daran ist, die Leute gehen plötzlich wesentlich offener mit mir um. Meine Angst so zu erscheinen wie ich wirklich bin, war also zu mindest seit den letzten Jahren mehr oder weniger unbegründet.

Früher habe ich mir das Bad in der Ostsee fast erschlichen, nur in den frühen Morgenstunden, wenn kaum einer am Strand war.
Habe mich nicht ins Freibad an der Wakenitz getraut. Alles nur aus Angst. In diesem Jahr habe ich mir einen Badeanzug gekauft, in dem man auch gefahrlos Siliies unterbringen kann. Keine Großen, aber Badeanzug ohne Oberweite sieht blöd aus.

Was ist passiert ? Fast nix. Einige wenige haben blöd geguckt, die meisten haben es nicht mal bemerkt. War noch nie so frei und zufrieden. Nach dem Bad einfach am Ufer in der Sonne auf dem Handtuch liegen, Buch lesen. Warten bis der Badeanzug trocken ist. T-Shirt anziehen, Klamotten zusammenpacken und nach Hause fahren. Unbezahlbar.

LG
Petra Sofie
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Re: Angst

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Nur ein paar Anmerkungen zwischendurch:
Simon(e) hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 13:05 Ich kenne, dass mit dem sich Sorgen machen ...
Das prägte mich als kleines dummes Muttersöhnchen auch. Mama war ständig überfordert, sorgte sich und ließ ihr Söhnchen dann vor Angst und Unsicherheit verzweifeln.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 13:11 Du musst ...
Dieser Ton verletzt mich jetzt. Da werde ich wütend. Ich muss gar nichts! - Bitte so: "du solltest besser ..." oder "es würde dir helfen, wenn ..." oder noch besser "an deiner Stelle würde ich ...".
Petra Sofie hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 14:04 Ne richtige Dame werde ich nie. Punkt.
Du sprichst mir aus der Seele.

Gruß Erika
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Re: Angst

Post 8 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Erich_Erika hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 14:57 ...
Dieser Ton verletzt mich jetzt. Da werde ich wütend. Ich muss gar nichts! - Bitte so: "du solltest besser ..." oder "es würde dir helfen, wenn ..." oder noch besser "an deiner Stelle würde ich ...".
...
Gruß Erika
Liebe Erika,
stimmt, Du musst garnichts, aber wenn Du bei Dir ankommen, glücklicher werden, willst, solltest Du... siehe Oben ( oder einfach zusammengefasst lernen Dich selbst anzunehmen ).
Liebe Grüße (dr)
Marlene

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Re: Angst

Post 9 im Thema

Beitrag von Frieda »

Bea Magdalena hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 11:36 ...
Liebe Bea!? (dr)
Ich verstehe deine Worte. Du meine auch?

Sich keine Sorgen um jemanden zu machen, bedeutet nicht, nicht da zu sein für ihn. Menschen in Notsituationen beizustehen, zu helfen, tun wir doch nicht nur durch eine gemeinsame Angst, oder gemeinsame Sorgen.
Ich finde wir können doch reden und gemeinsam kleine Schritte, oder vielleicht sogar einen Weg aus der momentanen Situation finden.
Es ist wie in der Geschichte vom Novize und seinem Lama. Was bringt es uns und unseren Liebsten, wenn wir uns gemeinsam am Rand des Jammertals befinden, und wir uns dann bühnenreif dramatisch in dieses fallen lassen?
Denkst du nicht auch, es ist hilfreicher den Blick vom Jammertal abzuwenden und weiter zu gehen!?
Für mich ist das Jammertal ein Ort der Verzweiflung, der Unsicherheit, der Ratlosigkeit. Willst du dich ernsthaft mit deinen Liebsten genau auf diesen Weg begeben, tiefer und tiefer, gemeinsam Seite an Seite mit ihnen in so ein trauriges Tal, dich so in eine quälend lange Zeit des Leidens begeben, freiwillig (!?), um dann am Ende noch mehr Kraft aufwenden zu müssen um aus dieser Phase wieder herauszukommen?
Mittlerweile sehe ich es wie der Lama. Es gibt nur aufgeben oder weitermachen, auch für uns die nur dabei sind. Sind wir denn nicht diejenigen die auch etwas anderes als das Jammertal sehen, und wäre es denn nicht ratsam eher gemeinsam den Blick dem Leben zuzuwenden und dem Jammertal den Rücken zu kehren!?

Sich zu sorgen, Angst zu haben bringt nix weiter, als zusätzliches Leid (jedenfalls in meiner Wahrnehmung) ❣️

Namaste 🙏
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Re: Angst

Post 10 im Thema

Beitrag von Frieda »

Erich_Erika hat geschrieben: Fr 28. Aug 2020, 11:39 ...

Liebe Erika❣️

In meiner Wahrnehmung sehe ich, dass du die Regeln des Mundschutzes nur negativ wertest, evtl sogar als Bevormundung wahrnimmst!?
Nicht ein einziges Mal in meiner Erinnerung, hast du dich solidarisch diesbezüglich geäußert. Ich frage mich, ob du evtl auch einem neuen Gedanken neutral und offnen gegenüber stehen könntest, ohne diesen gleich mit giftigen Klausschleim zu ersticken.
Ich möchte jetzt bitte nicht über die Bevölkerungszahl der Erde diskutieren (weil ich das nämlich genauso kritisch sehe wie du), im Moment geht es mir jetzt hier nur um dich, liebe Erika.
Eine Frage habe ich. Wenn dein Leben anders verlaufen wäre, zB 100%-ig nach deinen Vorstellungen, könntest du dir vorstellen in diesem Wunschleben Verantwortung für ein neues unschuldiges Leben gehabt zu haben? Und an diesen Gedanken anknüpfend, könntest du dich selbst nicht solidarisch in einer Verantwortung zu genau diesen neu geborenen unschuldigen Wesen sehen, und ihnen zu liebe, und in der großen Hoffnung, dass mit ihnen eine weisere Generation für unseren Planeten heranwächst, dieses freiwillige Opfer bringen und den Maulkorb ohne sich zu beklagen, zu tragen?

Du fühlst dich zwar alleine Erika, aber du bist es nicht❣️
Du bist ein Wesen, dass die Einzigartigkeit auf und von diesem Planeten sieht❣️
Es gibt Wesen auf diesem Planeten, egal ob groß oder klein, die leiden still unter den Taten und den Fehlern der Menschheit❣️
Du, die ebenfalls leidet unter dem wie sich hier alles entwickelt hat, kannst du nicht deine Gedanken mal weg von dir selbst lenken, und dich verstehend und mitfühlend anderen Wesen zuwenden die ihr eigenes Leid nicht ausdrücken können, so wie du oder ich zB?

Ich möchte dir etwas von mir erzählen..
Als meine Eltern noch lebten, ich mit knackigen und unerfahrenen 15 Jahren die Entscheidung für mein berufliches Leben fällen musste, hörte ich mehr auf meinen Vater, als auf mein Innerstes. Und es begannen qualvolle Jahrzehnte für mich. Nie war ich glücklich während meiner Lehre zum Zerspanungs-FA. Auch danach nicht. Mit der Wende hatte mein Vater neue Pläne für mich. Meine Familie ist eine Computer-Familie. Schon zu DDR Zeiten drehte sich alles nur ums Büromaschinenwerk. Und somit begann ich eine Umschulung zur Datenverarbeitungskauffrau🤦"â™€ï¸. Während dieser Ausbildung wurden wir auch in Buchhaltung unterrichtet. Und irgendwann blieb ich in einem Unternehmen in der Lohnbuchhaltung hängen. Das waren alles keine Jobs die mich glücklich machten, im Gegenteil es war nur Strafe für mich, und ich entwickelte nicht nur Abneigung sondern auch Hass in mir.
Erst mit dem Tod meines Exmannes bekam ich die Gelegenheit (weil finanziell unabhängig) mir einen Ehrenamtsjob zu suchen der mich erfüllte und glücklich machte. Ich habe in einem Heim für Demenzkranke gearbeitet. Und das besondere war damals, es war Demenz im Endstadium, also damals durfte ich schon die Bewohner in den Tod begleiten.
Mit meinem Umzug zu Michi in eine neue Stadt, stand für mich fest wieder ehrenamtlich arbeiten zu wollen und ich fand mit 51 Jahren DEN Job, wonach ich mich seit Jahrzehnten sehne. Aktuell befinde ich mich noch in einer Weiterbildung beim Ambulanten Paliativdienst. Jetzt auch Kinder in den Tod zu begleiten wird für mich eine neue Erfahrung werden, und ich freue mich darauf. Denn Kinder zeigen uns im Alltag und vor allem auch beim Thema Tod eine ganz andere Sichtweise, als die Alten (ich spreche das ganz respektvoll aus❣️).
Mein neustes Buch (es ist noch auf dem Weg zu mir) welches ich durch meine Weiterbildung fand, verspricht mir viel Neues und Bereichenderes für mich zu erfahren.... https://www.grasbeisserbande.de/

Warum erzähle ich dir davon?
Erika!? Manchmal denke ich, wenn wir uns zu sehr um unser eigenes ICH uns drehen, wir uns selbst zu wichtig nehmen, erzeugen wir damit Probleme. Mir hilft es extrem, mir immer wieder bewusst zu machen, dass ich nicht alleine auf diesem Planeten lebe. Und es gibt viele viele Wesen, denen es schlechter geht, als es mir jemals gegangen ist. Und vielleicht kann ich wenigsten ein, zwei Herzen in ihrem Leid beistehen und vielleicht sogar auch mal eine Hilfe sein❣️

Namaste 🙏


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Re: Angst

Post 11 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

danke liebe Frieda, dass Du diesen Thread eröffnet hast. Wir alle können uns nicht frei von Angst machen. Angst ist manchmal ein Schutz davor, uns in unnötige Gefahren zu begeben. In Sorge sein um andere Menschen. macht uns Menschen aus. Aber nicht nur wir Menschen machen uns Sorgen. Auch im Tierreich ist es teilweise zu beobachten.

Nun möchte ich etwas aus den vergangenen Wochen berichten. Berichten wovor ich Angst hatte, und warum ich mir um einen lieben Menschen Sorgen machte. Es geht um meine Eltern. Beide sind pflegbedürftig und eben nicht mehr die Jüngsten. Meine Mutti klagte über Beschwerden im Magen und Darm. Die Hausärztin ordnete eine MRT-Untersuchung an. Das Ergebnis war niederschmetternd. Details erspare ich mir hier an dieser Stelle. Nur soviel, die Chancen einer Heilung mit dem Ergebnis gleich null. Eine Hoffnung gab es noch. Eine Weiter Untersuchung durch eine Magenspieglung und einer Gewebeentnahme konnte das erst Ergebnis bestätigen, oder aber zu einem anderen Ergebnis kommen.

Ich war, und bin es immer noch. besorgt um meine Mutti. Lassen wir eine weiter Untersuchung zu. Es besteht in dem Alter ein erhöhtes Risiko. Ja, mir standen die Tränen im Gesicht bei dem Gespräch mit unserer Hausärztin. Bin ich der Situation jetzt gewachsen. Ich hatte Angst zu versagen. ich möchte, dass Meine Mutti nicht leiden muss. Wir haben viel miteinander gesprochen. Auch mit meinem Arbeitgeber suchte ich das Gespräch. Für den Fall, ich bin nicht mehr in der Lage meine Arbeitsaufgaben zu erfüllen. Auch mit dem Leiter des Pflegedienstes sprach ich, wie er sich entscheiden würde. Ich, wir brauchten Hilfe.


Dann die Entscheidung, wir lassen die zweite Untersuchung durchführen. Wieder ein Aufklärungsgespräch, die Untersuchung und banges Warten auf das Ergebnis. Drei Wochen warten bis das Ergebnis vorlag. Die Angst lag ständig in der Luft. und die Sorgen, welche ich mir um meine Mutti machte. Wir hatten Glück. Das zweite Ergebnis hat das erste Ergebnis nicht bestätigt. Erlösung! Gemeinsam glaubten wir an die Hoffnung es wird nicht so schlimm. Es hätte anders kommen können, dass wissen wir. Wäre es anders gekommen, so wären wir gemeinsam den Weg bis zum Ende gegangen. Ich als Begleiter auf diesen Weg, um in Frieden Abschied zu nehmen. Doch die Angst ist dann nicht mehr das Bestimmende, weil wir vorbereitet sind.

Doch mit dem neuen Ergebnis bleibt uns Zeit, in der ich versuche Zuversicht auszustrahlen.

Ja jammern hilft nicht. Man muss schon etwas tun um aus einer verfahrenen Situation wieder herauszukommen. Und es ist nicht verkehrt sich helfen zu lassen. Nur muss ich bereit sein, diese Hilfe auch anzunehmen.

Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
ExuserIn-2020-11-14
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Re: Angst

Post 12 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-11-14 »

Hallo Frieda,

nur ganz kurz hierzu:
Frieda hat geschrieben: Sa 29. Aug 2020, 07:57 In meiner Wahrnehmung sehe ich, dass du die Regeln des Mundschutzes nur negativ wertest, evtl sogar als Bevormundung wahrnimmst!?
Ist es etwa keine Bevormundung, wenn immer und ewig versucht wird einem das irgendwie einzubläuen und ein nicht Beachten unter Strafe steht? Wenn es offensichtlich recht viele nicht verstehen wollen, hilft eben nur noch Gewalt. Nur die überzeugt mich und ganz viele andere mit Sicherheit nicht. Und die sehen da genau wie ich ein sinnloses und verzweifeltes Bemühen die Konsequenz, mit der die Natur auf unser Handeln reagiert, verhindern zu wollen. Nur die meisten von ihnen ziehen sich still zurück und halten die Klappe. Das ist mein Eindruck aus etlichen Gesprächen.

Die Konsequenz für mich ist: Ich kann mich nur halbwegs wohl fühlen, wenn ich dem ganzen entfliehe - in die Einsamkeit, aus der ich als Nicole heraus wollte. Das schlimmste daran ist aber die ANGST, dass diese Unerträglichkeit ein Dauerzustand werden könnte, weil die ganzen Bemühungen für mein Verständnis nichts nutzen und damit auch kein Ende absehbar ist. Einem solchen Dauerzustand ziehe ich - so ist aktuell meine Gefühlslage - den Tod vor. Wie sagte noch der Lama: "entweder du erholst dich, oder du stirbst".

Aktuell ist es so: Mein Cousin machte mit mir aus einkaufen zu gehen, weil er kein Katzenfutter mehr hatte. Als am nächsten Tag der Zeitpunkt zum los Gehen näher rückte, bekam ich nichts auf die Reihe. Ich rannte zwischen sich anziehen, rasieren und Sachen zusammen packen hin und her. Die Verdauung spielte verrückt. Ich fand meine Klamotten nicht. Schließlich ging ich mit Stoppelbart im Nachthemd zu meinem Cousin rüber und sagte ich sei krank - Durchfall. Also ging er alleine los. - Kaum hatte ich abgewendet, was mich quälte, war mit mir wieder alles ziemlich normal.

Nachdem mich das konsequente Umkehren der Hygiene-Regeln ins Gegenteil für mich selbst offensichtlich immun gemacht haben, ist die "Hoffnung" an Corona drauf zu gehen so ziemlich dahin. Und einen Selbstmord verschiebe ich wie früher der olle Klaus jetzt immer auf nächste Woche - so etwa 52 mal in Jahr. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Also suche ich irgendwie nach Kontakt an Corona vorbei. Online ist es schwierig, da fehlt mit das gegenüber, das direkte Gespräch. Mit chatten ist es bei mir wie beim telefonieren. Ich sehe die Mimik des anderen nicht. Also habe ich Angst auszurasten und spreche keine ernsten Themen an. Ich hasse telefonieren. Beim Schreiben von Kommentaren muss ich nicht sofort antworten. Also kann ich abwarten, bis die Emotionen nachgelassen haben.

Was das Kümmern und für einen anderen da Sein an geht, habe ich wie bereits erwähnt, ganz unangenehme Erfahrungen gemacht. Mama hat bei mir mit ihrer ewigen Sorge immer nur Angst und Unsicherheit ausgelöst. Sie hat mich, von Ärzten unterstützt, krank gemacht. Deshalb kümmere ich mich aus Prinzip um niemanden. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich ihm damit nur schaden. Wer Hilfe von mir will, muss mich darum bitten.

Egoistisch bin ich jetzt vielleicht ein wenig. Früher gab es praktisch kein Ich, für das ich irgend etwas machte. Alles was ich für "mich" machte, also die ganzen "Hobbys", diente letztlich nur der Flucht aus meinem unerträglichen Alltag. Deshalb brauche ich es jetzt auch nicht mehr.

Liebe Grüße
Erika
ExuserIn-2020-10-20
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Re: Angst

Post 13 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Auch ich hatte so einiges auf dem Zettel. Meinen Beruf,Freiwillige Feuerwehr, Museumshafen. Das lief über viele Jahre. War immer zur Stelle wenn jemand Hilfe brauchte. Eigentlich habe ich mich auch nur damit von meinem eigentlichen ICH versteckt. Nichts durfte nach außen dringen, aus Angst und Scham die mir von zu Hause aus eingetrichtert wurde. Menschen wie ich waren nichts Wert. Das hat in gut verklausulierter Form der Dorfpfaffe beim Konfirmanden-Unterricht gesagt.

Also Klappe halten und immer schön in der Deckung bleiben. War lange Zeit auch nicht anders möglich.

Alles hat zwei Seiten.
Text:
https://www.spiritualityandpractice.com ... keep-going




Dadurch kam es, das ich mich selbst ausgebeutet habe, irgendetwas darstellen, das dem entspricht was andere von mir sehen wollten. Den Gefallen habe ich ihnen getan, oft zu meinem Nachteil.

Aber es gab vieles, was ich in dieser Zeit ohne diese Maskerade nicht erlebt hätte. Gewiß manches war nicht sehr erfreulich, doch im nachhinein betrachtet hat mich die Maskerade durch die halbe Welt gebracht.

Nun gilt es, da ich in Rente bin, zwar ein wenig mit dem Geld rechnen muß, aber doch recht unabhängig bin, das Leben mit anderen Inhalten zu füllen. Auf zu neuen Ufern. Wer nicht bereit ist das Ufer zu verlassen, der wird auch keine neuen Häfen kennenlernen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Einiges an Zuversicht gehört schon dazu, auch das Ablegen der Angst. So vieles habe ich nin meinem Leben irgendwie hinbekommen, von dem andere gesagt haben, das schaffst du nie.

Ich glaube noch an mich, das ein Rest von Kampfgeist vorhanden ist, um neuen Situationen zu begegnen.

Damit die positiven Erlebnisse überwiegen können.

LG
Petra Sofie

P.S.
https://robert-betz.com/mediathek/inspi ... -gewaehlt/
Helga
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Re: Angst

Post 14 im Thema

Beitrag von Helga »

Hallo Allerseits,
das Thema ist zu relevant um einfach in den Tiefen des Forums zu versinken.
Um der Angst ihre dämonische Macht zu nehmen, verwende ich einen technischen Terminus und stelle fest, dass sie aus zwei Komponenten besteht:
1. Eine reale, objektive Gefahr, die Schaden für Leib oder Leben darstellen könnte.
2. Meistens auf 1. basierend eine irrational empfundene Komponente, die in der Lage ist die erste Komponente um ein Vielfaches zu übertreffen und die empfundene Angst ins Unermessliche zu steigern. Ein bisschen Irrationalität in der Mischung ist ok, das nennt sich dann Vorsicht. Zuviel giftgrüne Irrationalität darf es aber nicht sein, dann wird die Masse unkontrollierbar und gefährlich. Irgendwann sogar gefährlicher als dass, wovor sie uns eigentlich schützen soll.
Als Beispiel die Höhenangst: Wenn wir Angst haben zu dicht an die Klippen der Rügener Kreidefelsen zu treten, schützt uns diese vor gefährlichen Situationen. Mensch könnte auf dem glitschigen oder losen Untergrund ausrutschen oder vermeintlich sichere Flächen könnten unter unserem Gewicht abbrechen. Wenn wir aber auf dem Aussichtsturm Angst haben näher als 2m an das Geländer heran zu treten, kommt die irrationale Komponente zum tragen. Das Geländer ist auf eine Horizontallast von mindestens 500kg pro Meter berechnet. Auch mit roher Gewalt kann selbst eine größere Gruppe dies nicht zum abbrechen bringen.
In unserer modernen, durch und durch gefährdungsbeurteilten Zeit dürfte bei den allermeisten Ängsten die irrationale Komponente deutlich überwiegen.
Das Gute ist, die irrationale Komponente kann mensch sich abtrainieren (die rationale lieber nicht).
Angst war in früheren Zeiten (und ist es teilweise leider noch immer) ein probates Mittel der Kindererziehung. Angst vor der bösen Hexe damit es nicht allein in den Wald läuft, Angst vorm schwarzen Mann, damit mit niemandem mitgeht, Angst vorm bösen Wolf, obwohl der eigentlich ausgerottet war, um Angst vor allem unbekannten zu haben. Als greifbarste Angst die Angst vor körperlicher Gewalt, und als substilste Angst die Angst vor Liebesentzug.
Ich habe an anderer Stelle ausführlich über meine Kindheit und Jugend in ländlicher Einsiedelei geschrieben (viewtopic.php?p=264462#p264462). Hier wurde die Angst zwar nicht übermässig als Erziehungsmittel eingesetzt, dafür entstanden andere Ängste. Durch die geringe Zahl und die Homogenität der Bezugspersonen entstanden sehr tiefe Ängste und Misstrauen vor allen Menschen, die anders aussahen, andere Lebensentwürfe hatten, irgendwie anders waren. Es reichte völlig, wenn mensch nicht den ganzen Tag Gummistiefel trug und in einem Haus mit mehr als zwei Stockwerken wohnte, (um auch bei mir) Ressentiments entstehen zu lassen. Wer sich aus der Dorfgemeinschaft (wie ich) den ortsüblichen Gesselligkeiten in Fussball oder Schützenverein mit regelmässigem Komosaufen ab dem 16. Lebensjahr nicht anschloss, wurde automatisch zum Sozialphobiker erklärt (auch wenn die Dorfgemeinschaft dieses Wort mangels Fremdwortkenntnis nie benutzt hat).
Als ich im Alter eines jungen Erwachsenen dieser Gesellschaft den Rücken zugekehrt habe und zum Studium in eine Stadt mit mehreren 100.000 Einwohnern kam, war ich zwar die dörfliche Enge los, nicht aber die Angst vor Menschen, die anders waren. Nur plötzlich war ich mittendrin. Sie lebten rechts und links neben, über und unter mir, standen in der Schlange an der Essensausgabe in der Mensa vor und hinter mir. Die erste Zeit in der Stadt: unerträglich. Die Wochenenden auf dem Land: unerträglich. Ich ging ungern unter Leute. Wenn mir jemand entgegenkam wechselte ich unauffällig die Straßenseite, statt Bus oder Straßenbahn fuhr ich beim miesesten Wetter lieber Fahrrad. Wohlgemerkt: Im Männermodus. Hätte mich damals jemand im Flohmarktkleid und mit Karnevalsperücke gesehen, ich wäre vor Scham aus dem Fenster oder vor den nächsten LKW gesprungen. Was heute nach einer guten Strategie gegen Ansteckung mit Covid 19 klingt, war damals selbstzerstörerisch. Mir war bewusst, dass ich meine Brührungs- und Schwellenängste überwinden musste und erdachte mir ein Konzept zur Desensibilisierung. Ich zwang mich schließlich wildfremde Menschen anzusprechen. Sei es dass ich nach dem Weg fragte, den ich hundertmal gegangen war, nach der Uhrzeit oder sonsteiner Belanglosigkeit. Ich nahm wir vor jedes Café und jede Kneipe der Stadt wenigstens einmal besucht zu haben, die Hälfte dürfte ich geschafft haben. Wenn irgendwo etwas los war, ich ging hin, wenn es irgendwo eine Menschenansammlung gab gesellte ich mich dazu. Auf diese Weise habe ich meine Ängste vor Menschen im Laufe der Zeit einigermaßen überwunden.
Um zu Forumsspezifischen Themen zurück zu kehren: Natürlich hätte auch ich die Ängste, die alle Jungtransen haben: Angst davor ausgelacht zu werden, Angst vor Ablehnung, Angst vor tätlichen Angriffen. Natürlich kann mensch nie sicher sein nicht mal einem Honk zu begegnen, der meint das Deutsche Reich in den Grenzen von 1939 wiederherstellen zu können wenn er nur ausreichend Gewalt an Menschen ausübt, die nicht dem arischen Schema entsprechen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering, die anderen Punkte lassen sich lässig weglächeln. Meine Ängste en- femme an die Öffentlichkeit zu gehen waren irrational. Als diese Einsicht erreicht war wählte ich nicht den Weg der langsamen Desensibilisierung (abends allein im Wald), sondern bin gleich ins kalte Wasser gesprungen, am hellichten Tag in die Innenstadt in eine Großveranstaltung. Karnevalsumzug mit anschließender Shoppingtour. Die Therapie hat gewirkt. Seitdem habe ich en- femme weniger Berührungsängste als im Männermodus.
Schön wenn ein weiterer Teil der eigenen Geschichte aufgearbeitet ist.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Helga
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Re: Angst

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Beitrag von Helga »

Erich_Erika hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 12:56 Die Konsequenz für mich ist: Ich kann mich nur halbwegs wohl fühlen, wenn ich dem ganzen entfliehe - in die Einsamkeit, aus der ich als Nicole heraus wollte. Das schlimmste daran ist aber die ANGST, dass diese Unerträglichkeit ein Dauerzustand werden könnte, weil die ganzen Bemühungen für mein Verständnis nichts nutzen und damit auch kein Ende absehbar ist. Einem solchen Dauerzustand ziehe ich - so ist aktuell meine Gefühlslage - den Tod vor. Wie sagte noch der Lama: "entweder du erholst dich, oder du stirbst".
Liebe Nicole,
ich spreche ganz bewusst dich an und nicht Erich oder Erika. Lass dich bitte nicht zusehr von deinem inneren Schweinehund namens Klaus vereinnahmen. Was ist denn an der Corona- Pandemie anders als früher? Du musst ein neuartiges modisches Accesoir namens Mundschutz tragen. Gibt es in allen Farben, passend zu Kleid oder Handtasche, mittlerweile auch mit Pailetten oder Strasssteinen. Praktisch ist der Mundschutz obendrein, verbirgt Schminkfehler oder nachlässige Rasur. Ein paar passende Handschuhe sind auch bei warmem Wetter wieder en Vogue und runden das Bild ab.
Es gibt leider viele, die die Pandemie- Situation "nutzen" um sich in Ihre "Komfortzone" bzw. in alte Verhaltensmuster zurück zu ziehen, was nicht gut ist, denn je länger am Kokon gebaut wird, deste fester wird er. Raff dich auf und geh raus. Egal wohin. Aber lass Klaus zuhause.
Liege Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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