-Alexandra- hat geschrieben: Fr 22. Mai 2020, 23:35was sind denn Agitatoren, Narrative und memetisch?
Let me google that for you... (ja, der ist etwas gemein

aber ich werde mich bemühen, weniger Fremdwörter zu benutzen):
- Agitation
Die politische Agitation (lat. agitare "šaufregen"˜, "šaufwiegeln"˜) steht für:
- (abwertend) die meist aggressive Beeinflussung anderer in politischer Hinsicht. Der Begriff wird in der Umgangssprache, aber auch in journalistischen Kommentaren bisweilen abwertend benutzt. Der Agitator wird oft gleichgesetzt mit einem Aufwiegler, Anstifter, Hetzer und Unruhestifter (siehe Demagoge);
- politische Aufklärungsarbeit oder Werbung für politische oder soziale Ziele.
Ein Agitator will insbesondere durch motivierende, anspornende oder aufrührerische Reden und Veröffentlichungen eine größere Anzahl an Menschen zu einer gemeinsamen Aktion oder Reaktion bewegen (meist im Hinblick auf einen politischen Gegner).
[...]
Der Begriff "Agitation" war zwar vorübergehend positiv besetzt, während "Propaganda" tendenziell pejorativ benutzt wird, aber ebenso wie Propaganda als ursprünglich positive Bezeichnung bei den demokratischen Parteien weitgehend außer Gebrauch gekommen ist.[3] Im herrschenden Sprachgebrauch ist Propaganda oft Propaganda für etwas (z. B. ein Regime), Agitation hingegen meist Agitation gegen irgendwelche Missstände oder ihre (vermeintlichen oder wiederum propagandistisch als solche bezeichneten) Verursacher. Obwohl von gleicher etymologischer Herkunft (agitare = "treiben"), wird, um Agitation negativ zu konnotieren, oft das deutsche Wort "Hetze" benutzt.
- Narrativ
Als Narrativ wird seit den 1990er Jahren eine sinnstiftende Erzählung bezeichnet, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen Nationalstaat oder ein bestimmtes Kulturareal bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind. Bekannte Beispiele sind der Mythos vom Tellerwäscher zum Millionär und der Aufruf zum Wettlauf zum Mond, der in den USA starke Kräfte gebündelt und die Nation hinter einer Idee versammelt hat. Bestimmendes Element hinter einem Narrativ ist weniger der Wahrheitsgehalt, sondern ein gemeinsam geteiltes Bild mit starker Strahlkraft.
Viele Verschwörungsmythen folgen Narrativen, z.B. "böse Eliten / geheime strippenziehenden Gruppen". Auch die Reichsbürgermythen, "Impfgegner", "Umvolkung" usw.
- Mem(e)
Das Mem (Neutrum; Plural: Meme) ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet einen einzelnen Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel einen Gedanken. Es kann durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfältigt werden und wird so soziokulturell auf ähnliche Weise vererbbar, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind. Ganz entsprechend unterliegen Meme damit einer soziokulturellen Evolution, die weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann.
[...] Die Übertragung des Mems durch Kommunikation ist dabei nicht als Kopie ("Blaupause") eines Gedankens von Gehirn zu Gehirn zu verstehen, sondern — indem der wesentliche Kern der Botschaft erfasst und weitergegeben wird — eher wie ein "Backrezept" zur Reproduktion desselben Gedankens.
[...] Seit der Jahrtausendwende wird der Begriff auch — oftmals in seiner englischen Schreibweise Meme — für Internetphänomene verwendet, die sich in sozialen Medien "viral" verbreiten.
Zusammengefasst: Mit jedem Wort werden auch immer die ganzen angrenzenden und verknüpften Bedeutungen transportiert, verbreitet, verfestigt. Viele Begriffe sind mit spezifischen politischen/gesellschaftlichen Einstellungen verknüpft, die sie damit automatisch bewerben und möglicherweise zum Allgemeingut machen:
"¢ "Fräulein" = unverheiratet, noch zu haben, legitim anzubaggern
"¢ "Gastarbeiter" = soll dann irgendwann auch wieder gehen
"¢ Die üblen Begriffskombinationen aus der "Bild" ("Pleitegriechen") und der rechten Ecke, die ich hier nicht wiedergeben möchte
Beim "Maulkorb" wird in der "Anti-Corona" Gruppe die Nebenbedeutung als gewaltsame Beschränkung der Freiheitsrechte genutzt ("Unterdrückung!!!") - nicht der Schutz anderer vor einer Krankheit.
Die Analogie könnte noch weiter getrieben werden. Auf der einen Seite die Mund-Nasen-Bedeckung als Höflichkeit aus Einsicht, dass 1 möglicherweise selbst gefährlich ist(1) / falsch liegt in der eigenen Meinung(2), auf der anderen Seite der aggressive Narzissmus(3), der die eigene Meinung auch über das Wohlbefinden, möglicherweise Leben, anderer stellt.
Übrigens empfehle ich als Alternative "Schnutenpulli"

(op platt säch se og Snutlappen)
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(1) Die meisten Infektionen passieren durch infizierte Menschen bevor sie selbst erkranken. Menschen mit milden Verläufen - "ach, nur ne Erkältung, haha" - können viele andere währendessen anstecken.
(2) Nein, es ist nicht "nur ne Grippe". Es sterben nicht nur Menschen Ü80. Es schleicht nicht einfach aus, sondern wegen der Schutzmaßnahmen. Ohne Lockdown hätten wir möglicherweise ähnliche Katastrophenwochen wie in Italien, Spanien, UK, New York. Ich spare mir die Links dazu, aber ich habe sie hier, wenn wer möchte.
(3) Der Ausdruck Narzissmus steht alltagspsychologisch und umgangssprachlich im weitesten Sinne für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, der sich für wichtiger und wertvoller einschätzt, als urteilende Beobachter ihn charakterisieren. In der Umgangssprache wird eine stark auf sich selbst bezogene Person, welche anderen Menschen geringere Beachtung als sich selbst schenkt, als Narzisst bezeichnet.