Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es
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Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
ExUserIn-2026-01-22
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Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 1 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Es ist ja nichts neues, daß Mädels gerne ein Tagebuch führen. Als mein Interesse am Crossdressing immer mehr zu nahm und obwohl ich zu Hause an "freie-Eltern-Zeiten" gebunden war, nutzte ich meine Freizeit gerne mit ersten Erfahrungen im Crossdressing sammeln. Irgendwann kam mir der Gedanke, daß ich dies doch auch per Tagebuch festhalten können, um so später eine tolle Erinnerung zu haben. Inzwischen habe ich ganze 5 Tagebücher voll geschrieben und beginne wohl bald mit "Band" Nummer 6...:-)

Weiter unten führe ich ein paar meiner Einträge hier an. Für mich ist dies eine tolle Möglichkeit meine Gedanken und Gefühle festzuhalten und gleichzeitig meine Wünsche und Träume für die Zukunft festzuhalten - interessant ist es dann, wenn ich diese mir irgendwann erfülle.

Wie sieht es bei euch aus - meine Anregungen habe ich gleich mal mit aufgeführt:
Führt ihr ein Tagebuch - wenn ja, aus welchem Grund?
Um Jahre später einfach mal zurückblicken zu können, um zu sehen, was man so erlebt hat. Außerdem ist es eine tolle Art seine Gedanken zu formulieren und auf gewisse Weise "festzuhalten".

Schreibt ihr noch handschriftlich in ein Tagebuch oder führt ihr es digital am Computer?
Ich bin altmodisch und bevorzuge es schriftlich zu führen. Wenn man es am Computer schreibt, kann man es besser archivieren und man findet bestimmte Sachen durch die Suchfunktion viel schneller. Aber ich liebe es per Hand und Kulli zu führen...:-)

Darf euer Tagebuch jemand lesen?

Nein. Das Tagebuch ist ausschließlich für mich gedacht. Ich schreibe da alles mögliche hinein, auch sehr intime Sachen. Zu meiner Mama habe ich ein sehr offenes Verhältnis und wir reden über alles, aber auch ihr habe ich meine Tagebücher noch nie gezeigt!


Hier noch ein paar Auszüge aus meinem Tagebuch - habe sie einfach mal abgetippt...:

"Hallo liebes Tagebuch, wir werden aufregende, interessante und spannenden Zeiten miteinander verbringen. Heute möchte ich mit meinen Aufzeichnungen beginnen und bin schon sehr gespannt, welche Einträge sich in nächster Zeit hier wiederfinden werden. Ich hoffe in dir meine Träume niederschreiben zu können und was die vielen Tage bringen werden. Vielleicht werde ich eines Tages dieses Tagebuch in meinen Händen halten und mit einer gehörigen Portion Wehmut so manchem Beitrag lesen." (23.04.1996)

"Ich hoffe, daß ich die folgenden Zeilen hier leserlich zu Papier bringen werde. Ich bin so aufgeregt, das meine Hände zittern, warum? Meine Eltern werden morgen Abend für ein paar Stunden außer Haus sein, das bedeutet für mich Mädelszeit. Das habe ich lange herbei gesehnt und morgen passiert es...endlich wieder!!! Ich sollte mal den neuen Lidschatten probieren, ob er meine Augen zum Funkeln bringt? Ich werde mal sehen wie der Rock zur Bluse passt, was wird mein Spiegelbild sagen??? Ich hasse diese Heimlichtuerei, wünschte ich hätte den Mut mich meinen Eltern anzuvertrauen...Aber egal, vor allem steht erst einmal den Tag rumzubekommen, denn einiges an Hausarbeiten muß ich erledigen. Eltern haben immer so viel Arbeit für mich...:-)" (05.02.1997)

"Etwas schwermütig hatte mein Tag heute begonnen. Kam früh fast gar nicht aus dem Bett, musste mich richtig ins Bad quälen, wie nervig!!! Am heutigen Tag hatte ich viel zu erledigen, einige Behördengänge waren nötig. Mist, in der Stadt war es wieder mal schwer einen Parkplatz zu finden und dann immer diese Drängler hinter einen - Leute, kann es doch auch nicht ändern, wenn ich nicht vorwärts komme, argh!!! Parkplatz gefunden, dann hieß es wieder in den Behörden warten, wie ich das hasse. Da hat man einen festen zeitlichen Termin und muß dennoch gut 60 Minuten warten - zum Glück hatte ich ein langes Parkticket gelöst. Naja, ich konnte alles erledigen, das war wichtig für mich. Die Hektik hatte mich schon wieder zum Schwitzen gebracht, wie sehr freute ich mich da auf eine Dusche. Mein Abend war dann zum Glück entspannt, bin aber wieder vor dem TV eingeschlafen....autsch...;-( Wenigstens hatte ich jetzt noch Lust meinen Tag hier niederzuschreiben." (08.05.2012)

"Der April verabschiedete sich mit einem Tag, an dem ich nur 50% meiner geplanten Aktivitäten umsetzen konnte. Vormittags füllte mich mein Arbeitsprojekt im Homeoffice aus, daß ich unbedingt noch vor Mittag fertig bekommen wollte. Überstürzt arbeiten bringt meist kein gutes Ergebnis, aber heute hatte ich einen Lauf und brachte mein Projekt zum Abschluß.
Der Grund für mein zügiges Arbeiten war der, weil am Nachmittag die Gartensaison bei Brigitte starten sollte. Wir beide wollten den Garten auf den Frühling vorbereiten. Leider war das Wetter zu unbeständig - heftiger Wind und zeitweise Regen machten uns einen Strich durch die Rechnung. Also fiel das aus, Mist! Nun hatte ich ungeplant so viel Zeit, die ich prompt in Hausarbeit investierte. Juhu ist das auch erledigt. Eine warme Dusche, Abendessen und ein ruhiger Abend vor der Glotze brachte den Tag zum Ende. Nun hoffe ich, daß der Mai für uns alle wieder unsere gewohnte Normalität zurückbringt und man sich ohne Maske wieder in die Geschäfte trauen kann. Aber bitte, nur nicht zu früh auf Entwarnung gehen, könnte ein Schuß in den Ofen werden." (30.04.2020)


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Engelchen
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 2 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Leider habe ich nie ein Tagebuch geführt, was ich heute bereue.
Wahrscheinlich hätte ich meinen Weg dann schon früher beschritten.
Handschriftlich würde es bei mir nicht funktionieren weil ich nach einer Woche meine Schrift nicht mehr lesen kann, hihi oder besser schäm... :shock: :((a
Eine Art Tagebuch habe ich ja hier geführt um meine Freude oder auch Ängste seelisch zu verarbeiten.
Ich habe dieses Tagebuch inzwischen sogar mehrmals selber wieder gelesen und versucht meinen damaligen "Seelenstatus" mit dem heutigen zu vergleichen.
Es ist schon unglaublich was sich in 2 Jahren bzw. 3 Jahren (Mein Coming Out war ja mit 60) verändert.

Lisa
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 3 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Ja ich schreibe Tagebuch, seit ungefähr September 2015, also noch gut eineinhalb Jahre, bevor ich mir endlich eingestanden hatte eine Frau zu sein. Eigentlich wollte ich es schon viel länger machen, irgendwie war aber doch meistens die Motivation jetzt mal damit anzufangen nicht groß genug. Warum genau ich das mache ist eine gute Frage -- ja ich finde es immer wieder interessant mal nachzulesen, was "damals" so war. Was mir dabei schon einige Male aufgefallen ist: Die Zeit vergeht "gefühlt" oft total unterschiedlich schnell. Bei manchen Sachen denke ich mir "das war doch erst", und dabei ist es schon recht lange her, bei anderen ist es genau umgekehrt.

Obwohl ich ja ein recht "analoger Mensch" bin schreibe ich mein Tagebuch am Rechner. Meine Schrift ist zwar ganz schön finde ich, das hilft nur nix, wenn mir mitten im Schreiben oder gerne auch mal danach einfällt, dass ich ein paar Sätze weiter vorne was vergessen habe, dass da unbedingt noch mit dazu muss. Ja die Chaosprinzessin eben :mrgreen:

Lesen darf das außer mir keine_r -- und deswegen gibts hier auch keine Auszüge daraus, auch wenn ich es nur reinkopieren müsste :P

Ach ja, die Frage ob etwas noch zeitgemäß ist oder nicht finde ich jetzt eher sekundär. Ich mache das, was mir guttut, und nicht das, was gerade "in" oder "hip" oder sonstwas ist )))(:

LG, Mirjam :()b
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 4 im Thema

Beitrag von Phi »

Ich habe haufenweise Tage- und Notizbücher, und entsprechende Software. "Tagebücher" benutze ich vornehmlich zur Reflektion, später interessiert mich kaum noch, was ich da geschrieben habe. Wenn etwas wichtig ist, kommt es in ein Notizbuch oder wird in einer Software gelagert, wo ich es wiederfinden kann. Notizbücher (analog/digital) habe ich zu allerlei Themen, die mich interessieren oder die ich bearbeite.

Tagebücher habe ich zum Beispiel intensiv in der Zeit geführt, als ich mich aktiv mit Luzidträumen beschäftigt habe (lange her). Da diente für mich das Tagebuchschreiben der Verbesserung der Erinnerungsfähigkeit und die Struktur der Träume besser zu verstehen. Teils habe ich bis zu acht Träume pro Nacht aufgeschrieben. Die Tagebücher habe ich noch, lese sie aber nicht, weil ich den Inhalt uninteressant finde. Das einzige Tagebuch das ich nach über zwanzig Jahren erneut gelesen habe, war mein Reisetagebuch, das ich in Indien geschrieben habe.

Analog finde ich übrigens am Besten - ich liebe Papier und den ganzen Prozess des Schreibens oder Skizzierens.

Liebe Grüße
Phi
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 5 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Ich habe in meiner Jugend ein Tagebuch geführt. Darin schrieb ich z.B. meine Gefühle und Schmerzen auf. Auch wie ich leben will und malte kleine Bilder hinein von meinen kleinen Träumen. Irgendwann als es wiedereinmal zu Eklat kam, kontrollierten meine Eltern mein Zimmer. Ich saß in einer Ecke und heulte hemmungslos, keiner half mir, keiner verstand mich. Und dann passierte es - meine Mutter fand mein Tagebuch. Sie setzte sich aufs Bett und las. Nach ein paar Seiten zerriß sie mit hochrotem Kopf das Tagebuch, schrie mich an: ob ich überhaupt wisse was ich ihr antue? Ich sei eine Schande für die ganze Familie. Ich hatte Angst. Sie schmissen mein ganzes Zeug im Zimmer rum und suchten, dabei fanden sie noch andere Sachen die sie konfiszierten und immer die ekelhaften Vorwürfe und weiteres. Es folgten Strafen, Hausarrest und wofür?
Seitdem habe ich kein Tagebuch mehr geschrieben. Bis ich auf dieses wunderbare Forum gestoßen bin und hier über mich, meine Gefühle und meine Erlebnisse schreiben kann.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 6 im Thema

Beitrag von Christiane »

Warum sollte ein Tagebuch nicht mehr zeitgemäß sein?

Ich schreibe mit Unterbrechungen seit 2003. Damals habe ich mir meine erste Kladde auf Norderney gekauft und auch dort angefangen.
Ich war auf Kur dort, wegen meiner Psoriasis und bin vor Langeweile fast gestorben. - Nicht Inselgeeignet -
Mittlerweile sind es 6 Bände, die in einer verschlossenen Schublade meines Schreibtisches schlummern. Und -wenn möglich schreibe ich immer mit einem meiner Füller.
Das Schriftbild ist mir relativ gleich, da viele Einträge in der letzten Zeit in der S-Bahn entstanden sind. Nur da hatte ich in der letzten Zeit die Gelegenheit zu schreiben.
Auch spiegeln sich ja die Emotionen im Schriftbild wieder. Da wären meine Bücher wohl für manchen Psychodoc ein gefundenes Fressen. :mrgreen:

Und - ich bin da total Old School : so etwas nie in digitaler Form! Jede Datei kann abka......"¦ .
Das Buch muss verbrennen, oder untergehen - wenn das nicht passiert ist seine Haltbarkeit besser als die einer Datei. 8)

Für mich ist das so etwas wie Seelenhygiene. Manche Sachen packe ich extra ins Buch, damit ich sie dann abhaken kann.

Liebe Grüße
Christiane
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 7 im Thema

Beitrag von AnjaT »

Ich habe mit meinem Tagebuch begonnen als Anja in den Vordergrund getreten ist. Es ist für mich wichtig meine Entwicklung mit allen Höhen und Tiefen festzuhalten. Es sind mittlerweile mehrere Bücher geworden. Immer das gleiche Modell und alle in "Schönschrift" geschrieben 🙂.
In einer ruhigen Minute nehme ich mir gerne die alten Einträge vor und schwelge in Erinnerungen

LG Anja
Leben Sie es, ohne sich weh zu tun - Zitat aus dem Blog von Svenja aus Kiel -
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 8 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Persönlich schreibe ich kein Tagebuch über mich. Ist mir irgendwie zu "anstrengend", da ich nicht wissen würde, was ich alles so aufzählen sollte was an den Tagen so passiert ist.
Aber alle, die für sich oder hier fürs Forum ein Tagebuch führen, zolle ich meinen ganzen Respekt. (moin)
LG Christina
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Mein "Tagebuch" ist irgendwie eher ein Halbjahresbuch. Chaotisch wie ich bin, gibt es das nicht handschriftlich, sondern irgendwo auf einem Server im Internet. Die Entwürfe dazu finden sich dann planlos verteilt auf meiner Festplatte. Und wie gesagt: täglich schreibe ich da auch nicht.

Wie ich dazu kam es zu schreiben, steht im ersten Kapitel. Also brauche ich es hier nicht zu wiederholen. Handschriftlich wäre es für mich schwierig. Ich schreibe nie kontinuierlich von vorne nach hinten. Also gäbe es erst einmal ein verwirrendes Chaos aus Änderungen und Einfügungen, das in Reinschrift zu übertragen wäre. Und diese "Reinschrift" wäre dann immer noch gespickt mit allen möglichen Korrekturen. Da hilft mir der Computer doch sehr.

LG Nicole

PS: Die Romane sind inzwischen veröffentlicht, und zwar hier.
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-21 »

In meiner Jugend hat mein Stift so richtig geglüht. Zu der Zeit konnte ich ohne ein Tagebuch überhaupt nicht "leben"+++ (flo) :mrgreen: Ich musste einfach alles notieren, besonders in der Jugendzeit wo man diese Sturm und Drangzeit in Sachen erste Liebe und Sex für sich entdeckt, füllte sich mein Tagebuch recht schnell :o Kummer in Sachen Liebe fanden darin Platz, genau wie Schmetterlinge im Bauch die so mancher Junge bei mir entfachte+++ (he)
Aber auch alltägliche Sachen schrieb ich nieder und verzierte meine Notizen mit Zeichnung, Skizzen und super süßen Aufklebern, wie man das eben als junges Mädel so macht.

Über die Jahre hat sich das Tagebuch führen bei mir etabliert, nur in letzter Zeit führe ich es nicht mehr so aktiv wie in früheren Zeiten. Aufzuschreiben gibt es immer einiges, aber irgendwie hat mein Elan dazu nachgelassen :roll:
Wer mein Tagebuch lesen darf? Natürlich niemand! Das ist mein persönlicher Rückzugsort der für niemandes Augen bestimmt ist. Was ich darein schreibe ist nur für mich bestimmt.
Lisa-Weber hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 16:42 Eine Art Tagebuch habe ich ja hier geführt um meine Freude oder auch Ängste seelisch zu verarbeiten.
Ich habe dieses Tagebuch inzwischen sogar mehrmals selber wieder gelesen und versucht meinen damaligen "Seelenstatus" mit dem heutigen zu vergleichen.
Es ist schon unglaublich was sich in 2 Jahren bzw. 3 Jahren (Mein Coming Out war ja mit 60) verändert.
So ähnlich sehe ich das auch. Besonders, wenn man persönliche oder intime Dinge verarbeiten möchte, diese aber gleichzeitig mit niemand anderen teilen möchte, ist ein Niederschreiben manches Mal richtiges Gold wert. Und wenn du Veränderung ansprichst, dann ist ein Tagebuch genau der richtige Ort um diese zu finden. Schaue ich in meine alten Tagebücher und vergleiche mich mit heute, dann überrascht es mich, wie sehr ich mich in manchen Dingen verändert habe. Wäre mir das heute ohne Tagebuch überhaupt noch bewusst?

Mirjam hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 16:54 Was mir dabei schon einige Male aufgefallen ist: Die Zeit vergeht "gefühlt" oft total unterschiedlich schnell. Bei manchen Sachen denke ich mir "das war doch erst", und dabei ist es schon recht lange her, bei anderen ist es genau umgekehrt.
Willkommen im Club )))(: Ich glaube dieses Gefühl kennen viele und es macht uns durchaus auch Angst, wenn man sieht, wie viel zeit wieder vergangen ist. That's life+++

Jasmine hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 17:51Irgendwann als es wiedereinmal zu Eklat kam, kontrollierten meine Eltern mein Zimmer. Ich saß in einer Ecke und heulte hemmungslos, keiner half mir, keiner verstand mich. Und dann passierte es - meine Mutter fand mein Tagebuch. Sie setzte sich aufs Bett und las. Nach ein paar Seiten zerriß sie mit hochrotem Kopf das Tagebuch, schrie mich an: ob ich überhaupt wisse was ich ihr antue? Ich sei eine Schande für die ganze Familie. Ich hatte Angst. Sie schmissen mein ganzes Zeug im Zimmer rum und suchten, dabei fanden sie noch andere Sachen die sie konfiszierten und immer die ekelhaften Vorwürfe und weiteres. Es folgten Strafen, Hausarrest und wofür?
Ja, auch so können Eltern reagieren. Das ist natürlich nicht schön und wurde für dich zu einem Alptraum. Ich kann es verstehen, wenn man da plötzlich ein anderes Verhältnis zu den Eltern entwickelt. Man fühlt sich seiner Natur und Selbstbewußtsein beraubt und glaubt nicht mehr an sich selbst, zieht sich mehr zurück und fragt nach dem Sinn von alle dem. Es ist schade, dass manche Eltern scheinbar nicht die Privatsphäre ihrer Kinder respektieren. Ja, sie sind die Eltern und haben "bestimmte" Rechte, aber es gilt auch Grenzen einzuhalten und die eigenen Kinder nicht zu traumatisieren.
Jasmine hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 17:51 Seitdem habe ich kein Tagebuch mehr geschrieben. Bis ich auf dieses wunderbare Forum gestoßen bin und hier über mich, meine Gefühle und meine Erlebnisse schreiben kann.
Das ist daraus natürlich die normale Reaktion. Es zeigt mir, dass du von deinen Eltern sehr eingeschüchtert wurdest, nur verständlich, dass dir für ein weiteres Tagebuch der Mut gefehlt hat. Aber irgendwann bist doch von zuhause ausgezogen, war es da für dich zu spät ganz neu mit einem Tagebuch anzufangen?
Liebe Grüße, Tina

+++Wissenswertes+++
Ich bin Tina und die Mutter von Jennifer. Ihr kennt sie unter ihrem Forumsnamen "Lady Jennifer"
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 11 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Die fesche Tina hat geschrieben: Sa 2. Mai 2020, 11:31 ......Das ist daraus natürlich die normale Reaktion. Es zeigt mir, dass du von deinen Eltern sehr eingeschüchtert wurdest, nur verständlich, dass dir für ein weiteres Tagebuch der Mut gefehlt hat. Aber irgendwann bist doch von zuhause ausgezogen, war es da für dich zu spät ganz neu mit einem Tagebuch anzufangen?
Leider ja.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 12 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Tagebuch schreiben, da kommen erst mal Erinnerungen an meine Jugend hoch. Damals gab es noch keine Computer, also hatte ich es von Hand schreiben müssen. Die ersten Liebeserlebnisse, die Heimlichkeiten, die ich meinen Eltern nie anvertrauen konnte, das Haar meiner ersten Freundin, welches ich ins Tagebuch klebte. Heute sieht das anders aus. Natürlich schreibe ich Tagebuch am Computer. Das darf erst mal niemand mitlesen, aber ich nutze es um meine Biografie parallel zu schreiben. Was mir dabei auffällt, ist der Unterschied der Erinnerungen. Wenn es um Erinnerungen an transidente Erlebnisse geht, erinnere ich mich detailgenau an jede Kleinigkeit. Ging es aber nicht um transidente Erinnerungen, sondern um Alltagserlebnisse, fällt die Erinnerung sehr schwer und ohne Details.
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 13 im Thema

Beitrag von Michi2011 »

Jasmine hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 17:51 Bis ich auf dieses wunderbare Forum gestoßen bin und hier über mich, meine Gefühle und meine Erlebnisse schreiben kann.
Hallöchen,

das ging mir vor meiner Transition sehr Ähnlich - nur dass ich erst hier angefangen hatte, TB zu schreiben und dann auch mein persönliches in Handschrift. Bedingt durch meine lange Abwesenheit hier sind leider alle Beiträge verloren gegangen. :roll:

Allerdings hatte ich versucht schon im Kindesalter angefangen, jedoch ohne wirklichen Erfolg. Zum Einen war es ein wildes Durcheinander, zum Anderen "erwischte" mich meine Mutter beim Schreiben. Das Theater war dann sehr heftig und neben den Schlägen wurde es mir mit den Worten "Das ist was für Mädchen - Du bist ein Junge!" verboten. Um weiteren Schlägen vorzubeugen ließ ich es auch bleiben. Ein eigenes Zimmer hatte ich nicht.

Aktuell ist es so, dass ich gerne wieder schreiben möchte, jedoch nach wirklich erschöpfender Arbeit wenig Lust verspüre. Eher vorhanden sind so einige stichpunktartige Notizen in meinen Kalendern. Einige lassen mich :-D sein, andere sind eher :evil: . Erstere überwiegen aber. (so)

LG, Michi
Zunächst kümmere ich mich um meine Probleme - danach kann ich auch das Welthungerproblem angehen.
Erfolg kommt mit "Ich kann" und nicht durch "Ich kann nicht" (Henry Brooks-Adams) - Stimmt in jeder Hinsicht
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 14 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo zusammen,

ein richtiges Tagebuch habe ich nie geschrieben. Was ich erlebte gehört mir. Und ich hatte Angst, dass so ein Buch gefunden wird. Fremde darin in meine Seele blicken. Gerne aber fotogarfierte ich. Was ich auch heute noch mache. So halte ich viele mir wichtige Momente fest. Inzwischen sind auch Videofilme dazugekommen. Wann ich dann mir diese Bilder oder auch Videos anschaue, kommen die Erinnerungen, meine Erinnerungen an die Zeit als sie entstanden. Erinnerungen an Menschen, mit denen ich diese Zeit erlebte.

Weit nach meiner Armeezeit, habe ich aus dem Gedächtnis heraus einiges in Berichtform aufgeschrieben. Um diese Zeit für mich zu verarbeiten. Fotos zu machen war ja verboten. Die Schränke wurden kontrolliert. Da blieb wenig Platz für persönliches. Selbst Bilder von lieben Angehörigen und Freunden durften nicht sein. Also schrieb ich das Erlebte auf.

Dann hier im Forum , als sich Magdalena zu der Person entwickelte, die hier geraden schreibt, fing ich an über meinen Weg hier im Forum zu schreiben. Es ist zwar kein Tagebuch, aber ich sehe so auch die Veränderungen, von mir, meine Entwicklung.

Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: Tagebuch führen heute noch zeitgemäß? Tut ihr es - ich tu es

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Das freut mich zu lesen, daß viele von euch auch die Gunst eines Tagebuchs nutzen - schöne Kommentare habt ihr hier im Thread geschrieben. Zudem lese ich bei vielen, daß sie ihr Tagebuch als "Anker" für die eigene Seele empfinden, wobei Gedanken, Gefühle, Träume und Wünsche eine große Rolle beim Inhalt der Texte spielen - genau wie bei mir!!!
Lisa-Weber hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 16:42 Es ist schon unglaublich was sich in 2 Jahren bzw. 3 Jahren (Mein Coming Out war ja mit 60) verändert.
Veränderung ist dabei der normale Lauf und ich für meinen Teil, finde das von Vorteil. Eigentlich bin ich ein Typ der große Veränderungen nicht sehr mag - was bestimmte Dinge anbelangt. Aber als CD in der Öffentlichkeit oder auch geoutet, ist man natürlich viel freier was zu Veränderungen der eigenen Person führt, oder einfach im täglichen Leben. Ich finde das spannend und ist nun Teil von uns.

Mirjam hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 16:54 Lesen darf das außer mir keine_r -- und deswegen gibts hier auch keine Auszüge daraus, auch wenn ich es nur reinkopieren müsste :P
Das ist verständlich. Meine Auszüge aus dem Eingangspost sind eher allgemeiner Natur - nichts intimes oder zu persönliches, somit passt das hierein.

Jasmine hat geschrieben: Fr 1. Mai 2020, 17:51 Ich habe in meiner Jugend ein Tagebuch geführt. Darin schrieb ich z.B. meine Gefühle und Schmerzen auf. Auch wie ich leben will und malte kleine Bilder hinein von meinen kleinen Träumen. Irgendwann als es wiedereinmal zu Eklat kam, kontrollierten meine Eltern mein Zimmer. Ich saß in einer Ecke und heulte hemmungslos, keiner half mir, keiner verstand mich. Und dann passierte es - meine Mutter fand mein Tagebuch. Sie setzte sich aufs Bett und las. Nach ein paar Seiten zerriß sie mit hochrotem Kopf das Tagebuch, schrie mich an: ob ich überhaupt wisse was ich ihr antue? Ich sei eine Schande für die ganze Familie. Ich hatte Angst. Sie schmissen mein ganzes Zeug im Zimmer rum und suchten, dabei fanden sie noch andere Sachen die sie konfiszierten und immer die ekelhaften Vorwürfe und weiteres. Es folgten Strafen, Hausarrest und wofür?
Seitdem habe ich kein Tagebuch mehr geschrieben. Bis ich auf dieses wunderbare Forum gestoßen bin und hier über mich, meine Gefühle und meine Erlebnisse schreiben kann.
Liebe Grüße Jasmine
Meine Mama hat zu deinem traurigen Beitrag ja schon einiges geschrieben und ich fühle in dieser Situation mit dir. Als Kind das zu erleben ist sicherlich nicht leicht, aber damit umzugehen ist deutlich schwerer. Irgendwie hat man doch das Vertrauen in die Eltern verloren, oder? Wäre mir das passiert, hätte ich mich wohl auch komplett zurückgezogen und mich in eine Traumwelt geflüchtet.

ChristinaF hat geschrieben: Sa 2. Mai 2020, 09:49 Persönlich schreibe ich kein Tagebuch über mich. Ist mir irgendwie zu "anstrengend", da ich nicht wissen würde, was ich alles so aufzählen sollte was an den Tagen so passiert ist.
So schwer fällt das gar nicht. Und den Begriff "TAGebuch" müsste man auch nicht wörtlich nehmen - man kann das auch nach Lust und Laune führen. Eben wenn man findet , daß es Wert ist aufgeschrieben zu werden.


Magdalena hat geschrieben: So 3. Mai 2020, 10:12 Gerne aber fotogarfierte ich. Was ich auch heute noch mache. So halte ich viele mir wichtige Momente fest. Inzwischen sind auch Videofilme dazugekommen. Wann ich dann mir diese Bilder oder auch Videos anschaue, kommen die Erinnerungen, meine Erinnerungen an die Zeit als sie entstanden. Erinnerungen an Menschen, mit denen ich diese Zeit erlebte.
Fotos mache ich auch gerne und hin und wieder versuche ich mit der Videokamera das ein oder andere per Video festzuhalten - das macht auch Spaß.

Jennifer
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