Mirjam hat geschrieben: So 12. Apr 2020, 14:42
Das mag ja für "Feiertagsfrauen" so möglich sein, aber nicht unbedingt für "Alltagsfrauen" wie mich zum Beispiel. Ich habe einfach nicht jeden Tag eine Stunde oder noch länger Zeit
Liebe Mirjam,
ich habe nicht behauptet dass es keine Mühe macht, ich habe auch nicht behauptet dass es keine Zeit kostet. Ich bin völlig bei dir, dass eine Stunde länger im Badezimmer (damit komme ich bei weitem nicht hin) jeden Morgen auf die Dauer keine Option ist. Der Punkt war lediglich, daß jede TransX- interessierte Person egal ob gross, klein, dünn oder dick die Möglichkeit hat ein gutes Passing zu erreichen. Bei einigen kostet es mehr Zeit und Mühe, bei anderen weniger. Bevor ich aufgehört habe mir selbst zu schaden indem ich meine weibliche Seite unterdrückt habe war ich vom Typ her ein fester, stiernackiger Bauerntrampel mit rosigem Antlitz und der Körperhaltung von Quasimodo. Um mein Passing zu verbessern habe ich mir mehr als 20 kg abtrainiert und intensiv an meiner Körperhaltung gearbeitet. Die rostigen Wangen verschwinden unter Schminke, der leider noch immer zu dicke Hals wird durch eine schulterlange Perücke und ein kunstvoll drapiertes Tuch kaschiert. Meine Behaarung steht leider im völligen Komplementärkontrast zu dem was ich erreichen möchte. Auf dem Kopf machen sich die Haare so rar, dass ein natürlicher Haaransatz, nach dem laut Anleitung die Perücke ausgerichtet werden soll, nicht mehr erkennbar ist. Dafür sprießen sie an allen anderen möglichen und unmöglichen Körperteilen um mich daran zu erinnern, dass ich als Trägerin des Y- Chromosoms den Primaten um mindestens eine Evolutionsstufe näher bin als die Vertreterinnen meines Zielgeschlechts. Im Winter kein großes Problem, die blickdichte schwarze Strumpfhose kaschiert auch leichten Schenkelpelz, doch wenn ich im Sommer leichter bekleidet unter das Volk möchte ist vorher die Nacht der langen Messer angesagt.
Ein gutes Passing bekommen die wenigsten geschenkt, die meisten müssen es mühsam erarbeiten. Wenn diese Arbeit mit einem Lob belohnt wird kann ich beim besten Willen nichts Schlechtes daran finden.
Auch wenn ich nur Feiertagsfrau bin (den Ausdruck finde ich durchaus treffend, danke) arbeite ich dennoch ununterbrochen an meinem Passing. Ich ernähre mich bewusst und gesund, ich bewege mich viel, vermeide aber alles was zu Muskelaufbau an Armen und Oberkörper führen könnte, ich pflege meine Haut und meine Fingernägel, etc.
Im Kopf ist meine weibliche Seite fast immer präsent und bekommt die Aufmerksamkeit die ihr zusteht.
Liebe Grüße
Helga