Ehrlich gesagt, habe ich an der Abstimmung nicht teilgenommen, da ich keinen Sinn darin sehe, bei 10 Auswahlmöglichkeiten auch 10 anzugeben. Von daher kann ich dir nur von meinen Erfahrungen berichten und wie du weisst, habe ich nicht nur positive machen können. Dass du dir daraus ableiten kannst, wie man unsereins begegnet, halte ich persönlich für unmöglich. Denn dafür gibt es einfach zu viele Situationen, in denen Menschen unterschiedlich reagieren. Im Berufsleben z.B. reagiert man ganz anders als in der Freizeit. Da kann man tun und lassen, was man will. Im Beruf sollte man den Anstand bewahren. Dass das aber nicht immer klappt und es auch dort unschöne Szenen gibt, habe ich selbst schon erlebt. Das hängt natürlich auch viel von der Branche und dem Rang der jeweiligen Person ab.
Lange Rede, kurzer Sinn. Mir ist schon so ziemlich alles unter gekommen. Von erstaunten und verstörten über belustigte, bis hin zu sexuellen und aggressiv wirkenden Blicken, war wirklich alles dabei. Wobei die ersten beiden hauptsächlich aus der weiblichen Ecke stammen - wen wundert's. Dazu muss ich aber sagen, dass sich das ganze im Laufe meiner Transition aber sehr verschoben hat. Waren es am Anfang häufiger erstaunte, verstörte und belustigte Blicke, so sind es mittlerweile eher anerkennende, verschämt neugierige, sowie sexuelle Blicke. Mit letzteren habe ich zuerst meine Probleme gehabt, da ich sie nicht einsortieren konnte. Das hat aber daran gelegen, dass ich eine Zeit gebraucht habe, um zu begreifen, dass das nun mal der Lauf der Dinge ist. Und das, obwohl ich ja eine hetero (Trans)frau bin. Das muss man halt erstmal lernen einzusortieren und zu bewerten und das ist mir nicht gerade einfach gefallen. Mittlerweile klappt das aber ganz gut und ich kann vieles auch zu meinem Vorteil nutzen.
Doch trotz der ganzen Erfahrungen, die ich mit meinen Mitmenschen bisher machen durfte - von freudig, über neutral, bis hin zu ablehnend und aggressiv, muss ich sagen, dass es das alles wert war. Denn, alle unschönen Erfahrungen zusammen genommen, sind ein Mückenschiss, gegen das, was mein Leben zuvor gewesen ist. Ich bin heute so viel ausgeglichener und selbstzufriedener, da kann schon beinahe kommen wer will und mir seinen Hass entgegenbringen. In den allermeisten Fällen prallt das einfach an mir ab. Und wenn es mich doch mal kratzt, denke ich an die Zeiten vor meiner Transition und wie unglücklich ich da war. Dann wird mir wieder ganz schnell bewusst, warum ich das alles gemacht habe und, dass ich mich deshalb von diesen paar Idioten ganz bestimmt nicht unterkriegen lasse.