Anja, das reicht mir jetzt mit deinen ständigen binären Zuschreibungen mir gegenüber. Ich bin genauso nicht-binär, wie du weiblich bist. Oder nicht-männlich. Egal was du dir durch diese ständigen Klischeewiederholungen abholst, mach das mit anderen, wenn die das zulassen. Auf mich wirkt das genauso verletzend wie jede Misgenderung oder jedes Deadnaming dir gegenüber.
Die Unterscheidung Besuchende, Klagende, Klient"¢innen habe ich von meinem Bunny gelernt, und sie in ihrer therapeutischen Ausbildung. Ruf sie an, schick ihr ne Mail,
frag sie. Und dann informiere dich mal über ressourcen- und lösungsorientierte Angebote, vor allem im Gegensatz zu endlosen Analysen und Gesprächstherapien.
Mag sein, dass meine Bereitschaft, das Leid zu würdigen (auch Therapeut"¢innensprache) öfter nicht hinreichend ist. Diese Beurteilung akzeptiere ich höchstens von der jeweiligen Person, d.h. weder von dir, Anja, noch von Carry, die ihr sehr gut eure eigenen Befindlichkeiten und Glaubenssätze auf alles projiziert, was hinreichend ähnlich aussieht. Du deine weibliche Selbstbestätigung, sie ihre cis-het-bin Weltsicht. Wie lautete gleich dein Vorwurf an mich heute morgen? Genau. Balken, Auge, bitte sehr.
Zum Thema. Ich bin sicher, dass ausreichend viel Leid gewürdigt und in den Arme genommen wurde. D.h. die Notfallmassnahmen sind durch, bzw. das überlasse ich anderen. Klar kann 1 sehr viel und intensiv mit-fühlen. So lange, bis alle gemeinsam mit-leiden. Ein Kennzeichen von erwachsen sein ist, die eigenen Emotionen irgendwann wieder einzufangen und nicht in der Altersregression des ersten Schocks zu verharren. Carrys Beispiel von Mutter und Kind ist deshalb spätestens jetzt nach x Tagen obsolet. Simi ist kein Kind mehr und es geht nicht gerade um eine schwere Traumatisierung.
Hilfereich ist dann ein mit-lösen und dazu gibt es ganz grob vier Wege:
1. Abbrechen. Eigene Wohnung, Distanz, Beziehungsende
2. Ignorieren. Thema totschweigen, irgendwie weitermachen
3. Arrangieren. Partner irgendwie machen lassen, mit oder ohne Erklärung
4. Verstehen. Zeit geben und nehmen, eigene Ängste auch mit sich selbst klären
Ich habe zig coming outs und Beziehungskrisen wegen persönlicher Orientierungen miterlebt, seit ich vor über 25 Jahren selbst damit eingestiegen bin, inklusive zwei langjährigen, letztlich zermürbenden eigenen Beziehungen. Egal was, ob BDSM, Homosexualität, irgendein Fetisch oder Genderkram, es läuft immer auf diese vier Varianten hinaus und davon funktionieren mittel- und langfristig nur zwei: Abbrechen oder Verstehen.
Zu ersterem wurde ja mehrfach aufgefordert, weshalb ich zu Deeskalation und Entkrampfung geraten habe. Nicht mehr und nicht weniger.
Das Geschehene lässt sich nicht rückgängig machen. Weder die Ursache für diesen Koffer, noch das Wissen darum. Dass der Partnermensch seine Orientierung ändern kann ist im höchsten Maße unwahrscheinlich (oder wer von uns kann sich so komplett umkrempeln?) - und die Zweifel daran würden eh bleiben, egal wie sehr der Partner das Gegenteil beteuert.
Für Simi gibt es deshalb wie für Carry und allen anderen Partner"¢innen nur die Alternativen entweder die Beziehung zu beenden oder das eigene Welt- und Partnerbild zu justieren.