Moin Lissy und in die Runde,
Lissy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 14:23
Ich habe zumindest geschafft, Verständnis zu fühlen, dass man Brüste haben möchte, wenn man eine Frau ist. Vielleicht nur ganz kurz, aber es ist mir gelungen. Denn ich glaube, die Brüste sind mein Hauptgruselfaktor
Bleiben wir kurz noch bei der Landkarte. Wenn man die Diskussionen über die Wichtigkeit der Brust bei Frauen, die eine Krebsoperation hinter sich haben, anschaut, wird es sehr schnell deutlich, dass die weibliche Brust eine enorme Bedeutung für sie hat. Kaum eine Frau möchte sie vermissen. Sie sind vielleicht der stärkste sichtbare Ausdruck eines weiblichen Körpers. Wenn also ein körperlicher Mann eine hohe Affinität zu seinem weiblichen Potential hat, ist es da verwunderlich, dass auch für ihn die Brust eine so große Rolle spielt ?
MichiWell hat geschrieben: Mi 29. Jan 2020, 00:36
Da fallen schnell Worte wie "ekelhaft" und "widerlich", und dass man das vielleicht noch bei Schwulen duldet, aber auf keinen Fall beim eigenen Mann .. was sollen denn die Nachbarn denken .. und so weiter.
Hammer ! Wie kann man Respektlosigkeit so direkt ausdrücken ... ? Aber das bringt mich auf noch einen Gedanke für Dich, Lissy. Ich nehme nicht an, dass Du so reagierst, wie Michi es für andere Frauen beschrieben hat. Aber gibt es nicht möglicherweise eine Analogie ? Ich nehme an, Du würdest einen unbekannten Bio-Mann, der seine Weiblichkeit mit Silikoneinlagen ausdrückt, anders wahrnehmen als Deinen Freund in vergleichbarer Situation. Die Silikoneinlagen hätten dann eine andere Wertigkeit. Wenn das so sein sollte, warum eigentlich ? Ist es nicht die persönliche Betroffenheit, die uns Dinge anders bewerten lassen ? Oder anders gesagt, ich identifiziere mich mit dem, wie mein Partner agiert.
Das ist eine grundlegende Frage bei Paarpsychologen. Leider weiß ich gerade nicht, wo ich das gelesen habe, aber eines meiner Lieblingsbücher in dieser Frage ist David Schnarch, Die Psychologie sexueller Leidenschaft, eines meiner Lieblingsbücher. Der Titel ist ein wenig irritierend. Er plädiert für einen anderen Umgang mit den eigenen Betroffenheiten, die vom Partner resultieren, in dem man Unterschiede anerkennt, sie aber ganz beim Partner lässt. Das schafft die notwendige Distanz, um den Unterschieden mit Respekt, auch für sich selber (ganz wichtig !), zu begegnen. Finde ich einen sehr spannenden Ansatz.
sbsr hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 16:43
Silikonbrüste sind da ein ganz anderes Level, der Mann nimmt sich damit nicht mehr nur leblose Gegenstände, sondern imitiert weibliche Körperteile. Körperteile, die zudem mit einem gewissen Grad an Erotik und Intimität behaftet und somit für cis Frauen schützenswert sind.
Wieso imitieren ? geht es nicht darum, eine sichtbare weibliche Brust zu haben und sich damit zu identifizieren ? Hier geht es mMn tatsächlich um Intimität, aber um meine eigene ! Das ist ein anderer Blickwinkel. Gehören weibliche Brüste nur Bio-Frauen ? Muss ich eine Frau um Erlaubnis fragen, wenn ich damit meine Weiblichkeit ausdrücken will ? Ist diese, meine Intimität nicht schützenswert ?
Ich lese sehr häufig, dass sich Transmenschen mit ihren Träumen, Wünschen, Fähigkeiten und Talenten in der Wertigkeit hinter ihre Partnerinnen stellen. Warum ? Wir sind nur dann vollständige Menschen, wenn wir uns ganz (!) ausdrücken können. Das ist unser Recht und muss uns nicht gewährt werden. Ich sage nicht, dass das einfach ist und keine Nachteile beinhaltet. Manchmal ist es auch besser, nicht radikal damit umzugehen und sich zurück zu nehmen. Aber die innere Einstellung, dass es ein Menschenrecht ist, sollten wir uns selber nicht absprechen, in dem wir unsere Bedürfnisse geringer achten als die anderer Menschen.
sbsr hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 16:43
Ich möchte nur sagen, es ist (wenigstens für mich) verständlich, dass Partnerinnen es ablehnen, die Silikonbrüste sehen oder gar berühren zu wollen.
Das sehe ich auch so und es ist das Recht der Partnerinnen, dass es ihnen nicht gefällt und sie es nicht wollen. Für mich ist es entscheidend, wie beide damit umgehen. Meine Frau geht z.Zt. auch noch z.T. auf Distanz. Es fällt mir auch noch schwer, mich ganz zu zeigen. Aber mir scheint, wir machen beide Fortschritte. Ich erkenne, dass die Beziehung anders funktioniert, wenn ich en femme bin. Ich werde als Mensch auch en femme geliebt, auch wenn da viel mehr Distanz ist und die wir beide nicht wollen. Aber das Anerkennen dieser Distanz (siehe Schnarch) macht es vielleicht möglich, besser damit umzugehen. Sie muss ja nicht auf Dauer bleiben. Es bleibt im Fluss. Insofern ist das Verständnis, dass Du, Svenja, oben zeigst, für mich ganz wichtig.
Aber meine Bedürfnisse sind gleichwertig. Diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, ist Arbeit an sich selber. Der Begriff Beziehungsarbeit ist für mich ein Synonym dafür. Man kann den Widerspruch als eine Aufforderung verstehen, sich zu entwickeln und seine eigenen Potentiale zu entfalten. Ich musste mich von meinen Gefühlen der Minderwertigkeit befreien. Ich musste mich von diesen Vorstellungen emanzipieren, dass ich nur eine Weiblichkeit zweiter Klasse in mir trage. Ich musste lernen, Weiblichkeit Wert zu schätzen, sie aber nicht zu vergöttern und nebenbei meine eigene Weiblichkeit als etwas Wunderbares zu entdecken. Meine Silikonbrüste sind das sehr wichtige äußere Symbol dafür. Sie manifestieren einen wichtigen Teil meines Ichs, auch wenn sie nur "künstlich" sind.