Damit kommen wir schnell in den philosophischen Problemkreis, wie man überhaupt erkennen kann, was ist. Und was ist davon im praktischen Leben verwendbar ?Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 24. Jan 2020, 08:50 Vielleicht sollten wir mal festlegen was diese schwammige Naturgegebenheit, Natürlichkeit, biologische absolute Wahrheit oder ähnliche unverückbaren Grundlagen eigentlich sind.
Müssen wir nicht zwangsläufig daran scheitern ? Wahrheit ist ein Wort, dessen Bedeutung wir gar nicht ermessen können. Ich habe eine persönliche Geschichte, an die ich mich nicht erinnere. Meine Genetik und meine Epigenetik sind mir völlig unbekannt, außer das ich an einer Stelle ein xy-Gen haben dürfte, denn ich habe Kinder gezeugt. Ich habe ein Empfinden, das nicht stabil ist und sich aus welchen Gründen auch immer, schwankt. Mein Körper ist das, was man mit "männlich" bezeichnet. Ich mag meinen Körper. Es ist genial, was der alles kann, aber mein Wunschdenken geht, seit ich mich erinnern kann, dahin, dass ich ihn gerne nach Lust und Laune in einen "weiblichen Modus" und wieder zurück wechseln möchte. Das erscheint mir bedeutsam.
Wie kann ich da Wahrheiten und unverrückbare Grundlagen erkennen ?
Meine Wahrheit ist, dass die Welt mir irgendwann zwischen die Beine geschaut hat und damit meint, alle Felder abzudecken. Dem ist nicht so, wie die meisten, die hier schreiben und lesen für sich selber wissen. In besonders "kritischen Phasen" ist mein Körper extrem empfindlich. Er glüht förmlich, weil etwas nicht passt. Die Aufrechterhaltung einer Maske zur "Betriebsfähigkeit" ist extrem schwierig. Im Kern geht es vielleicht gar nicht so sehr um den Körper. Es ist ein Kampf, der in meinem Inneren tobt. Die Empfindungen, die gleichzeitig hoch kommen, werden widersprüchlich. Es ist eine Gratwanderung am Rande des Kontrollverlusts.
Kontrolle über sich selber zu haben, könnte eine Form der Unfreiheit sein. Gleichzeitig brauchen wir die Kontrolle über uns selber, um sozialfähig zu sein. Für mich sind die Phasen en femme eine Art Auszeit über die erzwungene Selbstkontrolle. Deshalb wirkt es entlastend und entspannend. En femme zu sein verstehe ich als ein äußeres Zeichen, dass ich die Selbstkontrolle aufgebe. Es ist das Pflaster auf dem verwundeten Ich.
Worin die Verwundung liegt, weiß ich (noch) nicht. Ich wünsche mir aber sicher nicht ein Leben im anderen Geschlecht. Vielleicht ist mein Leben zu sehr fremdbestimmt oder besser gesagt, ich lasse es vielleicht viel zu sehr zu, dass es fremdbestimmt ist. Im Büro muss ich dies tun oder das. Da gibt es Termine, Reisen etc. Alles ist nicht wirklich schlimm und ich mache diese Arbeit gerne, weil ich sie für sinnvoll halte, aber das Arbeitsleben läuft in Bahnen, die nicht zu mir passen. Und privat fällt es mir auch schwer, meine Wünsche zu formulieren, auch wenn alles in meinem Leben gut zu laufen scheint. Es ist ein beständiger Widerspruch in mir. Wenn ich an den kleiderschrank gehe, die Männersachen weglege und meine Frauensachen anziehe, hänge ich mein halbes, so widerspruchbehaftetes Leben in den Schrank und ich lebe die andere Hälfte, die der Sonnenseite. Mein Frausein bedeutet ein Stück innere Freiheit. Es ist ein Zugeständnis an mich. Ich spiele nicht Frau, ich bin es in dem Augenblick. Aber es ist letztlich doch nur ein Zeichen an mich, dass ich mich jetzt, trotz aller echten oder eingebildeten Grenzen in der Öffentlichkeit "frei" entfalten kann. Es bedeutet nicht, dass ich für immer Frau sein will. Im Gegenteil, ich komme immer aus diesen "Freiräumen" zurück in die andere Welt, in der ich anders lebe und empfinde. Was mir leider nur sehr begrenzt gelingt, ist beide Welten zu verbinden. Vielleicht geht es auch gar nicht so sehr um das Geschlecht. Das Geschlecht ist jedenfalls etwas, was sehr starke, weil tiefgehende Emotionen auslöst.
Das sind jetzt nur spontane Gedanken und ich muss noch über sie nachdenken und nachspüren.