Männlichkeit in der Weiblichkeit ?
Männlichkeit in der Weiblichkeit ? - # 14

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Marielle
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 196 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Carry,
Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 11:58Vielleicht braucht es erst eine wirkliche Überwindung der Wertungen von "männlich und weiblich" von jedem Individuum, bevor eine Gesellschaft eine solche Unterscheidung wirklich ablegen könnte?!
Bestimmt braucht es diese Überwindung. Ich hab es Emanzipation genannt, aber es ist dasselbe. Was du Wertung nennst, nenne ich Individualitäts- und Konformitätsregeln, aber es ist dasselbe. Im Grunde sagst du damit sogar ähnliches wie Judith Butler. Nur sagt sie es halt ein bisschen radikaler und ohne Fragezeichen.

Ich möchte dich was fragen: Findest du es nicht wertend, wenn hier im Forum über Eigenschaften von anderen Menschen gesprochen wird und diese Eigenschaften als 'männlich' bezeichnet werden, obwohl der Mensch, über den gesprochen wird, sich selbst nicht als 'männlich' bezeichnen würde, weil ihm diese Bezeichnung für sich selbst unpassend vorkommt oder ihm gar weh tut? Oder wenn jemandem die Selbstbestimmung als 'Frau' aufgrund dieser Eigenschaften abgesprochen wird?

Hab es gut

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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 197 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Es gibt Frauen, die unter "männlich" den "richtigen Kerl" (Holzfällerlook) oder den "Glatzkopf Leader of the Gang Macho" verstehen. Andere wiederum auf eher romantische Typen auch mit längeren Haaren stehen — wie in den Kostümfilmen z.B. Musketiere. Und genauso gibt es die Vorlieben umgekehrt — von androgyn bis "Superweib" kann alles sexuell bevorzugt werden. Daher ist die Frage müßig, wieviel Weiblichkeit darf ein Mann bzw. Männlichkeit eine Frau haben. Es ist kulturell und Geschmacks-bedingt.
Anhand meine langjährigen persönlichen Beobachtungen gibt es beim Thema "das Weibliche im Mann" auch dort fließende Übergänge, und es ist sehr schwer vorherzusagen, in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit sich diese Selbsterkenntnis entwickelt. Ausnahme sind sicher TS, die schon sehr frühzeitig mit ihrer Geschlechtsidentität hadern.

Genauso wie es Frauen gibt, die schöne Kleider und "Aufbrezeln" lieben, gibt es andere, die damit nichts am Hut haben. Genauso gibt es Männer, die schöne Kleider und Schmuck und ggf. auch Makeup tragen wollen, denn die Übergänge m-w sind fließend. Während das erstere gesellschaftlich toleriert ist, gilt das für das letztere nicht. Konsequenz für Männer: nur binär auftreten. Das hat aber (ggf. leider aus Partnerinnensicht) den Vorteil, die mehr oder weniger stark vorhandene weibliche Komponente ausgeprägter zu pflegen oder auszuleben. Und die weibliche Seite wird durch die Transformation eingeleitet. Ich kann hier nur für mich erläutern: Meine Visagistin und meine Schneiderin (sind häufig bei Transformationen dabei gewesen) sagen, die innere Umstellung — erkennbar an der Motorik, am Gang - kommt bei mir ganz abrupt. Entsprechende weibliche Kleidung vorausgesetzt, erst ziemlich spät, i.d.R. wenn die letzten 3 Dinge gefixt sind: Perücke, Lippenstift und Schmuck. Alles was man nicht sieht spielt keine Rolle, z.B. Art der Unterwäsche. In dieser Konstellation tickt mein Hirn dann auch etwas anders. Mit Männern kann ich aber weiterhin nichts anfangen — streng "pseudolesbisch". Für mich bleibe "ich" so ein Kunstprodukt, das mir viel Spass bereitet, meine sexuelle Rolle erlebe und biete ich ausschließlich als Mann.
Ich nehme mal an, dass es den meisten CDs ähnlich geht — im Zusammenleben mit einer Frau tritt keine Konkurrenz oder Abwertung der Attraktivität ein — zumindest die Frau ihre vorhandene Attraktivität behält und nicht — extrem formuliert — vom langhaarigen Vamp in Rot zur grauen Maus mit kurzen Haaren und "bequemen" Schlabberlook mutiert. Zurückgekehrt in die Männerwelt wird der Mann auch wieder wie er war. Es geht mir nicht darum, Frau zu sein, sondern mehr weiblich zumindest zeitweise zu leben.

Vielleicht hilft jemandem diese individuelle Perspektive weiter.

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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 198 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 11:58Und ganz hypothetisch gesponnen: Vielleicht braucht es erst eine wirkliche Überwindung der Wertungen von "männlich und weiblich" von jedem Individuum, bevor eine Gesellschaft eine solche Unterscheidung wirklich ablegen könnte?!
Ein Ansatz dazu wäre, sich von "festen Überzeugungen" wie den Steinzeitrollen(1) zu lösen... (mir kräuseln sich immer die Nackenhaare, wenn sich mal wieder 1 in einem Interview auf "nach meiner festen Überzeugung" beruft, als ob das irgendeinen Wert hätte)

Zum Beispiel der Überzeugung mit den zwei Polen. Welche zwei gibt es denn bei "Auto"? Oder "Haus"? Oder "Sportart"? Alles zusammengesetzte Dinge aus vielen Skalen. Klar könnten die in einzelne aufgedröselt werden, aber wann ergibt das eigentlich einen Mehrwert?

Vorschlag für ein kleines Experiment: Erst mal die Pole anders bezeichnen. Nennen wir sie butch und femme. Und jetzt die nächsten 7 Tage alle Menschen, die 1 trifft mal nicht nach ihren vermutlichen Genitalien/Hormonen einsortieren, sondern wie viel Prozent Butch und wie viel Prozent Femme sie in der eigenen Wahrnehmung haben. Step 2: Genau nachschauen, wie 1 zu der Ansicht kommt.

---
(1) Nicht nur Steinzeit. Auch in wikingischen Gräbern und anderen Kulturen ist diese pauschale Projektion der Genderrollen des 18ten bis frühem 20ten Jahrhundert falsch.
In gleicher Weise ermöglicht auch die aus dem Feminismus hervorgegangene Geschlechterforschung, einen anderen Blick auf die Vergangenheit zu werfen. Das zeigt der Begleitband zur Freiburger Ausstellung, in dem gut zwei Dutzend wissenschaftliche Aufsätze versammelt sind. Auch hier ein Beispiel: Abgebildet ist dort das Gemälde "Shoshone-Frau zu Pferd auf Bisonjagd", das Alfred Jacob Miller, ein reisender Künstler, bereits 1837 malte. In weiteren Bildern dokumentierte er die jagenden Frauen der Shoshone-Indianer. Inzwischen liegen, wie Sybille Kästner schreibt, Daten über Wildbeuterinnen aus nahezu allen Weltregionen vor, die direkt oder indirekt an Klein- oder Großwildjagden teilnehmen.
(https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... ageIndex_2)
Abgesehen davon kennen viele Kulturen aus allen Zeiten mehr als zwei Genderrollen. Aber die kannten Jung und Konsorten nicht, bzw. wollten sie mglw nicht wahrhaben, weil ihrem Weltbild widerstrebend.
Carry
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 199 im Thema

Beitrag von Carry »

Marielle hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 13:03 Hallo Carry,

Carry hat geschrieben: ↑
Mi 22. Jan 2020, 11:58
Vielleicht braucht es erst eine wirkliche Überwindung der Wertungen von "männlich und weiblich" von jedem Individuum, bevor eine Gesellschaft eine solche Unterscheidung wirklich ablegen könnte?!

Bestimmt braucht es diese Überwindung. Ich hab es Emanzipation genannt, aber es ist dasselbe. Was du Wertung nennst, nenne ich Individualitäts- und Konformitätsregeln, aber es ist dasselbe. Im Grunde sagst du damit sogar ähnliches wie Judith Butler. Nur sagt sie es halt ein bisschen radikaler und ohne Fragezeichen.

Ich möchte dich was fragen: Findest du es nicht wertend, wenn hier im Forum über Eigenschaften von anderen Menschen gesprochen wird und diese Eigenschaften als 'männlich' bezeichnet werden, obwohl der Mensch, über den gesprochen wird, sich selbst nicht als 'männlich' bezeichnen würde, weil ihm diese Bezeichnung für sich selbst unpassend vorkommt oder ihm gar weh tut? Oder wenn jemandem die Selbstbestimmung als 'Frau' aufgrund dieser Eigenschaften abgesprochen wird?

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Hallo Marielle,

nein, es ist nicht das Selbe! Ich meine mit Wertung, dass man männlichen, respektive weiblichen Eigenschaften Attribute wie "negativ" oder "positiv" zuweist - das meine ich mit Wertung. Männlich und Weiblich IST in meiner Weltsicht einfach - nichts weiter - es ist nicht besser oder schlechter, nicht positiv oder negativ.
Emanzipation hingegen ist schon im eigentlichen Wortsinn etwas gänzlich anderes:
1.
Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung
"gesellschaftliche Emanzipation"
2.
rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung [der Frau mit dem Mann]

Nein, ich empfinde das nicht als wertend, sondern als "beschreibend", damit andere Menschen auch verstehen, was gemeint ist.
Als wertend kann das nur jemand empfinden, der "männlich" selbst als negativ wertet und damit für sich selbst ablehnt. Vor Allem, nur, weil sich jemand nicht selbst als männlich bezeichnen würde, heißt das doch nicht, dass er keine männlichen Eigenschaften haben kann.
Es gibt und gab ja auch hier im Forum schon Menschen, die mich z.B. als maskulin/burschikos/laut/aufbrausend oder ähnliches beschrieben haben. Ja und? Wieso sollte mich das verletzen? Nur, weil ich diese Beschreibung für mich als unpassend ansehe? ICH weiß doch, wer und wie ich bin! Vor allem, wenn das Menschen sagen, die immer behaupten, dass sie keinerlei Unterscheidung der Geschlechter vornehmen und es gar keine unterschiedlichen Eigenschaften gibt - verliert dann ziemlich an Glaubwürdigkeit.

Hab es ebenfalls gut
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 200 im Thema

Beitrag von Carry »

Jaddy hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 13:12 Ein Ansatz dazu wäre, sich von "festen Überzeugungen" wie den Steinzeitrollen(1) zu lösen... (mir kräuseln sich immer die Nackenhaare, wenn sich mal wieder 1 in einem Interview auf "nach meiner festen Überzeugung" beruft, als ob das irgendeinen Wert hätte)
Obwohl ich es echt nicht mehr wollte, jetzt muss ich doch nochmal auf Dich reagieren...
Ich möchte Dich freundlich und höflich bitten, Dich jetzt aber doch mal so langsam zu entscheiden!
Was möchtest Du denn jetzt gerne? Soll ich jetzt das, was ich schreibe, als meine ganz persönliche Überzeugung kennzeichnen - wie Du weiter oben angeraten hast - oder, weil Dir das jetzt ja auch wieder nicht passt, soll ich vielleicht einfach besser die Klappe komplett halten, weil Dir einfach meine Überzeugungen nicht in den Kram passen?

Und nochmal....sorry, wenn der Ton jetzt etwas rauher wird - aber wieso versuchst Du die ganze Zeit, mich von meinen Überzeugungen vehement abzubringen? Ein Gedankenaustausch, in dem man über das, was der andere sagt, ganz wertfrei nachdenken kann, funktioniert anders, als einem Teilnehmer dieses Austausches die ganze Zeit fortwährend immer nur abzusprechen, dass seine Gedanken auch Gültigkeit haben könnten.

Schau' doch, das ist jetzt mal ein Rat von mir an Dich, bei Vicky nach, wie sie Dinge formuliert. Vicky ist ganz oft komplett anderer Meinung, als ich, aber sie kann das immer mit Respekt so ausdrücken, dass es mir Spaß macht, mir über ihre Sicht der Dinge Gedanken zu machen und sie versucht nicht fortwährend, jeden zu "missionieren".

Jetzt muss ich Lisa Recht geben - so macht das echt langsam so gar keinen Spaß mehr!
Schade ...
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 201 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo,
Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 14:15 Jetzt muss ich Lisa Recht geben - so macht das echt langsam so gar keinen Spaß mehr!
Vielleicht liegt es ja auch daran, dass es für die einen eine spaßige und interessante Diskussion ist und für die anderen eine lebenslange, bittere Realität. Sprich die "andere beharrliche" Meinung des interessierten aber nicht betroffenen Diskutierenden ist des anderen Kreuz, was ein leben lang zu schleppen galt. Der eine will Spaß haben und der andere nicht mehr gekreuzigt werden.

Ich will nur versuchen zu erklären, warum viele hier im Forum bei manchen Themen manchmal keinen Spas verstehen.

VlG
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 202 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 13:00 Sie hat sich demnach sehr einseitig mit Menschen beschäftigt. Das bedingt eine eingeschränkte Sicht auf die Dinge. Klar hat sie das Buch für Frauen geschrieben, aber der Geist, der dahinter steht, ist vor allem davon geprägt, dass es fundamentale Unterschiede gibt. Und genau die bezweifle ich, weil sie keiner benennen kann. Ein Buch, von einer Frau für Frauen geschrieben, belegt nicht, dass es diese fundamentalen Unterschiede gibt. Es grenzt nur aus.
Ja klar hat sie sich einseitig mit Menschen beschäftigt, eben nur mit Frauen - das ist aber für das Gros der Gesellschaft auch überhaupt kein Thema, denn die Unterscheidung von Männern und Frauen ist für die allermeisten vollkommen normal und daran stößt sich auch in der binären hetero-Norm-Gender-Gesellschaft niemand - wieso auch?!
Mir ist natürlich vollkommen klar, dass Dir das aus Deiner Perspektive aufstößt, weil Du eben nicht zu dieser "Masse der Normalos" gehörst - und das ist ja auch vollkommen in Ordnung und für mich auch nachvollziehbar.
Natürlich grenzt ein Buch, welches sich eindeutig an eine bestimmte Gruppe von Menschen wendet, damit ansich andere Gruppen aus. Aber was ist daran so schlimm? Ein Buch über die modernen Techniken der Schreinerei wendet sich auch nur an Schreiner, das grenzt Elektriker aus - na und? Handwerker sind sie beide!
Was ja in meiner Wahrnehmung von Trans*-Menschen oft vergessen oder nicht bedacht wird, ist einfach die Tatsache, dass wir (ich bleibe mal bei dem Wort - ABER ICH MEINE DAS NICHT WERTEND!!!) "Normalos" ja gar keine Veranlassung haben, ständig alles zu "ent-gendern", weil es dazu gar keinen Bedarf in unserer persönlichen Wahrnehmung gibt.
Was mir aber gerade aufgefallen ist - wenn Du doch die Unterscheidung in männliche und weibliche Eigenschaften so ausschließt, wieso willst Du in Deinem Gedankenexperiment denn dann in dem Buch das Wort Frau durch das Wort Mann ersetzen? Das ist doch dann unerheblich, oder!? Müsstest Du dann das Wort Frau nicht durch das Wort Mensch ersetzen? Oder Zauberwesen, oder was auch immer?!
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 203 im Thema

Beitrag von Carry »

Laila-Sarah hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 14:32 Der eine will Spaß haben und der andere nicht mehr gekreuzigt werden.
Naja, vielleicht passt das Wort Spaß in dem vorliegenden Fall nicht wirklich - das hier ist auch für mich keine "spaßige Diskussion" und ich
denke, das wird an meinen Ausführungen auch deutlich.
Und gekreuzigt wird hier jawohl niemand ...
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 204 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 14:35 Aber was ist daran so schlimm? Ein Buch über die modernen Techniken der Schreinerei wendet sich auch nur an Schreiner, das grenzt Elektriker aus
Kann man so sehen, aber ein Buch der Schreinerei beschäftigt sich mit schreinertypischen Tätigkeiten. Aber beschäftigt ein Buch über "Wolfsfrauen" sich mit frauentypischen Themen ? Ich meine nein. Ich habe ja auch nichts gegen den Inhalt, außer dass der Zementierung einer verengenden Sichtweise Vorschub geleistet wird. Den "Mann" habe ich ja nur als Kontrast eingeführt. Letztlich geht es um Menschen, die bestimmte Qualitäten haben. Mit Geschlecht hat das m.E. nur wenig zu tun. In der Schreinerei werden ja auch Werkzeuge benutzt. Aber ich habe nie gehört, dass diese nur für Männer wären. Und Schreinerinnen würden sich mit Recht (zumindest teilweise) beschweren, wenn hier eine Einschränkung stattfände.

Spannend, wie sich Sichtweisen verändern, wenn man eine andere Perspektive einnimmt.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 205 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 15:04 Aber beschäftigt ein Buch über "Wolfsfrauen" sich mit frauentypischen Themen ?
Ich meine: ja klar! Eine andere Motivation hatte die Autorin ja gar nicht, als den Frauen (denn die Autorin nimmt ja eine klar unterscheidende Position ein!) etwas über die weibliche Ur-Kraft zu erzählen - und damit sind es - für mich - frauentypische Themen - die allerdings für den geneigten männlichen Leser durchaus auch ganz viel tolle Erkenntnisse liefern können.

Ich denke, dass wir darüber keinen Konsens finden werden...es ist halt eine Tatsache, dass der größte Teil der Gesellschaft (noch?) eine klar zwischen Mann und Frau unterscheidende Sichtweise und damit Handlungsweise hat. Es ändert sich ja längst was daran, aber eben langsam, denn die ganze Genderthematik ist noch längst nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und Bücher, Kunstwerke etc. muss man, m.E.n., immer im Kontext der Zeit sehen, in der sie entstanden sind.
Große Paradigmen-Wechsel haben in der Menschheitsgeschichte immer Zeit gebraucht.
Dass die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist, mussten die Menschen auch erst langsam begreifen...
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 206 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Das Eine schließt das Andere nicht aus. Ein Schreiner schaut eventuell gen mal in den allgemeinen Bestimmung zur Kabelverlegngen auf Holz nach. ( Bootsbau ).
Der Elektriker hat ähnliche Probleme, können seine Anlagen wirklich haltbar auf den Hölzern untergebracht werden so wie er es gern möchte.

Ich sehe das relativ.

Petra Sofie
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 207 im Thema

Beitrag von Carry »

[image][/image]
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 13:00 Faktisch sehr schwierig, denn was sollen wir denken, wenn das Denken nicht an bekannte Regeln gebunden ist ? Letzlich ringen wir mit einem neuen Denken um ein erweitertes Wissensregime. Dem können sich dann andere unterwerfen )))(:

Nebenbei: Der Absatz oben ist auch schon wieder eine Unterwerfung an ein Wissensregime, das von Foucault erweitert wurde. Wir können dem Wissensregime kaum entkommen. Es sei denn, wir denken radikal neu ...
Und selbst dann, wenn radikal anders gedacht wird und sich dieses radikal "neue Denken" erstmal als allgemeingültiges Paradigma durchgesetzt hat, werden sich wieder andere diesem "Wissensregime" unterwerfen (müssen), um in einer menschlichen, zivilisierten Gesellschaft existieren zu können - wie Du ja selbst auch schon angemerkt hast.
Es ist also letztlich ein Paradoxon.
In der Menschheitsgeschichte wurden seit je her Kämpfe (ja Kriege) geführt, entweder, um das vorherrschende Wissensregime zu schützen, oder um ein neues durchzusetzen. Und nicht nur Wissens -sondern bis heute ja auch Glaubensregime. Das - so scheint es - liegt wohl in der menschlichen Natur?!

Müssen wir nicht vielleicht, wenn wir wirklich als Individuen frei leben wollen, vor Allem eines lernen - nämlich aufhören, Recht haben zu wollen?!
Befreit uns das nicht selbst am allermeisten, wenn man einfach sagen kann: Ich muss nicht Recht haben! ?!?!?!?
Ist nicht das eigentlich des Pudels Kern, dass wir Menschen anscheinend immer unsere eigene Meinung als "richtig" bestätigt haben wollen?!

https://images.app.goo.gl/P5Nm5cm7SWaHGwf88
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 208 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 14:15 Obwohl ich es echt nicht mehr wollte, jetzt muss ich doch nochmal auf Dich reagieren...
Ich möchte Dich freundlich und höflich bitten, Dich jetzt aber doch mal so langsam zu entscheiden!
Was möchtest Du denn jetzt gerne? Soll ich jetzt das, was ich schreibe, als meine ganz persönliche Überzeugung kennzeichnen - wie Du weiter oben angeraten hast - oder, weil Dir das jetzt ja auch wieder nicht passt, soll ich vielleicht einfach besser die Klappe komplett halten, weil Dir einfach meine Überzeugungen nicht in den Kram passen?

Und nochmal....sorry, wenn der Ton jetzt etwas rauher wird - aber wieso versuchst Du die ganze Zeit, mich von meinen Überzeugungen vehement abzubringen? Ein Gedankenaustausch, in dem man über das, was der andere sagt, ganz wertfrei nachdenken kann, funktioniert anders, als einem Teilnehmer dieses Austausches die ganze Zeit fortwährend immer nur abzusprechen, dass seine Gedanken auch Gültigkeit haben könnten.
Moin Carry,

Deine Überzeugungen als solche zu kennzeichnen ist schon sehr prima. So liest es sich für mich nicht mehr so sehr zuschreibend bzw. absprechend.

Mein Hinweis mit den festen Überzeugungen bezog sich auf deinen völlig richtigen Ansatz, die alldurchdringende Genderung auch der unsinnigsten Dinge (aber auch Menschen) zu überwinden. Das funktioniert natürlich nicht, wenn 1 gleichzeitig fest von dem widersprechenden, fundamentalen, d.h. auch tiefgehenden Unterschieden überzeugt ist. Dabei kommt dann häufig ein "naja, _eigentlich_ ist die Person ja ...".

Also _wenn_ du das ganze Zeugs näher begreifen möchtest, auch was bei trans Personen und Crossdressenden alles so passiert und welches Probleme nicht-binäre Menschen damit haben, dann wird das mit diesen festen Überzeugungen nicht funktionieren. Falls dir das egal ist, dann bleibst du eben da, wo du bist.

Für mich ist das allerdings nicht wirklich spassig. Diese Diskussion ist nur ein Abbild dessen, was ich ständig erlebe. Für mich, aber auch viele andere binäre und nicht-binäre Menschen ist es durchaus ein Problem, dass die meisten Menschen keine Veranlassung sehen, nicht mehr alles zu gendern.

Bitte beachte, dass ich von nicht-gendern schreibe, du aber das Wort ent-gendern verwendet hast. Der Unterschied ist genau die "feste Überzeugung", dass es so etwas wie einen universellen männlichen und weiblichen Kern gäbe. Und das entstehende Problem sind die alldurchdringenden Annahmen und Zuschreibungen.

Du empfindest meine Beiträge als Angriffe auf dein Selbstverständnis und Weltbild. Das mag zum einen an meinen Formulierungen liegen. Auf der anderen Seite stelle ich tatsächlich die Basis deiner Überzeugungen in Frage, die Idee, dass alles irgendwie binär gegendert wäre und dies irgendwie "natürlich" (und normal, also nicht diskutabel) sei.

Ich versuche dir aufzuzeigen, dass deine Überzeugungen letztlich nur Gewohnheiten sind. Zu Überzeugungen werden sie nur (meine Interpretation), weil sie sozusagen einen virtuellen Halt bilden. Wenn die zerfallen, bleibt von Gender nichts als eine Sammlung willkürlicher und in vielen Fällen falscher und häufig schädlicher Zuschreibungen und Beschränkungen anderer. Das muss ich wohl erklären, wegen deiner Aussage mit der Veranlassung zum ent-gendern.

Binäre Gender-Überzeugungen schlagen sich überall nieder. In Sprache und Verhalten. In erstaunten, irritierten, missbilligenden Blicken. In Erwartungen, was Menschen tun oder nicht tun dürfen. In Bemerkungen über Mannweiber und Weicheier. Wer "die Hosen anhat" und Pantoffelhelden. In "festen Überzeugungen", "wie Männer und Frauen eben" sind. Und damit implizit, dass alles andere unnormal, unnatürlich, abweichend ist. Jede Bemerkung am Esstisch, beim Fernsehen, in der Bekanntschaft, in der Werbung, in Filmen schafft so Eindrücke. Und alle, die irgendwie mit diesen Erwartungen hadern fühlen sich mit jeder dieser Bemerkungen irgendwie attackiert, so wie du von mir. Fremde Ansichten kollidieren mit dem Selbstgefühl.

Rate mal, warum dein Partner sich lange Zeit nicht getraut hat, mit seinem Seelenkern vor dir aus dem Schrank zu kommen...

Es sind eben nicht nur irgendwelche virtuellen Begriffe, über die wir einen lockeren Gedankenaustausch führen können. Diese Begriffe strukturieren und normieren wirklich alldurchdringend alles. Wie heftig und wie tief spürt allerdings nur, wer nicht in die Schachteln passt.

Für mich ist jede Genderung ein kleiner Angriff. Mindestens eine Erinnerung, dass ich entweder falsch vereinnahmt oder ausgegrenzt werde. Jedes Stereotyp, jede Bezeichnung, jede Sortierung, jede gedenderte Sprache. Alles was von mir erwartet, entweder durch die linke oder rechte Tür zu gehen, rosa oder hellblau, usw. Und vor allem jede Behauptung, dass diese Zweiteilung "natürlich" sei und sich jeder Mensch da irgendwo einzuordnen habe. Deine Statements dieser Art kommen bei mir entwertend, nicht-wahrnehmend und ausgrenzend an. Natürlich nicht nur deine.

Ich weiss, dass du das nicht beabsichtigst. Dass du bestimmt der Überzeugung bist, dass du doch ganz normal denkst und schreibst. Genau das ist das eigentliche Problem. Die "Normalität" ist schädlich für viele (frag deinen Partner). Und das Beharren darauf so frustrierend, weil es eben tatsächlich ausser Gewohnheiten keinerlei "natürliche" Grundlage hat. Naja, "feste Überzeugungen"...
Anne-Mette
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 209 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Tag,
Carry hat geschrieben: Mi 22. Jan 2020, 16:07 Müssen wir nicht vielleicht, wenn wir wirklich als Individuen frei leben wollen, vor Allem eines lernen - nämlich aufhören, Recht haben zu wollen?!
Befreit uns das nicht selbst am allermeisten, wenn man einfach sagen kann: Ich muss nicht Recht haben! ?!?!?!?
Ist nicht das eigentlich des Pudels Kern, dass wir Menschen anscheinend immer unsere eigene Meinung als "richtig" bestätigt haben wollen?!
Es ist nun aber so, dass die bei vielen Menschen vorhandene eigene Beurteilung von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" von ihnen als Allgemeingültigkeit, als "Recht haben" verstanden wird und dabei andere Menschen verletzt, die sich in dieser "Norm" nicht wiederfinden können oder wollen.

Nach meinem Empfinden haben "die meisten Menschen" mit der geschlechtlichen Einordnung, die ihnen von Geburt an gegeben wurde, kein Problem.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie "Recht haben" in der Beurteilung von Menschen, bei denen das nicht so ist.

Eine Diskussion hier und an anderer Stelle wird nie ein Ergebnis bringen, nicht einmal ein Verständnis für die gegenteiligen Positionen.
Ein emanzipatorischer Umgang mit Geschlechter-Rollen und den Eigenschaften "männlich" und "weiblich" wird auch nicht auf eine als belehrend empfundene Schulmeister-Art möglich sein, sondern durch langjährige Aushandlungen, die möglicherweise zu einem kulturellen Wandel führen. Das wird sehr sehr lange dauern!

Von manchen Menschen soll das "non-binäre" als "neue Normalität" verkauft werden.
Ich schließe gleich eine Frage an: was wäre damit gewonnen?
Ich sehe allerdings, dass es große Widerstände dagegen gibt

Gruß
Anne-Mette
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 210 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

wie hilflos(?) auch "Wortmenschen" mit Geschlechterfragen umgehen, zeigt sich in meinen Augen auch hier:

"Journalist" kommt künftig auch als "Journalistin"

https://www.deutschlandfunk.de/medienma ... id=1093411

Die Redaktion will mit der neuen Varianz des Titels ein Zeichen für Fairness der Geschlechter setzen. Nach Aussage des Chefredakteurs Daniel hatten sich auch Leserinnen gemeldet, die sich durch den Titel "Journalist" nicht angesprochen fühlten. "Hier wollen wir ein Zeichen setzen und alle unsere Leser*innen umarmen."

Immerhin wird aufgezeigt, dass es auch Journalistinnen* gibt, aber ist das eine elegante, ja emanzipatorische Lösung?

Ist ja fast OT; aber ich wollte deswegen kein eigenes Thema aufmachen.

Gruß
Anne-Mette

* Es gibt sogar einen Journalistinnenbund, der sich mit gendergerechten Sprachentwicklungen auseinandersetzt.
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