Wer bin ich?
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Anja
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Wer bin ich?

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Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)

Folgendes Zitat hat mich motiviert, diesen Thread aufzumachen. Ich weiß nicht mal, ob dieses Zitat auf mich gemünzt war, zumindest hab ich es aber so empfunden.
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 14:43 Wenn also inflationär die Fremdwahrnehmung anderer angeführt wird ist des Pudels
Kern die eigene Unsicherheit in einem Punkt.
Und das hat nichts damit zu tun, das man weiss oder nicht weiss wer man ist.
Denn das ist sicher so-aber da schwingt eine Unzufriedenheit mit nicht "vollständig"
zu sein...
Oder auch dieses hier:
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 13:32 Das ist ja kaum zu übersehen... Und ich spüre, wenn ich das anhand dessen, was Du hier schreibst, mal so sagen darf, in Deinem Bauch ein offenbar (noch) sehr großes Bedürfnis nach Bestätigung Deiner Weiblichkeit vor allem durch "geborene Frauen".
Die Frage die ich im Betreff stelle, beschäftigt mich allerdings schon etwas länger. Nur ist sie in der letzen Zeit irgendwie in den Vordergrund gerückt.

Wer mich schon länger kennt, weiß das ich mich in diversen Schubladen "zu Hause" gefühlt habe.
So lange ich zurückdenken kann war ich DWT, dann mit Anfang 30 bin ich in die Schublade Crossdresser "gehoppt" und hab mich dort ziemlich wohl gefühlt.
Kaum 3 Jahe später bemerkte ich ein neues? Gefühl in mir, an meinen "Frauentagen" fühlte ich mich auch wie eine Frau. An diesen Tagen litt ich unter meiner fehlenden Oberweite, es entwickelte sich ein Verlangen nach körperlichen Veränderungen. Google antwortete mir auf meine Fragen mit BiGender oder Two-Spirit. Halt beide Geschlechter vereint in einem Körper.
Nun war das die passende Schublade, es erklärte warum ich als Mann kein Problem mit meinem Leben hatte und warum ich als Frau den Wunsch nach einem weiblichen Körper verspürte.
Wieder gingen über 2 Jahre ins Land bis ich mir selbst eingestehen konnte, das da eigentlich garkein Mann (mehr) war - abgesehen von den Äußerlichkeiten.
Seit 2014, also nunmehr seit 6 Jahren hab ich die Schublade Transfrau für mich als bequem passend empfunden.
Nun, seit einiger Zeit, hab ich immer mehr das Gefühl, das mir diese Schublade irgendwie nicht mehr passt.

Um es nochmal vorweg zu nehmen, ich habe kein Bedürfnis nach Bestätigung. Allerdings bekomme ich sie recht häufig, was ich natürlich als sehr schmeichelhaft empfinde (he)

Das erste Mal, das ich mich an eine solche Bestätigung erinnern kann, da saß ich einer Kollegin als Mann gegenüber. Wir unterhielten uns angeregt, ich weiß nicht mehr über was.
Plötzlich haute sie raus "Du hast ein weibliches Wesen" Ich fühlte mich in diesem Moment ertappt und war erstmal geschockt. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, outete ich mich dann bei ihr.

Nun, seit ich als Frau lebe, fühle ich mich zu geborenen Frauen hingezogen. Ich meine nicht auf die sexuelle Art, irgendwie anders. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich wohl, ich hatte das Gefühl, ich bekomme etwas bzw. sie "geben" mir irgendwas. Ich kann das bis heute nicht richtig in Worte fassen.
Das gipfelte ja letztes Jahr in meiner ersten Freundin, die mir diese Gefühle wirklich im unbekannten Ausmaß "lieferte". In ihrer Gegenwart fühlte ich mich normal, wie eine geborene Frau. Frau ohne Trans.
Auch die anderen Frauen, die ich inzwischen als Freundinnen bezeichnen darf, geben mir irgendwie etwas. Damit meine ich keine Bestätigung, sondern emotional...

Andererseits kann ich mich immer weniger mit den anderen Transfrauen hier identifizieren. Ständig ecke ich an, habe komplett andere Sichtweisen, werde nicht verstanden... Dazu dann auch dieses Bauchgefühl, viele nicht als weiblich zu empfinden, die hier schreiben. Sorry :wink:

Es klingt für mich selbst wie pure Blasphemie, aber in mir keimt ein Verlangen auf, mich von anderen Transfrauen distanzieren zu wollen. Ich habe nicht mehr das Gefühl "dazuzugehören".
Gleichzeitig werde ich von geborenen Frauen sehr gut verstanden, brauche mich meist nicht erklären, gesagtes kommt an wie gemeint. Ich kann mich auch sehr gut in sie hineinversetzen.
Nun, ich bin ja keine geborene Frau, "passe" aber irgendwie auch nicht zu den Transfrauen. Nur, dazwischen gibts ja keine Schublade mehr?
Ich habe das Gefühl meinen "sicheren Hafen" Transfrau zu verlieren.
Ich habe darüber gerade heute mit einer Freundin gesprochen, da ich gerade das Gefühl habe, diesbezüglich in der Luft zu hängen.
Sie meinte ich verliere den Hafen nicht, ich schippere jetzt einfach Richtung Heimat...
Auf meine Frage, wo das dann sein soll, meinte sie dann: "Bei uns Frauen" (he)
Ja, ich fühle mich unter geborenen Frauen zu Hause, ich glaube das ist zum Teil das, was ich in ihrer Gesellschaft als "geben" empfinde, ein Zugehörigkeitsempfinden.
Ob dieser Aussage, das ich mich bei den geborenen Frauen zu Hause fühle, kam von ihr dann: "Herzlich Willkommen" (he)
Sie kann mit so wenigen Worten echt meinen Bauch zum Kochen bringen. Unglaublich.

Naja, und sie ist ja nicht die Einzige. Ich habe z.B. noch mit einer Partnerin Kontakt, die sich inzwischen getrennt hat (ihr Mann ist nun eine Frau). Ich habe die beiden noch davor als Paar kennengelernt, mit der Partnerin habe ich noch Kontakt. Auch hier ist es wieder so, das ich mich wesentlich besser mit ihr, der geborenen Frau verstehe und vieles, was ihr Partner gemacht hat, nicht nachvollziehen kann bzw. auf Unverständnis stößt.
Ich weiß, das sind nur Beispiele, von denen ich allerdings noch reichlich auf Lager hätte...

Und nun frage ich mich, darf ich mich als Transfrau von anderen Transfrauen distanzieren? Allein diese Gedanken haben irgendwie etwas Verbotenes finde ich. Und dann wäre ja die Preisfrage, wenn keine Transfrau, wer bin ich dann?
Ich bin keine geborene Frau.
Ich bin keine Transfrau.
Kann ich eine "Bio-Frau" sein? Zumindest empfinden das ja die geborenen Frauen um mich rum so.

Wer bin ich?

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
Engelchen
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Re: Wer bin ich?

Post 2 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Liebe Anja,
Ich kann vieles von dem was du da beschreibst nachvollziehen.
Ich habe mich persönlich von dem Begriff "Trans" in welcher Form auch immer verabschiedet.
Ich bin eine Frau und im schlimmsten Fall - mit "transidenten" Hintergrund.
Es ist mir inzwischen egal was andere in mir sehen - es ist ihr Problem und das dürfen sie behalten.
Ich will in keine Schublade mehr gesteckt werden sondern einfach nur in Frieden Leben.
Das wird uns allerdings nicht immer leicht gemacht.
Ich denke das was du da beschreibst ist ein ankommen für dich selbst, hüte es einfach für dich selbst wie einen Schatz.

Liebe Grüße
Lisa
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Jasmin_35
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Re: Wer bin ich?

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmin_35 »

Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Um es nochmal vorweg zu nehmen, ich habe kein Bedürfnis nach Bestätigung. Allerdings bekomme ich sie recht häufig, was ich natürlich als sehr schmeichelhaft empfinde
Das geht mir genauso, ich hatte noch nie ein Bedürfnis nach Bestätigung, zu mal ich damit auch immer nicht so recht umzugehen weiß. Ich mach mir zwar gedanken um meine Außenwirkung, allerdings interessiert es mich dann auch nicht so richtig, was andere über mich denken, das klingt komisch, ist aber durchaus nicht unüblich.
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Nun, seit ich als Frau lebe, fühle ich mich zu geborenen Frauen hingezogen. Ich meine nicht auf die sexuelle Art, irgendwie anders. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich wohl, ich hatte das Gefühl, ich bekomme etwas bzw. sie "geben" mir irgendwas. Ich kann das bis heute nicht richtig in Worte fassen.
Ich denke, das hat was ganz stark mit identität zu tun und dem suchen nach seinesgleichen und nach Menschen mit denen man etwas teilt, was einen irgendwie verbindet.
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Andererseits kann ich mich immer weniger mit den anderen Transfrauen hier identifizieren. Ständig ecke ich an, habe komplett andere Sichtweisen, werde nicht verstanden... Dazu dann auch dieses Bauchgefühl, viele nicht als weiblich zu empfinden, die hier schreiben. Sorry
Das geht mir tatsächlich in den letzten Monaten auch immer mehr so und da braucht man auch nichts hineinzuinterpretieren. Ich habe min. 3 (Trans) Frauen als gute bekannte/ Freundinnen inszwischen, mit denen ich mich sehr gut verstehe, das liegt aber daran, das die so denken wie ich und sich selber auch immer weniger mit anderen Transfrauen identifizieren können.
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Es klingt für mich selbst wie pure Blasphemie, aber in mir keimt ein Verlangen auf, mich von anderen Transfrauen distanzieren zu wollen. Ich habe nicht mehr das Gefühl "dazuzugehören".
Gleichzeitig werde ich von geborenen Frauen sehr gut verstanden, brauche mich meist nicht erklären, gesagtes kommt an wie gemeint. Ich kann mich auch sehr gut in sie hineinversetzen.
das ist auch eine Art von Identität, du identifizierst dich inzwischen mehr mit anderen Frauen, sicher nicht mit allen, aber dennoch ist es so und umgekehrt ist es genau so. Andere Frauen sehen in dir eine "ganz normale Frau" und identifizieren sich mit dir und so behandeln die dich dann auch. Während du nun merkst, das andere Transfrauen nicht mehr das besitzen, mit dem du dich früher mal identifiziert hast.

Ich fühle mich gar nicht so, das ich irgendwie in der Luft hänge, ich fühle mich zu anderen Frauen sehr stark zugehörig, einerseits weil ich mich selber so sehe und andererseits weil ich viel bewusste und unbewusste Rückmeldungen von anderen Menschen bekomme, die mich eindeutig als Frau identifizieren. Sicherlich hat das auch seine Zeit gebraucht, aber etwa September/Oktober war für mich der Punkt, ab dem es so war und die Zeit seit dem hat mir auch geholfen mich besser dran zu gewöhnen.

Ich habe bei Frauen jedenfalls das Gefühl, egal ob sie meinen Hintergrund kennen oder nicht, sie mich so akzeptieren und mich als ihresgleichen sehen, wie ich halt bin. Das liegt zum Teil an meiner Art und Weise, wie sehr ich mich verändert hab und daran was ich gewählt habe sein zu wollen, ohne das ich es bewusst entschieden habe. Ich gehöre einfach "dazu", ohne es je erzwungen zu haben, ich merke einen deutlichen Unterschied auch in der Art und Weise wie Menschen auf mich zugehen, früher gab es immer eine Art vorbehalt, insbesondere bei Frauen, das gibt es heute gar nicht mehr, ich erlebe sehr viel freundlichkeit, hilfsbereitschaft, zuvorkommenheit und einfach viel mehr lächeln. Es hat das Gefühl, das zu den meisten anderen Frauen immer sofort beim Blickkontakt eine gewisse Art von Verbindung da ist, das hab ich früher ganz ganz selten bis gar nicht erlebt.
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Auch hier ist es wieder so, das ich mich wesentlich besser mit ihr, der geborenen Frau verstehe und vieles, was ihr Partner gemacht hat, nicht nachvollziehen kann bzw. auf Unverständnis stößt.
Das erlebe ich leider auch recht häufig inzwischen. Das fängt meist schon mit der Sprache an, ie ich persönlich so auch nie verwendet hab, nachvollziehen kann, das man vielleicht so denken könnte, kein problem erstmal, aber dann gefühlt eine liste abarbeiten und das möglichst so schnell wie möglich, ohne rücksicht auf verluste.
Das fängt nur mal als beispiel damit an, das ich oft lese oder höre: was muss ich tun um eine Frau zu werden? Sorry aber das ist grundsätzlich schonmal der falsche ansatz und dann erwarten die leute meistens eine liste zum abhaken, was wie und in welcher reihenfolge zu tun ist oder legen selber eine liste vor, wie sie am besten, schnellsten und effektivsten vorgehen. Anstatt erstmal einen Schritt zurück zu machen, sich zu überlegen, "was will ich eigentlich und wer glaube ich das ich bin" und dann beginnt zu gucken, wie kann ich mich selber ändern und nicht änderungen von anderen erwarten und dazu noch irgendwelche sinnlosen listen abarbeiten, mit dem ziel, habe ich das alles endlich hinter mir, wird mich jede person schon richtig "lesen" und "einordnen".
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Und nun frage ich mich, darf ich mich als Transfrau von anderen Transfrauen distanzieren? Allein diese Gedanken haben irgendwie etwas Verbotenes finde ich.
ja darfst du und ist auch völlig normal. Ich machs auch, nicht nur von einigen Transfrauen, mit deren Mentalität ich nicht klar komme, sondern auch ganz normal mit vielen anderen Menschen mit denen ich aus verschiedenen Gründen nicht klar komme, das bedeutet nicht, das man andere nicht mit respekt behandelt, aber man muss auch nicht jeden mögen
Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 Und dann wäre ja die Preisfrage, wenn keine Transfrau, wer bin ich dann?
Ich bin keine geborene Frau.
Ich bin keine Transfrau.
Kann ich eine "Bio-Frau" sein? Zumindest empfinden das ja die geborenen Frauen um mich rum so.

Wer bin ich?
Die Antwort ist einfach und kompliziert zu gleich, würde ich sagen. Du bist der Mensch, als der du dich identifizierst. Übergänge sind fließend. Du könntest dich auch als "Chemische Frau" oder "Hormonelle Frau" identifizieren. Vielleicht ist man auch nur das, wie man von anderen wahrgenommen wird. Vielleicht braucht es auch keine differenzierten Unterscheidungen. Eins ist mir völlig klar, wir sind ja nun schon sicher ein Jahr in Kontakt und haben uns ja auch schon persönlich kennengelernt (das darf man an dieser Stelle auch gerne sagen) und für mich bist du eine Frau wie jede andere, sowohl im persönlichen Kontakt, als auch vom Äußeren und natürlich auch insbesondere in der Art und Weise wie du bist, wie wir schreiben, von Gedankengänge, Mentalität und Emotionalität. Und ich muss auch sagen, man merkt dir deine Zufriedenheit mit dir selbst sehr an und das finde ich, ist eines der wichtigsten Dinge in seinem Erleben in der Geschlechterrolle, in der man sich selber sieht und wohlfühlt. Wer mit sich selber unzufrieden ist, strahlt das auch Zwangsläufig aus.
Liebe Grüße Jasmin
Jaddy
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Re: Wer bin ich?

Post 4 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24Und nun frage ich mich, darf ich mich als Transfrau von anderen Transfrauen distanzieren? Allein diese Gedanken haben irgendwie etwas Verbotenes finde ich. Und dann wäre ja die Preisfrage, wenn keine Transfrau, wer bin ich dann?
Kann es sein, dass die ständige Thematisierung dich einfach nervt inzwischen? Du bist vom Wesen her mit anderen Menschen synchron, die sich die Frage des eigenen Seins nicht so häufig stellen (müssen). Das ist doch eigentlich wunderbar. "Trans" wird immer irgendwie Teil deiner Biografie bleiben, aber warum soll es ständig deinen Alltag bestimmen?

Nächste Frage: Ist so ein Label wirklich wichtig für dich? Du kannst alle Fragen von anderen mit gutem Gewissen beantworten. "Frau". Das ist genau so präzise und valide wie die meisten anderen Menschen um dich rum sie auch beantworten. Details gehen andere erst mal nichts an. Und sind sie für dich persönlich wirklich wichtig? Würde ein anderes Label deine Handlungen oder Weltsicht ändern?

Ich denke nicht, dass du irgendeinen Verrat an der "Sache" oder einer imaginären Gruppe "trans" begehst. Ich bin auch nicht immer 100% entzückt von allen Individuen, die mir in meinen verschiedenen Subkulturen begegnen. Manchmal empfinde ich erhebliche Fremdscham oder habe heftige Konflikte mit einzelnen. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit ihnen gewisse Merkmale und Interessen teile und jederzeit ihre und meine Rechte auf sein und tun verteidige, wenn es drauf ankommt. Und ich muss deshalb noch lange nicht mit allen gut Freund"¢in sein oder das Sofa teilen.

Ich weiss, dass du andere respektierst, dich nicht verleugnest und im Zweifel kein Problem hast, dazu zu stehen. Aber das verpflichtet dich noch lange nicht, ständig mit einer trans pride Flagge rumzulaufen. Eine Transition soll doch innerlich glücklicher machen und nicht neue Probleme aufwerfen. Also hab Spass in welcher Umgebung auch immer du dich gut aufgehoben fühlst.
Engelchen
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Re: Wer bin ich?

Post 5 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Jasmin_35 hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 17:29 Die Antwort ist einfach und kompliziert zu gleich, würde ich sagen. Du bist der Mensch, als der du dich identifizierst. Übergänge sind fließend. Du könntest dich auch als "Chemische Frau" oder "Hormonelle Frau" identifizieren. Vielleicht ist man auch nur das, wie man von anderen wahrgenommen wird. Vielleicht braucht es auch keine differenzierten Unterscheidungen. Eins ist mir völlig klar, wir sind ja nun schon sicher ein Jahr in Kontakt und haben uns ja auch schon persönlich kennengelernt (das darf man an dieser Stelle auch gerne sagen) und für mich bist du eine Frau wie jede andere, sowohl im persönlichen Kontakt, als auch vom Äußeren und natürlich auch insbesondere in der Art und Weise wie du bist, wie wir schreiben, von Gedankengänge, Mentalität und Emotionalität. Und ich muss auch sagen, man merkt dir deine Zufriedenheit mit dir selbst sehr an und das finde ich, ist eines der wichtigsten Dinge in seinem Erleben in der Geschlechterrolle, in der man sich selber sieht und wohlfühlt. Wer mit sich selber unzufrieden ist, strahlt das auch Zwangsläufig aus.

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Re: Wer bin ich?

Post 6 im Thema

Beitrag von rika »

Hallo Anja (und alle anderen),

Deine Zeilen erinnern mich an eine Erkenntnis vor vielen Jahren: Ich war einmal wieder auf einer der größeren Gartenfeste, wie wir sie gerne feiern, eingeladen. Die allermeiste Zeit verbrachte ich mit angeregten Unterhaltungen im Kreis von Frauen (ich war äußerlich Mann) und fühlte mich wohl. Der Umgang miteinander stimmte - man sprach und hörte zu. Daneben standen die klassischen Männerrunden: Ziemlich laut, dominant und immer in der hosenträgerstreckenden Ichform. Zuhören? Fehlanzeige. Gerne wurden vor allem einem Nachbarn Witze generell tief unter der Gürtellinie erzählt, was ich überhaupt nicht mag.

Zuhause habe ich mir ziemlich lange und viele Gedanken gemacht, warum dies so ist.

Ich habe an einigen Veranstaltungen mit CDs teilgenommen und mich ehrlich gesagt nie wohl gefühlt. Sicher, die seinerzeitigen Soirees in Memmingen waren etwas Besonderes aber es waren für mein Empfinden zu viele Menschen dort, mit denen mich nichts verbunden hat außer der äußerlich weiblichen Hülle. Manche Themen was die Verwandlung, Kleidung, OPs interessieren mich nicht wirklich. Vor allem die erzählten Erlebnisse - hier sind wir wieder ganz und gar im männlichen Pfauengehabe - mochte ich überhaupt nicht.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich bei den mir bekannten Frauen durchaus zwei Positionen sehe: Die Einen wollen "einen richtigen Mann", der ihnen in ihr Leben nicht hereinpfuscht = klare Trennung. Die Anderen sind die ebendie, mit denen ich gerne zusammen bin und sie auch mit mir. Mit ihnen kann ich mich einen langen Abend wunderbar unterhalten und habe immer große Freude daran. Liegt es daran, dass da eine "Restmännlichkeit" existiert, die sich zum Beispiel aus Höflichkeit, "in den Mantel helfen" usw. besteht, die aber nicht bedrohlich ist = Du bist doch nur ein Weibchen zum Vernaschen.

rika
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Re: Wer bin ich?

Post 7 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Anja hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 16:24 wenn keine Transfrau, wer bin ich dann?
Ich bin keine geborene Frau.
Moin Anja,

da möchte ich dir widersprechen. Ich denke, du, ich und die anderen Frauen mit transidentem Background (Danke Lisa für den Begriff) sind geborene Frauen. Die einen wissen es früher, die anderen kommen später drauf. Ist eben nicht so einfach, wenn das äußere Erscheinungsbild nicht zum gefühlten Geschlecht paßt, man vom Säuglingsalter an in bestimmte Rollen gedrängt wird/wurde, das wahre Geschlecht zu erkennen.
Ich sehe es als eine ganz normale Entwicklung von dir, daß du mit Cis Frauen mittlerweile gut zu Rande kommst. Du hast dich nach sechs Jahren in deinem Frau sein etabliert, bist dadurch authentischer ...da spielt Trans nur noch eine Randrolle. Mach weiter so und geh deinen Weg!
Mir geht es übrigens nicht viel anders. Hab mir nur noch nicht soviel Gedanken dazu gemacht.

LG Bianca
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Re: Wer bin ich?

Post 8 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Moin Anja,

immer wieder die selbe Frage. Ich staune gerade, wie Du es schaffst, bei dieser Selbstanalyse mit so wenig Text aus zu kommen. Bei mir wurde ein ganzes Buch daraus. (moin)

Und dabei ist das Buch der Stand von Dezember 2018. Der ganze Rest verteilt sich irgendwo über dieses Forum.

LG Nicole )))(:
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Re: Wer bin ich?

Post 9 im Thema

Beitrag von YvonneTV »

Huuuuhuuuu Anja (moin)

"Wer bist Du .... ?" - hmmmmmm, das ist einerseits sicher schwer zu sagen, allein schon weil wir uns nicht perönlich kennen, dennoch mag ich gern schreiben, wie ich Dich "sehe" (smili)

Du bist ein Mensch, der unnnnnglaublich authentisch ist !!!! (ap)

Das ist etwas Seltenes in dieser Intensität. Zugleich bist Du dadurch so authentisch, dass DU wohl in keine "Schublade" passt ...... Sicher Du schreibst selbst, dass Du da schon mal drin warst als DWT, CD, Transfrau - viele sehen das als "Entwicklung" an. Ich finde, der Übergang ist fliessend und was sich genau dahinter verbirgt ohnehin schwammig - wenn ich da nur an die zahlreichen Definitions-Diskusion hier denke .... :roll:


Ja, es gibt Sicherherheit "irgendwo dazu zu gehören" (bei Dir bisher Transfrau) - zugleich ist das wohl zu einfach gedacht. So wie Du Dich bei den Transfauen nicht unbedingt wohl fühlst, bei Biofrauen durchaus, so ist es in dem Sinne geradezu bestätigend - also positiv gemeint - wie sehr Du Dich für Menschen stark machst (ich schreibe bewusst nicht "auf deren Seite schlägst", weil genau das machst Du nicht), wo es aus T* Sicht erst mal ungewöhnlich ist ! Wenn eine Partnerin hier VERSTEHEN möchte was hinter T* denn so alles stecken kann, dann löst das oft Unverständnis aus, dass die Partnerin "Ihren Mann doch so leben lassen soll wie er ist und wenn ihm das Frau-sein doch gut tut" usw. (Bitte hier keine Diskuion über dieses Thema starten - danke :wink: ).

Doch DU sprichst für die Partnerin, dass das ja gar nicht so leicht ist das alles zu verstehen, unsicher ob sie das überhaupt kann usw - mal alles ganz einfach formuliert. Du sagst nicht einfach "Oh er braucht das - versteh das doch einfach und fertig !" In Deinem Post hier sprichst Du davon, dass Du Dich mit der Partnerin gut verstehst, deren Mann zur Frau "geworden" ist.

DU bist BESONDERS ! Musste mal gesagt werden (ki)
Daher mochte ich Dich hier auch von Anfang an, Deine Art zu Denken und Fühlen - soweit ich das ohne realen Kontakt einzuschätzen vermag.

(sicher ist jeder Mensch besonders, und es geht hier gegen niemand ! Doch manche Menschen haben einfach etwas mehr Ausstrahlung auf die Welt .... nicht bös geimeint gegenüber anderen !)

Du bist eine "Querdenkerin" die die Definitionen nicht wirklich braucht, genau weil vieles so individuell ist. Du tolerierst andere, auch das sehr intensiv. Und ja, es scheint so, dass Du einfach Frau bist und diese typisch männliche Eigenschaften nicht hast (die auch ich durchaus bei vielen Transfrauen - real und virtuell - schon mal entdecken kann. Ich spreche hierbei nicht von der Optik).

Umso schwieriger ist es wohl, sich irgendwo komplett zugehörig zu fühlen. Doch muss es eine "Gruppe" sein (DWT, CD, Transfrauen, Bio-Frauen, ...) ???

Ist es nicht viel schönes sich da in KEINE Schublade SELBST rein zupacken und individuell zu sein ..... (888) (888)
(was andere draus machen ist ja erst mal egal :P )

Ich finde: Klar kannst Du Dich von Transfrauen distanzieren - warum denn nicht ???? 8)

Als Teilzeitfrau darf ich mich doch auch mit Transfrauen, CD's, DWT's Bio's, Männern, usw. wohl fühlen oder auch nicht. Warum soltest Du das nicht auch machen ? Klar, ich verstehe schon, dass es weniger um die einzelnen Kontakte geht, als viel mehr die "Gruppe" (so nenn ich das einfach noch mal). Doch wenn DU Dich bei Bio-Frauen wohler wühlst - why not ??? WAS spricht dagegen ??? Ich denke im Herzen bist Du allemal eine Frau (ki)

Daher tue ich mich mit dem "CD" für mich auch etwas schwer (für das Verständnis als Schlagwort ist das ok - doch es sagt viel zu wenig). Ich wurde im Freundeskreis schon früher als "Frauenversteher" bezeichnet. Das ist der weibliche Teil in mir. Auch ich fühle mich super wohl bei den Frauen, kenne ganz viele Lesbenpaare und die mag ich sehr - sie mich auch ! Bin ich nun Frau ..... Nein, doch ich habe sicher dieses "Weibliche" in mir !

Anja, wenn Du Dich bei den (Bio-)Frauen am wohlsten fühlst, die Frauen Dich als Bio-Frau wahrnehmen, Du Dich als Frau fühlst- dann geniesse es und lebe DEIN Leben !!! (smili)

Nur meine Gedanken dazu ..... )))(:

Ganz liebe Grüsse - Yvi
Carry
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Re: Wer bin ich?

Post 10 im Thema

Beitrag von Carry »

YvonneTV hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 09:53 Ja, es gibt Sicherherheit "irgendwo dazu zu gehören" (bei Dir bisher Transfrau) - zugleich ist das wohl zu einfach gedacht. So wie Du Dich bei den Transfauen nicht unbedingt wohl fühlst, bei Biofrauen durchaus, so ist es in dem Sinne geradezu bestätigend - also positiv gemeint - wie sehr Du Dich für Menschen stark machst (ich schreibe bewusst nicht "auf deren Seite schlägst", weil genau das machst Du nicht), wo es aus T* Sicht erst mal ungewöhnlich ist ! Wenn eine Partnerin hier VERSTEHEN möchte was hinter T* denn so alles stecken kann, dann löst das oft Unverständnis aus, dass die Partnerin "Ihren Mann doch so leben lassen soll wie er ist und wenn ihm das Frau-sein doch gut tut" usw. (Bitte hier keine Diskuion über dieses Thema starten - danke :wink: ).

Doch DU sprichst für die Partnerin, dass das ja gar nicht so leicht ist das alles zu verstehen, unsicher ob sie das überhaupt kann usw - mal alles ganz einfach formuliert. Du sagst nicht einfach "Oh er braucht das - versteh das doch einfach und fertig !" In Deinem Post hier sprichst Du davon, dass Du Dich mit der Partnerin gut verstehst, deren Mann zur Frau "geworden" ist.

DU bist BESONDERS ! Musste mal gesagt werden
YES (yes) (smili) (he) SO sieht es aus! (ki)
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
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Re: Wer bin ich?

Post 11 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)

Vorweg erstmal an alle (auch die nicht zitierten natürlich): Vielen vielen Dank für eure lieben Worte. Irgendwie hab ich einen "Shitstorm" erwartet, mit so positiven Reaktionen hab ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. Umso mehr haut mich das jetzt um.
Jasmin_35 hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 17:29 Und ich muss auch sagen, man merkt dir deine Zufriedenheit mit dir selbst sehr an und das finde ich, ist eines der wichtigsten Dinge in seinem Erleben in der Geschlechterrolle, in der man sich selber sieht und wohlfühlt. Wer mit sich selber unzufrieden ist, strahlt das auch Zwangsläufig aus.
Vielen Dank für deine lieben Worte (he) Wir wissen ja beide das wir in vielen Bereichen sehr ähnlich empfinden. Ja, ich bin mit der momentanen Situation wirklich sehr zufrieden. Was soziale Bindungen angeht, habe ich seit dem letzten Jahr Fortschritte gemacht, das ich das Gefühl habe, Siebenmeilenstiefel zu tragen...
Ich fand das Bild von meiner Freundin mit dem Schiff das den Hafen verlässt schon sehr passend. Ich habe das Gefühl, als ob ich gerade irgendwie "schwimme". Es fühlt sich merkwürdig an, auf eine positive Art!
Ich mein das z.B. die Schwimmbad-Mama mich fragt, ob ich Samstag ins Schwimmbad komme, obwohl sie weiß das meine Kids derzeit garnicht zu Hause sind (der Schwimmkurs ist ja für Kinder).
Oder sie mich am Mittwoch gefragt hat, ob ich nicht Lust habe, mit ihr heute Abend essen zu gehen (he)
Also das andere Frauen mich fragen, ob ich s einrichten kann, weil sie gerne Zeit mit mir verbringen möchten :oops: Das fühlt sich für mich noch alles sehr ungewohnt und neu an.
Ja und schmeichelhaft natürlich.
Das ist für mich ja auch noch mal was anderes, weil ich bisher ja was Freundschaften angeht, sowieso ziemlich ohne Erfahrung dastehe. Da bin ich eigentlich davon ausgegangen, das ich mich bemühen müsste, aber ich denke, um echte Freunde muss man sich nicht bemühen. Die wollen in meinem Leben sein. Von sich aus. Das ist mir aber auch erst im letzten Jahr nach meiner ersten Freundin so klar geworden, wie blödsinnig das eigentlich ist, Menschen hinterherzulaufen, die sich aus meinem Leben zurückziehen wollen... Warum sollte ich diese Menschen aufhalten? Was ist eine Freundschaft wert, wenn ich denjenigen "überreden" musste, bei mir zu bleiben... Naja, ich steig schon wieder aufs Gedankenkarussel, schnell wieder raus :lol:
Jaddy hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 17:39 Ist so ein Label wirklich wichtig für dich?
Naja, bisher haben mir diese Schubladen oder bei dem Bild zu bleiben "Häfen" immer eine Sicherheit vermittelt. So ein Stück Heimat, hier gehöre ich hin. Es geht ja vielen im Forum so, das sie diese Einteilung für sich brauchen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir gehts da ja ähnlich. Nur fühle ich mich jetzt verunsichert, weil der Transfrau-Hafen nun doch nicht mein Heimathafen zu sein scheint. Ich habe den sicheren Hafen verlassen und befinde mich gefühlt nun in "stürmischen Gewässern" Am Horizont ist der "Bio-Frau" Hafen in Sicht, aber ich habe Angst vor der Zollkontrolle :wink:
Ja ich denke für mich ist ein Label, eine Schublade oder ein Hafen - wie man es auch nennen mag - wichtig. Ich fühlte mich sicher dort.
Dieser geistige Schritt, dieses distanzieren von der Transfrau, zieht bei mir noch weitere Ängste nach sich. Wirkt sich diese Entwicklung auch irgendwann körperlich aus? Also muss ich doch irgendwann die GaOP haben, um mich auch körperlich zu distanzieren? Puh, wenn ich da anfange drüber nachhzudenken wird mir ganz schwindelig...
Bianca D. hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 19:58 Mir geht es übrigens nicht viel anders. Hab mir nur noch nicht soviel Gedanken dazu gemacht.
Das unterscheidet uns voneinander, ist auch bedingt duch meine Hochsensibilität. Ich mache mir ständig über alles Gedanken :shock:
Die krieg ich manchmal auch nur schwer wieder eingefangen.
YvonneTV hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 09:53 Umso schwieriger ist es wohl, sich irgendwo komplett zugehörig zu fühlen. Doch muss es eine "Gruppe" sein (DWT, CD, Transfrauen, Bio-Frauen, ...) ???
Eigentlich hätte ich deinen ganzen Beiträg zitieren müssen, so viele warmherzige Worte von dir (he) Vielen Dank für die ganzen Komplimente.
Wie ich weiter oben schon Jaddy geantwortet hab, fühle ich mich mit einem Heimathafen sicherer, so weiß ich ja dann, wo ich hingehöre. Man kann es auch garnicht so einfach ausdrücken, das ich mich in Gesellschaft von geborenen Frauen "wohl" fühle, denn es ist mehr als das. Ich fühle mich dann voll akzeptiert, eben selbst wie eine Bio-Frau. Und das fühlt sich für mich eben (noch) nicht normal an, sondern immer noch besonders. Vor allem, wenn andere Frauen mich fragen, ob ich Zeit für sie habe. Sie müssen nicht Zeit mit mir verbringen, sie wollen es (he) Nee, das dauert noch, bis ich das als normal empfinden kann. Vermutlich muss ich selbst für mich erstmal wieder einen Hafen finden und zur (emotionalen) Ruhe kommen...

Grüße
die Anja
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Re: Wer bin ich?

Post 12 im Thema

Beitrag von YvonneTV »

Anja hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 11:37 Vermutlich muss ich selbst für mich erstmal wieder einen Hafen finden und zur (emotionalen) Ruhe kommen...
Das ist sicher ein guter Plan, Anja (yes) (ki)


PS: Tut mir leid, dass ich nix zum erwarteten Shitstorm beitragen konnte :mrgreen: :mrgreen:
Ganz liebe Grüsse - Yvi
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Re: Wer bin ich?

Post 13 im Thema

Beitrag von Carry »

Anja hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 11:37 Am Horizont ist der "Bio-Frau" Hafen in Sicht, aber ich habe Angst vor der Zollkontrolle
Davor musst Du doch keine Angst haben - hast doch schon oft genug gemerkt, dass Du ganz locker durch den "Zoll" kommst, ohne dass jemand den Pass sehen wollte :wink: .
Ich zitiere mich gerne selber noch mal: Wir "Schwestern" erkennen einander - wir spüren, wenn wir eine "echte Frau" treffen - und dann kannst Du ungehindert passieren :wink: )))(: (he)
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Re: Wer bin ich?

Post 14 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen meine Liebste (ki)
Carry hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 12:18 Ich zitiere mich gerne selber noch mal: Wir "Schwestern" erkennen einander - wir spüren, wenn wir eine "echte Frau" treffen - und dann kannst Du ungehindert passieren
ICh zitiere das Zitat auch gleich noch mal :lol:
Hach (he) Das geht mir gleich wieder direkt in den Bauch (ki)
Ich glaube, die eigentliche "Zollkontrolle" findet in meinem Kopf statt. Ich stehe mir da irgendwie noch selbst im Weg.
Da werd ich schon noch drüber wegkommen.
Hab nun (so als ersten Schritt) die Angabe "Transfrau" unter Geschlecht aus meinem Profil entfernt. Immerhin so weit bin ich schon um dem "Hafen" lebewohl zu sagen. War schön hier, aber meine Heimat ist woanders...

Grüße
die Anja
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Re: Wer bin ich?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)

mir ist gerade eine ähnliche Grenze wieder eingefallen. Ich weiß nicht, ob man das so einfach vergleichen kann, aber vielleicht ist es dann einfacher zu verstehen, was ich meine.
Für mich war von vorherein klar, das ich mich (in meiner Rolle innerhalb meiner Familie) nie als Mama bezeichnen würde. Für mich gibt es nur eine Mama und das ist die Frau, die die Kinder ausgetragen, geboren und gestillt hat. Ich weiß, es gibt Transfrauen mit Nachwuchs die diese Anrede für sich ebenfalls beanspruchen (wollen). Ich empfinde das anmaßend. In Ermangelung von Alternativen, wir sind beide keine Fans von Wortakrobatik, sind wir einfach bei Papa für mich geblieben. Im Nachhinein finde ich das auch gut so, denn so können unsere Kids gegenüber anderen ganz normal von Mama und Papa sprechen und sind nicht ständigen Rückfragen ausgesetzt. Ich mag für mich die Bezeichnung Väterin, das kommt meinem Gefühl am nächsten, eine weibliche Papa eben. Und auf Dokumenten, wo die Eltern unterschreiben müssen lässt sich aus "Vater" vortrefflich "Väterin" machen :wink:
Ich schweif schon wieder ab...

Worauf ich hinaus wollte, mir gings in meinem Beispiel um das Gefühl, das ich es als anmaßend empfände, für mich die Rolle der Mama (ebenso) einnehmen zu wollen. Dabei würde ich mich mit eben dem Menschen auf eine Stufe stellen, der aber für diese Rolle sehr viel mehr auf sich genommen hat und diese Anrede in meinen Augen für sich allein verdient hat. Mich nun daneben stellen zu wollen, auf die selbe Stufe, das wäre für mich ein absolutes No-Go.

Und ähnlich anmaßend fühlen sich die Gedanken jetzt in Bezug auf meinen neuen "Heimathafen" an. Es ist ja echt nur eine Grenze in meinem Kopf, aber es fühlt sich für mich anmaßend an, mich mit den geborenen Frauen auf eine Stufe stellen zu wollen, obwohl mir ja schon mehrfach gesagt wurde, das ich dort herzlich Willkommen bin.
Bei der Mama-Rolle war mein Standtpunkt ja klar.
Nur hab ich nun ja quasi eine Einladung von der "anderen Seite" bekommen, die ich "einfach" nur noch annehmen bräuchte...
Puh...

Grüße
die Anja

*Nachtrag
Kaum abeschickt, frag ich mich schon wieder, warum ich "andere Seite" geschrieben hab. Psychologisch sicher äußerst interessant. Hm... Ich lass das mal so stehen.
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