Männlichkeit in der Weiblichkeit ?
Männlichkeit in der Weiblichkeit ? - # 5

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Jaddy
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 61 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 07:30Ich versuche mich auch von der Konstruktion des Gender zu lösen, indem ich hinterfrage, was männlich/weiblich überhaupt ist. Gibt es das ?
Wenn ich meine Gedanken so Revue passieren lasse, komme ich für mich persönlich eher zu dem Schluss, dass es vielleicht gar nicht so sehr um Aussöhnung mit dem Männlichen in mir geht, sondern mit meinem Wesen an sich. Ein spannender Prozess ...
Ich bin dem Hinweis von kleine Ketzerin gefolgt und hab mich in Kate Bornsteins "My New Gender Workbook" festgelesen. Da passiert genau das. Kate seziert "Gender" quasi, bis nichts mehr übrig bleibt ausser einem recht willkürlichen Konstrukt, das vielleicht mal als kleinstmöglichstes Merkmal zur Gesellschaftstrukturierung begonnen hat, aber inzwischen eher hinderlich geworden ist.

Wenn du Interesse hast, ich könnte dir eine -ähem- unlizensierte digitale Evaluationskopie (eBook, englisch, ePub-Format) leihweise zur Verfügung stellen...
Nicole Fritz
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 62 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo,

Bei Gender oder männlich oder oder weiblich muss man zunächst einmal Biologie (körperliche Merkmale) und Gedanken oder Empfinden voneinander trennen.

Beim Köper gibt es Merkmale, die in den allermeisten Fällen eindeutig männlich oder weiblich sind - aber auch schon hier nicht immer!

Wie denkt oder empfindet nun ein Mann oder eine Frau? - Wenn ich mich von allen Rollen-Klischees löse, kann ich diese Frage doch gar nicht beantworten. Wenn ich mich jetzt schrecklich aufrege und mit derben Worten beleidigend herum poltere, ist das dann eindeutig männlich oder nichts weiter als aufgestauter Frust, dem ich nur Luft machen will? Würde ich mich jetzt bemühen, gefühlsbetont und einfühlsam zu schreiben, würde Anja das bestimmt als weiblich interpretieren. Aber letztlich wäre es doch nur ein Schreibstil, den ich mir aneigne. Möchte ich jetzt Anjas Schwester sein? Vielleicht. Aber wenn sie mich als Bruder empfindet, wäre das für mich auch in Ordnung. Mit dem*r Enby kommt sie ja nicht wirklich klar.

Wann ist ein Mann ein Mann? - Ganz vollständig und eindeutig doch eigentlich nur während des Geschlechtsaktes. Bei einer Frau kommt viel mehr dazu: Kinder gebären und diese groß ziehen. Aber alles im gesellschaftlichen Leben, was über das Vorstehende hinaus geht, ist doch nur deshalb weiblich oder männlich, weil wir es ständig dort zuordnen müssen. Da wäre mein Beispiel mit dem Kochen. Und wo ist da jetzt der Unterschied? - Von einer Frau wird erwartet, dass sie für ihre Familie kocht - egal ob sie das jetzt mag oder nicht. Dann müssen auch die Vorräte dafür immer verfügbar sein. Kocht dagegen der Mann, möchte er gerne zeigen, was er kann. Und die Vorräte? - Um die kümmert sich doch die Frau. Wenn aber jetzt die Frau aus reinem Spaß daran kocht, und ihr das Aussehen der Küche und die Vorräte egal sind, ist die Welt nicht mehr in Ordnung - "Was macht diese Schlampe?". Und wenn jetzt der Mann die Küche aufräumt und einkaufen geht, ist er ein Pantoffelheld.

Bin ich jetzt eine Frau, wenn ich ein Kleid anziehe? - Eindeutig NEIN! - Genauso wenig wie es mich zu einem Mann macht, wenn ich mich in einer Kneipe voll laufen lasse. Alles nur Erwartungen, die bei uns von Kind an so geprägt werden. Und wenn dann ein Mann ein Kleid trägt oder die Frau in der Kneipe an der Theke herum hängt (einfach nur so, nicht um Männer zu verführen), stimmt das ach so wichtige Bild nicht mehr. Aber scheinbar erkennt man(n) / frau das nur, wenn er*sie es auf gedanklicher Ebene schafft, sich von diesem in unseren Köpfen tief eingebrannten Bild zu lösen.

LG Nicole
biene38
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 63 im Thema

Beitrag von biene38 »

Weiblichkeit/Männlichkeit ein sehr interessantes Thema.
Leider manchmal sehr theoretisch, so manches Beispiel würde einiges vielleicht verständlicher machen.

Ein Beispiel:

So im Alter von 6 Jahren entdeckte ich (ein sehr sensibles und eher ängstliches Kind, das mit zwei älteren Schestern aufgewachsen ist, das genau so gerne mit Autos wie mit Puppen spielte und das lieber lange als kurze Haare trug) mein Fable für feine und transparente Stoffe und mein Wunsch entstand, Röcke zu tragen, damit man die feinen Beinkleider auch sieht.
Der Wunsch sich schön zu machen, sich schön zu fühlen, also der Wunsch nach Attraktivität über das Aussehen.

Nun meine Frage, ist das eine weibliche Seite in mir?

Mittlerweile bin ich für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass alles in mir vor allem eine menschliche Seite ist, allerdings eine, die bei Männern (zur Zeit?) scheinbar nicht typisch ist und auch nicht so recht akzeptiert wird.

Bis heute hat sich nichts geändert, ich definiere mich immer noch sehr über mein Aussehen, möchte attraktiv sein durch mein Aussehen, möchte vom anderen Geschlecht begehrt und erobert werden, eher den passiven und damit auswählenden Part (z.B. Partnerwahl) spielen, und möchte mich sexy fühlen (was vermutlich sehr viel mehr Frauen machen als Männer).

Keine Frage, wäre ich eine Frau könnte mich ganz ungezwungen ausleben, als Mann ist es eher schwierig, Erfüllung zu finden.

(na) biene
Anja
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 64 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Bei Gender oder männlich oder oder weiblich muss man zunächst einmal Biologie (körperliche Merkmale) und Gedanken oder Empfinden voneinander trennen.
Gender meint doch schon das soziale Geschlecht und nicht das biologische.
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Würde ich mich jetzt bemühen, gefühlsbetont und einfühlsam zu schreiben, würde Anja das bestimmt als weiblich interpretieren.
Das denke ich eher nicht. Es ist nicht eine gefühlsbetonte Schreibweise an sich, es ist einfach eine andere Art und Sichtweise, die geborene Frauen mit sich bringen. Und der Inhalt eines Beitrages sagt auch viel aus. Ich kann das garnicht so genau beschreiben. Wie gesagt, bei mir "äußert" sich das im Bauchgefühl. Also ich "interpretiere" da nicht. Ich erfühle (flo)
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Mit dem*r Enby kommt sie ja nicht wirklich klar.
Wie kommst du darauf? Ich komme gut mit dir klar, so wie du bist )))(:

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
edeka
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 65 im Thema

Beitrag von edeka »

Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Wie denkt oder empfindet nun ein Mann oder eine Frau? - Wenn ich mich von allen Rollen-Klischees löse, kann ich diese Frage doch gar nicht beantworten.
ich kann es auch nicht beantworten. Deshalb sag ich mir - ok, es sind halt doch nicht alles "Klischees", es gibt auch Unterschiede, die andere erkennen. Das nehme ich einfach mal so hin.
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Wenn ich mich jetzt schrecklich aufrege und mit derben Worten beleidigend herum poltere, ist das dann eindeutig männlich oder nichts weiter als aufgestauter Frust, dem ich nur Luft machen will?
... das ist nur Frust.
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Mit dem*r Enby kommt sie ja nicht wirklich klar.
ich denke schon, daß Anja damit klar kommt !
Wann ist ein Mann ein Mann?
Das hat doch schon mal jemand in einem Schlager definiert ! (smili) (gitli)
aber im Ernst :
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 12:29 Wann ist ein Mann ein Mann?
- Ganz vollständig und eindeutig doch eigentlich nur während des Geschlechtsaktes. Bei einer
Frau kommt viel mehr dazu: Kinder gebären und diese groß ziehen. Aber alles im gesellschaftlichen Leben, was über das Vorstehende hinaus geht, ist doch nur deshalb weiblich oder männlich, weil wir es ständig dort zuordnen müssen. Da wäre mein Beispiel mit dem Kochen. Und wo ist da jetzt der Unterschied? - Von einer Frau wird erwartet, dass sie für ihre Familie kocht - egal ob sie das jetzt mag oder nicht. Dann müssen auch die Vorräte dafür immer verfügbar sein. Kocht dagegen der Mann, möchte er gerne zeigen, was er kann. Und die Vorräte? - Um die kümmert sich doch die Frau. Wenn aber jetzt die Frau aus reinem Spaß daran kocht, und ihr das Aussehen der Küche und die Vorräte egal sind, ist die Welt nicht mehr in Ordnung - "Was macht diese Schlampe?". Und wenn jetzt der Mann die Küche aufräumt und einkaufen geht, ist er ein Pantoffelheld.
ich stimme dir zu.
Dein Beispiel mit dem kochen ist gut, weil es ein Klischee zeigt. Ich könnte jetzt noch hinzufügen, Kochsendungen werden vor allem für Männer gemacht, Fernsehköche und auch Sterneköche sind meistens Männer, blablabla...

Das entscheidende Wort in deiner Aussage ist das müssen ("weil wir es ständig dort zuordnen müssen")
Müssen wir ?
Nein. Wer zuordnen mag, darf es. Wir müssen uns nicht danach richten.
Und wie ganz oben gesagt - von mir aus soll es auch tatsächliche Wesensunterschiede geben (die andere besser erkennen oder bestimmen können als ich) - dann ist es eben so. Ich bin wie ich bin.

LG ascona )))(:
Kleine Ketzerin
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 66 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Anja hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 10:21 Ich gehe Probleme aus dem Bauch heraus an.
Das ist ja kaum zu übersehen... Und ich spüre, wenn ich das anhand dessen, was Du hier schreibst, mal so sagen darf, in Deinem Bauch ein offenbar (noch) sehr großes Bedürfnis nach Bestätigung Deiner Weiblichkeit vor allem durch "geborene Frauen". Und solange sich dieses Bedürfnis nicht legt, muss eine Auflösung/Aufweichung der Geschlechterdichotomie natürlich zwangsläufig bedrohlich auf Dich wirken... Bitte versteh das jetzt nicht als Vorwurf, denn ich kann diese Deine Gefühle absolut nachempfinden, schließlich hatte ich vor längerer Zeit mal eine ähnliche "Phase". Irgendwann hat dann aber einfach die anhaltende Selbstverständlichkeit des alltäglichen Lebens in der "cis-hetero Welt" (mein einziger Kontakt zur "Trans-Blase" sind sporadische Besuche dieses Forums) dieses Bedürfnis völlig überflüssig gemacht.

Darüber hinaus kann ich auch die Gefühle und Nöte von Partnerinnen, deren vermeintliche "Männer" sich als trans outen und auf die Du hier immer wieder verweist, total nachempfinden, denn ich "stehe" selber auf Männer und habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, wie ich wohl mit so einer Situation umgehen würde. Und siehe da: auch für mich wäre das alles andere als leicht... Aber das ist ein ganz persönliches, individuelles Problem, mit dem ich alleine klar kommen müsste, wenn ich damit konfrontiert wäre. Eins erlaubt es mir allerdings ganz sicher nicht: Anderen Menschen bezüglich ihres Geschlechts, Genders (or whatever the f**k you may want to call it) irgendetwas aufzuzwingen. Und das gilt auch für das weiter oben beschriebene Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Weiblichkeit. Auch dieses Bedürfnis ist keine Legitimation dafür, anderen Menschen irgendeine dichotome Geschlechtlichkeit aufzuzwingen. Man muss hier sehr strikt trennen zwischen dem "Ich" und dem "Du", sonst wird man - oft ohne es zu wollen - sehr schnell extrem übergriffig. Und das ist dann auch die fast schon "empirische" Erfahrung, die ich als trans Frau in den vergangenen zwanzig Jahren mit der geschlechtlichen Identität von "cis" Menschen sammeln durfte: sie ist oft deutlich brüchiger als erwartet, weil sie viel zu oft viel zu sehr und vor allem viel zu übergriffig vom "Geschlecht der anderen" abhängt...
Anja
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 67 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 13:32 Das ist ja kaum zu übersehen... Und ich spüre, wenn ich das anhand dessen, was Du hier schreibst, mal so sagen darf, in Deinem Bauch ein offenbar (noch) sehr großes Bedürfnis nach Bestätigung Deiner Weiblichkeit vor allem durch "geborene Frauen". Und solange sich dieses Bedürfnis nicht legt, muss eine Auflösung/Aufweichung der Geschlechterdichotomie natürlich zwangsläufig bedrohlich auf Dich wirken...
Öhm, eigentlich nicht.
Ich fühle mich natürlich geschmeichelt, wenn ich Laufe eines Gespräches oder durch Gesten "Bestätigung" von geborenen Frauen bekomme, es ist aber nicht so, das ich sie einfordere oder gar benötige.
Ich weiß ja wer ich bin.
Ich weiß nicht, inwieweit du mit meiner Geschichte vertraut bist, aber mich anderen Frauen bzw. Menschen zu öffnen, ist ein eher frischer Charakterzug von mir, der sich durch meine Erlebnisse im letzten Jahr "ergeben" hat. Vorher hatte ich garnicht den Kontakt, schon garnicht in dieser Tiefe zu anderen Frauen, als das das thematisiert worden wäre.
Ich fühle mich auch nicht von Enbys oder einem Aufweichen der Geschlechtertrennung bedroht. Ich weiß wo ich stehe, so wie die meisten anderen Menschen auch. Deswegen glaube ich auch nicht, das sich da irgendwann etwas Auflösen wird, denn die beiden Gender männlich und weiblich basieren auf dem biologischen Geschlecht. Und das wird es immer geben, sonst gibt es uns nicht mehr.
Ich glaube, um zu wissen wie ich ticke, bzw. um mir Ängste oder Sorgen attestieren zu können, müsstest du mich erstmal besser kennen (lernen).
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 13:32 Auch dieses Bedürfnis ist keine Legitimation dafür, anderen Menschen irgendeine dichotome Geschlechtlichkeit aufzuzwingen.
Ich wüsste nicht, das ich irgend jemandem etwas aufzwinge. Ich sage nur, das die Geschlechtertrennung (ich verstehe nicht, warum man immer Wortakrobatik betreiben muss) für den größten Teil der Menschen funktioniert. Und für die, die sich da nicht einordnen können oder wollen werden doch schon Möglichkeiten und Räume geschaffen. Natürlich gibt es noch viel Verbesserungspotential, die Mühlen mahlen langsam...
Nur weil es einige wenige Menschen gibt, für diese Einteilung nicht funktioniert, heißt das nicht, das sie grundsätzlich falsch ist.

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
Nicole Fritz
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 68 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Anja hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 13:21.. Ich erfühle ..
Hätte mich von fünf Jahren jemand nach meinem Fühlen gefragt, hätte ich gesagt: eindeutig männlich. Der "Bauch" ist doch von unserer erlernten Sichtweise geprägt - also "interpretiert" er auch ein Stück weit, nur eben unbewusst. Wenn ich aber die Zeit und/oder die Lust dazu habe, gehe ich einen Schritt weiter und interpretiere meine Gefühle mit dem Verstand. Und dann entlarvt sich so manches eindeutig männlich oder weiblich empfundenes als nichts weiter als nur ein Klischee.

LG Nicole
Lavendellöwin
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 69 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hi..

ganz unabhängig von meinen vorherigen Posts und auch denen anderer
möchte ich ganz gerne noch 2 Worte einwerfen.

Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung.

Und auch ein Beispiel dazu aus meinem Lieblingsthema, der Logopädie.

Was ich da ganz furchtbar gerne höre ist, das mir eine Fremdwahrnehmung
sagt, du machst das super-denn meine Eigenwahrnehmung ist, ich höre mich beim
sprechen-wenn auch mit weiterentwickelter Stimme. Und die ist mir ehrlich noch
nicht gut genug, selbst wenn Schüler und andere Lehrer in der Logopädenschule
meiner Therapeutin bestätigen das "SIE", also "ICH" keine stimmlichen Probleme hat,
wenn sie meine Aufnahmen hören.

Das bringt mich zu der Annahme, das ich mich unsicher fühle obwohl doch alles gut
ist. Ich stelle also die Fremdwahrnehmung über meine Eigenwahrnehmung und diese
Bestätigung die ich da bekomme, kaschiert meine eigene Unsicherheit die im Grunde
aber unnötig ist.

Wenn also inflationär die Fremdwahrnehmung anderer angeführt wird ist des Pudels
Kern die eigene Unsicherheit in einem Punkt.
Und das hat nichts damit zu tun, das man weiss oder nicht weiss wer man ist.
Denn das ist sicher so-aber da schwingt eine Unzufriedenheit mit nicht "vollständig"
zu sein...

deswegen seid die Frauen, Männer oder Enbys die ihr jetzt schon seid..dann ist
das Leben leichter.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Marielle
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 70 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo zusammen, Hallo Anja,
Nur weil es einige wenige Menschen gibt, für diese Einteilung nicht funktioniert, heißt das nicht, das sie grundsätzlich falsch ist.
Da scheint ein weiteres Missverständnis vorzuliegen.

Es geht keineswegs nur um ein paar wenige Leute. Es geht nicht um einen Feldzug Trans-Nonbi-Unentschlossen gegen den übergrossen Rest der Welt. Es geht um alle, die in irgendeiner Form durch Zuweisungen auf Grund des Geschlechts in der möglichst freien Entfaltung ihrer Individualität gehemmt werden.

Die allermeisten davon sind 'ganz normale Männer und Frauen'. Dazu gehört der Junge, der Mechaniker wurde, weil in seiner Familie die Denkmöglichkeit fehlte, dass Jungen auch Altenpflegefachkraft werden können; was er eigentlich lieber geworden wäre. Dazu gehört auch die ältere Dame, die auf bunte Kleidung verzichet, weil die für sie schambesetzt ist und sie sie deswegen für unschicklich hält. Dazu gehört der Mann, der nicht in der Lage ist, mit seiner Partnerin ein Team zu bilden, weil er es aus einem bestimmten Rollenbild heraus nicht gelernt hat, und der das bedauert. Und natürlich auch die Frau, die sich aufgrund von (auch wieder Scham) drückenden Konventionen nicht allein aus einer furchtbaren Ehe befreien kann*. Und Ja, dazu gehören auch die paar Leute, die noch viel mehr Theater mit dem ganzen Zeug haben.

Wenn man all diese Leute weltweit zusammenrechnet, sind es sicher ein paar hundert Millionen, vielleicht auch ein paar Milliarden.


Hab es gut

Marielle


*) Diese vier Personen kenne ich. Sie leben in meinem regionalen Umfeld, gar nicht weit weg.
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 71 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Marielle hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 15:13 Es geht keineswegs nur um ein paar wenige Leute. Es geht nicht um einen Feldzug Trans-Nonbi-Unentschlossen gegen den übergrossen Rest der Welt. Es geht um alle, die in irgendeiner Form durch Zuweisungen auf Grund des Geschlechts in der möglichst freien Entfaltung ihrer Individualität gehemmt werden.
Langsam wirds absurd. Worum geht es denn jetzt noch eigentlich?
Wenn man es so sehen möchte, das sich jemand selbst den bunten Pullover verbietet, weil sie den für unschicklich hält, zu den Betroffenen zählt, dann... ja dann kann man sicher die komplette Menschheit als "betroffen" verorten. Denn Einschränkungen irgendwelcher Art aufgrund seines Geschlecht hat sicher jeder irgendwie schon mal erfahren. Wo will man da anfangen, wo aufhören? Ich dachte hier geht es um Gender, das gelebte soziale Geschlecht?
Nur wer hält denn die Frau aus deinem Beispiel vom Tragen bunter Kleidung eigentlich ab? Nur sie selbst, oder wen will man jetzt dafür verantwortlich machen?
Ja, es gibt Rollenbilder, Klischees usw. die sich mit den Jahren ergeben haben. Aber es liegt doch an jedem selbst, sich daran zu orientieren oder auch nicht?
Und wie gesagt, die Rolle in einer Beziehung und / oder in einer Familie ist sehr viel komplexer, als das wir es hier "vernünftig" benennen könnten.
Noch vor ein paar Tagen waren die meisten hier völlig überrascht, das auch die Partnerin aus ihrer Rolle fällt, wenn der Partner sich outet.
Das zeigt mir doch, was wir davon "wissen", verstehen, oder eben auch nicht...
Marielle hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 15:13 Es geht um alle, die in irgendeiner Form durch Zuweisungen auf Grund des Geschlechts in der möglichst freien Entfaltung ihrer Individualität gehemmt werden.
Und wie gesagt, ich denke diese Umschreibung trifft vermutlich auf alle Menschen zu. Insofern stell ich mir jetzt die Frage, wieviel Bedeutung diese Sichtweise hat, die quasi alle als irgendwie gehemmt darstellt.
Und ich denke, das hier in Deutschland, die meisten diesbezüglich sich selbst im Weg stehen (so wie die alte Dame oben).
Sie werden nicht gehemmt. Sie sind gehemmt. Aber keiner hält sie davon ab, einen anderen Weg zu gehen.
Ich selbst bin z.B. eine absolute Querflöte, meine Eltern haben einen ganz anderen Weg für mich vorgesehen (und auch versucht umzusetzen), welcher jetzt mit meinem Geschlechtswechsel garnichts zu tun hat.
Es liegt an uns selbst uns frei zu machen von Erwartungshaltungen anderer. Das bezieht sich aber nicht nur auf unser Gender. Sondern gilt fürs Leben ganz allgemein.

Grüße
die Anja
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 72 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Anja hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 15:51 Sie werden nicht gehemmt. Sie sind gehemmt.
Wieder "selber schuld". - Alles klar! Ich war ja auch selber schuld ein halbes Jahrhundert nur diese langweiligen hässlichen Männersachen zu tragen.

LG Nicole
Anja
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 73 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Nicole Doll hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 16:03 Alles klar! Ich war ja auch selber schuld ein halbes Jahrhundert nur diese langweiligen hässlichen Männersachen zu tragen.
Anderen die Schuld zu geben ist natürlich viel einfacher. Dann muss man nicht über sich nachdenken :wink:
Aber ich finde, allein die Schuld, warum das eigene Leben so ist wie es ist, bei anderen zu suchen, sagt schon viel über einen aus. Dein Leben ist, was du draus machst.
Wie ich dir schon mal geschrieben hatte, die Vergangenheit kannst du nicht ändern, die Zukunft aber schon.

Meine Kindheit war übrigens alles andere als "behütet". Mein Bruder und ich haben viel durchgemacht, was er teilweise heute noch nicht überwunden hat. Er hat da immer noch dran zu knabbern und ist in Behandlung. Ich könnte also "einfach" vieles auf eine schwere Kindheit oder auf meine Eltern schieben, weil ich armes Ding so leiden musste. Ich hab mich aber davon emanzipiert.
Mein Bruder ist nämlich besagten Weg meiner Eltern gegangen und steht nun in mehreren Lebens-Bereichen mit dem Rücken zur Wand. Wir haben aber die selben Eltern und sind zusammen aufgewachsen.
Mein Leben ist, was ich draus gemacht habe :wink:

Grüße
die Anja
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 74 im Thema

Beitrag von Marielle »

Mein Leben ist, was ich draus gemacht habe.
Ja, und das hast du ganz alleine geschafft. Ohne deine Frau, ohne deine Kinder und andere Teile der Familie. Auch ohne deinen Arbeitgeber, ohne deine Kollegen und Freunde und ohne all die anderen, die dankenswerter Weise in der Lage waren, dir dein Fundament nicht zu entziehen. Und die notwendigen sozialen Kompetenzen hast du all denen vorher natürlich auch eigenhändig beigebracht, nehme ich an?


over 'nd out

Marielle
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Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 75 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Marielle hat geschrieben: Mi 15. Jan 2020, 16:33 Ja, und das hast du ganz alleine geschafft. Ohne deine Frau, ohne deine Kinder und andere Teile der Familie. Auch ohne deinen Arbeitgeber, ohne deine Kollegen und Freunde
Richtig. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf, sehr zum Leidwesen meiner Eltern.
Als ich einen anderen Weg einschlug, als sie für mich sahen, hatte ich all das nicht, was du da oben aufgezählt hast. Und was Freunde angeht, bin ich sowieso ziemlich speziell. Allein, das es in deiner Aufzählung auftaucht, zeigt mir, wie wenig du über mich weißt. Kannst jetzt langsam aufhören, ständig gegen an zu pieksen.
Sicher, gehören meine Frau und meine Kinder, mein Arbeitgeber und meine Kollegen zu meinem Leben mit dazu. Allerdings ist mir das alles nicht in den Schoß gefallen. Es war eine Menge Beziehungsarbeit (und ist es noch), gerade in der Zeit des Übergangs. Die Outings innerhalb der Familie und bei den Kollegen waren von mir sehr gut vorbereitet und auf denjenigen zugeschnitten.
Das was ich heute habe, das hab ich nicht geschenkt bekommen, sondern verdient.
Das lasse ich mir auch von niemandem kaputt reden.

Grüße
die Anja
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